Alt genug. (2017: 051)

Generation Heizkissen.

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Ich bin jetzt alt. Und nichts und niemand mag mich gerade.

Halt. So ist es ja nicht. Aber: Ich habe mir heute ein Heizkissen gekauft. Im Alter von 53 Jahren kaufte ich mir ein Heizkissen. Ich. Und irgendjemand sortiert Kommentare in den Spam, die da nicht hingehören. Und ich merke es viel zu spät. Wie so ein Tatt…

 

Noch mal von vorn.

Wenn mir etwas Unangenehmes bevorsteht oder geschieht, dann schlägt mir das auf die Nieren, wortwörtlich, schon seit Kindheit und Jugend. Ich hatte und habe dann wirklich Nierenschmerzen. Gegen die half mir bisher immer eine schöne (zuletzt gelbe) Gummiwärmflasche. Nun wollte ich es etwas bequemer haben und habe mich technisch aufgerüstet. Heute Abend saß ich am Tisch und probierte das Heizkissen aus, ausgiebig, zur Zufriedenheit. Mir geht es wieder besser. Und doch war es eine Überwindung, ehrlich, mit dem Teil zur Kasse zu gehen im Bewußtsein, daß mein grauer werdender Bart die Vermutung zuläßt, es sei für mich bestimmt. Jaja, mein Kopf dreht sonderbare Kreise!

So ist das mittlerweile in vielen Bereichen meines Lebens. Manches (notwendige) fühlt sich an, als wäre ich noch nicht alt genug dafür. Manches fällt mir schwerer als früher, anderes fällt mir leichter. Noch nicht viel leichter, aber gerade beim Loslassen, Entsorgen, Verschenken bemerke ich Fortschritte. Gelesene Bücher gehen zum überwiegenden Teil in die öffentlichen Büchertauschzellen. Zettel, Ansichts- und Werbekarten wandern wie auch alte Zeitungen und Zeitschriften und Ausrisse ins Altpapier. Ich habe aufgehört, jeden Werbekugelschreiber haben und behalten zu wollen. Was mit meinen selbstvollgeschriebenen Kladden geschehen wird, weiß ich auch.

Und zu guter Letzt sah ich vorhin noch (und “klaue” jetzt einfach) diesen Tweet von @kdoerfner:
 
«Was ist mir wichtig? Was sollte ich besser nicht mehr aufschieben?»

Wieder zwei Fragen für mich, für mein Leben. Ich stelle fest, ich bin jetzt alt.

Alt genug für diese beiden Fragen und neue Antworten darauf. (Und wenn ich sie gefunden habe, teile ich sie mit, die Antworten.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 20.02.2017 waren eine gut vorbereitete Magazinsendung, ein Heizkissen, ein verschenktes Telefon, eine wunderbare Unterhaltung.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVIII – Der Mond.

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Unvergeßliche Un-Dinge (2017: 050)

Koinzidenz oder morphogenetisches Feld?

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Wie sonderbar (un-)passend die Geschehnisse manchmal aufeinandertreffen. Nach dem Mittagsschlaf schrieb ich diese Sätze auf:

 

 

Es gibt ein Leiden, das unvorstellbar ist.
Es gibt ein Lachen, das unverstellbar ist.
Es gibt ein Leben, das unverstehbar ist.

Unvergeßlich bleiben sie alle drei …

 

 

Und am späten Nachmittag dann erfuhr ich, daß Bärbel Minibares heute starb. Gerne sah ich mir ihren Blog an, viel zu selten konnte ich mich zu einem Kommentar durchringen, vor allem, nachdem ich …

Und nun frage ich mich wieder, woher meine Sätze kommen. Ob da wirklich etwas existiert, das unmeßbar und doch wirksam ist.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 19.02.2017 waren Ausschlafen, Mittagsschlaf, ein Angebot, viele beschriebene Seiten.
 
