Stapelweise stehen die Kartons (2017: 229)

Wie ich ertappt wurde.

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Jetzt muß es aber schnellgehen. So selten, wie die Alte das Haus verläßt, muß ich die Gelegenheit jetzt nutzen. Das gäbe ein Theater, wenn sie mitbekäme, was ich hier tu. Ein Gezeter. Weil “Das kannst Du mir doch nicht wegnehmen!” Und “Das ist zu gut, das wird nicht weggeschmissen!” Also jetzt. Wenigstens einen Stapel der leeren Schuhkartons sollte ich flachgepreßt zum Alpapier schaffen können. Bei der Menge, die dann noch hier unten stehenbleibt, dürfte das vorerst nicht auffallen.

Ja, Schwiegermutter hat einen Schuhtick gehabt, früher. Und sie selbst hat viele der Pumps, Sandalen, Stilettos, Stiefelchen und wie die alle heißen, bereits weggegeben, weil sie mit den Jahren zu eng wurden oder doch kaputtgegangen waren. Seltsam, daß sie sich von den Schuhen trennen konnte, aber unter keinen Umständen die leeren Schuhkartons aus dem Haus geben möchte! Ist das jetzt Alterstarrsinn, mit 72? Schneller, ich muß schneller sein, sonst bin ich mit dem einen Stapel noch nicht fertig, wenn sie zurückkommt. Mist, sie ist schon wieder da, ich höre sie, wie sie mit jemandem spricht …

“Gehen Sie ruhig runter, unten ist der Hobbykeller, in dem ich alles stehen habe. Und Sie sind sich sicher, daß Sie heute alles wegschaffen können?” Eine Männerstimme brummelt etwas kaum Verstehbares, dann öffnet sich die Tür. Ich erstarre vor Schreck neben einem kleinen Häuflein bereits plattgetretener Pappe. “Wenn mir ihre Schwieger­tochter auch weiter beim Zusammanpacken hilft, dann räume ich heute alles raus. Und es sollte auch alles in meinen Kombi passen”, ruft der Hausmeister der Schule hier in unserer Straße zur Schwiegermutter hinauf.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 17.08.2017 waren eine neue Bluetooth-Tastatur, eine kurze Zeit im Radio, Tomatensalat zum Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Kelche.

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Buchbeginn (2017: 228)

Verschiedene Hirne.

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Entschuldigung, daß ich schonwieder zitiere, aber wenn ein Buch ausgelesen ist, muß ich ja ein nächstes beginnen – was bei mir oft mehrmals in der Woche geschieht. Aus der Büchertauschzelle nahm ich mir bei einem der letzten Besuche die “Reise nach Karkau” von Jurij Brězan mit. Heute früh nahm ich es zur Hand, schlug es auf und: erstarrte ob des ersten Satzes. Der ist eine Art Prophezeiung, denn das Buch wurde 1966 im Verlag Neues Leben Berlin veröffentlicht!

 

 

» Physiker und Philosophen mögen reden, was sie wollen – ich behaupte, das wirkliche Handikap des Menschenhirns gegenüber dem Elektronengehirn liegt nicht in seiner relativen Schnecken­haftig­keit, sondern darin, daß es unkontrollierbar Dinge speichert und Dinge ausspuckt und sich den Teufel schert, was daraus wird. «

Jurij Brězan: Reise nach Krakau. S. 5.
5. Auflage 1979 © 1966 Verlag Neues Leben Berlin, DDR

 

 

“… dß es unkontrollierbar Dinge speichert …” – oh ja. So ist es wohl. Und, ebenso schrecklich: Selbst bewußt im Hirn (also im Gedächtnis) gespeicherte Dinge läßt eben jenes Hirn ganz heimlich wieder verschwinden!

 

Nun, der Buchbeginn machte mich neugierig. Und bisher hält das Büchlein, was mir der Anfang versprach.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 16.08.2017 waren die kauflose Einkaufstour, eine nette Begegnung mit zwei unbekannten Menschen, leckere Nudelsoße.
 
Die Tageskarte für morgen ist XIV – Die Mäßigkeit.

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Bewußtes Stagnieren (2017: 227)

Das Regelmäßige ist eine endgültige Form.

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Jedenfalls, wenn ich Arne Dahl und einem Protagonisten aus dem gerade ausgelesenen Buch glauben darf:

 

 

» Irgendwann vor langer Zeit hatte sein Leben stagniert und, wie seine Glatze, seine endgültige Form angenommen. Es war ein sehr bewußtes Stagnieren gewesen. Das Regelmäßige lag in seinem Wesen, das Korrekte, das Legitime, das, was es schwarz auf weiß gab. Er hatte immer geglaubt, daß die Menschen im allgemeinen so waren wie er, fleißig arbeiteten, nicht mit den Krankmeldungen mogelten, ohne zu murren ihre Steuern zahlten, dem universellen Regelkanon folgten und sich durchschnittlich fühlten, ohne besondere Höhen und Tiefen. «

Arne Dahl: Misterioso. S. 163 f. Ungekürzte Taschenbuchausgabe Februar 2006
© der deutschsprachigen Ausgabe 2002 Piper Verlag GmbH, München
ISBN 978-3-492-26159-3

 

 

Nein, ein solches Leben möchte ich nicht, nicht ein so nivelliertes. Selbst zu DDR-Zeiten war ich weniger angepaßt. Und auch der, der so über sein Leben denkt, ändert seine Meinung im Buch.

