Nº 237 (2016): Dazwischen.

Aber wo genau?

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Das war mehr als “Urlaub”. Das war ein kleines Aussteigen, Ausbrechen aus dem Alltag hier. Mir war ja sogar nicht mehr bewußt, welcher Wochentag ist, es war auch unwichtig. Es ist auch jetzt noch unwichtig. Auch Dinge, die mir vor Wochen noch wichtig waren, haben an Bedeutung verloren für mich. Wahrnehmungsverschiebung. Werteverlagerung. Sinneswandel. Klimakterium. Kataklysmus? — Suche.

Ich oszilliere zwischen Hiersein und Unterwegssein. Ständig springt der Geist hin und her. Ein, nein – drei Zustände: hier, unterwegs und dazwischen. Unsicher bin ich, fühle ich mich. Will weitergehen als mir (momentan, vernünftigerweise) gut für mich scheint, im nicht übertragenen Sinne.

 

Keine Flucht aus diesem Leben, aus dem gehabten Leben. Nein, kein weiterer Vesuch dazu. Aber irgendetwas zwischen Sehnsucht und Unsicherheit, Angst und Zuversicht … Kann schon sein, daß genau das das ist, was Leben genannt wird: der Zustand dazwischen.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 23. August 2016 war Nachdenken über Wünsche.
 
Tageskarte 2016-08-24: XVIII – Der Mond.

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Umstrittener Altar. Nº 236 (2016).

Ultreïa! Ein Nachtrag zur Kirche in Nepperwitz am #oekuweg

 

Der Ort, bei dem mir sofort olle XY-Zimmermann mit seinem “Nepper, Schlepper, Bauernfänger” in den Sinn kam. Der Ort, in dem die Herberge genau solange geschlossen war, bis ich durchgegangen war. Doch ich mußte diese Kirche sehen und den Altar, der darinnen zu finden ist. Der eine Vorgeschichte hat, der in der Kirche stand und wegmußte und nun doch in der Kirche steht.

2002 wurden der Ort, seine Kirche und die Tischlerei Saupe im Ort Opfer des Muldehochwassers im August. Der Tischler baute dank der Hilfe des ortsansässigen Pfarrers und der Gemeinde seine Werkstatt wieder auf. Und bedankte sich seinerseits bei der (Kirch-)Gemeinde mit einem neuen Flügelaltar, den er schuf und den sein Leipziger Freund Michael Fischer-Art auf seine unverwechselbare Weise gestaltete. 2005 wurde das Kunstwerk in der Kirche aufgestellt, zur Probe, und eine Abstimmung lehnte die erste Fassung des Altars ab (siehe z. B. diesen Artikel). Daraufhin änderte Fischer-Art die Christusfigur im Mittelteil, und diese Fassung des Altars stand ein Jahr in der Kirche, ehe eine neue Abstimmung (diesmal nur der Gemeindeglieder aus Nepperwitz, siehe diesen Artikel der MZ) über seinen Verbleib im Gotteshaus entschied. Eine deutliche Mehrheit stimmte Ostern 2007 für den Verbleib des Kunstwerks in der seit dem 15. Jahrhundert bestehenden Kirche mit Eule-Orgel und einigen anderen Besonderheiten.

 

Der vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art geschaffene, in der Gemeinde umstrittene (picassoeske) Flügelaltar in Nepperwitz.

Der vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art geschaffene, in der Gemeinde umstrittene (picassoeske) Flügelaltar in Nepperwitz.
Ich “zitiere” sozusagen mit meinem Foto das Werk des Künstlers, um darüber schreiben zu können. Alle Rechte liegen bei Michael Fischer-Art.

 

Farbenfroh, picassoesk, modern, surreal. Comicartig die Figuren, wiedererkennbar in einem eigenen Stil. Auf dem linken Flügel ein Abendmahl: Ein blonder Jesus am Stirnende einer Tafel, an der je sechs (teilweise auch weiblich erscheinende) Jünger auf jeder Seite sitzen; und über allem schwebt der Kopf des Heiligen Geistes. Im Mittelteil unter einer beschrifteten Sonne mit orangen tentakel- bzw. regenwurmartigen Strahlen steht eine Gestalt (die Jesus ist, mit Stigmata an Händen und Füßen) auf dem Erdball und hält etwas Buchartiges in der Hand, zwei kleinen Menschen entgegen (Adam und Eva, bekleidet?), auch eine stilisierte Arche ist auf dem Wasser der Welt zu sehen. Der rechte Flügel zeigt Jesus am Kreuz, der Himmel blutrot über brauner Erde. Der Gekreuzigte allerdings ist nur als Linien auf der Grundierung ausgeführt (nehme ich an), farblos.

 

Und das ist für mich das Erstaunlichste an diesem Altarbild: Der Gekreuzigte ist farblos, als hätte der Glaube … die Farbe für ihn nicht gereicht, als wäre keine Farbe ihm gerecht geworden. Oder: damit ich ihn füllen kann mit den Farben … dem Glauben, die/der mir geschenkt sind/ist? Durch diese Farblosigkeit wirkt das Kunstwerk für mich sonderbar unfertig, nicht vollendet, unvollendet: Ich selbst, der Betrachter, muß es in meinem Kopf zur Vollendung bringen, erst dann ist es vollendet, vollbracht.

 

(Detailaufnahmen vom Altar finden sich – leider ohne Bildbeschreibungen für Sehbehinderte und in Overlay-Popups – ganz unten auf Europa erfahren – Kirchen an der Mulde.)

Auch der Künstler hat eine Webseite: Michael Fischer-Art.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert später weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 22. August 2016: Einmal (ohne Rucksack) in die Stadt und zurück, etwa 10 km.
 
Es ist alles sehr ungewohnt, so nichtunterwegs …

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Unspektakulär. Nº 235 (2016).

Ultreïa! Tag 14 – Wie mir ein Bahnhof als Folge dazwischenkam auf dem #oekuweg

 

Diesen Weg ging ich am vergangenen Tag. Einmal quer durch das halbe Leipzig; ich ging in Richtung Innenstadt, in Richtung Stadtzentrum, ich ging und ging und ging und ging Kilometer um Kilometer. Leipzig schlägt Kamenz ;-)

 

Ich war um fünf, um sechs und um sieben wach, stand aber erst kurz nach acht auf. Ich mußte die Treppe hinunter. Ja, auch, um Kaffee zu kochen. Saß dann draußen, sortierte mich und meine Gedanken. War ich doch – so unwirklich mir das immernoch schien – immerhin in Leipzig, im äußersten Osten der Stadt, noch vor dem Paunsdorf-Center.

Ich packe, unten, trage die Dinge einzeln über den Vier-Meter-Abgrund hinunter. Stopfe wie jeden der vergangenen Tage alles in den Rucksack, in dem täglich mehr Platz für meinen Kram ist, weil ich alles jeden Tag ein wenig besser komprimiere. Der Kaffee ist alle; es ist kurz vor zehn, als ich mir eine letzte Zigarette drehe und das Losgehen hinauszögere. Der Wegweiser im Garten: er zeigt die Entfernungen bis Wurzen (daher kam ich), Kleinliebenau (dahin wollte ich) und Santiago de Compostela (das … das ist ein Ort, der aus meiner Vorstellungs-, Planungswelt zunehmend schwindet). Zunächst denke ich über den Ökumenischen Pilgerweg und über den Sächsischen Jakobsweg nach. Bautzen – Hof im Mai nächsten Jahres. Und nach und nach alle deutsche Jakobswege. Das sagt mir eher zu als der Camino Francais o.ä.

Genau zehn Uhr gehe ich los, in Richtung Innenstadt Leipzig, westwärts. Wie tausend Meilen westwärts erscheint mir der Weg entlang der Straßen, der Straßenbahngleise, vorbei an den Haltestellen und Kirchen und Grafitties. Eine Bank zum Ausruhen fand ich, saß dort, wartend darauf, daß die Socken trocknen. Ging dann weiter. Kam zum Bahnhof. Zum Hauptbahnhof Leipzig, der mit dem Bau der U-Bahn an Flair und Charme verloren hat. Der mir immer wieder Schwierigkeiten macht mit seinen sichtbaren Höhenunterschieden zum unterirdischen Bahnsteig für S-Bahnen, der unnötig ist in meinen Augen und dessen Existenz mir nicht einleuchten will …

Vor diesem Bahnhof saß ich und überlegte. Ich holte mir etwas zu essen und einen Kaffee beim Bürgerkönig, saß wider vorm Bahnhof. Schaute in mein Portemonnaie. Stellte fest, daß vor der absoluten Reserve nur noch eine Übernachtung übrig war. Sah sechzehn weitere Gehkilometer vor mir, ohne Einkaufsmöglichkeit; eine weitere einsame Nacht in Kleinliebenau. Saß anderthalb Stunden im und vorm Bahnhof, überlegte hin und her. Wie sehr mich der Ausfall einer Herberge aus meinem Takt bringen konnte. Dachte an meine “Ziele”: 13 Tage gehen, 230 km gehen, bis Merseburg (oder Leipzig). Es war der 14. Tag, ich hatte fast 250 km oder sogar mehr, ich saß in Leipzig vorm Bahnhof. Die nächste S-Bahn führe in ein paar Minuten. Sie fuhr ohne mich.

