Demokratie kommt aus dem Griechischen (187/178)

Politik? Darüber schreibe ich doch nicht.

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Eigentlich. Eigentlich müßte ich heute über dieses leidige Thema Austerität und Griechenland schreiben. Das ist ja wohl das Thema gestern gewesen. Aber ganz ehrlich: Wie soll ein Land schuldenfrei werden, wenn es immer nur noch mehr Kredite zur Schuldentilgung erhält, also um Schulden zu bezahlen noch viel mehr neue Schulden anhäufen soll? Neee, das ist mir zu skurril.

Und dann der Aufschrei, weil eine Regierung, die ihr Volk vertritt, tatsächlich das Volk entscheiden läßt. Warum, wie ein Abgeordneter der Bundestages letztens sagte, daß das “gemeine” Volk zu unwissend (oder ungebildet) sein soll, um soche Entscheidungen zu treffen, das weiß ich nicht. Denn die MdB sind ja auch aus dem Volk, oder? Zählen die nicht mehr zum Volk?

Egal, darüber wollte ich sowieso nicht schreiben.

Aber es ist schon erstaunlich, daß Demokratie nicht zum Euro paßt – oder ist es eher so, daß dieses “vereinte” Europa, welches von nicht demokratisch gewählten Gremien geleitet wird, in dem nicht demokratisch gewählte ∗IrgendeinBeruf∗ über eine Währung bestimmen, die den Völkern übergestülpt wurde wie ein löcheriger Blecheimer, der aber das Alleinseligmachende sein soll … daß also dieses Europa nicht zur Demokratie paßt?!

Demokratie. Volksherrschaft. Endlich einmal wahrgemacht in Griechenland und dem Kapital überhaupt nicht passend. Monetokratie. Kapitalherrschaft. Meudalismus. Imperialismus des Geldes, der Lobby, des Kapitals. Ab und zu darf ich meine Stimme abgeben – und danach habe ich die Schnauze zu halten und zu schlucken, was mir da von den Gewählten zugemutet wird. Sorry. Demokratie ist das irgendwie nicht mehr, jedenfalls nicht in dieser Bundesrepublik Deutschland, die in diesem “Vereinten” Europa existiert, unter dieser zur Zeit agierenden Regierungsdarstellertruppe. Da waren doch die Volkskammerabgeordneten volksnäher, da war Wandlitz näher am real existierenden Leben als viele der heute in ihren Villen abgeschottet lebenden und sich Politiker nennenden &!#∗?†$! – ich habe keinen Namen für solche …

Aus einer sozialen Marktwirtschaft wurde eine marktkonforme Demokratie. Das ging nur durch einfachen Ausverkauf. Die Griechen wehren sich dagegen, daß sie ausverkauft werden. Daß ihnen zur Tilgung von Schulden noch mehr Schulden aufgeladen werden. Und die Kinder und Kindeskinder derjenigen, die sich heute gewehrt haben, werden irgendwann einmal zurückblicken und feststellen: Dieser Euro war es sowieso nicht wert.

 

Revanchismus? Rückwärtsgewandtheit? Vielleicht. Aber es gibt wirklich viele Dinge, die uns allen in den letzten 25 Jahren abhandengekommen sind. Einige davon hätte ich gern wieder: z. B. daß die Abgeordneten vor allem ihren Wählern verpflichtet sind und nicht einem ominösen Fraktionszwang unterworfen werden, daß der Bundeskanzler/die Bundeskanzlerin nach dem Amtseid handeln: “Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.” So oft wie unter Angela Merkel wurde das Grundgesetz noch nie so gewaltig geändert, aufgeweicht und verwässert. Und ich hätte gerne wieder Geld, das einen Wert hat, und nicht Papier, das in Größenordnungen einfach so nachgedruckt wird, ohne das es dafür eine echte Wertdeckung gibt.

 

Aber über diese sogenannte Politik wollte ich ja sowieso nicht schreiben.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 5. Juli 2015 waren die 29 °C im Studio, dieleichte abendliche Abkühlung, der improvisierte Song “Ich starr’ auf Holz, Holz, Holz” in der Sendung “Hörspiel auf Verlangen”.
 
Tageskarte 2015-07-06: I – Der Magier.

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Hitzelyrik (186/179)

Japanisch kurz

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Nachttiefes Schweigen
Nur der volle Mond leuchtet
Über trocknem Gras

Ein Haiku.

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Juli 2015 war die ohne umzufallen überstandene Hitze.
 
Tageskarte 2015-07-05: III – Die Herrscherin.

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Gedanken zu Prozessualer Kunst (185/180)


Fernwehleidig hinterherträumend dazugesellen #ansKap

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Irgendlink wird von mir gerade heftig beneidet. Fährt er doch “gemütlich” (im Gegensatz zu seinen letzten Tagen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern) durch ein Land, in dem es etwa 10 Grad kühler ist als hier. Gestern waren es um etwa 15.30 Uhr 38,7 °C im Schatten, an einer leicht vom Wind umwehten und daher schon sehr erfrischend erscheinenden Stelle. Ach, ich als Wintermensch beneide ihn gerade um die 26 °C, die es in Schweden tagsüber sind. Und viel wärmer wird es auf dem Weg #ansKap wohl auch nicht werden.

