Musik, Musik, Musik

Über die Schwierigkeiten und Erfolge bei der Arbeit an einem Musikarchiv

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… das diesen Namen nicht wirklich verdient …

Jaja, es ist eher ein Sammelsurium an mehr oder weniger gut digitalisierter Musik. Recht unstrukturiert – Linux-Dateisysteme lassen das einfacher zu als die von anderen Betriebssystemen, aber auch die Strukturierung wäre einfacher möglich. Es gab Richtlinien, wie die Dateien benannt werden, wie die Verzeichnisstruktur aussehen sollte, welche Metadaten unbedingt ausgefüllt werden sollen. Aber die wurden von vielen fleißigen Sammlern offenbar ignoriert. Ich habe im Juni dann die Verantwortung dafür übernommen, daß da endlich einmal Ordnung hineinkommt.

Viele der verlorengegangenen oder dort eben nie vorhandenen Daten lassen sich mithilfe ganz hervorragender Programme (Kid3 – exzellent zum Eintragen von Metadaten in viele Musikdateien ganz unterschiedlicher Formate) aus dem WWW gewinnen. Dateien mit zu schlechter Qualität ( weniger als 128 kbps) verschwinden oder werden nach Möglichkeit durch besser kodierte ersetzt. Alles, was nicht im festgelegten Format .mp3 vorliegt, wird in selbiges umgewandelt (ich gestehe: ogg-Vorbis lasse ich – vorerst – unangetastet). So sitze ich dann da und schaufele Daten von hier nach da, bearbeite sie und schaufele sie anschließend wieder zurück. Dann ist außerdem schon nach Alphabet sortiert, was die Künstler angeht.

Bisher habe ich knapp 5% der vorhandenen Datenmenge bearbeitet. Seit ich meine eigenen Qualitätsansprüche etwas heruntergeschraubt habe, geht die Arbeit auch wesentlich schneller. Ich muß nicht alle Tags ausfüllen, sondern nur die, die absolut notwendig sind. Ich muß nicht jede Schallplatte und jede CD wieder in die Hand nehmen, um Ergänzungen und Vervollständigungen vorzunehmen. Sind dann eben nicht alle Titel verfügbar! Na und?

Steineschneiden ist als Handarbeit manchmal einfacher. Aber immer, wenn ich wieder ein oder zwei GigaByte fertighabe, bin ich ein klein wenig stolz auf mich. So ganz nebenbei lerne ich natürlich auch eine Menge Musik kennen, vor allem solche, die auch sonst kaum irgendwo zu hören ist. Alan Woerner zum Beispiel war völlig aus meinem Gedächtnis verschwunden …

Es geht voran. Mühsam zwar, aber es geht voran. Und irgendwann am Ende meines BFD möchte ich dem Sender ein vernünftig nutzbares Musikarchiv hinterlassen. Mammutaufgabe, ja, aber keine Sisyphos-Arbeit. Mittlerweile habe ich nämlich auch eine kurze, nachvollziehbare Anleitung zum Einpflegen neuer Tonträger verfaßt, die funktioniert: Neue Alben werden regelgerecht eingearbeitet. Und auch das ist ein schöner Erfolg (für mich und für den Sender).

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 23. Oktober 2014 waren ein kurzer Besuch auf Arbeit und die geschaffte Datenmenge.
 
Tageskarte 2014-10-24: Die Fünf der Kelche.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Denkaufgaben Individualismus vs. Gemeinschaft

Bemächtigen wir uns wieder unserer Zukunft

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Nachdenkenswertes Stück Text gefunden im ZEITmagazin, welches mir zulief gestern in der Straßenbahn. Es lag da einsam und verlassen auf dem Sitz, auf dem ich mich niederlassen wollte. Ich wunderte mich nur kurz, nahm es in die Hand, blätterte darin herum, immer darauf achtend, ob nicht jemand der Umsitzenden sein Eigentum an dem Papier reklamiere. Es dauerte nicht lang, und mein Denkgebiß hatte wieder heftig zu kauen. Unter dem durchaus opulenten Titel “Wir erleben gerade eine technische Revolution des Wohnens. Aber von Zukunftseuphorie ist in der Gesellschaft nichts zu spüren. Stimmt etwas nicht mit uns?” schrieb Tillmann Prüfer:

 

 

Zwar leben wir in einer Zeit galoppierender Modernisierung, der Begriff Zukunft wird jedoch nicht mehr durchweg positiv wahrgenommen. Wir wissen nicht, ob Kriege, Umweltkatastrophen, demografische Probleme oder Wirtschaftskrisen auf uns zukommen, bestenfalls bleibt alles, wie es ist. Man möchte an diese Zukunft nicht erinnert werden, man möchte vielmehr von dem Gedanken an sie abgelenkt werden. Also feiern wir in Mode und Stil die vergangenen Jahrzehnte. Die fünfziger, sechziger, siebziger, achtziger, sogar die neunziger Jahre: Jede vergangene Dekade erscheint uns attraktiver als das, was noch kommt.