 

Aber.

 

Doch der Leipziger Hauptbahnhof ist für einen Wiedereinstieg Anfang September wirklich gut geeignet. Dann nämlich werde ich am Freitag morgens nach Leipzig fahren. Und von da aus über Kleinliebenau und Merseburg gehen, vielleicht auch bis Frankleben oder Freyburg an der Unstrut … Dann mit weniger Gepäck, mit dem Vorhaben, wild zu zelten. Aber: weitergehen. Irgendwann in diesem oder im nächsten Jahr bis Vacha gehen. Zu Fuß. Um weiterhin zu ergehen (oder im alten Ausdruck: zu erfahren) und zu erLEBEN, was Entfernung, Weg, Distanz sind, was Zeit von hier nach da bedeutet. Was Menschen am Weg und auf dem Weg und mit dem Weg erleben, wie es ihnen erGEHT, wohin ich GEHE.

Die Entdeckung der Langsamkeit eines Fußweges, der Anblicke und Begegnungen links und rechts des Weges, dessen, was mir mitten auf dem Weg zu Füßen liegt: Das ist es, was mich diese Tage gelehrt haben. Mein Sein hat sich etwas verändert. Denn jetzt kenne ich nicht nur das Zuhause-Sein, sondern auch das Unterwegs-Sein. Ein Sein, das alles bisher Dagewesene sprengte, weitete, weicher machte. Weg. Weg. Diese beiden gleichgeschriebenen Worte, die so unterschiedlich sind: Früher wollte ich weg aus dem Leben, aus meinem Leben (daher entstand Der Emil), heute suche ich einen Weg für mein Leben, für mich, für meine Gedanken, meine Gefühle (von denen ich jahrelang nichts wußte).

 

Und so endete der erste Abschnitt des Ökumenischen Pilgerweges für mich so unspektakulär wie auch der Wanderkarte erster Teil, der “nur” bis Leipzig reichte. Den ich abgegangen, &ldqou;ausgewandert&drquo; habe. Nur vorm Haus, zuhause, die Mitteleingangs-Treppensitzgang, die bergrüßte mich zuhause, wie auch mein Lieblingsbusfahrer mich unverhofft in der Straßenbahn begrüßte. Einer von den Treppenleuten probierte sogar meinen Rucksack und wollte den nicht länger als zehn Minuten tragen. Mit Tasche nämlich trug ich täglich 17,5 kg inclusive zwei Litern Wasser. Sechs Stunden lang. Jeden Tag. Oder gar länger. Täglich. Und mein Leben, das, was ich tagtäglich habe, trug ich auch mit, als Smartphone, als Netbook, als sicherheitshalber mitgenommene Dinge, die ich diesmal nicht benötigte. Aber bald benötigen werde.

 

Plötzlich stand eine S-Bahn vor meiner Nase und jemand/etwas schubste mich und meinen Rucksack hinein. Der #oekuweg ist jetzt nur unterbrochen. Ich gehe ihn stückweise weiter bis nach Vacha. Erstmal wieder an die Wohnung gewöhnen. Und an die Stadt. Leipzig, Hauptbahnhof: ich brauchte 90 Minuten für die Entscheidung, den #oekuweg vorerst zu verlassen. Im September gehe ich wieder ein Stück.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert vorerst nicht weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 21. August 2016: Dort bei Graphhopper.
 
Es war wirklich nicht leicht. Ein Teil von mir wäre gern weitergegangen. Nur füchtete ich, zu weit zu gehen …

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Leipziger Gedanken. Zwischenbericht.

Ultreïa! Tag 13 – Unbedacht und unvorbereitet auf Überraschungen am #oekuweg

 

Ich weiß nicht, was mich ritt: Der Weg nach Leipzig war nicht vorgesehen. Und nicht Vorgesehenes macht mir … Unbehabgen, Unwohlsein, Streß. Zwölf Kilometer mehr. Von Machern nach Leipzig. Mein Weg sollte nach Machern führen. Von da aus hatte ich noch drei Etappen geplant: in den Leipziger Westen, nach Kleinliebenau, nach Merseburg. Also wäre ich bis Mittwoch unterwegs gewesen. Doch …

Anstrengend waren die Mehrkilometer, ich rannte streckenweise (naja, ich ging schneller als notwendig) und saß irgendwann doch auf einer Bank, die sich “Tresenwaldblick” nennt (etwa acht km vorm Ortseingang Leipzig), rief in der nächstgelegenen Herberge an. Zusage. Am Horizont ein paar Leipziger Wahrzeichen, das Völkerschlachtdenkmal. Ein Ziel. Das Ziel. Nach der Brücke vor Grubnitz (die Ein-Stunden-Brücke über die Mulde), die mich verdammt viel Kraft kostete, kamen auf dem Weg noch zwei Brücken, nach dem verdammt langen Weg durch Panitzsch, über die B6 und die A14. Aber die waren ein Klacks gegen das, was mich später noch erwartete. Vorher versuchte ich an der Trabrennbahn noch, in mein Regencape zu kriechen; das Wetter war irgendwie bescheiden und es begann zu tröpfeln, zu regnen. Am Ende war es aber doch nicht so schlimm wie erwartet und ich ging ohne Cape.

Irgendwie freute ich mich auf die in Panitzsch verzeichnete Pilgerrast, doch an der muß ich vorbeigegangen sein, ohne sie als das zu erkennen, was sie ist. Drei Kilometer noch, und es war weit nach 17 Uhr gewesen. Ich verfluchte meine Idee, “Leipzig erreichen”, zog Wildcampen in Betracht, kam der Stadt immer näher. Dann endlich, direkt nach der A14-Brücke kam das Ortseingangsschild Leipzig. Die Füße brannten, der Rücken aber beschwerte sich nicht über die Last des Rucksacks. Also mußte ich nur dafür sorgen, daß der nicht aus dem Gleichgewicht gerät auf den letzten paar Metern. Und wie ich fluchte. Wie ich vor mich hinmeckerte, von der Tresenwaldblickbank an bis … ja, bis zum Ziel am Arnoldplatz. Etwas sehen, das links oder rechts vom Weg zu sehen wäre? Fehlanzeige. Tunnelblick. Nicht unangenehm, nicht schlecht, eine solche Fxierung auf ein Ziel. Aber doch unpassend zu dem, was ich bisher auf dem Weg erlebte. Keine Zeit für Menschen, keine Zeit für Käfer, Raupen (viele schwarze haarige), Mirabellen, Kirschpflaumen etc. (Doch, ich habe genascht.) Nur Zeit für die Überlegung “S-Bahn” nach Halle oder weitergehen. Ich ging. Weiter. Bis Leipzig. Im Niesel.

 

Die Herberge. Endlich. Eine schmale Treppe, Gitterrost. Vier Meter nach oben, zwischen Dachrinne des Nachbarn und Boden des Nebengebäudes am Pfarrhaus. So schmal, daß ich, um durchzukommen, mich auf den letzten drei Stufen bücken mußte, um den Rucksack hinaufzubekommen. Nur Matratzen, für bis zu 20 Pilger, Platz mehr als genug. Mein Gepäck explodierte wie jeden Abend. Ich ging noch zur Tankstelle, holte Essen und Bier. War duschen, dann an der Kirche, an der ich ein Twittertreffen avanciert hatte. Niemand kam, ich ging zurück, hinauf über den Abgrund. Danach noch duschen, essen, die Abendroutine mit (Kurz-)Blog und dann war es um mich geschehen. Doch diese Gitterrostreppe, die … die war am Abend ganz erträglich. Des Nachbars Dachrinne hatte gerade Pinkelhöhe – ich ging trotzdem hinunter zur Toilette. Jedes Mal. Am Morgen danach allerdings … da siegte nur die Angst vorm In-die-Hose-Scheißen dafür, daß ich den ersten Schritt machen konnte, über den Abgrund, in vier Metern Höhe, auf schmaler Treppe über dem Nichts …

Der besondere Wandertag. Ab Wurzen, das ich in durchaus unangenehmer Erinnerung habe, weil ein Wellensittich der Kinderzeit mal im heißen Mekorna-Brei aus dieser Stadt landete. Ab Wurzen, in dem ich viel zu wenige der Bodenmarkierungen entdeckte, die auf den Ökumenischen Pilgerweg verweisen. Ab Wurzen, dasich in guter Erinnerung habe, weil es eine wunderbare Herberge hatte und kurz, viel kürzer als Kamenz war. Bis Leipzig, in das ich an diesem Tag nicht gelangen wollte und in dem ich doch ankam.