Da ist es ja kein Wunder, daß ich ihm hinterherträume, mich am liebsten dazugesellen würde zu dem Zweimannteam, welches er und sein Freund Ray gerade bilden und das auf dem großen Schwedischen Radwegenetz unterwegs ist: auf dem Sverigeleden (gibt es leider nur auf Englisch oder Schwedisch). Die großen Wetterdienste sagen für die kommenden Tage Temperaturen um 20 °C vorher, und nur wenig bis keine Niederschläge. Außerdem gibt es in Schweden ja nach jeder Kurve einen neuen, erfrischenden See, dessen kühle Fluten auch zur Kühlung der beanspruchten Köpfe und Beine genutzt werden können. Aber ich wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einfach viel zu untrainiert für einen solchen Ritt in der und durch die Realität.

Faszinierend auch, wie sich die Berichterstattung über die Reise verändert (hat). Zur #umsMeer-Tour 2012 stand einzig und allein der Blog im Vordergrund. Heute changiert die Gewichtung immer wieder zwischen Twitter und Blog hin und her. Es gibt Tage, an denen die Homebase aus Tweets und anderen Nachrichten den “Tagesbericht” erstellt ebenso wie solche, an denen Irgendlink wieder ins Velosophieren gerät und uns, alle diejenigen, die seine Reise auf irgendeine Art und Weise per Internet verfolgen, mit den Ergebnissen der Kopfarbeit vertraut macht (so wie zum Beispiel gestern mit den Opprtunitätskosten). Irgendlink fährt, und viele andere haben das ermöglicht (Danke an euch alle!) und wirken im Hintergrund an der Reise mit. Dazu zähle ich auch die Retweets – also das Weiterverbreiten von Twitter-Mitteilungen – und sicherlich werden auch bei anderen Sozialen Netzwerken (instagram? fakebock? und wie sie alle heißen – in paar Infos darüber sind als Kommentare in Irgendlinks Blog gerne gesehen) Nachrichten von diesem Kunstwerk im Entstehungsprozeß gesendet.

 

Da bin ich bei dem eigentlichen Punkt: Ein Kunstwerk.

Ein Kunstwerk, das ist etwas Fertiges. Ein Photo. Ein Buch. Ein Gedicht. Ein Film. Ein Gemälde, ein Kupferstich, eine Skulptur, eine Plastik. Ah ja. Und wie ist es bei einer Komposition, einem Drama? Die brauchen doch auch die gegenwärtige, im Moment stattfindende Aktivität von Schauspielerinnen und Musikern, Sängerinnen und Tänzern. Erst im Prozeß der Darstellung/Darbietung des “Kunstwerkes” wird das Kunstwerk daraus. Ist es bei dieser Reise #ansKap nicht ähnlich: Betrachten wir da nicht ein Kunstwerk, das gerade aufgeführt, dargeboten, gespielt, gelebt und Er-lebt wird? Er-lebt wie Erschaffen? Erfahren? Und das alles im wahrsten Wortsinne!?

Das Kunstwerk ist nicht das hinterher erhältliche e-Book, es sind nicht die iDogma-Karten, die Fotos. Nein. Das Kunstwerk ist, was gerade in diesem Moment geschieht. Wie bei einem absolut geilen, frenetisch extatisch erlebten Live-Konzert meiner Lieblingsband. Die CD, die ich mir dort nach dem Konzert kaufe, dient nur dazu, mein Kunsterleben erinnerbarer zu machen. Und jeder Moment Kunst, den der Künstler schafft, kostet ihn Anstrengung, im Zweifelsfalle Geld (für die SIM-Karte des Telefones und die entprechenden Gebühren) oder Zeit oder eben, wie er im von mir erwähnten Artikel schreibt, auf dieser Reise eben Kilometer. Der schriftstellernde Appspressionist und Radfahrer als darstellendern Künstler …

Und glaubt mir bitte: Auch andere Kunst erfordert Schweiß und Blut und kostet. Mag sein, daß dann solche wie ich, die sich aus prinzipiellen, persönlichen Gründen bezahltem Kunstschaffen verweigern (naja, wahrscheinlich wird jedes Prinzip irgendwann zumindest einmal gebrochen), die Achtung vor der Leistung einer Künstlerin/eines Künstlers “versauen”, so wie andere Billigheimer woanders die Preise “versauen”. Mit dem (Selbt-)Vorwurf muß ich leben; aber ich muß nicht von meiner Kunst leben. Ich würde das aber ganz sicher gern tun, wenn es möglich wäre; allein daran fehlt mir echt der Glaube, und der Selbstwert und die Zuversicht und der Wille dazu fehlen mir im Moment auch.

Aber der/die da, der/die jetzt in Schweden irgendwo in seinem Zelt/ihren Zelten liegen und tief und fest schläft/schlafen, der ist/die sind dort nicht (nur) zu seinem/ihrem Vegnügen unterwegs. Sondern nimmt/nehmen den ganzen Weg auf sich zu meinem, zu unserem Vergnügen, die wir uns an diesem Prozessualen Kunstwerk #ansKap in all seiner Vergänglichkeit und Konservierbarkeit erfreuen, es ohne Anstrengung genießen können.

Und das alles, das mußte ich mal loswerden.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. Juli 2015 war die 15-Jahre-Radio-Corax-Geburtstagsparty.
 
Tageskarte 2015-07-04: Die Acht der Kelche.

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Aufgabe und/oder Bestellung? (184/181)


“Einmal katastrophisieren bitte!”