Die Tageskarte für morgen ist I – Der Magier.

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Bange Vorfreude (2017: 049)

Kein Tag wie jeder andere.

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Ich stolpere unverhofft und von mir ungeplant (natürlich mit Hilfe) über und durch meine Vergangenheit, bleibe an Phantasien hängen, die sich schon früher nicht verwirklichen ließen, unter anderem weil ich mich nicht traute. Heute lassen sie sich wohl auch wieder nicht verwirklichen, aber diesmal liegt es nicht an mir. Glaube ich. Allerdings reißen sie mich aus meiner Bahn … Da hilft es auch nicht, daß heute meine Bestellung bei mir ankam, die ich in diesem Jahr wohl doch das eine oder andere Mal auf diversen Mittelaltermärkten und -festen ausführen werde.

 

Meine Bestellung: Schwarze Mönchskutte, gleich anprobiert.

Meine Bestellung: Schwarze Mönchskutte, gleich anprobiert.

 

Ja, eine Mönchskutte (ein ziemlich schlechtes Bild, mit dem Telefon gemacht und auch noch bearbeitet). Ich fühle mich darin richtig und falsch zugleich, noch jedenfalls. Es hängen nämlich an der Gewandung nach so vielen Jahren noch immer … ja, Erinnerungen, Hoffnungen, Vorstellungen. Doch überwiegend … Nein. Ich bin sicher, daß das Kloster nicht mein Weg gewesen wäre. Heute weiß ich das. Und deshalb werde ich die Rolle auch spielen können, die ich mir bei der Bestellung ausmalte. Als Rolle. Ohne mich dabei als der zu fühlen, der das nicht geschafft hat.

Und ja, das Stolpern wird noch etwas andauern. Vielleicht auch nie wieder aufhören? Jedenfalls nicht ganz? Sicher nicht ganz, denn meine Vergangenheit, zumindest Teile davon, sollen nie der Vergessenheit anheimfallen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 18.02.2017 waren das Stolpern zu zweit, Numiroso, nachdenkliche Stunden.
 
Die Tageskarte für morgen ist XIX – Die Sonne.

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In der Straßenbahn erlauschte Vergangenheit (2017: 048)

Die Weisheit des “einfachen” Volkes

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Ohne Absicht. Aber das Gespräch direkt neben mir in einer Tram der Linie 4 kann ich nicht überhören. Eine Frau und ein Herr, beide sichtbar über sechzig, sprechen über Alzheimer; sie siezen sich dabei. Und dann sagt er, mit schlechten Zähnen, schlecht rasiert und in abgerissener und doch sichtlich gepflegter und reparierter Kleidung (wörtlich wiedergegeben, weil ich es gleich notierte):

 

 

» Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, die nicht dem Vergessen anheimfallen darf. «

 

 

Ist das ein geflügeltes Wort, ein Zitat? Diverse (Meta-)Suchmaschinen (außer Gockle) geben darauf keine Antwort. Es kann also ein Satz aus dem Volksmund sein (das nehme ich an), oder doch einer aus seiner Lebenserfahrung, seine Conclusio zu den vorher besprochenen Hilfen und Hilflosigkeiten, die anscheinend beide mit Demenzerkrankten hatten und haben … Laßt uns diesen Satz zu einer Volksweisheit machen!

Und wenn auch nicht die ganze Vergangenheit, so sind doch einige Bestandteile jedes Menschen Vergangenheit es wert, für die Nachwelt bewahrt zu werden. Wirklich jedes Menschen, auch Teile Deiner und Deiner und ihrer und seiner und Deiner Vergangenheit. Ich bin mir da ganz sicher. — Aber was meint ihr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 17.02.2017 waren die verlängerte Frühschicht nach vier Stunden Schlaf, 78 aus der digitalen Bemusterung heruntergeladene Alben, der tatsächlich fast komplett geschaffte Haushalt.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit.