Es tat dem Lesevergnügen absolut keinen Abbruch, daß ich den dazugehörigen Film vor langer Zeit einmal sah.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 15.08.2017 waren der Einkaufsbummel, das Nicht-Finden und -Kaufen, Dr. Who am Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist V – Der Hierophant.

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Das hofeigene Badegewässer (2017: 226)

Vor etwa 50 Jahren

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Planschender Knabe

Planschender Knabe

 

Ein blonder Junge in Badehose steht mit den Füßen in einer Zinkwanne, nicht die badewannengroße, nein, die, in der damals die Wäsche gemacht wurde. Lachend spritzt der etwa Fünfjährige Wasser in Richtung des Vaters, der ihn photographiert. Mitten ins Bild wurde der Sohn gerückt, weil er im Moment der Aufnahme das wichtigste ist. Hinter ihm trennt ein Zaun aus Netz den Entenstall – eine aus Bretterresten zusammengenagelte Art große Hundehütte mit Pultdach, links ist die Tür offen, in der Mitte ein zweiflügeliges, geschlossenes Fenster, rechts nochmal eine mit Folie verschlossene Tür, vielleicht 1,5 mal 0,5 mal 0,8 Meter groß – und den Auslauf für das Geflügel vom Rest des Hofes. Im Entengehege eingeschlossen ist die Fliederlaube, die immer so genannt wurde, obwohl der Dreiviertelkreis nie ein vollständiges (Blätter-)Dach hatte; doch in manchen Jahren standen darinnen Bänke und Tisch, die aus Birkenstämmchen und -ästen selbstgebaut waren. Einmal durfte der Junge sogar mit Hammer und Nägeln bei Reparaturen helfen, das gefiel ihm ausgezeichnet. Überhaupt durfte er beim Großvater auf dem Bauernhof vieles tun, was sonst nur Große machten. Auch am Lattenzaun, der das Entengatter zum Rest des Hühnerhofes abgrenzt, hat er mit genagelt. Selbst die runden Holzmieten baute er mit auf, und auch die Heumiete, die da zu sehen ist, hat er mit aufgeschichtet.

Links neben der Zinkwanne liegt das Handtuch im Gras. Auf der nicht ganz im Bild sichtbaren Waschbank liegt eine Decke, und darauf das Nicki des Jungen. Der genießt den Sommer auf dem Bauernhof ganz und gar. Und das Wasser in der Wanne, das er selbst mit einem Eimerchen von der Pumpe geholt hat. Damals, als das Bild gemacht wurde, 1968 oder 1969, gab es im Haus noch keinen Anschluß ans Trinkwassernetz, alles Wasser kam von der hofeigenen Wasserpumpe im hofeigenen Brunnen. Und zu trinken gab es etwas, nach dem er sich noch heute manchmal sehnt: selbstgemachter Sirup aus schwarzen Johannisbeeren. In deren Sträuchern hinter dem Holz- und Fahrradschuppen versteckte er sich gern. Unterm Schilfdach oben im Haus, neben der Tenne mit den Getreidehäufen und der Räucherkammer, in einem weiß gekalkten Zimmer stand ein altes Kastenbett. In dem lagen Heusäcke als Matratze. Und ein altes Buffet stand in dem Raum, hinter dessen Glastüren Bücher standen, in denen der Junge abends nach dem Zubettgehen noch blätterte.

Die Zinkwanne stand da, wo die Markierung auf dieser Karte hinweist (links oben auf Satellit umschalten). Der Junge in dem alten Schwarzweißfoto war, bin ich. Und zum letzten Mal war ich wohl vor etwa 40 Jahren auf dem Hof der Großeltern väterlicherseits, da war der Großvater schon tot.

 

Ob ich irgendwann, irgendwann nocheinmal in diesem Dorf zwischen Schloß und Schwanten ein paar Blicke in meine Vergangenheit werfen werde?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Ansehen und Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 14.08.2017 waren eine weitere fast fertige Szene, neue Shirts, getauschte Bücher.
 
Die Tageskarte für morgen ist X – Das Rad des Schicksals.

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Erledigt-Liste (2017: 225)

Viel oder nicht: jedenfalls Genug.

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  • Einen schwierigen Entschluß gefaßt
  • ausgepackt und gebügelt und weggeräumt
  • in Stückchen/Brocken weitergeschrieben
  • wieder viel mehr als gewöhnlich geschlafen
  • zum ersten Mal Couscous gemacht
  • keine Idee für einen vernünftigen Blogbeitrag

 

Mehr war an diesem Sonntag nicht.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 13.08.2017 waren ein paar mehr bekritzelte Schmierzettel, geschaffte Ordnung, Gedankensortiererei.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Schwerter.