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“Einmal katastrophisieren bitte!” So ruft mein Hirn immer wieder. Ein Auftrag? Eine Bestellung? Von meinem eigenen Hirn? — Nein, es ist nicht mein Hirn, es ist die Krankheit, eine von den beiden. Ob’s nun die Depression ist oder Borderline: Das ist – glaube ich – ziemlich egal. Denn jedenfalls fällt es mir schwer, die Folgen zukünftiger oder gerade aktueller Ereignisse realistisch abzuschätzen. Dabei kommen mir zumeist nur – die nur unter ungünstigsten Umständen möglichen – negativen Folgen in den Sinn. Die Variante, daß alles positiv ausgeht für mich (und die Welt), die existiert in meiner Vorstellung nur sehr selten; und wenn es sie überhaupt gibt, dann ist sie so unwahrscheinlich, daß ihr Eintreten genauer betrachtet sowieso unmöglich ist.

Wann und wo und bei wem oder wobei habe ich das so gelernt? Es gab doch eine Zeit vor diesen Abstiegen in die tiefsten Höllen der Selbstabwertung, der Selbstzweifel, der Angst. Wann endete die? Diese Fragen frage ich mich sehr oft, nämlich immer dann, wenn ich bei mir selbst das Katastropisieren bemerke. (Allerdings ist es da oft schon sehr, manchmal sogar zu spät.)

Ich denke gerade mich erinnernd und aufschreibend darüber nach, wann oder womit das anfing. Zur Zeit habe ich drei, vier mögliche Punkte in meinem Lebenslauf ausgemacht, die kumulierend genau das hervorgerufen und verfestigt haben könnten. Aber die Erinnerungen daran sind schwer erreichbar, tun weh.

 

Das muß ich auch noch bewältigen bis zum ersten wirklichen Schritt. Nicht, daß ich dann irgendwann als heulendes Häufchen Elend irgendwo am Wegesrand ende oder wieder für Jahre verschwinde …

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 2. Juli 2015 waren der Besuch beim Baby und ein entspannter Abend im Sender.
 
Tageskarte 2015-7-03: IV – Der Herrscher.

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Kindheitsvergnügen (183/182)

Auf dem Dorfteich

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Luft flirrt überm Floß
Ein Laken hängt schlaff herab
Tümpelseereise

Ein Haiku.

 

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 1. Juli 2015 war die geschaffte Schicht (elende Hitze).
 
Tageskarte 2015-07-02: I – Der Magier.

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Brief an euch (182/183)

An jeden ganz persönlich geschrieben

 

Anklicken und in höchster Auflösung lesen.

 

Brief an euch

In (modernerer) Handschrift
Ganz persönlich.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 30. Juni 2015 waren die endlich geschaffte Hausarbeit, die Geburt von Luise Lotta (13.53 Uhr, 2640 g, 48 cm), der unerwartete Anuf von @irgendlink mit funktionierendem “Knopf im Ohr”, ein neues Paar Schuhe.
 
Tageskarte 2015-07-01: X – Das Rad des Schicksals

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Die Entstehung eines Sehnsuchtspunktes (181/184)


Was aus Zielen werden kann.

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(Dieser Text kann als Fortsetzung zu gestern gelesen werden. Kann, aber muß nicht.)

 

Plötzlich reicht aus der Nacht heraus etwas in meinen Tag, in meine Tage.

Wie wohl jeder Mensch hatte und habe ich in meinem Leben viele Ziele. Einige davon wurden und werden irgendwann unwichtig, weil es nie meine Ziele waren, sondern mir von irgendwem, irgendetwas oder irgendwoher eingepflanzt wurden und tief im Innersten als ewige Fremdkörper erkannt sind. Ein eigenes Haus zum Beispiel. Viel Geld. Dabei ist genügend Geld doch das Erstrebenswertere, was wiederum nicht viel sein muß, oder? Einige Ziele erkannte ich auch selbst nach einiger Zeit als unerreichbar, woraufhin ich sie als Ziel aufgab. Ja, das sind dann keine Ziele mehr. Vielleicht bleibt eine Sehnsucht, die auf diesen Punkt gerichtet ist – doch ich bin realistisch genug, solche Dinge dann auch nicht mehr als (erstrebenswerte) Ziele zu bezeichnen: Sie werden Sehnsuchtspunkte. Und andere Ziele bestehen fort, auch wenn sie aus den Augen verloren scheinen. Noch einmal eine echte Bezehung mit einer Frau, einer ganz bestimmten sogar, in der viele Wünsche wahrwerden könnten. Mein Gang nach Canossa Santiago de Compostella und Finisterra, der langsam und doch völlig unerwartet aus der Phantasie in die Planungs- und Vorbereitungsphase gleitet.

Ähm: Was tut der??? So auf einmal? — Ja! Genauso dumm habe ich vorgestern Abend auch aus der Wäsche geschaut, als mir durch den Kopf schoß, daß das ja die erste planspezifische Trainingseinheit war. Was?! Was war das? Was war da!?