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Bevorstehend (2017: 047)

Eine kurze Nacht. Eine lange Suche.

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Ich hoffe, ich kann jetzt bald einschlafen. Sonst wird es nicht eine kurze, sondern eine zu kurze Nacht. Denn gegen vier Uhr wird mein Wecker mich vom Schlafsofa zwingen, ins Bad und in die Küche. Eine ganze Kanne Kaffee werde ich brauchen zum wachwerden und jede Minute, die mir bis 5.40 Uhr zur Verfügung steht. Um diese für mich völlig ungewöhnliche Zeit muß ich morgen früh nämlich den Weg die 154 Stufen hinab und zum Bus gehen. Wenn die Personalsituation bei “meinem” Radio so knapp ist wie gerade jetzt, dann mache ich dort eben eine Frühschicht.

 

Auf etwas ganz anderes bin ich im Rahmen privater Recherchen gestoßen. Ganz nebenbei wollte ich etwas mehr wissen über das 11. Plenum des ZK der SED (16. bis 18. Dezember 1965), das Kultur-Kahlschlag-Plenum. Und ich kann mich gut daran erinnern, daß zu allen Parteitagen und Plena sehr viel Literatur gedruckt wurde; die Berichte, die Beschlüsse, ein großer Teil der Diskussionen wurden in Broschüren und Büchern veröffentlich. Aus den normalen Bibliotheken, sogar aus der hiesigen Universitäts- und Landesbibliothek scheinen alle diese Bestände restlos vrschwunden zu sein. (Ja, ich möchte heute das tun, was mir seinerzeit auch als Genosse verhaßt war: Studium der Dokumente von Vereinigungsparteitag bis zum Anschluß Beitritt.)

Wahrscheinlich werden die entsprechenden Parteien verfilmte Kopien davon haben. Aber ich habe mir jetzt in den Kopf gesetzt, alle diese Dokumente von CDU, DBD, LDPD, NDPD und SED zu lesen. Um mich zu erinnern an das, was ich erlebte, an das, was mich damals immer in irgendeiner Weise betraf. Noch überlege ich, ob ich das noch ausweite auf FDGB, DFD, FDJ, DSF, GST – wen und was habe ich vergessen? Ah, den VKSK und die SDG! Und wo werde ich Texte finden von den Organisationen, die nicht so eindeutig wie CDU, LDPD und SED Nachfolgeorganisationen haben? Ich bin neugierig geworden auf die Vergangenheit … Es können doch nicht alle oder viele oder die meisten offiziellen Texte eines ganzen Staates und der in ihm und mit ihm existierenden Organisationen entsorgt worden sein? Oder arbeitet das MiniWahr doch so zuverlässig?

Sonderbar, daß Primärquellen kaum, selektive und (ab-)wertende Sekundär- und Tertiärquellen aber zuhauf findbar sind … (Ich weiß, in der DDR war das auch so, da wurde sogar an den Klassikern “herumkorrigiert”. Aber in einem so freien Land wie in dem, in dem ich jetzt wohne?) Mir steht eine aufreibende, langwierige und vielleicht nicht zu erfolgreiche Suche bevor.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 16.02.2017 waren die fertigen Aufnahmen für eine Sendung, ein Gespräch mit jemandem vom inklusives Radio “rAus:Leben”, ein erledigter Einkauf.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Stäbe.

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Nie fertig (2017: 046)

Nicht mit allem.

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egal wie vieles ich am tag
zu einem guten ende bringe
ich werde trotzdem nie wirklich fertig sein

 

 

Eine Sache davon ist der Blog. Und da ich heute noch dreieinhalb andere Dinge zu einem guten Ende (eines eben nur auf einen guten Weg) brachte, bin ich doch ganz zufrieden mit mir. Ich muß nämlich nie nicht fertig sein mit allem …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 15.02.2017 waren das Ergebnis des Behördenbesuches, eine gute Nachricht fürs Wochenende, Fahrkarten.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVI – der Turm.