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Ungeliebte, unerprobte Methode (2017: 224)

Erfolg und Unzufriedenheit

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Oh, ich hatte heute durchaus Erfolg. Seit Wochen suche ich nach einer neuen schwarzen Jeans – aber irgendwie sah ich (außer an der Stelle, da ich dann heute eine kaufte) nirgends, nichtmal bei den Markenjeans, schwarze Hosen. Es blieb dann nichts andere übrig, als eben dort für viel Geld, jedenfalls für meine Verhältnisse viel Geld, zu kaufen. Und weil ich für das Sonntagsessen noch Butter brauchte, nahm ich auch die mit. Für – ich dachte, mich laust der Affe – 1,79 Euro, also etwa 3,45 DM! Und dann schaute ich etwas genauer hin: da 20 Cent mehr, dort 50 Cent, die billigsten Würstchen im Glas kosten nicht mehr 0,95 Euro, sondern 1,09 Euro usw. usf. Kein Wunder, daß das mir zugeteilte Geld für eine Woche Leben kaum noch reicht. Ich werde in den nächsten Wochen etwas genauer hinsehen.

 

Neben diesen profanen Sorgen aber …

 

Vor fast zwei Jahren schrieb ich einen Anfang und – weil ich zu müde war zum Fertigschreiben an einem Stück – einen “Ablaufplan” (ich weigere mich, diese Stichwortskizze “Exposé” oder anders professionell zu bezeichnen). Beides nahm ich heute zur Hand. Den Anfang mag ich noch immer sehr, fast zu sehr, und ich lasse ihn so, wie er ist. Aber ich schreibe das Ganze neu, nahm ich mir vor. Die wichtigen Figuren kenne ich alle schon, zumindest flüchtig. Der Ablauf steht auch ziemlich sicher. Heute begann ich, auf eine für mich völlig ungewöhnliche Weise daran zu arbeiten: Ich beschrieb drei, nein, vier Orte, an denen Handlungen (zwei wichtige, zwei eher nebensächliche) geschehen werden. Und zu jedem der Orte notierte ich die Personen und die Geschehnisse, wieder nur in Stichworten, Satzfetzen, in einigen unbedingt zu nutzenden Wendungen. Das ist so … so … so ungewohnt und teilweise auch unbefriedigend für mich, der ich sonst ja immer in einem Rutsch durchschreiben kann und will. Und das alles nicht in einer Kladde, wie ich sonst zu schreiben pflege, sondern auf Schmierzetteln, also einseitig bekritzelten/bedruckten halben Blättern DIN A4, von denen ich die zusammengehörigen aneinandertackerte und danach alle gelocht entsprechend der ursprünglichen Stichwortliste sortiert in einen Orner heftete. Diese … Arbeitsweise ist mir so fremd, so ungewohnt, daß ich sie wohl sogar unbewußt ablehne. Heute habe ich mich noch gezwungen. Morgen werde ich es vielleicht wieder tun. Übermorgen auch. Und vielleicht tu ich das solange, bis dieser Text wirklich vollständig, fertig ist. Bisher bin ich aber unzufrieden mit dieser Art zu schreiben.

Ich weiß, daß Schriftsteller, wenigstens einige von ihnen, genau so oder dem sehr ähnlich arbeiten. Es gibt jede Menge Anleitungen, Ideengeber, Kurse für genau diese Schreibart. In vielen anderen Bereichen beherrsche ich dieses schrittweise Vorgehen, diese Puzzelei – nicht jedoch beim Schreiben von Geschichten u.ä. Ob das jetzt mein Start in diese mich bisher abschreckende Arbeitsweise wird? Ich weiß es nicht genau. Doch dieser Text, und zur Zeit nur dieser Text, scheint mir damit machbar zu sein, werden zu können. Daß ich, selbst wenn ich das schaffe, damit noch lange kein Schriftsteller bin und vielleicht, wahrscheinlich, nie einer werde, ist mir klar. Es steckt jedoch noch eine leise Hoffnung dahinter: daß mir auch andere Texte mit dieser Methode verfaßbar sein werden, und damit längere Texte möglich werden, leichter werden.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 12.08.2017 waren der Versuch, anders zu schreiben, ein kurzer Besuch bei der allerallerallerbesten Freundin, ein getätigter Einkauf.
 
Die Tageskarte für morgen ist XII – Der gehängte.

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Muße zur Muse (2017: 223)

Ich und nochmal ich.

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Heute schlief ich wieder lang, sehr lange, viel mehr Stunden als sonst. Und was soll ich sagen: Es tut mir gut. Ebensogut wie das lange Bad. Das selbstgekochte Essen (selbstgemachter Kartoffelbrei, vermengt mit Möhren und Erbsen und einer Variante der Gehacktesstippe). Da ist keine Pflicht, die ich erfüllen zu müssen glaube. Da ist keine Angst, etwas nicht zu schaffen, nicht zu erreichen. Am Abend sitze ich bei Kerzenschein am Tisch, die Feder kratzt leise über das Papier. Aus den Lautsprechern tönt leise Volksmusik, die aus dem Heimatlandstrich und solche aus den Alpen. Zuweilen scheint es mir, als sei ich in einer anderen Welt, so friedlich mutet der Moment an.