 

Das war tatsächlich “Gehen bis an die Grenze”. An die Stadtgrenze von Leipzig, und ein Stückchen weiter bis zum Quartier.

 

Der Emil

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In Leipzig. Nº 234 (2016).

Ultreïa! Tag 13 – Wie das Leben so geht #oekuweg

 

Machern war als Ziel auserkoren. Aber.

Punkt zehn verließ ich die Herberge in Wurzen, ging noch eine Stunde durch die Stadt, war noch im Dom. Wanderte am Kekswerk vorbei in Richtung Nepperwitz, wo ich am Tag vorher schon hinwollte. Und dann kam, was ich wußte, die Brücke über die Mulde. Stahlbeton, solide, ein Traktor mit Anhänger und ein Lader fuhren darüber. Doch ich stand davor. Es kostete mich eine Stunde, diese 30 oder 40 Meter zu überwinden – und jede Menge Kraft.

Irgendwann war ich drüber, erholte mich kurz neben der Grubitzer Kirche, ging weiter nach Nepperwitz. In der dortigen Kirche (zu der es noch einen besonderen Artikel geben wird) saß ich etwa eine dreiviertel Stunde. Ich hatt ja Zeit, Machern war nah. Nur die Herberge dort war nicht am Telefon zu erreichen. Überhaupt nicht. Eine Adresse dazu gab es nicht, nur die Telefonnummer.

Um 15 Uhr irgendwas war ich in Machern und entschied mich fürs Weitergehen. Bis dahin hatte ich in über fünf Stunden gerade 10 km geschafft. Für die restlichen 12 km bis Leipzig brauchte ich genau 3 Stunden. Fertig. Ganz. Ende.

Trotzdem war ich noch an der Tankstelle, wartete 20 Uhr vor der Kirche; doch 21 Uhr war Schluß für diesen Tag. Mehr gibt’s nach dem Ausschlafen …

 

Der Emil

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P.S.: Die Strecke am 20. August 2016: Von Wurzen an den Anfang von Leipzig. Daten dort.
 
Nur Müde.

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Eingelaufen. Nº 233 (2016).

Ultreïa! Tag 12 – beschwingt unterwegs auf dem #oekuweg

 

Wann habe ich nachts zum letzten Mal in einem beheizten Zimmer geschlafen? Es muß schon sehr kalt sein, ehe ich nachts das Fenster schließe zuhaus, oder eben stark regnen. Doch die Heizung ist meist aus über Nacht, denn sooooo kalt wird es in Halle nicht. Und auch am Morgen dieses Tages schloß ich gegen 4 Uhr nur das Fenster, weil es doch etwas frisch wurde. Aber noch reicht der Sommerschlafsack (ja, einen solchen habe ich nun doch noch, und auch noch in L mit >70 cm Breite). Kurz nach acht war ich schon beim Bäcker schräg gegenüber, holte mir eine Streuselschnecke und ein Brötchen fürs Frühstück. Als ich zurückkam, war der Kaffee auch fertig. Und nach dem Frühstück packte ich alles ein, was am Tag vorher explodierte. Ehe ich das gastliche Haus verließ, fegte ich schnell nochmal durch.

Eine beschwingte Seligkeit ergriff mich schon auf den ersten Metern (’s war ein wenig wie Weihnachten). Ein Grund dafür: Ich mußte mich nicht zwingen, das Telefon wegzulassen. Mit den Menschen, die zum Haus mit der Werbung für dem “Moskwitsch Service” gehörten, hielt ich einen Schwatz über die Unmöglichkeit, daß es genau diesen Service noch gebe soll. Ach, am Ende wurde ich zum Bleiben eingeladen, sollte mein Zelt im Garten aufstellen und am Sonnabend und Sonntag zu einem Liebhabertreffen nach Schmannewitz mitkommen! Einfach so, genug zu Essen und zu Trinken würde für mich auch noch gefunden werden … Wildfremde Menschen.

Ich ging weiter. Ein Vater auf dem Fahhrad überholte mich grüßend, der Sohn hinter ihm im Kindersitz schlief tief und fest und wurde auch nicht wach, als es zum heimatlichen Tor hineingehen und er die paar Meter zu Mutti laufen sollte. Wir lachten beide leise, der Vater und ich. Dann ging ich mit einem “Guten Weg” von ihm weiter. Die Füße gingen von allein. Und ich naschte links und rechts des Feldweges winzig kleine süße gelbe Birnen, wieder diese sehr kleinen Pflaumen und dann auch noch Mirabellen! Echte, gelbe; und rote, die eigentlich Kirschpflaumen sind; und blaue, die Zibaŕten sind. Und so futterte und spuckte ich mich ein ganzes Stück meinem Ziel entgegen.

Der erste Ort nach Börln war Dornreichenbach. Die kleine Gemeinde hat ein eignes Tiergehege, neben dem das Café Eisprinzessin zu finden ist. Und dieses Café betreut die erst seit einer kurzen Zeit bestehende Pilgerrast. In der ruhte ich mich eine gute halbe Stunde aus, trank Wasser, ging aufs Klo (auf dem man nicht zu lange stillsitzen durfte, der Bewegungsmelder schaltet das Licht im piksauberen, aber fensterlosen Raum nach 30 s ab ;-) ) und zog dann weiter ohne mir die Tiere anzusehen … Die Baustelle im Ort machte das Gehen etwas schwierig, die Sonne knallte wieder nur auf meine linke Seite – aber ich ging beschwingt, erholt, erfrischt weiter. Wieder naschte ich Mirabellen und Birnen, ab und an auch die eine oder andere Pflaume, trank viel, störte unterwegs zwei Rehe, die etwa 20 oder 25 Meter vor mir auf dem Weg standen und wahrscheinlich auch Früchte naschten, mich bemerkend aber wieder im Maisfeld verschwanden, und kam dann nach kurzer Zeit nach Körlitz.

Schattensuchend sah ich mich um. Die Bänke an der Kreuzung waren zwar einladend, standen jedoch in der prallen Mittagssonne. Die mitgeführten Unterlagen zeigten ab hier zwei Verläufe des Ökumenischen Pilgerweges an: einen auf der Straße, den anderen etwas sonderbar über Feldwege geführt. Unschlüssig fand ich neben dem Gerätehaus der FFW eine Bank im Schatten. Hinsetzen, Schuhe aus und in die Sonne damit, die Socken auf den Zaun der FFW gehängt. Da lag ich, ließ auch das Shirt trocknen und trank mein Wasser aus. Schonwieder zwei Liter weg. Und dazu frisches Obst? Nichts geschah, es ging mir einfach nur gut. Nach einer Weile begann Betriebsamkeit im Feuerwehrhaus, eine Rentnerfeier wurde vorbereitet. Ich durfte meine Wasservorräte auffüllen und bekam noch den Hinweis, daß die Straße nach Wurzen unbegehbare Baustelle sei.

Also der seltsame Feldweg, der zuerst noch Straße zwischen zwei Dörfen war, dann in einen extrem staubigen Feldweg abbog. (Der ist so nirgends verzeichnet, deshalb hat Graphhopper auch Probleme damit.) Bergauf ging ich ohne die Chance auf ein schattiges Fleckchen an Maisfeldern vorbei, an einer Apfelplantage vorüber, an einem See entlang (der Roitzsche Schwanenteich, auf dem ein Paar Schwäne mit vier oder fünf noch graugefärbten Jungtieren schwamm) und war ganz plötzlich in Wurzen. Der Anruf in der Herberge Nepperwitz, die ich ansteuern wollte, ging ins Leere, also: auf den Anrufbeantworter, der von der Schließung bis einschließlich 20. August sprach. Und nun? Ein Getränkehandel (Spätverkauf) lockte. Ich holte mir mein Pilgerbier für den Abend, hielt an der katholischen Kirche an (neben der auch eine Herberge ist) und fragte bei der anderen, im Stadtzentrum gelegenen nach. Ach, wie froh war ich, daß ich mein Dach überm Kopf für die Nacht sicherhatte! Entspannt gönnte ich mir die halbe Stunde Pause im Schatten …

Verblüfft stellte ich im Weitergehen fest, daß Wurzen viel kürzer ist als Kamenz. Trotz unangestrengten Gehens war mein noch immer oder schonwieder beschwingter Schritt so forsch, daß ich ungeachtet allen Stehenbleibens und Sehens schon nach wenigen Minuten am Ziel für den Tag war. Nepperwitz etwa fünf Kilometer weiter wäre wirklich überhaupt kein Problem gewesen … Doch weil dort geschlossen ist, ließ ich mein Pilgergepäck über der Kräuterfee in der “Al hada de las hierbas” explodieren. (So nenne ich es, wenn sich Inhalte aus Tasche und Rucksack im Raum verteilen, so daß ich alles erledigen und übernachten kann.)

