Ankündigung am Mittwoch (Nº 170)

Vorblogexperiment

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Vielleicht gibt es ab sofort jeden Mittwoch eine Ankündigung, vielleicht zum Buchfink, zu anderen Aktionen am Wochenende …

Aus Gründen möchte ich einmal versuchen, für eine Woche, für eine ganze Woche Textvorrat zu schaffen. Um mich für eben diese eine Woche von der Pflicht eines täglichen Textes zu entlasten.

Der Zeitraum ist auch nicht ganz willkürlich festgelegt. Denn ich bin noch immer nicht zu meiner Woche Pause gekommen (und komme auch in der vorgeblogten Woche nicht dazu, ich weiß es). Am Wochenende werde ich auch nicht zuhause sein. Ob da, wo ich hingehe, ein Internetzugang erreichbar ist, kann ich nicht sagen. Also bliebe das Risiko, aus dem täglichen Bloggen herauszufallen.

Auf gut Deutsch: Es ist Zeit für einen kleinen Urlaub. Ich werde auch nach Hause (seltsamer Begriff für das Dorf, das ich 10 Jahre mied wie der Teufel das Weihwasser) fahren. Dahin, wo mich gleich noch ein Problem erwartet, von dem ich noch nicht weiß, wie ich mit ihm umgehen können werde.

Und deshalb gibt es in den nächsten Tagen sozusagen Texte “aus der Konserve”. Per Telefon oder vielleicht sogar mit meinem neuen Klapser (so nenne ich das Netbook, solange noch Windoof 7 draufist), so ich einen WLAN- oder kabelgebundenen Netzzugang finde, kann ich Kommentare moderieren, selbst kommentieren usw. usf.

Die Titel sind dann eben nur die Wochentage und das “Positiv” wird vielleicht auch weniger aussagefähig sein. Ich hoffe nur und wünsche mir, daß ihr mir das nicht übelnehmt und vielleicht trotzdem das eine oder andere Interessante findet.

Nun denn: Mögen die Spiele beginnen!

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 18. Juni 2013 war konzentrierte Arbeit für “Jojo” und an den Texten.

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Selig (Nº 169)

Nicht sein, sondern hören

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Nicht akut.
 

Was fang ich denn mit einer besonderen Erkenntnis an, die mich nicht weiterbringt? Die mich ganz im Gegenteil (scheinbar! – aber so ist mein Empfinden dabei) zurückwirft in Zeiten und Gemütszustände, die ich lange überwunden glaubte?

Wie gehe ich um mit Dingen, die ich jetzt weiß, aber überhaput nicht wissen will? Ignorieren geht nicht. Sublimieren geht nicht. Nichts geht damit. Diese Erkenntnis scheint sogar mein normales Leben zu beeinträchtigen – zumindest habe ich diesen Eindruck.

Was fang ich damit an?

Vielleicht muß ich nur noch etwas abwarten? Weitere Erkenntnisse aus dieser einen, besonderen heraus reifen lassen? Wachsen daraus wirklich andere, bessere?

Hm. Mir scheint, ich benötige jetzt, damit, auf der Stelle mehr Information und Hilfe. Gut. Dann werde ich vielleicht reumütig(?) zurückkehren zu Ritualen, die ich überwunden glaubte, für nicht mehr notwendig hielt. War wohl doch einiges zu früh dafür, mich davon zu verabschieden.

Liebeskummer kann manchmal auch sehr, sehr spät kommen und dann immernoch oder gerade sehr wehtun.

Soviel Text, nur um auf ein Lied von 1994 zu kommen:

 
Und dann fühl ich mich so todsterbenseinsam, so niedergeschlagen, so lebensmüd, schlaff, kraftlos. Und ich weiß, daß ich es zulassen und auskosten und verfluchen werde und danach, so in drei oder vier Minuten/Stunden/Tagen/Wochen/Monaten/Jahren wieder ganz normal durch die Stadt hüpfe …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 17. Juni 2013 waren die Erinnerung an meine Traurigkeit und ein zauberhafter Anblick.

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Zeit (Nº 168)

Eine mögliche Definition dieses Begriffs aus einem Film

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Am Sonntag in einem Film gesehen und (wahrscheinlich nicht wörtlich) aufgeschrieben, weil es mir so verdammt richtig erscheint:

 

«Kennen Sie die Definition von Zeit? Zeit ist das im menschlichen Bewußtsein individuell erlebte Vergehen der Gegenwart.»