Daß das Bild der Zukunft heute so undeutlich ist, daß es uns so schwerfällt, uns einen Begriff von der Zukunft zu machen, hat aber auch noch einen anderen Grund: den Fortschritt selbst. Früher bedeutete Industrie-Design, das gleiche Produkt für viele Menschen herzustellen. Ein Design mußte für alle passen. Doch auch die industrielle Welt hat sich weiterentwickelt. Heute wird nicht mehr für die Masse, sondern für das Individuum gestaltet. Farben, Formen, Materialien werden an die Wünsche des einzelnen Kunden angepaßt. Ein innovatives Produkt reißt die Menschen nicht mehr mit – es paßt sich an sie an.

Man kann kaum noch eine Zukunftsvision für alle formulieren. Denn die Menschen nehmen sich nicht mehr als Teil eines Ganzen, sondern als Individuen wahr. Mit ganz eigenen Werten und Interessen. Was bedeutet, daß der Designer als Erschaffer von großen Formen mehr und mehr zurücktritt, der Kunde aber mehr und mehr zum Designer wird. Er kann sich nicht mehr einfach einem Produkt unterordnen, er muß es selber gestalten. Das ist anstrengend, und es führt dazu, daß es immer weniger Ikonen gibt. Die Zukunft hat keinen Look. Sie hat soviele Looks, wie es Menschen gibt. Jetzt kommt es nur noch darauf an, sich damit einzurichten.

Tillmann Prüfer im ZEITmagazin Nr. 43/2014; S. 24
Hervorhebung von mir.

 

 

Individualisierung über das gesunde Maß hinaus, glaube ich, wird sogar von “der Politik” und von den Lobbyisten gewünscht und gefördert. Ein Einzelner ist leicht abzulenken, die Kraft eines einzelnen Menschen ist schnell erschöpft. Eine Masse könnte tatsächlich etwas am System ändern – das aber ist nicht gewollt. Also wird der Mensch, der Bürger, zum Konsumenten gemacht. Und damit es ihm nicht langweilig wird, darf er sich seine Konsumgüter selbst gestalten: Farbe, Material, Oberflächenbeschafenheit sind auswählbar. Aber schon die Haltbarkeit ist etwas, das keinesfalls merh beeinflußbar ist: Gleichwohl etwas geschont wird, es wird wirklich kurz nach Ablauf seiner Gewährleistungsfrist kaputtgehen.

Die Unterschiedlichkeit der Menschen ist eine sehr schöne Sache. Es ist auch ganz angenehm, daß ich nicht mehr unbedingt Dinge im Einheitsdesign habe, sondern vieles nach meinen eigenen Wünschen verändern kann. (Und ganz zufällig kaufen dann doch wieder alle das neueste Eifohn o. ä.) Es ist auch gut, daß ich meiner eigenen Wege gehen kann und nicht mehr (vorgeschriebene) ausgefahrene Geleise nutzen muß. Vielleicht gefällt es vielen sogar, daß sie sich individuell ein höheres Gehalt aushandeln können und nicht das übliche Geld erhalten. Keiner mag mehr normal oder gar Durchschnitt sein, in irgendeiner Weise sich eben nicht nur unterscheiden von allen anderen, sondern sogar besser sein als alle anderen. Aber wir sollten uns unsere Gemeinsamkeiten nicht aus den Augen verlieren, sie uns nicht aberziehen (lassen) und sie schon gleich garnicht verkaufen … Und wir sollten uns wieder einer Zukunft bemächtigen, einer gemeinsamen, einer, die allen Menschen ein Leben gestattet ohne Existenzängste, ohne Hunger, ohne Sterben an heilbaren Erkrankungen, ohne Krieg und ständige andere Kämpfe.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. Oktober 2014 waren ein ruhiger Morgen, eine gute Schicht und ein interessanter Abend.
 
Tageskarte 2014-10-23:  XIV – Die Mäßigkeit.

P.P.S.: Zur Jahresablesung war ich nicht. Kopfschmerzen, Müdigkeit und so ein unangenehmes Smokingrhinitis-Vorgefühl trieben mich heim ins Bett.