Vorgestern habe ich, entgegen meines ursprünglichen Vorhabens für den Sonntagnachmittag, nach einer kleinen Anregung von der werdenden Mutter ganz heimlich mit dem Training für den Jakobsweg begonnen. So heimlich, daß es auch mir erst am späten Abend auffiel, beim schreiben des Textes für meinen Blog. Mit ihr, der Hochschwangeren, war ich zweieinhalb Stunden unterwegs, einmal um einen der Badeseen herum. Nur spazierengehen. (Beim nächsten Versuch laß ich mein Telefon einen GPS-Track aufzeichnen.) Klar, nur etwa 8 km in zweieinhalb Stunden, aber ich bin völlig aus dem Training, müßte ab sofort wieder barfuß draußen unterwegs sein. Nein, muß. Nur dann kann ich es überhaupt versuchen, mehrere Tage am Stück mehr als zwei Stunden täglich zu gehen. Vorgestern aber: In den Sandalen hatte ich ständig irgendwelche fiesen spitzen Steine unter der Ferse – und die Hochschwangere wollte auch nicht schneller gehen. Außerdem wollte ich ihr zeigen, wo genau die frei zugäglichen Obst- und Nußbäume stehen. Es war auch richtig gutes Wetter zum Gehen, nicht heiß, nicht schwül, ein leichtes Lüftchen wehte. Und am Wegesrand gab es sehr leckeres Naschwerk:

 

Süßkirschen

Herrlicher Geschmack
Saftig, ganz knapp vor der Überreife bis gerade reif.

 

Reife Süßkirschen, gelb-rote. Frisch vom Baum direkt am Rand des Weges. Schon dafür hat sich dieser Weg gelohnt.

Manchmal entstehen Ziele tatsächlich erst direkt beim Unterwegssein. Und Sehnsuchtspunkte nachts.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 29. Juni 2015 war eine ruhige Schicht im Sender.
 
Tageskarte 2015-06-30: Die Königin der Stäbe.

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In tiefer Nacht (180/185)

Nachts ist anders.

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Nachts.

Nachts ist anders.

Nachts weit nach Mitternacht.

Meist zwischen drei und vier Uhr, manchmal aber auch früher. Wachwerden in der Dunkelheit, liegen, zögern, wieder weggleiten aus der Wachheit hinein in luzide Träume. Dann doch ganz im Jetzt und in der Nacht sein. Oft wache ich auf, weil ich mit voller Blase eben nicht gut weiterschlafen kann. Oder weil ich in einem Traum etwas zu Aufwühlendes erlebte. Manchmal scheinbar völlig unbegründet. Aber ich bin irgendwann wach, putzmunter; und bis zum Wiedereinschlafen vergeht immer eine geraume Zeit.

Nachts geschehen wundersame Dinge. In meinen Träumen erfüllen sich alle meine Wünsche. Nachts gibt es kein “nein, das geht doch nicht”. Ich schreibe im Traum ganze Bücher, drehe Filme und Serien, kann durch die Zeit reisen und angstfrei fliegen (solange ich nicht nach unten schaue). Nachts erfinde ich Worte und Sprachen, löse bisher unbekannte Probleme jeglicher Wissenschaft. Immer wieder scheitere und sterbe ich in meinen Träumen, werde verletzt an Körper und Seele. Nachts bin ich unsterblich und träume in Fortsetzungen. Neben dem Schlafplatz liegen Zettel und Stift, und manchmal finde ich morgens Texte und kann mich nicht an den Prozeß des Aufschreibens erinnern. Nachts kommen mir die seltsamsten Fragen in meine Träume, in den Sinn. Und nachts erlaube ich mir auch, sie öffentlich zu stellen (zumindest wenn ich nicht schnell genug Zettel und Stift zum notieren finde – oder wenn ich es ohne aufzuwachen tue).

Plötzlich reicht aus der Nacht heraus etwas in meinen Tag.

Ich muß über genau diese Sehnsuchtspunkte nachdenken. Aber nicht nachts. Denn nachts ist anders.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 28. Juni 2015 waren langes Ausschlafen, ein langer Spaziergang, leckere Kirschen und ein gutes Gespräch.
 
Tageskarte 2015-06-29: Die Fünf der Stäbe.

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Über das Kochen von Eiern (179/186)

Kleine Lebenswirklichkeit

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Bei so einigen Gelegenheiten fällt mir auf, daß unsere technisierte Exaktheit, die an industrielle Fertigung angepaßten und angelehnten Abläufe im privaten Leben so ganz und gar nicht zu dem führen, was Zufriedenheit genannt wird. Wieso zum Beispiel erreichen die gekochten Eier bei mir nur dann den für mich perfekten Garzustand – im Inneren des Eigelbs ist noch ein wenig Flüssiges erhalten –, wenn ich eben nicht auf Uhr oder Wecker sehe? Das ist übrigens unabhängig davon, ob sie viereinhalb oder achtdreiviertel Minuten kochten. Echt! Immer dann, wenn ich nicht auf die Zeit achte, nehme ich sie im besten Zustand aus dem Topf, wirklich egal, nach welcher Zeit.

 

Perfektes Ei

Abendbrot.
In der kurzen Zeit vom Aufschneiden bis zum Photographieren garte das Eigelb alleine mit der Restwärme des Eis noch nach.

 

Und im restlichen Leben wird es oft ähnlich sein. Was ich wirklich gut machen will, das braucht seine Zeit und nur selten einen Termin, aber keinen Termindruck.