 

Ah – ich erinnere mich: es war im rbb-Fernsehen. Der Film hieß Meine liebe Familie – Der Erbe, und der Satz fiel in den ersten 15 Minuten an einer Tankstelle. Marius Perlinger (Helmut Zierl) sagt das zu Barbara Herzog (Uschi Glas).

Aber fragt mich bitte nicht nach dem weiterten Verlauf des Filmes oder worum es in diesem Film überhaupt ging / geht. Das weiß ich nicht …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 16. Juni 2013 waren die Schicht Sendetechnik und eine besondere Erkenntnis.

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Sieger (Nº 167)

Der eheliche Wettbewerb

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“Nein. Nein, nein und nochmals nein. Nicht mit mir. Das nicht.”

So rief sie aus, stampfte dabei mit dem Fuß auf und hatte die Arme in die Hüften gestemmt. Ich liebe sie, wenn sie so wütend ist!

Ausnahmsweise hatte aber ich den sonnabendlichen Kampf um die Fernbedienung gewonnen, und deshalb mußte sie auf ihren Sportkanal verzichten.

Mit einem Pfefferminztee saß ich auf dem Fußboden vor der Couch und startete den DVD-Player.

Als Romy Schneider zum ersten Mal auf dem Bildschirm auftauchte, entschloß sie sich, den Hund doch nocheinmal auszuführen.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 15. Juni 2013 war etwas Wiedergefundenes.

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Denkschluckauf (Nº 166)

Davon fühle ich mich gestört und angegriffen

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Unsortierte Gedanken.

Für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ist jetzt schon “nach der Flut”. Und bei vielen Nachrichten und Wortmeldungen in den Medien vor allem von Bundes- und Landespolitikern und Finanzfachleuten und Wirtschaftsexperten fällt mir eines unangenehm auf. Oft, wenn von den durch das Hochwasser Geschädigten, den Flutopfern, gesprochen wird und von den Hilfen, die ihnen zuteil werden sollen, wird nicht von Menschen oder gar Bürgern gesprochen, sondern von
 
“Verbrauchern”.
 
(Doch, seht und hört einmal genauer hin!)

Das stört mich, daran habe ich zu kauen; diese Kröte mag ich nicht schlucken.

Ach. Und was ist daran so unangenehm, so sonderbar, gar kritikwürdig?

Menschen haben dank vieler internationaler Vereinbarungen und Übereinkünfte, dank des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland unveräußerliche, unabdingbare, universelle Menschenrechte.

Bürger haben Bürgerrechte, die im Grundgesetz der BRD ebenfalls festgelegt sind (und in anderen Gesetzen).

Und Verbraucher? Haben nur dann Rechte, wenn sie verbrauchen, also kaufen o.ä. Und während Menschen- und Bürgerrechte vom Staat und von überstaatlichen Organisationen garantiert werden und durchgesetzt werden müssen, sind Verbraucherrechte nur einfachgesetzliche Rechte (IANAL – I am not a Lawyer; d.h. ich bin kein Rechtsgelehrter, aber dieses einfachgesetzliche Recht ist kein Recht mit Verfassungsrang).

Die Menschen, die Bürger werden also (schon wieder? immernoch? wie üblich?) degradiert. Vom Subjekt unveräußerlicher Rechte zu Objekten verzichtbaren Rechts. So, wie aus dem (in einer Notlage befindlichen) bedürftigen Bürger mit Anspruch auf Sozialhilfe vom Sozialamt der erwerbsfähige Hilfebedürftige, der “Kunde” von Arbeitsagentur (Achtung: Das ist KEIN Amt mehr! Und welche Folgen hat das?) und Jobcenter o.ä. gemacht wurde (und der damit auch gleich dem Generalverdacht des Betruges anheimfällt).

Und zum Verbraucher. Dessen Hauptaufgabe nunmal der Verbrauch, der Konsum ist. Nicht die Einforderung von Menschen- und Bürgerrechten.

Der Staat ist für den Menschen, für seine Bürger da. Er hat die Pflicht, seine Bürger zu schützen und zu unterstützen. Der Bürger hat viele Rechte, und doch auch Pflichten seinem Staat gegenüber (Steuer, Verteidigung usw.).