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Die Mauer ist wieder da

Was sich in über 35 Jahren nicht geändert hat

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Als ich gestern durch Merseburg lief im Bereich der Fachhochschule, sah ich eine Mauer, die ein Gebiet mit kleinen, genormten Einfamilienhäuschen einschloß: Rotbraune Betonformsteine waren etwa zwei Meter hoch aufeinandergetürmt, darüber hinaus ragten nur Obergeschosse und Giebel und ein Holzfirst, der mit Luftballons verziert war. Und da fiel mir eine meiner ersten in der Dorfbibliothek ausgeliehenen Schallplatten ein. Eine Amiga-Produktion mit Liedern von Cat Stevens, irgendwann zwischen 1976 und 1979. Moonshadow, Father and Son, Peace Train, Morning has broken – aber ich weiß um Himmels Willen weder, wie diese Platte aussah noch welchen Titel sie trug. Eines seiner Lieder war damals aktuell und ist meiner Meinung nach noch immer aktuell, wenn ich einen solchen eingemauerten Spielplatz in einem so eingemauerten Areal erahne.

 

 
Tell me, where do the children play
Cat Stevens

Well I think it's fine, building jumbo planes.
Or taking a ride on a cosmic train.
Switch on summer from a slot machine.
Get what you want to if you want, 'cause you can get anything.

     I know we've come a long way,
     We're changing day to day,
     But tell me, where do the children play

Well you roll on roads over fresh green grass.
For your lorryloads pumping petrol gas.
And you make them long, and you make them tough.
But they just go on and on, and it seems you can't get off.

     Oh, I know we've come a long way,
     We're changing day to day,
     But tell me, where do the children play

When you crack the sky, scrapers fill the air.
Will you keep on building higher
'til there's no more room up there?
Will you make us laugh, will you make us cry
Will you tell us when to live, will you tell us when to die

     Oh, I know we've come a long way,
     We're changing day to day,
     But tell me, where do the children play

Text irgendwann selbst abgehört und aufgeschrieben

 

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. Oktober 2014 waren der Döner in Merseburg, der schnelle Heimweg, der ruhige Abend.
 
Tageskarte 2014-10-22: Der König der Stäbe.

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14 Bücher

Ehe sie freigelassen werden, campieren sie noch bei mir

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So ein Freies Radio wie Radio Corax ist schon was Feines. Und erst die dort tätigen Menschen! Einer von denen gab mir gestern vierzehn Bücher, die er freilassen (d. h. deponieren, wo Bücher frei getauscht werden) wollte. Darunter einige wirkliche Klassiker. Und ich? Ich mache daraus einen Blogbeitrag.

 

 
Vierzehn Bücher, vierzehn Anfänge
 

Na, als ich so an die dreißig Jahre tot war, machte ich mir doch so langsam Sorgen. Werner Holt ging die Treppe hinab, eine Betontreppe zwischen getünchten Wänden, ging unsicher, beinahe schwankend, in der zerschlissenen feldgrauen Montur. Mitleid zu fühlen mit den Betrübten ist die Pflicht der Menschen, die jedem geziemt, besonders aber von denen erwartet wird, die selber einmal Trost benötigt und ihn bei anderen gefunden haben. Der Mond, der in der Mitte des Himmels stand, hatte seinen Glanz verloren und das Licht des heraufsteigenden Tages schon alle Teile unserer Erde erhellt, als die Königin aufstand, ihre Gefährten rufen ließ und sich mit ihnen, über taufrisches Gras gemächlich dahinwandelnd, in angeregten Gesprächen ein wenig von dem stolzen Palast entfernte. Der Aufbau eines Partisanenzentrums erfordert Menschen mit eisernem Chrakter, die fähig sind, große Geheimnisse zu hüten und sie, wenn notwendig, mit ins Grab zu nehmen. Das Pflaster glänzte im Aprilregen. Fiametta spricht: Unglücklichen pflegt Lust aus der Klage zu erwachsen, erkennen oder erfühlen sie Mitleid in anderen. Zu allen Zeiten gab es Vorstellungen von der Ehe und von den Eigenschaften, die einen “guten” Ehemann, eine “gute” Ehefrau auszeichnen. Es gibt eine Reihe von Fragen, die sich der Mensch wieder und wieder stellt. Der Automat hinter dem Schreibtisch lächelte. Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kund geworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den “Leipziger” oder von “Pappes Hamburger Lesefrüchten”. Mit vorliegendem Buch veröffentlichen wir ein Manuskript, das in den nachgelassenen Papieren von Professor Peter E. Hogarth gefunden wurde. Ich weiß nicht, was ich machen soll.

 

 

Da sind nur dreizehn Sätze? Oh, es hat sich jemand die Mühe gemacht und nachgezählt! Aber wer nur dreizehn Sätze fand, hat trotzdem richtig gelesen, denn das vierzehnte Buch ist Das große Tafelwerk (Volk und Wissen 1994). Die anderen Bücher werde ich in einem Kommentar nennen, heute oder morgen. Sie zu lesen wird ein ganzes Weilchen dauern.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 20. Oktober 2014 waren die Ruhe am Morgen, der Nachmittag im Sender, der Abend zuhaus.
 
Tageskarte 2014-10-21: Die Drei der Kelche.