Wäsche waschen, Döner jagen und essen, duschen, auf der Terasse sitzen und den Vögeln zusehen, die Nachbarskatze beobachten. Dinge vom Telefon in die Kladde anschreiben. Das langsame Verlöschen des Tageslichtes bemerken. Die plärrenden Pubertiere weiblichen Geschlechts in der Gasse vor der Terasse einfach plärren lassen, das gehört dazu zur Pubertät, das darf so sein. Wie überhaupt an diesem Tag erstaunlicherweise alles durfte … Und auch wenn der Staub auf dem einen Wegstück … ach, so wild war das auch nicht und er ist längt herausgewaschen aus allem. (Was ist in den letzen Stunden geschehen?) Blogs lesen und Twitter, mich freuen über dies und das, meinen Text schreiben, schlafengehen.

 

Vielleicht bin ich jetzt eingelaufen, angekommen im “pilgrims high”, im “flow”. Vielleicht aber gehe ich erst jetzt wirklich auf dem Ökumenischen Pilgerweg, einem Jacobsweg …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert nachher weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 19. August 2016: Ich hab sie bei Graphhopper nachgestellt (die Strecke zwischen 4 und 14 bin ich nicht gegangen, sondern streng der Reihe nach auch zwischen 6 und 12 auf einem nicht verzeichneten Feldweg der staubigen Art meine 17,6 km in weniger als fünf Stunden reiner Gehzeit) und ging von Börln nach Wurzen.
 
Großartig fühle ich mich, richtig gut. Und ich bin schon lange im Landkreis Leipzig!

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Der Kanten. Nº 232 (2016).

Ultreïa! Tag 11 – Wie groß die Angst war. #oekuweg

 

Diese Strecke lag vor mir – na gut, so ähnlich, denn der Besuch in diesem Laden in Dahlen war nicht geplant. Und wie jeden Tag brachte das Abweichen von der Ideallinie (irgendwann kann ich die GPS-Dateien vom Telefon hochladen – bis auf die von diesem Tag, da hab ich vergessen, das Tracken einzuschalten!) “ein paar Meter” mehr ein. Und dann gab es am Ortsausgang noch einen Landhandel, wo ich das Gekaufte auch bekommen hätte.

 

Der Tag begann ja schon ungewöhnlich früh, denn ich ging Punkt neun Uhr los – bisher war es meist zehn oder kurz danach. Und nach den ersten drei Kilometern stand da eine Bushaltestelle, an der in abwartbarer Zeit ein Bus gefahren wäre nach Oschatz, von wo aus mich der Zug von Dresden nach Leipzig bis Dahlen usw. usf. Ganze 3,20 Euro hätte es gekostet, in einer reichlichen halben Stunde in diesem Dahlen zu sein und die verbleibenden ca. 15 Kilometer Nichts zu umfahren. Ganze 3,20 Euro und meine … Ja, Selbstachtung. Es wäre so einfach gewesen, an der Haltestelle sitzenzubleiben und den leichten, unehrlichen Weg zu wählen.

Ich hatte doch gestern nicht umsonst alle möglichen Dinge gesucht und geplant, eine Variante bis Börln, in dem ich schließlich doch ankam, eine bis Dahlen, eine bis Lampertswalde. Bis Lampertswalde wollte ich auf alle Fälle gehen, von dort gab es ebenfalls eine Busverbindung, die mich nach Dahlen gebracht hätte. Und mit all diesen Planungen hatte ich die gewaltige 25-km-Strecke auf 20 km oder gar nur 13 km “entstigmatisiert”, noch dazu, da ich mich ständig an meinen ersten Gehtag von Görlitz nach Arnsdorf erinnerte, den ich schlußendlich doch auch geschafft hatte. Also: Ich wußte und weiß, daß ich es schaffen kann und schaffen werde. Schlimmstenfalls, im allerschlimmsten Fall hätte ich kurz hinter Lampertswalde sogar wild zelten oder in Lampertswalde in eine Pension einziehen können. Mehr Ungemach konnte mir nicht zustoßen. Es lag nichts vor mir, das ich nicht schon geschafft hatte.

Und dann ging ich. Da war rechts mal ein Wald, irgendwann danach linker Hand ein Irgendwas. Und ich ging und ging und ging und trank Wasser und dann die zweite Flasche Wasser und aß Trockenobst und Traubenzucker (Ich! Traubenzucker!), blieb ab und an stehen, nahm die Last vom Rücken, rauchte. Ging dann weiter. Denn ich wußte ja, daß ich die Strecken bis Börln schaffen kann. Und ich hatte mir immerhin acht Stunden (mit Reserve sogar zehn, denn um 19 Uhr hätte ich das Zelt aufgebaut, ein Hotel gesucht – eben den Weg für diesen Tag beendet). Ja, ich hatte zwei Grenzen, eine örtliche und eine zeitliche. Die zweite Flasche Wasser wurde in Lampertswalde leer, eine Oma, die in ihrem Vorgärtchen werkelte, sprach ich an und bat sie, beide wieder aufzufüllen. Es entspann sich ein kurzes Gespräch, das mit den Worten endete:“Mir sinn ja frieher ooch ze Fuß bis Oschatz oder Dahln gelaatscht … Komm gut hin, wode hinwillst.”

Erst nach der nächsten Kurve fiel mir auf, daß ich gerade in Lampertswalde war. Auf der Hälfte der Angststrecke, am frühesten Ausstiegspunkt. Einen Platz finden zur Rast war gar nicht so einfach. Irgendwann saß ich auf einem größeren Stein ein paar Meter ab vom Weg. Shirt, Socken, Schuhe und Füße trockneten. Ich legte auf der linken Gesichtshälfte Sonnenschutz nach (die ist trotzdem richtig rot geworden über den Tag), denn die die linke Seite war beim Marsch gen Westen die ganze Zeit der prallen Sonne ausgesetzt. Die Hälfte. Dieser Gedanke setzte sich fest, verband sich mit dem guten Gefühl in Beinen und Füßen und Kopf. Schließlich noch etwas Mobilat auf die Waden (hilft zwar nicht, wirkt aber psychisch) und dann wieder auf den Weg. Und weiterhin nicht ins Telefon sehen, nur die Karte nutzen! (Später bereute ich es, mich an diesen Vorsatz so streng gehalten zu haben. Aber ich hatte es nicht wie sonst in der Hosentasche, sondern im Rucksack untergebracht; es wäre ziemlich aufwendig gewesen, es herauszukramen.) Mit der Kamera habe ich ebenfalls kaum fotografiert, weil mir der Weg, das Gehen wichtig war.

Ohne Telefon hatte ich auch nicht wirklich ständig im Blick, wie spät es ist, wieviele Kilometer ich bereits gegangen war. Trotz der manchmal langen Strecken ohne Jakobsmuschelzeichen verlief ich mich nicht, kam irgendwie einen mir unwahrscheinlich steil erscheinenden Berg hinauf in den Ort Dahlen, suchte den überall verzeichneten Rewe, weil mein Tabak zur Neige ging, fand ihn nicht, wurde zu einem Penny geschickt, neben dem es eine Tankstelle gab, in der ich Tabak kaufte und eine Bockwurst aß, dann ging es die Strecke zurück auf den Weg, an dem dann doch noch ein Landhandel war, in dem es auch Tabak und Bockwurst gab – ein Punkt war erreicht, da ich mich sonst in den Arsch gebissen hätte, doch ich tat es nicht, ging vorbei und weiter. Kurz danach saß ich an einem Trafohäuschen, gegenüber vergnügten sich Färsen auf dem Gelände am Stall. Die Socken und Füße sind wieder trocken gewesen, dann ging ich weiter. Jetzt lagen noch etwa fünf Kilometer vor mir.