So sitze ich, pausierend. Das hat nichts zu tun mit … Falscher Anfang.

Das ist Müßiggang; und der ist nicht aller Laster Anfang, sondern bietet meinem Kopf die Zeit, einiges zu sortieren, die Phantasie flanieren zu lassen, den Träumen nachzulauschen, dies oder das zu verabschieden und Neues zu erdenken. Vielleicht ist in all diesem Getriebensein durch die übervollen Terminplaner mir genau das verlorengegangen: die Muße zu Muse, die Gelassenheit im Umgang mit Zeit und “Zielen”, also Dingen, Orten und Erfolgen, die erreicht werden “müssen” – wobei das Müssen von außen aufgedrängt zu werden scheint oder aber von falschverstandenem Anpassungszwang herrührt. Ich weiß, daß ich mich sowohl von diesem, als auch von jenem nicht gleich und wahrscheinlich auch nie ganz freimachen können werde. Aber immer freier zu werden davon, das kann ich doch wünschen und versuchen?

Dieses Vorhaben gehe ich jetzt ganz geruhsam an. Nämlich mit dieser Pause (vom #oekuweg), deren Ende ich noch nicht absehen kann. Und wißt ihr, es ist überhaupt nicht schlimm, daß ich meinen Weg in meinem Tempo zu Zeiten gehe, an denen er mir guttut. Im Moment wäre das wohl nicht so …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 11.08.2017 waren Ausschlafen, Seelebaumelnlassen auch in der Badewanne, Kochen & Essen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Kelche.

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Wenn ich wach bin. Nº 222 (2017)

Ultreïa! Tag 4B (nicht) auf dem #oekuweg

 

Ja, ich habe heute wieder viel länger geschlafen, als es üblich ist. Fast zwölf Stunden; zwar mit einer Pause, aber eben doch einen halben Tag. Erschöpfung, auch körperlicher Art. Und meine Psyche war und ist auch erschöpft, wie immer um den Monatswechsel Juli und August. Weil … da ist nach 22 Jahren noch immer Trauer, oder wieder Trauer, oder endlich Trauer …

Auch morgen werde ich nicht viel tun (können), denn noch immer bin ich müde. Müde. Doch ich kann schlafen. Tatsächlich. Wirklich schlafen. Das konnte ich nie, wenn ich depressiv war, dann leide ich immer an Schlaflosigkeit und auch an Appetitlosigkeit. Und Hunger und Appetit habe ich auch genug. (Und manch andere Kleinigkeit, die dann nicht klappt, funktioniert gerade auch.)

Ich gönne mir die Ruhe. Ich gönne mir den Schlaf. Ich mache Pause und erhole mich. Und denke nach. Und schreibe. Wenn ich mal wach bin.

Und ich plane wieder, kürzere, andere Strecken.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 10.08.2017 wurde nicht gegangen.
 
Positiv waren heute das Ausschlafen, leckere Leber mit viel Zwiebel und selbstgemachtem Kartoffelbrei, einige beschriebene Seiten.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Schwerter.

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Bloß nicht grübeln. Nº 221 (2017)

Ultreïa! Tag 4A (nicht) auf dem #oekuweg

 

Ja, bloß nicht grübeln, nicht die Pause als Versagen oder Abbruch bezeichnen. Und nicht versuchen, ein “Warum?” zu fragen oder gar eine Antwort darauf finden zu wollen. Fakt ist: Ich ging gestern mit schlotternden Knien, war wackelig auf den Beinen, mußte alle paar Meter stehenbleiben. Und das, obwohl ich genügend Kalorien (Frühstück, unterwegs eine Tüte Apfelringe) und Wasser (zwei Liter bis dahin) zu mir genommen hatte. Eine Unterzuckerung war ausgeschlossen. Und weil es nicht heiß und dazu angenehm windig war, schließe ich auch Sonnenstich oder Hitzschlag aus. Der Puls war völlig normal. Und keinerlei Taumeln oder Schwindelgefühl! Also doch “nur” ein Problem im Kopf? Nur?

1000 Meter leicht bergab, im Schatten von Bäumen. Und ich benötigte dafür 45 Minuten. Was Wunder, daß ich nach einem Sitzplatz im Schatten suchte. Wie so häufig finde ich eine Bushaltestelle, Sitzbank, Dach, zusätzlicher Schatten von einem Baum. Sitzen. Nichtstun. Nichtdenken. Atmen. Damit war ich die zwei Stunden Wartezeit auf den auch in schulfreien Tagen (erst morgen beginnt das neue Schuljahr in Sachsen-Anhalt) vollauf beschäftigt. Ach, und natürlich mit Telefonieren und sonstiger Kommunikation.