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Womit fang ich an

Die Unschlüssigkeit ist mal wieder exorbitant

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   Diesmal weiß ich wirklich nicht, womit ich die neue Woche beginnen könnte. Ich habe so viele Ideen und keine Lust zu ihrer Umsetzung.

 

   Da ist dieser Halbsatz aus J. R. R. Tolkiens “Die Geschichte der Kinder Hurins”, den der alte Holzfäller Sador zu Túrin sprach: “ […] ein Mann, der vor seiner eigenen Furcht flieht, wird feststellen, deß er nur den Weg abgekürzt hat, der zu ihr führt.

Dabei könnte ich so viel zu diesem Satz schreiben, aus meiner Vergangenheit berichten, mich an meine eigenen Ängste und an meine Fluchten vor ihnen erinnern. Aber dazu habe ich zur Zeit keine Lust. Oder bin ich mit meinem privaten Kliniktagebuch schon ausgelastet, was Erinnerungen und meine Schwierigkeiten damit betrifft? Ich glaube, so ist es.

   Dann wäre da noch die Idee, Wörter analog zum “Schland” zu kürzen und daraus eine ganze Geschichte zu weben: “Wenn in Schland ein Schloch im Schtrog mit Schmittel und Schmopp gereinigt wird, so steht nicht unbedingt – wie allerdings in diesem besonderen Falle doch – ein Schbär daneben.

Aber nach diesem fulminanten Startsatz fehlen mir weitere Schworte …

   Den Chamäleonbaum hatte ich nachträglich photographiert – aber keine Lust, die Bilder so zu bearbeiten, daß ich sie hier herzeigen mag.

   Und: Ein uraltes Photo von mir hab ich gefunden:

 

emil1994

Vor 20 Jahren
Uraltes Polaroid.

 

   Aber womit ich diese Woche beginnen soll, weiß ich wirklich nicht …

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 19. Oktober 2014 waren der frühe Feierabend, das Ausschlafen.
 
Tageskarte 2014-10-20: Die Neun der Münzen.

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3. Jahresablesung

Aus einem dieser Werbeständer gefischt

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Weil es so schön war mit der Kunst in Halle (Saale), geht es heute damit weiter. Wer stand noch nie vor diesen Gestellen, die mit Werbung und seltamen Postkarten und Flyern für Veranstaltungen bestückt sind? Wer lief noch nie nach einem flüchtigen Blick auf all das scheinbar überflüssige Papier daran vorbei?

Manchmal allerdings, wie vorgestern Abend auf dem Weg zum Buchfink, bleibe ich dann doch stehen und sehe mir etwas genauer an, was dort steckt. Ab und zu lese ich mir das eine oder andere Blättchen auch durch (“Gannste kaum gloobn, was da mannichmal alles druffgequetscht wärd!”). Vorgestern nahm ich mir sogar einen wundervollen violetten Veranstaltungshinweis mit. 3. Jahresablesung   und dabei das “3.” in Form einer Billardkugel – machte mich wirklich neugierig.

 

3. Jahresablesung
Alle Rechte bei der Kunststiftung Sachsen-Anhalt

 

3. Jahresablesung ist etwas, das wie für mich gemacht scheint. “Diesen Herbst werden alle Wort-und Dichtkunstinteressierten erneut zufriedengestellt: Die Kunststiftung lädt zur dritten Literaturnacht in das Neuwerk 11 ein, um Kurzgeschichten, Erzählungen und Gedichten zu lauschen. 10 Autoren werden aus Ihren im Rahmen von Stipendien und geförderten Projekten der Kunststiftung entstandenen Werken lesen.” Und die (auf der verlinkten Seite zu findende) Liste der Autoren enthält auch Menschen, die ich bereits kenne. Christine Hoba, Christian Kreis (hier schonmal vorgestellt) und Christoph Kuhn.

Mein Terminkalender ist ziemlich voll zur Zeit, und vieles davon ist Kultur für null Geld. Hey, es macht Spaß, sich wieder mit solchen Dingen zu beschäftigen. Wie ich merke, ist es sogar sehr wichtig für mich, Kunst und Kultur zu erleben; zumindest ist es für mich wichtiger als irgendwelchen kommerziellen Dingen hinterherzujagen.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 18. Oktober 2014 waren der Morgen und die Baustellenparty in der neuen Rockstation.
 
Tageskarte 2014-10-19: Der Bube der Schwerter.