Viele Menschen erbringen unter Druck, in angespannten Situationen Höchstleistungen. Ja, das stimmt. Aber nur, wenn man diese Tatsache im Sinne der schnellen und maximierten Gewinnabschöpfung betrachtet, also bei maximaler Ausbeutung. Wie schnell ist dann der Punkt erreicht, an dem ein Mensch nichts mehr leisten kann, weil er ausfällt? Klar, heutzutage sind alle ersetzbar. Alle? Und muß das wirklich so sein? Nur Entschleunigung ist es nicht, was ich hier zu bedenken gebe. Es ist der Abbau von Druck, Termindruck, Leistungsdruck, Schenkdruck, Liebesdruck, Aufmerksamkeitsdruck usw. usf. Ich kann mir auch Termine in weiter Ferne setzen. Dann aber muß ich in der Lage sein, vernünftig zu planen und kontinuierlich auf mein Ziel hinzuwirken (sonst gerate ich in der Nähe des Termins dann doch wieder unter extremen Druck). Ach, da ist so viel zu beachten, daß mich schon das Nachdenken darüber wieder unter Druck setzt.

Beginne ich mal bei mir. Gebe ich mir immer die notwendige Zeit für das, was ich tu? Leider nein. Und ich kenne auch die Konsequenzen. Arbeit erledigt, oberflächlich betrachtet. Aber niemand wage es sich, genauer hinzusehen! Da sind die mühsam überdeckten Fehlstellen dann ganz schnell erkannt. — Bei den Eiern, die ich mir koche, ist es ganz einfach: Die Eier werden nicht gar sein, wenn die Normzeit für das Eierkochen auf exakt drei Minuten verkürzt wird und ich mich funkuhrüberwacht daran halte …

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 27. Juni 2015 war das Treffen mit der allerallerallerbesten Freundin.
 
Tageskarte 2015-06-28: Die Vier der Kelche.

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Schwüles Wetter (178/187)

Es war nur Buchfink

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Pffffft. Das war gestern wieder ein verdammt schüles Wetter. Nicht besonders warm, nein, aber die Luft drückte, daß Bewegung und Atmen einfach elendiglich anstrengend wurden. Zwar regnete es zwischendurch ein wenig, aber das führte zu keiner Besserung des Mikroklimas. Selbst im Stdio waren dann trotz eingeschalteter Klimaanlage 26 °C.

Im Nachinein wunderte ich mich nicht über meine Unlust zur Livesendung. Geschafft habe ich sie dann trotzdem, dank lieber Unterstützung einer hier im Sender Nachrichtenmagazine moderierenden Kollegin. Sie hat zum Einstieg Gedichte von Martin Piekar gelesen. So hatte ich ein wenig mehr Zeit, mich auf drei gefundene Bücher einzustellen. Das waren diesmal:

  • Richard Bachman: Der Fluch. (R. Bachman it ein Pseudonym Stephen Kings)
  • Michael Cordy: Mutation.
  • Daniel Kalla: Pandemie.

Drei Thriller, die alle etwas “spooky” waren, spannend jeweils bis zum Schluß

Und zum Schluß war noch Zeit für einige wenige Zeilen aus Otl Aichers “Die Welt als Entwurf”, zum Design als Kunst bzw. (angewandte) Wissenschaft.

 

Und weil so blödes Wetter war, habe ich mich danach heimgeschleppt bzw. schleppen lassen und bin in die Wanne voller lauwarmen Wassers geklettert. Deshalb bitte ich um Verzeihung, daß hier heute nicht mehr zu finden ist.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 26. Juni 2015 waren die Unterstützung beim Buchfink und die Abkühlung in der Wanne.
 
Tageskarte 2015-06-27: Das As derSchwerter.

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Nordkapritter in Halle an der Saale (177/188)

Wiedersehen nach zwei Jahren

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Ich hoffe, alle können mir diesen Blogbeitrag verzeihen (sorry, Udo, und bitte nicht zu laut anhören):

 

 

 

Es war fast dunkel, als er beim Abschied
     auf sein Fahrrad stieg.
Und der Moment machte mich so traurig,
     daß ich lieber schwieg.
Ich wollt’ nicht seh’n, wie er verschwand,
     und ging nach Haus.

Radtour #AnsKap!
Oft wird er alleine radeln.
Radtour #AnsKap,
die geht nicht nur in die Wadeln.
Radtour #AnsKap:
@irgendlink wird Nordkapritter sein –
und allein …

 

 

Das kommt dabei heraus, wenn sich Bloggende und Reisende und Künstler treffen: Tage werden lang. Es geschah unter anderem auch das:

 

 

Nordkapritter

Nordkapritter @irgendlink am Saaleufer.

 

Und gelernt hab ich auch etwas: a) Nie wieder Bilder aus der Twitter-App heraus mit dem Smartphone! b) Mit dem Menschen könnte ich stundenlang schweigend (und trinkend) in ein Feuer starren. Danke für Deinen Besuch hier.

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 25. Juni 2015 waren banges Warten, Fröhliches Wiedersehen, Wippraer Bier am Peißnitzhaus, Geschenkeaustausch, Philosopieren mit Wernesgrüner am Saaleufer.
 
Tageskarte 2015-06-26: Der Ritter der Stäbe.

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Mich selber Dilemmaisieren (176/189)

Wie verquer mein Kopf doch gegen mich arbeiten kann

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Wieder in einem Zwiespalt. Wieder die Frage: War das zuviel? Ja, klar: Auch Ratschläge sind Schläge. Und ich habe hinterher von mir voll in die Fresse gekriegt.