Dann kam der Bus, die Tür ging auf und der Busfahrer sah mich sonderbar an. Dann in fragendem Ton mein Ausweisvornahme, mein vollständiger Ausweisnahme! Äh: Wie bitte? So hat mich lange niemand mehr angesprochen. Es war dann eine Begegnung mit meiner Vergangenheit, genauer gesagt mit einem Teilnehmer aus einem Fortbildungsangebot. Ich war ja auch 2002 freiberuflicher Instruktor/Trainer für EDV. Naja, ein wenig blieb ich vorne stehen, sprach mit dem Fahrer während der Fahrt – doch dann mußte ich meinen Beinen folgen und mich setzen. Am Ende durfte ich sogar außerhalb einer Haltestelle aussteigen, weil das den Weg zum Bahnhof um 80% reduzierte. Ich stieg baff und dankbar … ja, ergriffen aus. Der Rest? Regionalbahn, Regionalexpreß, Straßenbahn, Bus.

Der Weg nach Halle und zur Bushaltestelle zurück ist preiswerter, als irgendwo unterwegs für zwei oder drei Tage Quartier zu nehmen, und auch wesentlich unkomplizierter.

 

Heute, heute habe ich extrem lange geschlafen, mal wieder mehr als zehn Stunden am Stück. und danach bemühte ich mich, bloß nicht zu grübeln, nicht die Pause als Versagen oder Abbruch zu bezeichnen. Und nicht zu versuchen, ein “Warum?” zu fragen oder gar eine Antwort darauf finden zu wollen.

Langweilig? Ja. Aber noch fehlt mir zu mehr die Energie. Der Antrieb. Der Willen. Ich mach erstmal Pause. Und leere meinen Geist.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 09.08.2017: Couch → Bad → Küche → usw. usf.
 
Positiv war heute die Ruhe.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Das Bett war zu kurz. Nº 220 (2017)

Ultreïa! Tag 4 des #oekuweg mit einem ungeliebten Ende.

 

Ja, das alte Bauernbett war nur 1,70 m lang – aber die Matratze war himmlisch. Ich schlief im Spukschloß viel länger als üblich, nämlich fast neun Stunden, bis ungafähr halb neun. Und ich hörte nichts von den mir berichteten zwei Sirenenalarmen, die um zwei und um vier gewesen sein sollen.

 

 

 

Stop.

 

Es geht mir gerade nicht gut genug, um mehr zu schreiben. Das mache ich morgen.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert erstmal nicht weiter, sondern pausiert und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 08.08.2017: Frankleben → Lunstädt → Roßbach → Halle (Saale).
 
Positiv waren heute das Erwachen, die Begegnung im Bus, das Wannenbad.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

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Irrungen und Wirrungen. Nº 219 (2017)

Ultreïa! Tag 3 größtenteils neben dem #oekuweg

 

Um 6.30 Uhr hatte ich mir den Wecker gestellt, weil die Kinder ab sieben auch alle wach sein sollten und ich bereits 9 Uhr den Platz vollständig geräumt haben sollte. Naja, die Wäsche war nicht ganz trocken, das Zelt war ziemlich naß. Denn die Nacht war so kalt, daß ich mich tatsächlich in meinen Schlafsack einmummelte – wie gut, daß der fast 90 cm breit ist, da haben auch meine Arme im Schlafsack neben mir Platz. Beim rein- und rausklettern sowohl aus dem Schlafsack als auch dem Zelt hatte die ersten Male schon am Abend zuvor meine Schwierigkeiten, das muß ich noch öfters üben. Aber ich habe wirklich sehr gut geschlafen. Also war ich früh wach, sortierte meinen Krempel, der in der Nacht starken Besuch von Mäsen hatte. Die Kinder und ihr Betreuer luden zum Früstück ein, das Telefon und die “powerbank” hingen am Strom. Aber bis neun Uhr? Nicht zu schaffen. So trug ich alles vors Haus, breitete das Zelt aus, leerte den Rucksach und die Tasche, entfernte Mäuseköttel und konnte 9.55 Uhr losgehen. Der Anfang war eine wirklich angenehme Strecke, teilweise ein Naturlehrpfad. Mich störte nur, daß es auf dem nicht eine einzige Sitzgelegenheit gab.

Dann ging es an einer vielbefahrenen Bundestraße nach Merseburg hinein. Statt der im Pilgerführer und anderen Quellen angegebenen 4 km ging ich bis zum Dom knapp 6 km. Als Pilger hatte ich nach Vorlage meines Pilgerausweises freien Eintritt und sah mich eine Weile darin um. Natürlich stieg ich in den (unangenehm für mich klimatisierten) Keller hinab zu den Merseburger Zaubersprüchen, und auch die beiden Raben besuchte ich, zu denen es eine besondere Sage gibt. Nach einer knappen Stunde im Dom ging ich weiter. Ich widerstand der Versuchung, einfach in eine Straßenbahn zu steigen, die mich 800 m von Zuhause hätte aussteigen lassen können und schritt weiter wacker aus. Dabei war mir meine absolute, aber eben nicht mehr vorhandene Ortskenntnis in Merseburg (ich kannte mich einst wirklich ganz gut dort aus!) “sehr hilfreich”, zusätzlich bemerkte ich nicht, das mein Telefon mangels Strom nicht mehr funktionierte. Bis dahin allerings hatte ich alle Muschelzeichen aus den Augen verloren. Ich versorgte das Telefon mit Strom, stellte fest, wo ich war (mittlerweile in Klötzschen) und machte Rast in einem Buswartehäschen. Dann hielt ein Bus, der Fahrer sah mich an – und ich schüttelte den Kopf. Da die Straße recht parallel zum #oekuweg verlief, blieb ich auf ihr und ging nicht zwei Kilometer ungefähr in die Richtung, aus der ich gerade kam und dann nochmal einen Kilometer, um wieder auf gleiche Höhe zu kommen. Und ich war so frustriert! Mir scheint, ich bin noch nicht auf dem Weg angekommen …