Ich bliebe gern Bürger dieses Landes (und hätte gern statt eines Ausweises für Personal einen Bürgerausweis). Ich möchte nicht nur auf meine Eigenschaft als Verbraucher reduziert sein.

Mensch. Bürger. Mann. Sohn. Vater. Bruder. Geliebter. Lebenskünstler. All das bin ich. Und danach erst bin ich Verbraucher.

Der Emil

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P.S.: Positiv am 14. Juni 2013 waren der Buchfink und das Gespräch mit den Revolverhelden.

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Endlich (Nº 165)

So wurde der Tag doch noch ein Fest

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Am 14. Mai 2013 schrieb ich beinahe beiläufig darüber, daß mein PC versagt hatte am Tag zuvor, also am 13. Mai das Zeitliche gesegnet hatte. Seitdem war ich mit einem geliehenen Notebook im Netz.

Gestern nachmittag war ich mit meiner allerallerallerbesten Freundin unterwegs auf Shoppingtour. Und sie hat mir richtig Glück gebracht. In einem Elektrofachmarkt in Bruckdorf wurde ich nämlich fündig. Dort stand das Objekt meiner Begierde, ein Netbook. Etwas zu teuer für meine Verhältnisse, sogar etwas heftig zu teuer. Ein Weilchen bin ich herumgeschlichen, dann hab ich gefragt, ob ich das Teil auch zu dem von mir gewünschten Preis kaufen kann. Et voila! Klar war es möglich und ein grinsender Emil schaute mit einem lachenden und einem weinenden Auge den vielen Scheinen hinterher, die in der Kassenschublade verschwanden.

Seit dem 13. Juni 2013, also seit gestern, bin ich wieder Besitzer eines eigenen, funktionierenden Computers. Naja, Computer: Was man halt so nennt. Ein Acer Aspire one sieht in meinen Augen nämlich nicht wie ein Computer aus, obwohl es einer ist. Schließlich verfasse ich ja auch diesen Artikel hier auf diesem Gerät. Ein Bild von dem Winzling hab ich aber nicht gemacht, denn ich hab ja den Link angegeben.

Irgendwann am Wochenende werde ich auch ein anständiges Betriebssystem installieren, natürlich ein Fedora. Dann ist es auch wieder mit meinem wirklich unfreiwilligen Ausflug in die Windoof-Welt vorbei. Auf den Augenblick freue ich mich jetzt schon.

Der Emil

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P.S.: Positiv am 13. Juni 2013 waren die vielen Glückwünsche zum 50., die Geschenke, das Paket von den Eltern, der Eisbecher bei Webers in Rockendorf, das Netbook, das Hefeweizen am Abend.

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Jethro Tull (Nº 164)

Musik aus meiner Jugend – und ein unübersetzbarer Text:
Too old to rock’n'roll – too young to die

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Heute muß ich auf ein anderes Lied aufmerksam machen.

Früher war ich ja Oldie-Fan: Am besten gefiel mir Musik von “vor meiner Zeit”, sowas wie Middle of the Road, Mamas and Papas, The Ohio Express, die ganz frühen Beatles, der ganze Bubblegum-Rock. Die Musik meiner jeweiligen Zeit war für mich beinahe immer uninteressant. Das blieb sehr lange und ist zum Teil noch heute so.

Im Jahre 1986 kaufte ich mir in Karl-Marx-Stadt, wo ich wohnte und Physik studierte, auf der Straße der Nationen im RFT-Fachgeschäft mit verdammt viel Glück die Langspielplatte The London Symphonics Orchestra Plays Jethro Tull, eine der raren Lizenzplatten von AMIGA. Lauter schöne alte Lieder.

Mein Gedächtnis läßt mich aber eben im Stich: Hat Ian Anderson auf dieser Platte gesungen? Da ich die Platte nicht mehr bei mir habe – Asche auf mein Haupt, sie blieb irgendwann bei einer meiner Frauen – kann ich es nicht nachhören. Aber vielleicht jemand von euch? Und mir dann Bescheid geben?

 

 

Too Old To Rock ‘n’ Roll: Too Young To Die

Ian Anderson

The old Rocker wore his hair too long,
wore his trouser cuffs too tight.
Unfashionable to the end – drank his ale too light.
Death’s head belt buckle – yesterday’s dreams –
the transport caf’ prophet of doom.
Ringing no change in his double-sewn jeans
in his post-war-babe gloom.