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Kennenlernen wäre genial

Bilder von der spionierenden Frau aus dem 15. Stock

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Kennenlernen wäre genial
 

Wieder sitze ich vor meinem PC und suche die diversen Seiten nach neuen Bildern ab. Filme interessieren mich nicht so sehr, aber Fotos. Die, die mir das zeigen, was sonst immer verborgen, verdeckt, versteckt, verhüllt bleibt. Ja, dann kann ich meiner Phantasie freien Lauf lassen. Was ich alles mit den Weibern tun würde, was sie mit mir machen müßten. Ob das, was ich mir wünsche und vorstelle überhaupt möglich ist, ob ich das aushalten könnte. Aber ich seh mir nur die Bilder an, ich hatte noch nie den Mut, mich irgendwo, auf irgendsoeinem Single-Portal oder auf einer der Ficktreffseiten anzumelden und eine der Frauen vielleicht anzuschreiben. Nein, das kann ich nicht, da habe ich viel zu viel Angst, mich im entscheidenden Moment zu blamieren oder zu schämen. Meine “Ausstattung” ist eben nicht soooo …

Vor drei Tagen ist mir etwas verdammt peinliches passiert. Am Morgen hatte ich mir wieder Bilder angesehen bei dieser Seite, wo die selbstgeschossnen Fotos hergezeigt werden. Ich dachte noch, die Brünette da, diese “Nadine”, die kenn ich doch? Die seh ich mit ihrer Halskette doch beinahe jeden Tag hier im Aufzug? Sie steigt immer im 15. ein oder aus und hat einen Chihuahua. Die sieht in ihrem Jogginganzug, den sie zum Gassigehen trägt, nach nichts aus … Als ich sie einmal abends sah, fein angezogen mit Blazer und Rock und Lackpumps, habe ich sie kaum erkannt. Aber da hab ich mal gesehen, daß sie eine richtig frauliche Figur hat mit Kurven da, wo sie hingehören. Vor allem: Die ist nicht so dünn und hungerhakig.

Vor drei Tagen jedenfalls kam sie so angezogen irgendwoher und fuhr gegen Mittag mit nach oben. Und sie roch gut und ich konnte ihr nur auf ihren Ausschnitt starren. Sie lächelte und sprach mich dann an: “Wenn Ihnen so gefällt, was Sie sehen, dann kommen Sie mich doch mal besuchen. Heute Abend auf ein Glas Wein vielleicht? Ich heiße übrigens Nadine Mxxxxxx – und wo ich wohne, wissen Sie ja!” Sie streckte mir ihre Hand entgegen, ich wurde knallrot und war nicht in der Lage, darauf zu reagieren. “Die Einladung gilt für heute oder für Freitag abend. Überlegen Sie nicht lang, kommen Sie einfach runter zu mir. Sie wohnen doch hier im Haus?” Ehe ich mich gesammelt hatte und zu einer Antwort ansetzen konnte, schloß sich die Tür des Aufzugs hinter ihr. In meiner Wohnung angekommen mußte ich sofort nachsehen, ob es wirklich diese Nadine von der Pornoseite war. Ja, sie war es, und mit ihren Handyfotos zeigt sie dort tatsächlich alles …

Und nun? Was mache ich jetzt? Heute ist Freitag, heute Abend hätte ich Gelegenheit, sie kennenzulernen, mit ihr zu sprechen, sie zu sehen, sie zu berühren … Sie, Nadine Mxxxxx, die sechs Stockwerke unter mir wohnt, deren Bilder ich seit drei Tagen anschmachte und als Vorlage für meine schmutzigsten Phantasien benutze. Wieso hat sie mich angesprochen? Weiß sie etwa, daß ich die Bilder kenne, daß ich alles von ihr auf den Bildern gesehen habe? Ist in den Bildern vielleicht ein Programm verborgen, das die Betrachter der Bilder über die Webcamera des Notebooks überwacht? Dann hat sie ja auch alles von mir gesehen, mir sogar … Oh nein, wenn sie das gesehen hat … Sie hat das bestimmt gesehen. Und nun hat sie mich eingeladen, um mich lächerlich zu machen, um sich über mich lustig zu machen. Mit Sicherheit will sie mich fertigmachen, denn welches Interesse sollte so ein Klasseweib sonst an mir haben …

Nein, ich werde nicht zu ihr gehen, ich werden Nadine Mxxxxx aus dem 15. Stock nicht besuchen. Ich schau mir jetzt noch ein paar Bilder an.

 

Wow! Wie genial wäre es, wenn ich eines dieser tollen Weiber mal kennenlernen könnte.

 

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 17. Oktober 2014 war der Buchfink.
 
Tageskarte 2014-10-18:  XIV – Die Mässigkeit.

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So fügt es sich

Seltsame Wege zur Kunst

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Immer wieder laufe ich hier in der Stadt durch die Mittelstraße. Nicht (nur) wegen der dort zu findenden sehr, sehr alten Gebäude oder wegen was weiß ich was, sondern ganz gezielt wegen der dort zu findenden Galerie Hamers & Penz. Gut, gut, ich kann mir keines der dort gezeigten Werke kaufen, es reicht nichtmal für einen der Kalender, die die beiden immer wieder herausbringen. Nein, und ich gehe auch nicht jedesmal hinein in die Galerie. Obwohl dort auch alte Bücher zu finden sind.