Ich hätte es tun sollen, hätte den Bus nehmen sollen, tat es aber nicht. So dackelte ich an einer recht gut befahrenen Straße weiter, immer in der Sonne … Endlich war ich dann in Frankleben, und das Telefon zeigte eine Möglichkeit, ohne Umwege auf die Nachbildung der Via Regia zu gelangen, von derem wirklichen, historischen Verlauf heute u.a. wegen der Braunkohle sowieso nichts mehr feststellbar ist. Auch dieser Weg war wieder weiter als angegeben. Und ich weiß, daß mein Telefonnavi manchmal spinnt und ich bei Stillstehen angeblich Kilometer zurücklege (deshalb rechne ich schon immer etwa 15 % runter von der angezeigten). All das wirkte auf mich ein und machte mich stinkig, so daß ich um 16.15 Uhr dann im Schloß Frankleben blieb. Und mit einem Feierabendbier sah ich mir das Gebäde an, von außen und innen. Feierabend kann so aussehen:

 

Schloß Frankleben

Schloß Frankleben
Weißgetünchte, dicke Mauern aus der Zeit um 1550, die auf Fundamenten einer Wasserburg aus dem 13. Jh. ruhen (so wurde mir heute gesagt), rechtes Ende des abgebildeten Gebäudeteils war früher wohl ein Eckturm mit aufgesetzter, kupfergedeckter Zwiebel.

 

Der Emil

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P.S.: Die Strecke am 07.08.2017: Da das Navi zwischendurch nicht funktionierte, kenne ich die Gesamtlänge nicht. Aber ich ging von Löpitz bis zum Ziel ca. viereinhalb Stunden.
 
Positiv waren heute die Idee, den Kindern ein Eis zu spendieren, der Dombesuch, mittelalterliches Quartier.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Stäbe.

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Zum ersten Mal zelten. Nº 218 (2017)

Ultreïa! Tag 2 auf dem #oekuweg

 

Gegen sieben wurde ich das erste Mal wach, klar, meine sieben Stunden Schlaf waren um. Doch nichts konnte mich von sofortigen Aufstehen überzeugen. Auch nicht die Rufe der Turmfalken, die in diesem Jahr zwei Jungvögel im Kirchturm aufzogen. Aber halb acht dann treppe ich die Rannte hinab. Nein. Auf Kaffee verzichtete ich am Morgen. Während sich die Mitpilger verabschiedeten, packte ich meinen Krempel (übrigens wieder zweimal). Dann trank ich doch noch einen Tee und aß etwas, ehe ich um 9.22 Uhr selbst startete. Ohne Ziel, wie ich mir einreden zu vermögen glaubte. Unter Autobahnen, zumindest aber unter der A 4, ist es laut und zugig; dafür entschädigt die Ruhe in der Horburger Marienkirche, in der heute wieder die Weinende Madonna zu sehen ist. Ich gönnte mir eine kurze Zeit der Andacht und ein Ave Maria (ja, ich kann es, als Evangele, allerdings nur Deutsch – also hei&szligt; es “Gegrüßt seiest Du, Maria”). Und nein, ich habe kein einziges Foto gemacht, nicht den winzigsten Augenblick daran gedacht …

Kurze Zeit später wurde der Weg schlammig-glitschig, unbequem. Ein Hund hörte partout nicht auf sein Frauchen, sprang mich an, knurrte. Das junge Tier hatte einfach nicht genügend Erziehung genossen. Ich mußte tatsächlich laut und wütend werden, ehe der Welpe an die Leine kam. Mehr als einmal rutschte ich dann weg, hätte mich beinahe in den Matsch gelegt. Ich wei&szlig, nicht, aber irgendwie fand ich bis zum Ende der Strecke heute weder mein eigenes Tempo noch einen gehbaren Rhythmus. Schnelle, flache, kleine Trippelschritte immer wieder und bewußt weite, langsame wechselten sich ständig ab. Da war das Gehen nicht wirklich eine Freude.

Dafür aber die Begegnungen. Der Herr, der sich in dem Buswartehäuschen für ein paar Worte und Minuten zu mir setzte, der gerade Wirbelsälenoperierte Mann mit zwei Krücken und Hundchen, dessen Krankheitsgeschichte ich mir vor seinem “Guten Weg und Gottes Segen” anhörte, die Fahrradfahrer, die mir auswichen, anhielten und nach meinem Gepäck fragten und nach meinem Ziel, die beiden Menschen, zu denen ich mich an einem Rastplatz setzte und die die Muschel für ein Hinweiszeichen für Angler hielten. Immer nahmen all diese Menschen und ich uns Zeit für ein paar … ich möchte fast sagen: liebevolle, zumindest aber ehrliche und wohlwollende Worte.