Now he’s too old to Rock’n'Roll but he’s too young to die.

He once owned a Harley Davidson and a Triumph Bonneville.
Counted his friends in burned-out spark plugs
and prays that he always will.
But he’s the last of the blue blood greaser boys
all of his mates are doing time:
married with three kids up by the ring road
sold their souls straight down the line.
And some of them own little sports cars
and meet at the tennis club do’s.
For drinks on a Sunday – work on Monday.
They’ve thrown away their blue suede shoes.

Now they’re too old to Rock’n'Roll and they’re too young to die.

So the old Rocker gets out his bike
to make a ton before he takes his leave
up on the A1 by Scotch Corner
just like it used to be.
And as he flies – tears in his eyes –
his wind-whipped words echo the final take
and he hits the trunk road doing ’round 120
with no room left to brake.

And he was too old to Rock’n'Roll but he was too young to die.
No, you’re never too old to Rock’n'Roll if you’re too young to die.

Vor vielen Jahren mühsam selbst vom Song abgehört hält meine Version einer Prüfung z. B. auf azlyrics durchaus stand.

 

 

Irgendwann hatte ich mich auch einmal an einer Übersetzung versucht für diesen unüberstezbaren Text (nein, die ist nicht gelungen, nie; und ich werde sie auch nicht herzeigen). Nachfühlen, nachempfinden konnte ich das im Text vermittelte Gefühl manchmal, eher selten – fühlte ich mich doch niemals “zu alt für Rock’nRoll”, jedenfalls früher nicht. Und immer, wenn ich dieses Lied höre, vor allem in den älteren Versionen höre, dann fühle ich mich wieder jung. Jedenfalls zu jung zum Sterben.

Der Emil

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P.S.: Positiv am 12. Juni 2013 war ganz, ganz liebe Post!

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Mal wieder: Wolf Biermann (Nº 163)

Irrung von 1977. Frankfurt am 1. Juni 2013.

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Nein, ich habe mich bisher nicht geäußert zu den Geschehnissen anläßlich der Blockupy-Demo (exemplarisch dieser Bericht von Niema Movassat). Über so manche Äußerung verantwortlicher Personen wunderte ich mich im Nachhinein sehr: Plakate und Regenschirme zählen zur passiven Bewaffnung, Sonnenbrillen und Kopfbedeckungen sind Vermummung. Wo sind wir denn hingeraten?

 
Jetzt klagen sie groß

Jetzt klagen sie groß über Terror
Und jagen uns mehr als vorher.
Und etliche sagen: Das kommt davon.
Aber wenige fragen: Woher.

Und die da noch offen was fragen
Mit denen ist schon was faul.
Und die es noch öffentlich sagen
Die kriegen eins vor das Maul.
Die kriegen das deutsche, das neue
Das Schandzeichen aufgebrannt:
Ach, das, was grad gestern noch Jud war
– das wird hier der Sympathiesant.

Jetzt klagen sie groß über Terror
Und jagen uns mehr als vorher.
Und etliche sagen: Das kommt davon!
Aber wenige fragen: Woher.
    O Mann, o Mann, das Kommt mich an!
    aber wenige fragen: Woher.

Wolf Biermann: Alle Lieder. S.291
2. Aufl., Ungekürzte Lizenzausgabe f. d. Bertelsmann Club GmbH Gütersloh
© 1991 by Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

 

Im Nachwort zur 2. Auflage schreibt Wolf Biermann selbst zu diesem Lied: «Der Leser wird und soll zwei kranke Lieder finden. [ … ] Das zweite Lied schrieb ich im ersten Schreck nach meiner Ausbürgerung. Ich war damals schwer durchn Wind. Ich wußte weder wo ich war, noch wer ich nun war. Und ich wußte schon gar nicht wer ich bleiben und wer ich werden sollte. Es war die Zeit, als die selbstgemordeten RAFler in Stammheim starben. Über die Staatsterroristen in der DDR wollte ich damals nicht schreiben, also schrieb ich über diese terroristischen Bürgerkinder. Gefährlich flott dichtete ich
 
      Ach, das, was grad gestern noch Jud war
       – das wird hier der Sympathiesant.
 