Nein, die beiden Künstler tun etwas, was es nicht allzu oft gibt. Die Galerie Hamers & Penz ist die einzige mir bekannte Stelle, an der ich zwei kostenlose Kunstzeitungen find, also Zeitungen, in denen es um Kunst und ausschließlich um Kunst geht. Dort liegen in schöner Regelmäßigkeit die Kunstzeitung (Webseite der Herausgeber Lindinger & Schmid) und die kunst:art aus, die beide kostenlos mitgenommen werden können.

Und in eben jener kunst:art fand sich letztens ein Artikel über eine hier in der Stadt zu findende Ausstellung. Nein,über eine Ausstellung des Halleschen Künstlers Moritz Götze mit zwei Ausstellungsteilen gleichzeitig in zwei Museen hier in der Stadt Halle (Saale). Zum einen findet sich im Kunstforum Halle Götzes Pop; die “Hallesche Hängung” (Malerei und Grafik). Und im Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, in der Moritzburg findet sich “Moritz Götzes Hallesches Heilthum”, eine raumgreifende Installation von 50 Emailtafeln der Künstlers.

Ohne die kunst:art und diesen Artikel wären beide Teile dieser Ausstellung sicher an mir vorübergegangen. So aber weiß ich, daß ich bis Mitte Novemder noch ins Kunstforum und bis Mitte Januar noch in die Moritzburg gehen muß. Schade, daß beides keine stadteigenen Museen sind; wenn sie es wären, dann würde ich an Donnerstagen gehen, an denen ist der Eintritt in städtische Museen hier in Halle (Saale) nämlich frei. (Ist das anderswo auch so?)

Und ohne Ulli Hamers und Ralph Penz hätte ich die Kunstzeitungen nicht, in denen dann doch mal etwas für mich direkt Erlebbares so besprochen wird, daß ich neugierig werde.

 

Es ist einfach toll, wie sich manchmal alles so einfach eins zum anderen fügt …

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 16. Oktober 2014 war die geschafte Arbeit in der neuen “Rockstation”.
 
Tageskarte 2014-10-17: Die Fünf der Kelche.

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Privat-Tagebuch zur Tagesklinik

2011-09-05 Der erste Tag

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Das geht ja gut los. Morgen muß ich auf die vorgesehene 36 warten und darf nicht in die falsch ausgeschilderte 34 einsteigen, die zwei Minuten früher fährt.

Nach der Aufnahme im Haupthaus der kurze Weg zur Station. Eine Gartenmauer mit ganz vielen Schnecken – auch ganz winzig kleinen – und dann endloses Warten. Es ist schwül, ich bin völlig durchgeschwitzt. Seit 8.05 Uhr sitze/stehe ich hier, gehe auf und ab – es ist kaum auszuhalten. Aber vielleicht ist dieses 40 Minuten wartenlassen ja schon Bestandteil der Therapie? Eine Art Streßtest? Was ich – was wir, denn wir sind zwei Frauen und zwei Männer – passiv aushalten können? Zuviel geraucht habe ich schon, nun sitze ich hier und schreibe und bin unendlich frustriert. Ah, da kommt auch schon das erste Häuflein Unglück, eine weinende Patientin. Wenn die Warterei täglich dazugehört … Ich hätte eine Stunde länger schlafen können, hätte eine Stunde weniger schwitzen müssen, mich eine Stunde weniger so angefressen gefühlt.

So recht weiß ich grad nicht, wie und was das hier werden soll. Der Impuls, einfach meinen Krempel zu nehmen und wieder heimzugehen, ist stark …

 

 

Endlich konnte ich beginnen, diese Kladde zu digitalisieren. Und vorher, vorher schaffte ich es nach drei Jahren schon, sie in die Hand zu nehmen und darin zu lesen. Ja, mein privates Tagebuch aus der Zeit meiner Therapie in der Tagesklinik, das bisher gut verwahrt im Schrank lag. Wie gut ich mich an diesen ersten Tag noch erinnern konnte, an die Schnecken – irgendwo habe ich Bilder von denen.

Was ich sonst noch feststellen konnte anhand meiner Notizen? Das muß ich noch einsortieren, bewerten, prüfen. Wie ich gestern einen ganzen Stapel Papier geprüft, bewertet und dann gescannt oder weggeschmissen habe.

Aber wie schmeiße ich Erinnerungen, unangenehme Erinnerungen weg?

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 15. Oktober 2014 waren die geschaffte Hausarbeit, die Entsorgung des Papiers, das Sortieren der Musik.
 
Tageskarte 2014-10-16: Die Drei der Schwerter.