Als ich dann sah, daß der gegangene Weg deutlich länger war als überall angegeben, als mir Schultern und Füße schwer wurden, ging ich doch zur Herberge in Löpitz. Die war voll belegt mit Kindern, die hier mit einem Betreuer ein Ferienlager machten. Aber nach meiner Frage, ob ich mein Zelt irgendwo aufbauen könnte, gab es kein weiter mehr. Das Zelt steht, ich habe es also nicht nur mitgeschleppt:

 

Das Zelt im Herbergsgarten unter dem Vordach einer Gartenlaube

Das Zelt im Herbergsgarten unter dem Vordach einer Gartenlaube

 

Ich werde hervorragend schlafen nach einem sehr lustigen Abend mit sportbegeisterten, sich austoben dürfenden Kindern und ihrem wunderbaren Betreuer. Vielen Dank, Frank.

 

Der Emil

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P.S.: Die Strecke am 06.08.2017: Kleinliebenau → Horburg → Dölkau → Zweimen → Raßnitzer See → Wallwitzer See → Löpitz: 16,4 km in 4 Stunden und 33 Minuten.
 
Positiv waren heute Andacht, Begegnungen, Kinderlachen & mein Zelt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Münzen.

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“Gerannt”. Nº 217 (2017)

Ultreïa! Tag 1.

 

Eine Stunde später als geplant fuhr ich mit der S-Bahn von Halle nach Leipzig. Vorher traf ich in der Bahnhofsmission noch zwei Menschen, die auch pilgernd unterwegs waren, auch auf dem Ökumenischen Pilgerweg in beiden Richtungen. Naja, die hätte ich sonst wahrscheinlich nie gesehen und mich auch nie so kurzweilig mit ihnen unterhalten.

Gudrun erwartete mich schon am Bahnsteig, wir saßen dann ein Weilchen mit einem Kaffee – Danke, Gudrun! – im Schatten in dem kleinen Park direkt vorm Leipziger Shoppingcenter mit Gleisnaschluß. Bevor wir losgingen zur nächsten Haltestelle der Bimmel, eben auch in Richtung des Weges, machte sie mit ihrem Telefon noch zwei Bilder von mir. Ich hoffe, sie sind geworden. Wir verabschiedeten uns kurz, denn “ihre” Bahn fuhr gerade in die Haltestelle. Ich winkte ihr hinterher.

Ziemlich genau um zwölf ging ich dann alleine weiter. Ein paar Straßen der Stadt, dann durchs Rosental, durch die Burgaue, durchs Quasnitzer und Hänicher Holz; weil ich dort aber irgendwann keine Muscheln mehr sah, kürzte ich ab, ging den Luppebogen nicht mit, sondern sehr gerade auf die Domholzschänke zu. Plötzlich hatte ich nur noch einen Kilometer zu gehen. Viel zu früich dann an der Rittergutskirche Kleinliebenau. Bis dahin hatte ich eine Pause gemacht, drei Liter Wasser getrunken. Auf dem Telefon wurden mir 13,7 km (statt geplanter 14,75 km) in nur 2 Stunden und 20 Minuten reiner Gehzeit angezeigt, das waren fast 6 km/h statt der geplanten 3,5 bis 4 …

Nach der freundlichen Begrüßung und Einweisung konnte ich mir einen Platz vorbereiten, duschen, das völlig verschwitzte T-Shirt schnell waschen und raushängen. Ich war gerade fertig damit, als zwei weitere Pilger ankamen. Ich begann, meine Notizen zu vervollständigen und abzutippen. Fertig wurde ich damit nicht, denn um 18 Uhr war ich wirklich bei der Pilgerandacht hier in der Kirche. Danach gab es noch das bis kurz vor acht dauernde Gespräch mit dem Menschen, der das Projekt Pilgerherberge und die Restaurierung der Kirche – die nie entwidmet war – erst ermöglichte. Die mittlerweile drei anderen Pilger schlafen heute Nacht in der Kirche, auf der Orgelempore, ich bleibe hier allein.

Das Internet ist hier nicht besonders stabil, ich wollte gerne nachsehen, ob es nicht um Merseburg herum noch andere Herbergen gibt und so aus den für morgen geplanten zwölf vielleicht doch ein paar mehr Kilometer werden, wenn es nicht regnet, könnte ich vielleicht gar bis Frankleben …

So, nun hoffe ich, daß das Netz mit mir ist.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 05.08.2017: Leipzig Hauptbahnhof nis Kleinliebenau (13,7 km).
 
Positiv war heute eine Ankunft, ein Gespräch, Ruhe.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Kelche.