Die Dächer von Börln ware schon zu sehen, als ich mich an einem Strohlager mit großer Scheune nocheinmal ins Gebüsch schlug. Als ich herauskam, knatterte ein Moped herbei, der Fahrer wuselte auf dem Gelände etwas herum und sprach mich dann an. Ja, ich erfuhr mal wieder, was Menschen so tun (Mopeds aufbauen, mit Schrottautos Ackerrennen fahren, als LKW-Fahrer die Landwirtschaft mit dem Vater zusammen im Nebenerwerb betreiben und und und) und was im Dorf alles so ungewöhnliches geschieht. Für den einen Tip mit der Eisdiele allerdings war ich dankbar, schulterte nach einer Weile den Rucksack und wollte gehen. Aber er hatte noch so viel zu erzählen! Und mit einem kleinen schlechten Gewissen griff ich zur Notlüge, daß die Füße wehtun und ich jetzt dringend in die Herberge müßte und ging nach einem letzten Adieu.

Weit war es dann wirklich nichtmehr. Es gab ein Softeis für mich, zur Belohnung, nichteinmal 100 Meter vom Pfarrhaus entfernt. Beim Eisessen klärte ich meine Unterkunft, schaute danach noch schnell in das etwas weiter entfernte Schloßensemble und stand 16.15 Uhr vorm Pfarrhaus, wurde eingelassen, erhielt auf meine Bitte hin auch noch kurz die Möglichkeit, in die Kirche zu gehen, und ärgerte mich über das nicht eingeschaltete GPS-Tracking … Nein, stimmt nicht: ich ärgerte mich nicht, fand es nur etwas schade, daß mir dieser Tag in meinen Routen fehlen wird.

 

Meine Angst vor dem Kanten von 25 km: Woher kam die? Jetzt ist sie mir selbst unverständlich, zumindest teilweise, denn ich wußte doch die ganze Zeit, daß ich genau das schon geschafft hatte. Wieso sollte es heute also nicht gelingen? Warum mußte ich vorher so viele Notfallpläne machen? Haben die mir mehr Sicherheit gegeben? Ja? Nein? — Ich weiß es nicht. Schließlich war es mir an diesem Tag nur noch wichtig zu gehen, mit Obergrenzen, ja, aber ohne vorher bestehendes schlechtes Gewissen für einen “Versagensfall” der Streckenkürzung. Und vielleicht war das das Wichtige: daß ich mir von früh an gestattete, auch zur Hälfte der Strecke schon “genug” zu sagen; das beruhigte mich so sehr, daß ich eben erst nach der Hälfte merkte, daß das ja schon die Hälfte war, der erste Notausgang, der so überflüssig war wie jeder andere …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert nacher weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 18. August 2016: Siehe Link am Textanfang.
 
Angst. Angst vor etwas, das ich schaffen kann und schon schaffte. Sonderbartes Ding.

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Weggedanken, teilweise ungefiltert. Nº 231 (2016).

Ultreïa! Tag 10 – ausgewählte Notate vom #oekuweg

 

Bewußt langsam gehe war das Vorhaben für diesen Tag. Ich habe es geschafft, brauchte ich doch für die 15 km (offizielle Angaben: weniger als 10 km) von Zeithain nach Strehla an der Elbe mehr als fünfeinhalb Stunden. Dafür gibt es heute keinen Wegebericht, sondern nur ein paar der Unterwegsgedanken:

 

 

  • Zeithain, Kieswerk. An früher denken, als die Menschen ihre Häuser noch aus Holz, Lehm und Stroh bauten. Was aus der Natur genommen wurde, konnte in die Natur zurückgegeben werden.
     
    Heute werden Sand, Kies und Stein zu Beton, und der wird zu Häusern und vielem mehr; aber er wird nie wieder zu Sand und Kies und Stein.
     
  • “Offener Vollzug ist wie hungrig zum Bäcker in den Laden gehen und nur am frischen Brot riechen zu dürfen.” — So ungefähr drückte sich der Mensch aus, mit dem ich lange sprach.
     
    Es gibt noch mehr Dinge, die so sind: die Erinnerungen an Dich zum Beispiel …
     
  • In einem Baum am Weg hängt ein Fahrrad-Rad, an das Knochen gehängt wurden, und dreht sich im Wind. Die Überreste der nicht weitergekommenen Pilger?
     
    Nein, es sind Tierknochen, unter denen zwei Alpacas weiden.
     
  • Wenn ich – vom harmonischen Läuten gelockt – den Eingang zu Friedhof und Kirche nicht finde, gehe ich eine Ehrenrunde im Dorf. Denn als Ausgang erkenne ich, was ich nicht als Eingang gelten lassen wollte …
     
  • Die (ehemalige) Wallfahrtskirche in Lorenzkirch ist keine offenen Kirche, ich kann nur durch die kleinen Scheiben der altmodischen Sprossenfenster einen engen Einblick erhaschen. Doch unter der großen Linde auf dem Friedhof saß es sich schlummernd gut.
     
    Warum gehe ich diesen Weg? Weil ich schon lange pilgern wollte? Weil ich aus meinem Leben fliehen wollte? – Das geht doch sowieso (noch) nicht, weil ich es ja mitschleppe, mein Leben, in Telefon und Netbook, in viel zu vielen Kilogram …
     
  • Seit ich die Frauen vom Pilgereianfang ziehenlassen mußte, bin ich immer allein in den Herbergen. Auch auf dem Weg treffe ich keine Pilger.
     
    Alleinsein und meine Sehnsucht nach der Frau/Beziehung – starker Tobak fürs Denkicht unterwegs.
     
  • Am Anfang habe ich, weil ich heute langsam sein wollte, mich auf jede Bank am Weg gesetzt. Dann kam alle 50 m eine … ich saß mehr, als ich ging, und dachte nach und ließ dann eine um die andere Bank aus.
     
    Warum gehe ich diesen Weg?
     
    Wieso muß dieser Weg für mich ein Ziel haben? – Und dabei merke ich, daß er keines mehr hat! Ich gehe, weil ich zu Fuß gehe. Einen Startpunkt und einen Weg habe ich mir ausgesucht. Der Versuch, ein Ziel zu haben, muß auf diesem Weg scheitern. Denn schon beim Gehen verändere ich die vorgeschlagene Strecke, weiche von den “Vorgaben” ab (teils weil ich muß und Wege z. B. nicht mehr existieren, teils weil ich etwas sehen oder kaufen möchte). So kommt es, daß ich viel weiter gehen muß als alle anderen (Pilgerführer, Wanderkarte, andere Pilger) sagen, erzählen, versichern. Und gerade jetzt denke ich: So ist es genau der richtige Weg für mich. Ziellos wie die Zeit …
     

 

 

Ein paar ausgewählte der unterwegs getätigten Notate. Mehr nicht.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 17. August 2016: Umwegte 15 km von Zeithain (das ich mir wegen des NVA-Standortes immer viel größer vorstellte, als es ist) nach Strehla.
 
Ich muß nur noch die Angst vor der heutigen Etappe wegschlafen.

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Rast im Knast. Nº 230 (2016).

Ultreïa! Tag 10 – lange Zeit für kurze Strecke #oekuweg

 

Und nun sitze ich hier am Rechner und schreibe auf, was geschah.

Eine halbe Stunde war ich allein in der St. Michael zu Zeithain. Die letzten zehn Minuten stand ich mit dem Gesangbuch vorm Altar und sang lauthals wie früher im Kirchenchor im Heimatdorf (u.a. EKG 376). Die vorangegangenen 20 Minuten schlich ich leis summend und staunend durch das in rötlichem Holz ausgestaltete und nach Holz riechende Gotteshaus. Als erstes fiel mir eines der Patronatsbegräbnisse auf, auf dem der Kirchpatron unter einer Jakobsmuschel dargestellt ist; irgendjemand legte ihm eine echte auf den rechten Fuß.

Vor dem Kirchgang, zu dem ich von der Pfarrerin extra einen Schlüssel für die Kirche bekam, gab es zum Abend Pasta mit Spinat. Kurz nachdem ich alle meine Sachen – soweit notwendig – für die Nacht ausbreitete und nach dem Duschen.

Da saß ich und schrieb in die Kladde und kraulte den Kater, der Moritz heißt. Als ich mich auf der Gartenbank niederließ, war plötzlich die schwarze Katze da und wollte gekrault werden. Vorher strich sie mir ein paarmal recht eindringlich um die Beine. Ich hatte bis dahin nur grob mein Gepäck in die Herberge gebracht, in das Obergeschoß eines richtigen (und fachgerecht sanierten) Fachwerkhauses, an dessen Tür wie abgesprochen ein Schlüssel stak. Am Ende meines Weges wich ich an diesem Tag noch von der offiziellen Strecke ab, um mich im Discounter mit den Notwendigsten zu versorgen. Auf diese Idee hatte mich gut zwei Kilometer vorm Ziel ein Strafgefangener der JVA Zeithain gebracht, dessen Ansichten über den gelockerten und offenen Vollzug ich nie vergessen werde, mit dem ich – übrigens völlig unbekannterweise und ohne einen Namen zu wissen – meine letzte Rast ins Gespräch vertieft genoß. Wir saßen in der wohl ungewöhnlichsten Pilgerraststätte des gesamten Ökumenischen Pilgerweges, im offenen Vollzug der JVA Zeithain (siehe u.a. diesen Zeitungsbericht). Zur Beǵrüßung schon wurde mir ein gut gekühltes Wasser gereicht. Und ich war fast 200 km zu Fuß gegangen (Ha! Bis Merseburg sollten es 230 km sein, bis Vacha unter 500 km. Hahaha!), um freiwillig in den Zeithainer Knast zu gehen.