Jetzt muß ich es wohl gestehen: So sehr gut geht es mir grad nicht, psychisch meine ich. Die letzten Wochen habe ich mir einfach etwas zuviel zugemutet an Arbeit, Nebenherzeug, und vor allem an Arbeit mit meinen Erinnerungen. Ich habe Unmengen von Papier ausgemistet und eingescannt, was wichtig schien (vielleicht 5% von allem), und aufgehoben, was ich unbedingt behalten möchte. Es ist doch klar, daß da auch Sachen dabeiwaren, die richtig tiefe Wunden rissen und immer wieder reißen. Gut, daß ich wirklich Urlaub hatte und ein paar Tage nichts, überhaupt nichts gemacht habe, nicht fürs Radio, nichts in der Wohnung. Und gut, daß ich auch in dieser Woche noch viel Heimarbeit machen kann: Zum Musik benennen und vertaggen muß ich ja nicht in den Sender, wenn ich die Daten alle hier zuhause habe. Und gut, daß ich mit so völlig anderen Dingen mich beschäftigen kann, die mir wirklich Freude bereiten.

Aber vor lauter Freude habe ich wohl etwas über die Stränge geschlagen. Zum einen ist eine gute Freundin (Oder doch nur Bekannte? Ich weiß es nicht recht.) jetzt gerade auf der Geburtenstation. Als sich ihr Partner, der Kindesvater, eben wegen der Schwangerschaft verabschiedete und sie nicht hin noch her wußte, bot ich mich als Begleiter zur Geburt an (das wäre für uns beide kein Scham- oder Vertrautheits- oder sonstiges Problem). Sie hat sich darüber gefreut, wirklich; denn sie hat ja auch solange herumgedruckst, bis ich begriffen hatte: Jetzt sag Du dusseliger Kerl doch endlich, daß Du, wenn ich es möchte, gerne mitkommst! Und nun? Nun ist der andere Kerl wohl dabei und ich verpasse einen wundervollen Moment, auf den ich mich wochenlang freute. Ich wußte gestern lange nicht, ob ich meine Enttäuschung nicht etwas zu deutlich habe erkennen lassen …

Jaja, mein Selbstwertgefühl und meine Selbstsicherheit sind gerade auf Urlaub, als Vertretung haben sie die Selbstzweifel dagelassen.

Bei der zweiten Gelegenheit habe ich ungefragt Vorschläge unterbreitet, die aus der Ferne gut aussahen, vor Ort aber wohl eher Scheiße waren. Auch da die Frage: War mein Gutgemeintes wie meist schlecht, nicht gut gemacht? Bin ich trotz gegenteiliger Beteuerung in der Öffentlichkeit dann doch zu ungeduldig, zu unempathisch? Ja, klar: Auch Ratschläge sind Schläge. Ich befürchte nun, daß ich da zu weit einzugreifen versucht habe. In bester Absicht natürlich, nur in bester Absicht. Doch wie so oft vergaß ich einmal mehr, daß nicht ich zu entscheiden habe, daß meinen Hinweisen nicht gefolgt werden muß, daß ich ncht weiß, was wirklich geschieht, solange ich nicht direkt dabei bin. Mitten hinein also in die Fettnäpfe mit Schmackes!

Jaja, der Borderliner in mir. Hat es mal wieder nicht so dolle mit normaler Nähe und normaler Distanz. Das Schlimme ist ja, daß ich meine Distanzlosigkeit selbst irgendwann bemerke und mir dann unglaubliche Vorwürfe deswegen mache. Mich deswegen am liebsten unsichtbar machen, zurückziehen, vollständig zuückziehen würde. Doch das geht ja nicht, weil ich meine Unterstützung zugesagt habe. Im Übrigen hatte sich dieses Dilemma am Abend dann auch noch recht einfach und zufriedenstellend gelöst. Ganz, gaaaaaaaaanz großes Aufatmen meinerseits.

So. Und nun? Nun brauche ich nur noch richtig viel Geduld (auch und vor allem mit mir selbst) …

 

Der Emil

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P.S.: Positiv am 24. Juni 2015 waren lange Gespräche, doch nicht vorhandene Mißverständnisse, die Ruhe bei der Arbeit im Sender.
 
Tageskarte 2015-06-25: Die Zwei der Schwerter.

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Manifeste Hypochondrie (175/190)

Chaotische Zustände im Erinnerungsgebäude

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Es ist schon ein besonderes Ding mit meiner Erinnerung. Manchmal bin ich mir ganz sicher, daß ich ihr vertrauen kann, daß es wirklich so war, wie ich mich erinnere. Das geschieht bei Ereignissen, die irgendwie durch Fotos oder andere Erinnerungshilfen belegt sind genauso, wie bei nicht mehr beweisbaren Geschehnissen. Und dann gibt es Erinnerungen, die aus irgendeinem Grund eine Mischung sind aus Wissen, daß es wirklich so wahr, und einer Komponente, die ich nicht, absolut nicht einordnen kann. Seltsamerweise betrifft dieses Dilemma sowohl sehr lange, als auch recht kurze Zeit zurückliegende Sachen.