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Unterschlagen. Nº 216 (2017)

Ultreïa! Tag X-1

 

Ich habe tatsächlich die erste Etappe meines diesjährigen Pilgerweges unterschlagen, vergessen, ausgeblendet – was auch immer. Morgen früh, am 5. August 2017, geht es los: Um 7.48 Uhr steige ich vorm Haus in den Bus und fahre nach Leipzig. Vielleicht treffe ich mich morgen dort noch mit Gudrun von den Spinnradgeschichten – und dann liegen die ersten 17 km vor mir, vom Hauptbahnhof bis in eine kleine Kirche in Kleinliebenau. Weil nun Wochenende ist und die Versorgung sowohl morgen als auch am Sonntag sowohl wochentags- als auch streckenbedingt eher schlecht sein wird, habe ich etwas mehr an Vorräten dabei. Dafür ist der Rest leichter geworden, denn ich habe das Netbook gegen Tablet und Bluetooth-Tastatur getauscht und auch sonst einige Sachen weggelassen, die ich voriges Jahr auf dem #oekuweg nicht nutzte.

Kirche. Strohlager. Schloß. Das sind die ersten drei Pilgerherbergen. Denen, die sie betreiben und betreuen, möchte ich schon jetzt danken für ihre Unterstützung –und natürlich auch für ihren Beitrag zur Erhaltung einer uralten Reiseform: zu Fuß unterwegs sein. Erinnert euch: Goethe ging zu Fuß nach Italien, Heine durchwanderte den Harz. Und seit Urzeiten ist eine Tagesstrecke um die 25 km; so weit ist Gotha auch von Erfurt entfernt. Beide Städte werde ich durchqueren, wie auch Merseburg, Freiburg (Unstrut), Naumburg und am Ende Eisenach. Mal sehen, ob ich wenigstens alle Dome besichtigen werde. Auf den Hörselberg jedenfall werde ich steigen, der Weg führt darüber hinweg.

Treffe ich wieder Menschen, mit denen ich ein paar Schritte gemeinsam gehen darf? Was sehe ich alles, was ich sonst nicht bemerke?

Für 13 Etappen (vielleicht 14) hoffe ich auf gute Begegnungen und leichtes Unterwegssein.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 04.08.2017: dreimal Rucksack ein- und umpacken.
 
Positiv war heute das Treffen mit der allerallerallerbesten Freundin, das funktionierende Equipment, der fast fertige Rucksack.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Vielleicht schon übermorgen (2017: 215)

Irgendwie packt es mich jetzt doch.

To get a Google translation use this link.

 

Oder aber auch erst am Montag. Nicht am Sonntag, denke ich.

Es ist egal. Ich weiß, woher diese Unwohlsein kam. Vom Aufschieben. Seit ich das Losgehen nicht mehr vor mir herschiebe, sondern nur noch einige Dinge zu erledigen habe, seitdem ist es weg, dieses Flattern der Nerven, das Grummeln im Bauch. Heute zum Beispiel bin ich den ganzen restlichen Weg gegangen, von Leipzig bis Vacha, in zwölf bis vierzehn Etappen. Ich habe für den Weg nun zwölf GPX-Tracks – früher schrieb ich mir Orte und Straßen auf einen Zettel, heute kann ich mir die fetten Striche in der Karte auf dem Telephon ansehen. Ein Karte habe ich aber auch noch dabei.

Die längste Tour ist 28 km lang und führt von Stedten (am Ettersberg) durch Erfurt hindurch. Ich bin nicht gerne in Städten zu Fuß unterwegs, will schnell hindurch. Und die darauffolgende Nacht in einem Raum voller Bücher schlafen. Die kürzeste Tagesroute – eigentlich sind es zwei: Kleinliebenau → Luppenau und Luppenau → Frankleben – hat etwa zwölfeinhalb Kilometer

Ich werde in einem Schloß schlafen, in einem Strohlager, in Pfarrhäusern, vielleicht auch im Zelt, in mindestens einer Kirche. Ich werde gehen und twittern und denken, bis dann das Denken durch das Erleben ersetzt wird. Sehen werde ich und riechen (ja, auch ich werde riechen). Und schmecken, glaube ich, werde ich auch wieder, am Wegrand werden hoffentlich reife … Obste? Öbste? Am Wegrand wird hoffentlich viel verschiedenes Obst reif sein. Ich hoffe ja auch darauf, daß sich für die zwei Wochen stabil trockenes, nicht zu heißes Wetter einstellt, dann sind die 241 km (laut Planung, am Ende werde ich einige Kilometer weiter gegangen sein) gut zu machen.

Was ich mich jetzt frage: Gibt es Blogger und/oder Twitterer an der Strecke, die ich treffen werde? Finde ich immer rechtzeitig genug Wasser und Läden? Habe ich genügend Klopapier dabei? Ist das Mobilfunknetz abends gut genug für den Blog? — Wie im letzten Jahr werde ich feststellen, daß alles paßt.

Also: Es geht los – ähm: er geht los. Wundert euch also bitte nicht, wenn ich euch demnächst wieder mit “Ultreïa!” begrüße.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 03.08.2017 waren das Loslassen, die fertige Planung, der explodierte Ricksack.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVI – Der Turm.

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