Schon vor dem Ortseingang von Glaubitz begann dieses schreckliche Stück Weg direkt an der B98 entlang, auf dem ich mich nur zu einer kurzen Pause entschließen konnte. Am Waldrand kurz vor der Bundesstraße hatte ich erst gesessen, etwa eine Stunde nach dem Mittagessen im Dorfkrug Roda, wo ich ein Einsiedler Schwarzbier und eine Pilgermahlzeit (Makkaroni mit Tomatensoße und Käse beim Getschwurpsele der Schalben vom Nachbargrundstück – diesen Klang können nur Schwalben) zu mir nahm. Den erreichte ich nebenbei gesagt nur über Umwege, weil ein früher noch vorhandener Feldweg schon vor zwei oder drei Jahren untergepflügt wurde.

Den Weg von Weißig bis Glaubitz könnte ich Birnen-, Pflaumen-, Eichel- und Kastanienweg nennen, von mindestens vier verscheidenen Pflaumensorten und zwei Birnensorten naschte ich. In Weißig war auch der meiste Anstieg der Strecke schon vorbei. Stetig bergauf ging es von Skassa aus. Frohen Mutes machte ich mich vor zhehn Uhr, nach Kaffee und Packen auf den Weg. Kurz nach sieben wurde ich im Pfarrhof Skassa wach, in diesem alten Bauernhaus mit den tief ausgetretenen Stufen und Steinen, die ich nutzen mußte, um in mein Zimmer zu gelangen. Mitten in der Nacht traf ich im Garten, im Pfarrhof einen Igel, als ich nach einem Gang zum Thron noch eine rauchte.

 

Oh, jetzt hab ich den Tag rückwärts beschrieben …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert morgen weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 16. August 2016: Von Skassa nach Zeithain, 16 km in etwa sechseinhalb Stunden.
 
Das Gespräch in der JVA und meinen Sologesang vergeß ich nie. Und heute Nacht kommt nichts mehr.

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Hektischer Lärm. Nº 229 (2016).

Ultreïa! Tag 9 – Gelernt (?) auf dem #oekuweg

 

Gestern um die Mittagszeit saß ich in Großenhain draußen vor einem Bistr/Café/Bäckerladen und staunte über mich selbst. Und war auch etwas sauer, weil ich mir abgehetzt vorkam, so ganz anders als in den vergangenen Pilgertagen. Viel zu schnell war ich nämlich unterwegs bis zu diesem Punkt, hatte um die 14 km in weniger als dreieinhalb Stunden zurückgelegt. Vor allem die Strecke von Quersa über Folbern in die Stadt Großenhain hinein mußte ich fast gerannt sein …

Es begann mit idyllischer, hunde- und wald- und schwalbenreicher Strecke von Schönfeld über Mühlbach (west-südwestlich) nach Quersa (nordwestlich von Mühlbach). Kurz vorm Ort noch ein gar liebevoll und verspielt gestalteter Rastplatz (neu bzw. frisch gesäubert und gestrichen). Und dann ein paar hundert Meter entlang der B98. LKW-Verkehr, PKWs viel zu schnell im Ort, laut, nervend … Wenn in dem Moment, da ich an der Bushaltestelle saß, ein Bus gekommen wäre, dann hätte ich den genommen. So aber ging ich, abweichend vom Pilgerführer, der eine südliche Route vorschlägt, nach der Karte nördlich der B98 weiter, direkt neben einer Bahnstrecke (laut!) westwärts. Nur um nach etwa 4 km wieder auf die Bundesstraße zurückzukehren bzw. neben sie, denn jetzt war ich auf einem Rad-/Fußweg neben der B98 dem historischen Verlauf der Via Regia folgend unterwegs ins Zentrum der Stadt Großenhain. Durchaus genervt und unwillig war ich, es strengte an, ich schimpfte über all die Idioten auf der Straße und über mich, der ich selbst doch genau diese Strecke mir herausgesucht hatte. Originaler Streckenverlauf, eben!

(Die Kilometerangaben meines Handys stimmen diesmal einfach nicht. Nicht nur, daß die Twitter-App fast alle Unterwegstweets fraß, nein, auch das GPS sponn herum … Ich hätte früher einmal einen Neustart machen sollen.)

Nach einer Stärkung beim Bäcker und der Klärung des Quartiers lief ich langsam, sah mir die Stadt an, knipste hier und da, war in der Marienkirche (ich berichtete) und spazierte dann durch den sehr sauberen, gepflegten Stadtpark mit einem kleinen Umweg über einen Discounter in Kleinraschütz (am Abend wollte ich ein Bier haben oder zwei), an der Kläranlage Großenhain vorbei und deren und den Gestank der Stinkmorchel ignorierend westwärts gen Skassa.

Kurz vorm Ort noch meine Spezialprüfung für den Tag: eine Brücke, Holzgeländer, Holzbohlen mit Durchblickmöglichkeit nach unten. Vor ihr holte ich tief Luft, einen anderen Weg gab es nun nicht mehr, und dann schritt ich stieren Blicks über sie hinweg. An diese zehn oder fünfzehn Meter kann ich mich nur erinnern in zwei Bildern: a) vor der Brücke und b) die Zigarette danach. Alles andere habe ich komplett ausgeblendet …

Um 16.10 Uhr war ich am Ziel. Es können 22 km gewesen sein, sie ich in 5:45 h gegangen bin – jetzt mag ich nichtmehr drüber nachdenken. Jedenfalls fühlte sich der Weg – der ganze Weg des Tages – viel zu schnell gegangen an, viel zu schnell.

Was geschah dann noch? Ich war duschen, habe Klamotten gewaschen, die draußen auf der Leine in der Sonne fast trocken wurden und nach Sonnenuntergang auf der Gardinenstange hier im Zimmer zuendetrocknen können. Ich habe mir Tütenspirelli gekocht, Bier getrunken, geschrieben, geraucht, die Kirche angesehen; ich nutze (nicht ganz zuverlässiges) WLAN und habe meine Füße gepflegt und noch immer keine Blase. Ich war nur genervt vom Lärm (wie schnell ich mich doch an die nicht minder laut, aber vollkommen anders, viel stiller tönende Natur gewöhnt habe) und der Hektik auf der Straße. Daß hat mich angetrieben, unerwünscht gejagt, so daß ich viel zu schnell mit viel zu seltenen und viel zu kurzen Pausen ging. So genervt war ich, daß ich mit diesem Tag wirklich nicht zufrieden bin, ihn aber trotzdem annehmen kann ohne zu hadern, denn er ist nicht wiederholbar …

Ob ich es auch noch lerne, damit umzugehen? Der Weg wird es mir zeigen, hoffe ich.

 

Oh, mehr Infos über den Ort mit dem sonderbaren Namen Skassa gibt es auch dort.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert nachher weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 15. August 2016: Vom Schloß in Schönfeld durch Großenhain ins Pfarrhaus in Skassa.
 
Satt, halbwegs zufrieden und müde schlummerte ich vor geraumer Zeit ein. Morgen – neee, ist ja heute – heute geht es zunächst nach Zeithain.

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Ungewollt beachtet.

Ultreïa! Tag 9 – Zwischenmeldungsanekdote vom #oekuweg

 

In Großenhain wurde ich in der Marienkirche unfreiwillig Bestandteil einer Führung für englischsprachige Jugendliche:

Nichtsahnend betrat ich das Gotteshaus, das direkt an meinem Weg durch die Stadt hindurch liegt. Ich hatte sowieso zuwenig Pause gemacht bis dahin und glaubte an einen Moment der Stille. Aber nein. Ein Mann erklärte Jugendlichen in sächsischem Englisch, daß er nur einmal im Jahr vom Kanzelaltar predige, nämlich zu Weihnachten. Und dann, auf mich zeigend (sinngemäß, nicht wörtlich): “Look at this man. He is a pilgrim on his way to Spain, to Santiago de Compostella. The Jacobs Oyster (okay, das ist wörtlich!) on his backpack is the symbol for that. Many people are on pilgrim the Ökumenischer Pilgerweg just in front of our church.”