Diese Hysterie war grad aus meinem Munde doppelt unerträglich. Einer wie ich hätte den feinen Unterschied zwischen dem Verbrechen an den Juden und der albernen Sympathiesantenhatz der Bundesrepublik des Jahres 1977 kennen müssen.»
(ebd. S.462 f.)

Und die Frankfurter Polizei? Die verantwortlichen Politker? Die machen sogar aus Spaziergängern, die zufällig an dem zum Polizeikessel vorgesehenen und umfunktionierten Ort waren, und aus Menschen, die ihr Versammlungsrecht, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung usw. usf. wahrnahmen, gewaltbereite, gewalttätige Rechtsverletzer!? Huch?

Ich erinnere mich knapp 24 Jahre zurück. Leipzig, Augustusplatz, nicht vorm Schauspielhaus, sondern vorm Gewandhaus. Chemnitz, Straße der Nationen. Annaberg-Buchholz, Am Emilienberg. Plauen, Theaterplatz. Die “Diktatur” war lange nicht so skrupellos wie das Kapital … Zumindest auf der Straße.

Und dann Wolf Biermanns Lied … Wird der “Sympathiesant” bald durch den Demonstrant ersetzt, und ist er das, was der IM erst gestern noch war?

(Nun, auch ich meine das hier nicht soooo ernst, nicht wahr?)

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 11. Juni 2013 war der sonnige Abend am Ententeich.

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Genuß (Nº 162)

Lange vor mir selbst versteckt

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Das Beste gestern:
Roggenbrot mit Greyerzer,
Kerzen und André.

 

Ein Senryu.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 10. Juni 2013 war der Imbiß kurz vor Mitternacht mit einer letzten Flasche 2007er Andrè (zu früh, aber trotzdem).

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Anders gesehen (Nº 161)

Herbeigesehnte Augenblicke

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Ich sehne den Wochenanfang
und nicht das Wochenende herbei.
Oft sehe ich beide wie Leben und Tod.

Ich habe nämlich selbst bemerkt:
Nicht jedes Ende ist Erlösung,
fast jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

 

Ein doppelter 28er nach Helmut Maier.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 9. Juni 2013 war eine beruhigende Nachricht aus dem Heimatdorf.

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Am Ufer (Nº 160)

Nix mit Hochwasser.

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Am Ufer schlafend
Liegt ein Schwan im Sternenlicht
Der Mond steigt empor

 

Ein Senryū.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 8. Juni 2013 war die Ruhe.

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Doch kein Ruhetag für mich (Nº 159)

Saalehochwasser: Eine Woche Katastrophenfall in Halle (Saale) und in HaNeu

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Noch immer gibt es keine Entwarnung, denn noch immer steht die Saale am Gimritzer Damm. Einem Damm, der nach den Aussagen der dort arbeitenden Fachleute und Einsatzkräfte beinahe einem Wackelpudding gleicht. Ehe die Saale nicht unter 4,50 m (meine Meinung, das ist keine offizielle Zahl) gefallen ist, hat dieses Bauwerk auch keine Möglichkeit zu trocknen und so wieder stabil zu werden.

Aber in der Hafenstraße (auf dieser Karte mittendrin unter dem Ende des Wortes “Sophienhafen”), auf der anderen Seite des Gimritzer Damms, war ich am Freitag. Nein, so richtig Ruhetag konnte ich nicht machen, wollte ich nicht machen, nachdem ich die aktuellen Informationen über die Hochwassersituation kannte. Irgendwann muß ja mit dem Aufräumen, Schlammwegschippen oder -spülen usw. usf. begonnen werden. Und am Nachmittag war ungefähr der Wasserstand erreicht, bei dem ich am Montag das Gelände verließ.

Zu viel wollen wir dort allerdings noch nicht tun. Es wird ja für das Wochenende wieder Regen vorhergesagt, der die Pegel wieder steigen lassen könnte. Aber ich bin nunmal in diesem Verein, ich kann da nicht einfach zuhause sitzen und nichts tun. Also pack ich mit an und blieb vergangene Nacht als Nachtwache dort.

 

Wenn ich mich umsehe: Es ist die ganze Woche nicht viel von der Ausnahmesituation “Katastrophenfall” zu sehen gewesen hier in Halle-Neustadt, nicht da, wo ich wohne und unterwegs bin. Wenn nicht die geänderten Fahrpläne und Fahrstrecken des Öffentlichen Nahverkehrs wären, fiele den Menschen wahrscheinlich nichts davon auf. Ja, auch für mich lief das Leben erstaunlich normal weiter in dieser Woche.