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Ein Herbstgedicht

Ich erinnere mich daran, es irgendwann gelernt zu haben

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Zu finden unter anderem im Projekt Gutenberg:

 

 
Herbstgefühl
 Nikolaus Lenau
 

Mürrisch braust der Eichenwald,
Aller Himmel ist umzogen,
Und dem Wandrer, rauh und kalt,
Kommt der Herbstwind nachgeflogen.

Wie der Wind zu Herbsteszeit
Mordend hinsaust in den Wäldern,
Weht mir die Vergangenheit
Von des Glückes Stoppelfeldern.

An den Bäumen, welk und matt,
Schwebt des Laubes letzte Neige,
Niedertaumelt Blatt auf Blatt
Und verhüllt die Waldessteige;

Immer dichter fällt es, will
Mir den Reisepfad verderben.
Daß ich lieber halte still,
Gleich am Orte hier zu sterben.

Wieder ist, wie bald! wie bald!
Mir ein Jahr dahingeschwunden.
Fragend rauscht es aus dem Wald:
›Hat dein Herz sein Glück gefunden?‹

Waldesrauschen, wunderbar
Hast du mir das Herz getroffen!
Treulich bringt ein jedes Jahr
Welkes Laub und welkes Hoffen.

 

 

Ganz schön niedergeschlagen, das Gedicht, oder? Glücklicherweise bin ich es zur Zeit nicht.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 14. Oktober 2014 war gute Ausbeute.
 
Tageskarte 2014-10-15: Der Ritter der Stäbe.


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13×11 experimentell

Mag doch der Winter kommen

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Und am Ende des Tages bleibt Müdigkeit,
die aus meinen Augen wallt wie ein Nebel,
die durch meine Glieder zieht wie ein Eiswind.
Kein Winterschlaf wird mir dagegen helfen,
will ich doch die schönste Zeit eines Jahres
in vollen Zügen und hellwach genießen.

Die Herbstwochen werde ich nutzen müssen,
um geistigen Winterspeck anzufuttern,
Bücher zu lesen und Musik zu hören,
verlorengeglaubten Düften zu folgen,
zu schlafen, zu essen und Wein zu trinken
und zufrieden leis vor mich hinzusummen.

Solange es nur diese Müdigkeit ist …

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 13. Oktober 2014 waren erhaltene Nachrichten und eine Reihe vollständig sortierter USB-Sticks.
 
Tageskarte 2014-10-14: Die Zehn der Kelche.

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Durchblick ist wichtig

Beim Weglassen wird manches erkennbar

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Durchblick

Wo Nieten entfernt wurden …
… ist zwar der Halt geringer, aber der Duchblick ist wieder da.

 

 

Wenn die überflüssigen Nieten einmal weg sind, ist der Durchblick wieder da.

 

 

Und hier die Situaution auf dem Bahnhof Bernburg (Saale), die mir das Bild oben lieferte:
 
Duchblick-Ursprung

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 12. Oktober 2014 waren die Sonne, der einigermaßen zufriedenstellende Nachmittag, der Abend.
 
Tageskarte 2014-10-13: Die Sechs der Kelche.

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Sprachgebrauch und Sprachentwicklung

Ein Vorwort zeigt, wie’s gehen kann.

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Ich kenn’ den Film, hab ihn schon ein paarmal gesehen. Doch daß das Buch ausgerechnet von dieser Schriftstellerin stammte, das entfiel mir immer wieder. Vor einiger Zeit allerdings fiel mir ihr Buch in die Hände, es lag auf der Straße, in einer Kiste, an der ein Zettel klebte: “Zum Mitnehmen – denn zum Wegwerfen sind Bücher zu schade”. Ich Dussel habe vergessen, das zu photoraphieren, habe mich doch viel zu sehr über dieses Buch und die anderen (Michael Schanze: Moritz jagt die Flußpiraten; Steinzeitmenschen. Vom Nomaden zum Bauern; Kirkpatrick Hill: Indianerwinter; Arnulf Zitelmann: Unterwegs nach Bigorra; Alfred Hitchcock: Die drei ??? und der verschwundene Schatz, Die drei ??? und der Fluch des Rubins [Sind die wirklich von Hichtcock?]; Das ultimative Fußballquiz) gefreut.

Das nicht erwähnte Buch ist im Kinderbuchverlag Berlin erschienen, 1989, in der DDR (die erst 1990 verschwand!). Es wurde nicht, wie heutzutage zum Wohle der Kinder, verunstaltet durch Umschreiben unerwünschter Worte in Sprachkonstrukte, die die Autorin in keinem Falle gutgeheißen hätte! Nein, diese Buch bekam – wie so viele Bücher aus dem NSW – ein Vorwort, in diesem Falle von Gerhard Holtz-Baumert, das gewisse Dinge erklären sollte:

 

 

Spannend wird vom Leben der Räuber erzählt, aber eigentlich rückt die Autorin etwas ganz anderes in den Blickpunkt: die Gewalt unter den Menschen, eine, die zum Kriege führen kann.