Und etwa 25 Jugendliche sehen mir zu, wie ich den Rucksack absetze, die Muschel extra nochmal richte und mich dann in einer Kirchenbank niederlasse …

 

Ich glaub, ich wurde sogar fotografiert.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgerte weiter und dankt für’s Lesen.

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Bis an den Rand der Verzweiflung. Nº 228 (2016).

Ultreïa! Tag 8: Königsbrück – Wald – Wald – Schloß. #oekuweg

 

Totz des heftigen Läutens war ich am Morgen nicht beim Gottesdienst, weil ich zu lange getrödelt hatte beim Einpacken und dann endlich losgehen wollte. Lag doch heute ein Weg vor mir, der acht Kilometer durch Wald, dann durch einen Ort und danach wieder durch Wald und nichts führen sollte.

Was soll ich sagen: All das traf zu. “Da! Ein Bovist!” Wieviele hunderte Mal hätte ich das rufen können? Wieder gab es auch jede Menge anderer Pilze, ich sah – später – sogar Birkenpilze stehen. Doch was nützten sie mir? Ich ließ sie stehen, für die anderen Leute, die nach ihnen suchen; aber vielleicht geht es denen wie es mir immer ging: Schwamme suchen bleibt erfolglos … Ich habe auch wieder Blaubeeren und Kratzbeeren (Heidel- und Brom-) gegessen. Mitten durch Wald führte der Weg, war manchmal kaum noch als solcher zu erkennen, nur die Nordic-Walking-Tourausschilderungen und die Goldene Jakobsmuschel auf Blauem Grund halfen mir da durch, bis … Bis ich wie verzaubert vor einer Schutzhütte stand:

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Da hing echt! ein echtes! Wildschweinfell an der Wand! Und ein Gästebuch. Und alles dort sah gut gepflegt aus: Der Müll war beinahe leer, etwas Holz für ein Feuer draußen in der angelegten Feuerstelle war noch da, die Pflanzen in den Kästen auf dem Tisch frisch zusammengesteckt … Solches nach 5 km Weg vorzufinden hieß für mich auch, die erste große Pause zu machen.

Danach wurde der Urwald noch urwaldiger. Hochsitze gab es wie Sand am Meer, fast soviele wie Boviste. Und Pilze, und Blaubeeren, und Kratzbeeren … Und dann war der Wald endlich zuende. Tauscha, nach ca. 9 km endlich ein Ort mit Menschen. Ich ging noch ein Stückchen weiter und rastete nach 9,5 km auf einer Findlingsgruppe, die jemand vor seinem Haus an einer Kreuzug plaziert hatte. Dann lagen etwa 3 km geteerter Feldweg und Straße vor mir. Und unterwegs bemerkte ich zweierlei: Highspeed-Volumen war aufgebraucht, und genügend Guthaben für die am 15. fällige Prepaid-Gebühr war auch noch nicht im Telefon …

Wie gerufen kam mir da ein sauberes, noch gemauertes Buswartehäuschen in Lötzschen gerade recht. Dritte Pause, noch etwa 4,5 km bis zum gedachten Ziel. Zeit auch, um die Herbergen abzutelefonieren und ein Quartier für die Nacht zu sichern. Aber: zwei Unterkünfte ausgebucht, im Schloß geht niemand ans Telefon. In reichlich einer Stunde wäre ein Bus nach Großenhain gefahren, das ich zu fuß ganz sicher nicht mehr erreicht hätte – und ich saß im Wartehäuschen und haderte mit meinen Füßen in den Outdoorsandalen, mit meinem Gepäck, mit der Welt. Am Rande der Verzweiflung. Okay, dachte ich, mach das Telefon noch fertig und geh weiter. Geh über den Rand der Verzweiflung hinaus, es fügt sich alles! Vielleicht viereinhalb Kilometer noch bis zum Schloß. Und wenn da nix ist, dann wird Wasser genommen und gezeltet.

Um 16.30 Uhr kam ich im Schloß an. Auf dem Zettel zwei Telefonnummern, die außerhalb der Bürozeiten angerufen werden sollen, falls Pilger in die Herberge möchten. Das erste Telefon aus. Am zweiten der Bürgermeister des Ortes irgendwo mitten im Wald. Aber: Er sagte, ich brauch doch nur im Schloßcafé danach fragen!? Ha. Hinein. Auf die Frage wahrheitsgemäß antworten, daß ich kein Musiker für das stattfindende Schloßkonzert sei, sondern Pilger. Draußen warten, wie erbeten. Zehn Minuten, zwanzig, mich nochmal in Erinnerung bringen. Den Streß der Frau gesehen, die die Gäste bediente und mir zwischendurch die Herberge zeigen sollte. Kein Problem mit dem Warten gehabt.

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Traumhaft. Zimmer mit Schreibtisch, Aufenthaltsraum, maximal acht Schlafplätze auf Matratzen, insgesamt 20 nutzbare Steckdosen (!), Klo und Waschbecken. Im ersten Stock eines Gebäudeteils vom Großen Schloß. Auf dem Durchgang zum links daneben befindlichen Turm, über einem Torbogen, trocknen meine handgewaschenen Klamotten vor sich hin seit halb sechs. Ich aß mein üppiges Pilgerabendessen (Komissbrot, trocken, mit Brotaufstrich “Alaska-Seelachs”) und trank dazu Wasser. Das einzige im Café erwerbbare Bier war a) alkoholfrei und b) kein Bier, sondern B*cks. Pfui.

Nach dem Abendessen saß ich draußen im Schloßhof, ich Schloßherr ich, und schrieb und lauschte dem Konzert. Kurz nach der Pause gesellte sich ein Paar an den Nebentisch, die auch lieber von draußen hören wollten und deswegen nicht wieder in den Saal zurückkehrten. Und dann hörten wir gemeinsam die Musik und sprachen über Gott und die Welt, das Leben und die Antwort auf alle Fragen, über Stasi und Kunst und Internet – eine Stunde lang. Bis zum Konzertende.

 

Begegnungen, Menschen sind es, die den Weg besonders machen …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert morgen weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 14. August 2016: 17,75 km in fünfdreiviertel Stunden (reine Gehzeit etwa 4:15 Stunden), viel, viel zu schnell also von Königsbrück nach Schönfeld (bei Großenhain).
 
Nachher kein Extra-Blog. Zu müde.

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Wiedergänger, Wiedergeher. Nº 227 (2016).

Ultreïa! Tag 7 – zum zweiten Male Kamenz. #oekuweg

 

Ich habe es wahrgemacht und fuhr am 13. August pervers früh, nämlich 5.13 Uhr von Zuhause los. Den Fahrschein hatte ich mir am Freitag schon geholt, so daß ich die etwas knappere Anreise zum Hallenser Bahnhof wählen konnte. Die Fahrt verlief ruhig und pünktlich, bis auf eines: In Dresden-Neustadt merkte ich, daß ich einen – DEN! – Ring verloren hatte, er war nichtmehr an meinem Finger. Er saß übrigens keines wegs so locker, daß ich ihn hätte verlieren können; ich muß ihn mir beim Dahindämmern zwischen Leipzig und da vom Finger geschoben haben. Nein, auch am Abend ist er nicht aufgetaucht …

Kamenz. Zunächst wieder hinauf auf den Hutberg, vom Bahnhof aus ziemlich genau 100 Höhenmeter, deren letzte 80 auf sechshundert Meter Weg bewältigt werden müssen. (Ich hab es bei Graphhopper mal nachgesehen.) Da stand ich wieder vorm Lessingthurm, nutze wieder das WLAN der Gaststätte und ging dann den Weg, von dem mir am Montag zurecht abgeraten wurde. Es geht nämlich auf der anderen Seite noch ein wenig steiler und stolperiger hinab. Und dann: gehen, einfach recht eben geradeausgehen. Bis zu einer Postsäule aus dem Jahre 1725, neben der ich auf einer Steinbank saß und das am Morgen gekaufte belegte Brötchen verputzte. Am Wal- und Wüsteberghaus (der ersten möglichen Pilgerherberge) in Schwosdorf vorbei, durch den Wald voller Heidelbeeren, Pilze (größer als meine Fußlänge war einer, den ich fotografierte), Brombeeren, sogar Himbeeren und Walderdbeeren konnte ich naschen. Und auf dem Waldweg bis Reichenau riesengroße Pfützen, das Gras daneben noch immer tau- oder regenfeucht. Unmengen von grünen Libellen und nachtblauen dicken Käfern waren zu sehen, Falter und Schmetterlinge; und Vögel, sogar viele Greifvögel sah ich. Nach dem Wald ging es mit Obstbäumen am Wegrand weiter, diverse Äpfel aß ich, versuchte mich auch an Pflaumen (noch zu grün) und Birnen (knochenhart).