Aber die Gefahren, die ich nicht direkt sehe, sind trotzdem da. Und so hoffe nicht nur ich, daß die ganz große Katastrophe, ein Dammbruch, für Halle-Neustadt ausbleibt. Und das nun endlich auch einmal darangegangen wird, die auf und in dem Damm wachsenden Bäume zu fällen und das Bauwerk dann – endlich! – zu reparieren.

Der Emil

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P.S.: Positiv am 7. Juni 2013 waren die gelöste Stimmung, die Zuversicht, die Hoffnung.

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Ruhetag (Nº 158)

Gibt es diesen Tag noch?

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Er scheint auszusterben, der Ruhetag.

Ich kenne den Ruhetag noch von Schildern an Gaststätten und anderen Einrichtungen und von den verschlossenen Türen. Es gab sogar oft zwei zusammenhängende Ruhetage, die mit den Öffnungszeiten an den Schildern und Tafeln bekanntgegeben wurden. Bäcker und Fleischer zum Beispiel hatten beinahe DDR-weit montags geschlossen.

Nach fünf Tagen (Erwerbs-) Arbeit folgten seit 1968 zwei Tage des Ausruhens. Mag sein, daß das nur nach außen hin so war. Vielleicht wurde an den Ruhetagen geputzt und gewienert; vielleicht wurden Vorräte besorgt und aufgefüllt oder andere Vorbereitungen für die normalen Öffnungstage getroffen.

Ruhetage. Nach fünf Tagen voller Bewegung und Lärm folgten zwei Tage der Bewegungsarmut und der Stille. Aufatmen auch für die Umgebung, die die Erholung begrüßt.

Sicher gab es diese Ruhetage bei der Bahn und im Kraftverkehr, in der Energieversorgung und der Chemieindustrie, in den Krankenhäusern und Altersheimen nicht. Dafür gab es andere Mitarbeiterzahlen, so daß am Ende trotzdem die meisten Menschen zwei Tage ohne (Erwerbs-) Arbeit hatten. Wochenendarbeit war in vielen Betrieben nicht angesagt. Die Läden schlossen sonnabends um zwölf.

Auch ich profitiere von den heutzutage anderen Öffnungszeiten im Handel, klar. Aber brauche ich die wirklich? Ohne Handy, ohne Telefon und ohne Internet hatte ich früher alles so organisiert, daß mein Leben auch in den Zeiten der allgemein üblichen Ruhetage wunderbar funktionierte.

Vielleicht sollte ich Ruhetag-Schilder … Nein, kein Projekt, nein-nein. Jedenfalls nicht hier. Und nicht heute, denn seit gestern habe ich zu nah am Wasser gebaut (ich weiß nicht, wieso).

Heute ist, was zu selten ist: Heute ist Ruhetag.

Der Emil

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P.S.: Positiv am 6. Juni 2013 waren Ausschlafen, Sonnenschein, Wärme und sinkende Wasserstände.

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Stop-Beitrag (Nº 157)

Wie es weitergeht ist unklar

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Wollte ich nicht seit Montag schon ruhiger leben? Weniger Termine usw. haben? Heute ist Donnerstag, und ich habe es noch nicht geschafft.

 

Ja gut. Aber so ein Hochwasser fragt nicht nach meinen Plänen. Da helfe ich, soweit ich kann. Ich habe Muskelkater in den Armen und im Rückenbereich von dem ständigen Hin- und Herdrehen in der Hüfte. Dafür ist mein Auge wieder in Ordnung – die Tropfen werde ich wie vorgeschrieben aufbrauchen.

Als ich gestern nach einem lange geplanten Treffen mit Bekannten heimwärts in Richtung HaNeu fuhr, überlegte ich wirklich, den Abend wieder beim Sandsacken zu verbringen wie am Dienstag. Aber dann – dann bin ich doch nach Hause. Noch nicht einen Tag konnte ich besser und weniger hektisch verbringen. Am Mittwochabend um 21 Uhr habe ich ganz alleine an mich gedacht und mir selbst “Stop!” gesagt.