Als Astrid Lindgren für ihre Schriftstellerarbeit einen Preis bekam, hat sie gesagt: “Gerade heut lebt die ganze Welt in der Furcht vor einem neuen Krieg, der uns alle vernichten wird. Angesichts dieser Bedrohung setzen sich mehr Menschen denn je zuvor für Frieden und Abrüstung ein – das ist wahr, das könnte eine Hoffnung sein.” Und sie fragte: “Könnten wir es nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschenen, und wo sollte man anfangen? Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.”

Vielleicht war da die Geschichte von Ronja schon aufgeschrieben, vielleicht trug sie die Autorin erst im Kopf mit sich herum; auf jeden Fall gibt “Ronja Räubertochter” uns nun eine Antwort darauf, wie man gegen Gewalt und Krieg kämpfen kann. Astrid Lindgren ermuntert dazu, sich über trennende Klüfte hinweg Freunde im Leben zu suchen.

Dies ist ein aufregendes Buch, eines von solch seltsamen Räuberkindern wie Ronja und Birk und von ihrer schwer erkämpften Freundschaft. Es ruft auf zum Miteinander und hilft, für den Frieden zu streiten.

Aus dem Vorwort von Gerhard Holtz-Baumert.
Astrid Lindgren: Ronja Räubertochter. ATB Alex Taschenbücher 138. S. 4f
© Der Kinderbuchverlag Berlin – DDR 1988. ISBN 3-358-01380-4

 

 

Natürlich ist das DDR-Deutsch. Aber damals wurden wegen des “gender mainstreaming” oder wegen der “political correctness” nicht ganz so offensichtlich Originaltexte durch Wortersetzungen “modernisiert”, “humanisiert” oder “korrigiert” (also verfälscht) wie in den Neuauflagen von Astrid Lindgrens “Pippi Langstrumpf” – nein. Die Originaltexte wurden im Original belassen, und eventuelle Probleme wurden in Vor- oder Nachworten erklärt, erläutert und relativiert. Tja, die Zeiten ändern sich und die Gepflogenheiten auch.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 11. Oktober 2014 waren das Ausschlafen und die leckeren Kartoffelpuffer zu Mittag, der ruhige Abend.
 
Tageskarte 2014-10-12: VIII – Die Kraft.

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Gastrecht

Ein Quartier zum Überwintern biete ich an

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Die Wespe
 

Ich habe sie gefunden
in meiner Wohnung drin.
Sie drehte ihre Runden
und flog zum Fenster hin.
Dort saß sie dann und plegte
sich völlig ungeniert.
Weil Angst vor ihr ich hegte,
ließ mich das unberührt.
So hielt ich mich recht ferne
vom Tier, schwarz-gelb gestreift.
Und weil ich stets noch lerne,
ist die Idee gereift:
Ich mache jetzt ein Bildchen
vom Flügelpieksetier.
Dann nenne ich es Hildchen,
laß es im Winter hier.
Die Wespe, sie darf bleiben,
solang sie mich nicht sticht.
(Doch nur in meinem Schreiben,
im wahren Leben nicht.)

 

 

Wespe

Deutsche Wespe (Vespula germanica)
Die Angst vor dem Tier war nicht ganz weg – deshalb ist es kein sooooo gutes Bild geworden.

 

Natürlich habe ich das Tier nach dem Fotoshooting – bei dem ich ziemlich zittrig war – totgeschlagen in die Freiheit entlassen (hinausgeworfen trifft es am besten). So mutig wie beim Reimen bin ich im wahren Leben eben nicht.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. Oktober 2014 waren das Ausschlafen, der Abend im «Männerhort».
 
Tageskarte 2014-10-11: Die Vier der Kelche.

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Bittere Erkenntnis

Nach einem Besuch in der Gedenkstätte

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Im Rahmen des BFD finden immer wieder Seminare und Exkursionen statt, auf denen es etwas zu lernen gibt. Vom gestrigen Besuch der Gedenkstätte für Opfer der NS-“Euthanasie” (und hier auf Wikipedia) ziemlich erschüttert bringe ich einen Satz mit, von dem ich aber wirklich nicht sagen kann, ob er allgemeingültig ist:

 

 

Selbst verabscheuungswürdigste Handlungen verlieren für die Beteilgten ihren Schrecken, wenn sie für rechtmäßig erklärt und mit größtmöglicher “Normalität” sowie Routine begangen werden.

 

 

Nunja, vielleicht ist das auch nur in einer Psychiatrie so möglich (gewesen)…

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 9. Oktober 2014 waren die Art und Weise des Vortrags und der Moment, als ich aus dem Gebäude wieder herausgehen konnte.
 
Tageskarte 2014-10-10: Die Vier der Münzen.

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