Nur mal ein Beispiel dafür:

Ich war gerade 14, na, fast 15, es war kurz nach der Jugendweihe in der achten Klasse, 1978. Ich ging noch nicht auf die Erweiterte Oberschule in der nahen Kreisstadt. Eines Nachmittags brauchte ich ein Taschentuch – damals waren diese ekligen Papierdinger noch nicht üblich, wir benutzten also Stofftaschentücher. Diese lagen im Schlafzimmerschrank bei den Eltern, links in einer Schublade. An diesem Nachmittag jedenfalls hatte ich versehentlich nicht die obere, die ich wollte, sondern die untere geöffnet. In der lagen Mutters – ich nenne es mal … Miederhosen u. ä. Und eine kleine graue Schachtel. Die bemerkte ich erst, als ich schon wieder beim Hineinschieben des Kastens war. Die Eltern waren beide auf Arbeit, und die Neugier siegte …

In der Schachtel waren eine erkleckliche Anzahl von etwa streichholzschachtelgroßen Fotos. Ich denke, es waren Kontaktabzüge von 4,5 cm x 6 cm Negativen. Das typische Photopapier mit dem für die damalige Zeit noch typischen gezackten Rand. Vorsichtig nahm ich sie heraus und drehte sie um, um mir nicht nur die Rückseite anzusehen. Und ich fiel aus allen Wolken. Okay, ich war 14, nackte Frauen hatte ich schon oft gesehen, am Filzteich, im Magazin (das meine Eltern im Abonnement bezogen). Und das waren auch keine Photos. Es waren Fotos von Zeichnungen, die man heute Comic nennte. Pornographische Zeichnungen, in ihrer Kleinheit aber doch erstaunlich detailliert. So etwas hatte ich nun wirklich noch nie gesehen, und soetwas hätte ich meinen Eltern auch nie zugetraut. Etwas so streng verbotenes zu besitzen.

Ich schaute mir die Bilder hastig an, verweilte auf bestimmten Darstellungen etwas länger. Dann verstaute ich alles hastig wieder so und da, wie und wo ich es vorgefunden hatte. Schubkasten zu, aus dem oberen schnell zwei Taschentücher genommen und dann auch die Schranktür wieder zu und weg, nichts wie weg. Nein, ich war nicht geschockt von den Bildern, ganz im Gegenteil. Eine zeitlang holte ich sie mir heimlich, wenn die Eltern arbeiten waren und tat, was Jungs in diesem Alter eben tun.

So weit, so gut. Aber.

Ich bin mir sicher, daß das Schlafzimmer damals oben, im ersten Stock war Das muß eine Zeit gewesen sein, als im Haus umgebaut wurde, kurz nach Großmutters Tod. Im ehemaligen Vierfamilienhaus (Plumpsklo jeweils neben der Wohnungstür im Haus). Ich habe aber keine Ahnung, wo damals das Kinderzimmer, in dem ich mit meinem Bruder zusammen hauste, gewesen ist. Einmal war es im ehemaligen Großelternschlafzimmer, einmal im späteren, enorm vergößerten Badezimmer – Elternschlafzimmer und Kinderzimmer wurden einmal einfach getauscht. Zu irgendeinem Zeitpunkt muß also das Schlafzimmer oben gewesen sein, war es auch ganz sicher. Aber. Aber ich kann mich für genau diese Zeit nicht an die Lage von Küche, Kinderzimmer, Wohnzimmer erinnern. Für später weiß ich es ganz sicher, für vorher auch, aber nicht für diese Zeit. Keine Erinnerung bis auf die an das Schlafzimmer. Und an die Bilder.

Hmmmpf. Das macht mich ziemlich konfus, verwirrt mich, verunsichert mich. Läßt mich zweifeln. Heftig zweifeln am Wahrheitsgehalt aller meiner Erinnerungen. Auch neuerer.

Da kommt der Hypochonder hoch: Alzheimer, mindestens Alzheimer mit einem Hirntumor. Möchte bloß wissen, wo ich mich damit angesteckt habe …

 

Ich hoffe, daß meine Eltern das nicht unbedingt lesen; aber wenn es so ist … Sie haben meine “Nutzung” der Bilder damals sicher bemerkt, aber deswegen nie mit mir gemeckert.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 23. Juni 2015 war, daß ich genügend Wasservorrat angelegt hatte, um die Wasserabsperrung ohne Schwierigkeiten zu überstehen.
 
Tageskarte 2015-06-24: Der Ritter der Münzen.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Mantra-Tanka (174/191)

Schwanengesang?

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Wenn Worte zuviel
und Gesten unerwünscht sind,
bleibt nur ein Seufzen.

Aber manchmal muß ich doch
heraussingen, was bedrückt.

Ein Tanka.

 

 

Nichts Akutes bei mir. Aus einer Laune heraus beim Beobachten eines ziemlich jungen (Ex-?) Pärchens entstanden in einer Straßenbahn.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 22. Juni 2015 waren die Nachrichten mitten in der Nacht und am Morgen.
 
Tageskarte 2015-06-23: Die Drei der Münzen.

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Fremden Kopf zerbrechen (173/192)

Nachdenken über Machbares

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Weil ich nun offizieller Archivar des Irgendlinkschen Kapschnitt 2.0-Blogs bin, habe ich mich ein wenig näher mit den Karten von 1995 und von heute befaßt. Es hat sich verdammt viel geändert in den 20 Jahren. Was einstmals (noch) eher verträumte Kreis-, Land- oder Bundesstraßen mit wenig LKW-Verkehr waren, sind heute dank der Maut Durchflugsschneisen und -schleusen für Brummis geworden. Oder wegen der Zunahme des LKW-Verkehrs im allgemeinen nach den Streckenstillegungen der Bahn und deren Unpünktlichkeiten. Weil auch niemand mehr wirklich ein Lager haben möchte, in dem Geld in Größenordnungen gebunden ist. Kein Wunder, daß der Radreisekünstler da sinniert: “Kolonnenweise überholen mich Autos und LKW. Dieselrußgestank, Lärm, zum Glück ist die Straße breit, sonst müsste ich auch noch das Wörtchen Gefahr zu der Wortsumme addieren.”