Heute nutze ich den Tag für meinen Hausputz – und vielleicht geh ich am Abend wieder an den Deich. Je nachdem, wie sich das Hochwasser entwickelt. Und auch wie es mit dem Gimritzer Damm (völlig durchnäßt, teilweise von Wasser überspült und bis zur Belastungsgrenze mit Sandsäcken verstärkt) weitergeht, das ist völlig unklar.

Der Emil

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P.S.: Positiv am 5. Juni 2013 waren der noch immer stehende Gimritzer Damm und die vielen Daumendrücker und die vielen guten Wünsche.

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Erfolgreiche Hilfe (Nº 156)

Persönliches Leid und noch nicht eingetretene Katastrophe

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Zumindest weiß ich jetzt, woher mein Fieber am Montag kam. Am Montag Abend hatte ich ständig das Gefühl, ein Sandkorn im linken Auge zu haben. Doch alles Spülen half nichts. Am Dienstag vormittags “niftelte” (nifteln: sächsisch/erzgebirgisch für [unangenehm] reiben, scheuern, kratzen oder eine Mischung daraus; auch niffeln ist gebrächlich) noch immer recht heftig.

Also nahm ich am Dienstag die Odyssee einer Reise in die Altstadt von Halle (Saale) auf mich. Der Straßenbahnverkehr zwischen Halle und HaNeu ist ja eingestellt, weil in der Mansfelder Straße und in der Herrenstraße jeweils Straßenbahngleise überflutet sind (alle Bilder am 04.06.2013 gegen 16.30 Uhr auf dem Rückweg nach HaNeu gemacht):

Mansfelder

Mansfelder Straße. Bild vom 04.06.2013 nachmittags.
Straßenbahnhaltestelle Ankerstraße. Hier fahren normalerweise die Linien 2, 5, 9 (am Wochenende), 10, 11 und 18 (Baustellen-Ersatzverkehr) sowie die Buslinie 68 (Baustellen-Schienenersatzverkehr).

Herrenstraße Halle (Saale)

Herrenstraße. Bild vom 04.06.2103 nachmittags.
Die Straßenbahnlinien 4, 9, und 94 würden dort entlangfahren.

Die Stadtschleuse ist ebenfalls nicht mehr als solche zu erkennen:

Stadtschleuse Halle (Saale)

Stadtschleuse, Bild vom 04.06.2013
Links das Schleusenwärterhaus. In der Mitte des Bildes ist die Oberkante eines Schiffahrtszeichens zu erkennen. Fallhöhe in der Schleuse normalerweise >1,12 m – aber von der Schleuse selbst ist nichteinmal mehr die Oberkante des flußabwärtigen Tores zu sehen.

Also, ich fuhr mit einem Schienenersatzverkehr von HaNeu zum Leipziger Turm, von dort mit der Straßenbahn zum Marktplatz. Dann besuchte ich meine Augenärztin. In der Zwischenzeit hatte das Nifteln (s.o.) zwar aufgehört, aber es blieb ein ungutes Druckgefühl. Und ich sehe jetzt noch nicht richtig scharf mit dem linken Auge. Ursache: eine Infektion im linken Auge. Bekämpfung: Antibakterielle Augentropfen und Spülen, Spülen, Spülen – aber nicht mit dem Saalehochwasser.

Wie die Situation insgesamt aussieht, habe ich in folgender Karte zu kennzeichnen versucht:

Karte Halle (Saale)

Karte Halle (Saale)
Die Überflutungsfläche wird “unten in der Karte” wahrscheinlich noch weiter gehen. Auch die Ausdehnung nördlich der Magistrale/Hochstraße (“oben in der Karte”) ist nicht vollständig und korrekt. (Screenshot der Karte von OSM.ORG)

Das von mir rot schraffierte Gebiet ist eine einzige Wasserfläche. Aber noch (!) werden der Gimritzer und der Passendorfer Damm gehalten (dunkelblaue Linien). Übrigens wurden auch am Rennbahnkreuz Fahrleitungen der HAVAG demontiert.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Juni 2013 war die schnelle Hilfe bei meiner Augenärztin und der weitgehend erfolgreiche Einsatz aller Helfer beim Saalehochwasser. Danke dafür!

P.P.S.: Bitte verzeiht mir, daß ich zur Zeit keine Blogrunden drehe: a) habe ich noch immer keinen neuen Rechner und blogge von einem absoluten Notgerät aus und b) bin ich doch ziemlich mit der Situation in der Stadt beschäftigt und auch an den Dämmen unterwegs.

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