Reichenau begrüßte mich mit dem Lärm und dem Geruch einer Gänsezucht. Am Ortsrand, halb im Wald, und doch waren die Gänse aufgeregt wegen über ihnen kreisender Raubvögel. Der Ort selbst verlor viel von seiner pittoresken Schönheit, weil die wichtigste Straße, auf der auch der Ökumenische Pilgerweg verläuft, beinahe in gesamter Länge Baustelle ist. Einen Abstecher unternahm ich zur Pilgerherberge “Armen- und Heimathaus Reichenau”, wo ich mich wieder für eine ganze Weile im Schatten ausruhte. Hätte ich dort mit meinem Mobiltelefon anrufen können (absolut kein Netz dort), wäre ich vielleicht um 14 Uhr schon dortgeblieben, so aber nahm ich die etwas mehr als fünf restlichen Kilometer bis Königsbrück in Angriff. Und fand im Ort Reichenau noch Menschen, die mir sehr gern und freundlich meine Wasserflaschen wieder auffüllten.

Nun, da ich sehr bewußt auf meine Gangart achtete, ich daher doch ungewohnte Bewegungen machte, begannen die Oberschenkel zu maulen. Noch drei Kilometer, die wollte ich schaffen. Quer durch den Wald ging es auf einem unmarkierten Wegteil in die alte Stadt Königsbrück (ohne Telefon und OruxMap hätte ich mich verlaufen). Am ersten Haus ein selbstgezimmerter Rastplatz, die “Königsbrücker Pilgeroase” mit extra Ablage für Rucksäcke, originell gestalteter Umgebung und einer “Pilger-Notfall-Box” mit allen möglichen Dingen, die plötzlich unterwegs gebraucht werden könnten, sogar mit Magnesium-Brausetabletten und Batterien … Wie’s der Teufel so will, kam der Erbauer des Ganzen gerade vorbei und wir schwatzen ein Weilchen über Gott und die Welt. Meine letzten 1200 m führten mich durch einen L*dl dann zur Pilgerherberge. Im Haus sitze ich tasächlich direkt gegenüber des Wahlkreisbüros des Sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich …

Und weil ich kurz vor sechs den Betreuer der anderen Königsbrücker Pilgerherberge (Armenhaus Stenz) traf, der in der direkt gegenüber meines Quartiers ligenden Pfarrkirche Küster ist, konnte ich auch zwei andern Pilgern und ihrem Hund helfen, indem ich sie einfach in die Kirche schickte, in der der Mann noch zugange war. Siehe, die Drei nächtigen jetzt dort.

 

Gerade zehn ist es jetzt. Ich bin schon viel zu lange wach. Also plane ich diesen Beitrag auf vierteĺ Eins und verschwinde dönersatt im Schlafsack.

 

Der Emil

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P.S.: Die Strecke am 13. August 2016: Von Kamenz nach Königsbrück etwa 18 km, mit vielen Pausen in sechseinhalb Stunden bewältigt, dabei 260 Höhenmeter hinauf- und 280 hinuntergeklettert.
 
Müder als ich sind meine Oberschenkel und Füße …

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Wegweg. Nº 226 (2016).

Ultreïa! Tag KurzdavorunddochamAnfangmittendrin. #oekuweg

 

Ich sollte längst schlafen. Tu das bestimmt auch schon lange …

 

Um drei Uhr irgendwas klingeln meine Wecker – damit ich um 4.43 Uhr in den Bus steigen kann, zum Bahnhof fahren kann … wieder nach Kamenz gebracht werde …

Ach, wie langweilig, wie …los war mein Leben, bevor ich mich zum Gehen, fürs Gehen entschied. Irgendwann auf die Schlafcouch kippen, etwas Radio hören oder TV sehen oder (selten) SWL versuchen. Dabei der Müdigkeit nachgeben (unbewußt) und einschlafen, aus der Realität fliehen, aus dem Alltag treten, und bloß nicht in die Depression rutschen! Das war das wichtigste Ziel, ist noch immer ein Ziel, aber nur eines … Heute heißen meine Ziele Reichenau oder Königsbrück. Je nachdem, ob ich 12 km oder 16 km gehen mag und oder kann. (Wobei ich mit den 16 liebäugele.) Und morgen dann … Aber all das ist doch nur Vorgeplänkel für diesen einen Gedanken:

 

 

Weg und Weg werden gleich geschrieben, bedeuten völlig Verschiedenes und bedingen sich einander. Oder?

 

Der Emil

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P.S.: Die Strecke am 12. August 2016: Wie vorvorgestern und vorgestern war ich zu Fuß in der Stadt.
 
Es ist alles bereit fürs frühe Aufstehen. Der Rucksack ist so verdächtig leer.

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Marschgepäck. Nº 225 (2016)

Ultreïa! Tag mittendrin. #oekuweg

 

Heute wird alles wieder eingepackt. Mein Fuß hat sich – so hoffe ich – zur Genüge erholt. Damit steht dem weiteren #oekuweg nichts entgegen. Und diesmal packe ich auch noch etwas mehr von der Hoffnung ein, daß alles ganz wunderbar sich ergibt, weil ich genau das ja schon tagelang erleben konnte.

Klar ist die Packordnung etwas verändert. Wo ich vorher eines meiner geliebten Mittelalterhemden als wärmendes Oberteil hatte, passen jetzt die neue Jacke und ein dünner Pulli ins Gepäck. Zwei Ersatzshirts blieben, aber der Rest geht nur noch einmal mit; das macht etwa ein Kilogramm weniger auf dem Rücken. Von manchem, das ich nicht nutzte, habe ich mich auch getrennt, vom Doctan zum Beispiel. Und ich habe nicht wieder nur einen Einkaufsbeutel mit, sondern eine leichte Umhängetasche, in der ich die ständig gebrauchten Dinge tragen kann, also Karte, Kamera, Futter, Wasser, Pilgerführer usw. usf. Und immer wieder werde ich den Rucksack umpacken, das habe ich bisher viermal getan. Auf alle Fälle will und möchte ich diesmal auch eine Zeltnacht einlegen – vielleicht wild, vielleicht auf einem Zelplatz. Die zweite Möglichkeit bevorzuge ich deutlich, alleine das vorhandene Klo und die Dusche sind verlockender Komfort, und es geht doch nichts über eine nutzbare Steckdose und ein absolut luxuriöses WLAN ;-)

Ach, dieses Verhaftetsein in diesem Internet. Wäre ich ohne das überhaupt losgegangen? Oder hätte ich im letzten Moment doch gekniffen und wäre auf meiner Schlafcouch geblieben? Genau das halte ich für sehr wahrscheinlich. Mein großes Getöne über den Weg war also nichts anderes als … als die Installation eines Anreizes, eines Schubsens, eines “Zwangs” zur Umsetzung der Idee. Ja, manchmal arbeite ich mit diesem schmutzigen Trick (unter anderem vor und auf Brücken), muß ich mit diesem Trick arbeiten, um genug Motivation zu haben für alles mögliche. Diesmal habe ich Twitter und meinen Blog eingesetzt, um mir selbst die Einlösung eines Versprechens aufzuerlegen. Und es klappt, es funktionierte!

Natürlich, ich mache mich damit, mit der Bloggerei und Twitterei von unterwegs, ziemlich abhängig von Strom und Mobiltelefonie. Ja, das ist dem ursprünglichen Gedanken des Pilgerns nicht so ganz zuträglich, aber es ist meiner Art zu leben geschuldet. Dieser halböffentlichen Art zu leben, manchmal auch mein Innerstes halböffentlich auszubreiten, zu sezieren, preiszugeben. Die ich noch immer benötige, um nicht wieder in schädliche, schädigende Routinen zu verfallen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mich auf den Weg zu machen, endlich, und mich dabei von Menschen via Internet begleiten zu lassen, die mir immer wieder Kraft geben und aus deren Reaktionen und Aktionen ich immer wieder Mut und Kraft schöpfen kann.

 

Jeder geht den Weg für sich allein, heißt es. Stimmt, aber ohne Menschen, die mich auf die eine oder andere Art begleiten, bliebe ich sehr bald irgendwo sitzen, würde ich ziemlich schnell abbrechen, was ich doch so sehr ersehnte …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 11. August 2016: Von vagen Vorstellungen zum festen Plan.
 
Lampenfieber. Wieder Lampenfieber.

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Veröffentlicht unter #oekuweg, 2016, Erlebtes, Gedachtes, One Post a Day | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 9 Kommentare