Und da kommt’s. Ich zerbreche mir fast einen Tag lang Irgendlinks Kopf:

Angetreten mit dem Ziel, nach Möglichkeit – dieser Begriff ist wichtig! – dieselbe Route zu nehmen wie vor 20 Jahren, von der Realität allerdings abgedrängt, gefährdet (und enttäuscht?) – was nun? Stur und steif auf genau diesen Zehn-Kilometer-Punkten bestehen und trotz aller Widrigkeiten die alte Strecke fahren? Auch wenn dazu etwa 30 km mit dem Fahrrad auf einer Autobahn (nur als Beispiel, bildlich gesprochen!) unterwegssein sein müßte? Ganz auf andere und neue Radwege und damit auf eine völlig andere Strecke begeben – trotzdem beim Kapschnitt-Begriff bleiben?

Oder den Teil “Schnitt” in Kapschnitt 2.0 anders interpretieren? Die neue und die alte Strecke sich schneiden, sich berühren lassen. Nur an wichtigen Punkten wie Zella-Mehlis, Erfurt, Lutherstadt Eisleben, Calbe (Saale), Havelberg, Lübz, Bad Doberan, Warnemünde, Rostock – in Deutschen Landen kennen wir uns noch halbwegs aus, Skandinavien wird vorerst gelassen, das wird später auf der Fähre geplant – noch die alten Standorte aufsuchen, so alle 100 bis 150 km? Immer dann also, wenn das veränderte Wegenetz zu einem seiner Fixpunkte zurückkehrt, die veränderten, gewachsenen Ströme des motorisierten Verkehrs ein solches Überschneiden, einen solchen Schnitt von historischer und moderner Strecke zulassen? Was spricht dagegen? Der Ehrgeiz des Radlers Irgendlink, das Ur-Konzept vom Kapschnitt 2.0, wie es am 17. Januar 2015 formuliert wurde: “Meine Mission für den Kapschnitt 2.0 lautet: finde die alten Bildstandorte. Am 15. Juni will ich losradeln von Zweibrücken über Mainz, Erfurt, Bad Doberan und Warnemünde nach Trelleborg (Schweden).”

Zurück in meinen Kopf. (Ja, gut, in unseren, wir sind beide beteiligt, Frank und ich.)

Fühlt sich Irgendlink nach dieser Aussage, daß er die alten Bildstandorte wiederfinden und neu fotografieren will, durch sein Publikum gedrängt, exakt das auch absolut exakt so zu tun? Das Publikum sind alle die, die seine Reise per Blog und Twitter verfolgen, ihm Mut zusprechen, ihn finanziell und anders unterstützt haben und unterstützen, sich mit ihm an seinem Weg #ansKap trafen und treffen. Das Publikum, das bist Du und das bin ich. Trotz meiner neuen Rolle als Mitarbeiter hinter den Kulissen bin ich und bleibe ich Publikum. Nur, wenn ich für mich als Publikum spreche, nur für mich, so gebe ich dem Künstler doch alle Freiheit, seine Kunst zu schaffen. Und wenn es eben nicht exakt dieselbe Strecke ist, weil die nicht mehr mit einem Fahrrad bewältigt werden kann, so soll er doch bitteschön eine machbare Route nehmen. Eine, die immer wieder – wie oben beschrieben – Schnitt-Punkte mit der historischen Strecke findet. An exakt derselben Stelle wie vor zwanzig Jahren auch diesmal exakt 10 km geradelt zu sein, das dürfte sowieso schon kurvenfahrverhaltensbedingt ausgeschlossen sein. Oder?

Hey, Kunstbübchen. Irgendlink. Radler. Kapman. Nordmann Du, nach dem die berühmte Tanne benannt wurde! Sei ein freier Künstler. Ich vermute, ich glaube, ich hoffe, daß es nicht einen einzigen Menschen gibt, der Dich mit allen Mitteln und unter allen Umständen auf der 95er Route halten will. Zumindest ich erteile Dir (danke für das Wort!) vorherige Wegwahlabsolution, jawoll!

Und vielleicht ist es mit Fahrradrouten wie mit Wein: 1995 gab es etwas ganz besonders Gutes aus der Scheurebe, daß sich nicht bis heute seine Qualität erhalten haben muß; und 2015 wächst wieder etwas besonders Gutes heran, Wein zwar aus derselben Scheurebe wie 1995, aber mit ganz anderen Vorzügen und ganz anderem Geschmack und einem ganz anderen Abgang und Bouquet, selbst die Färbung ist ein wenig anders. Ist der 2015er schlechter als der 1995er? Ich glaube nicht. Anders ist der Wein, anders ist die Route. Das Ziel ist das Glas, das genußvoll geleert wird, diesmal ganz sicher – oder eben das Nordkap (Daumen werden gedrückt).

 

Ach Irgendlink, ich mein ja nur …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. Juni 2015 waren ein Telefonat, ein Zugang, ein leckeres Essen.
 
Tageskarte 2015-06-22: Die Drei der Stäbe.

© 2015 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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