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Faktenlage (2017: 045)

Fühnühnühnüh und Mimimi

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Fakt 1:
Ich vernachlässige vieles, weil mir zu vielem einfach der Antrieb fehlt.
Fakt 2:
Dinge, die nicht notwendig sind, erledige ich mit Freude; und doch habe ich bei manchen von ihnen ein schlechtes Gewissen.
Fakt 3:
Die Sehnsucht nach Berührung ist riesengroß; sie ist mit der Absage einer zweisamen Zeit nur noch gestiegen.
Fakt 4:
Zeit ist zur Zeit sehr sonderbar.
Was macht die Zeit mit mir? Und was mache ich mit der Zeit? Sie zieht an mir vorbei, umfließt mich – oder bin ich (zum Teil) aus ihr herausgetreten, stehe sehnsüchtig beobachtend neben ihrem Fluß, auf einer Insel in ihrem Fluß, in dem das Leben stattfindet? Das … Das hieße doch, daß ich nicht lebe, zumindest nicht aktiv lebe, nur noch existiere …
Fakt 5:
Von einer Depression oder auch nur einer depressiven Phase bin ich weit entfernt.

 

Puh. Also … Im Moment spüre ich in mir eine gewisse Unzufriedenheit mit der kultursozioökopathischen Gesamtsituation von Universum, Liebe und gesamtem Rest.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 14.02.2017 waren ein erledigter Behördengang, eine positive Auskunft zur Eintragung eines Künstlernamens, das Erhaschen des ersten Blicks auf eine maschinelle Bewegung im Fahrstuhlschacht.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Altmodisch ausgedrückt (2017: 044)

Romantik in Vergangenheit und Zukunft.

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Und als sein Herz übervoll war von Glückseligkeit und Traurigkeit, als der Träume in seinem Kopf immer mehr wurden und der Freude in seiner Seele so viel, da erstarben ihm die Worte, und in Zungen reden gelang ihm diesmal nicht; seiner bemächtigte sich ein tief ergriffenes Schweigen.

 

 

 

Heute vielleicht mit “der hat YOLO geschnallt und ist einfach megachillig” umschrieben … Aber so wie oben, so haben sich wohl Brentano, Günderrode, von Kleist, von Arnim, Hölderlin und deren Zeitgenossen ausgedrückt, die mehr oder weniger zur Heidelberger Romantik gezählt werden. Ob zukünftige Generationen noch von Orten oder doch nur noch von einigen wenigen Konzernen sprechen werden? Ob sie uns auch dann noch Romantiker nennen, wenn sie Teile unserer Whatsapp- und Fakebockdialoge finden?

Aber die Literatur, die uns aus der Heidelberger Romantik blieb, die wird auch in Zukunft noch findbar sein, auf altmodisches Papier gedruckt, zwischen Pappdeckeln gestapelt, in Räumen voller Bücher, die vielleicht immernoch Bibliotheken genannt werden, in jener Zukunft …

 

Ich habe keine Ahnung, woher dieser Satz im grauen Kasten stammt, also dieser altmodische Satz da oben. Er war plötzlich da und stand dann in der Kladde …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 13.02.2017 waren ein angelesenes altes Buch, einige bearbeitete und frisch heruntergeladene Musik, eine ruhige Schicht am Abend, etwas Zurückerhaltenes.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Schwerter.

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Veränderung (2017: 043)

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Ich mach mich dem Wind gleich.
 

Mal bin ich stet wie der Monsun, mal eine Bö. Sanft steiche ich über das, was ich durchziehe; vieles lasse ich hoch hinaufwirbeln. Ich helfe Drachen beim Steigen und Bäumen beim Brechen. Ich decke Dächer ab und treibe Schiffe voran. Meine Kraft gebe ich den Windmühlen im Vorüberziehen. So manche Flamme laß ich flackern und Funken weit fliegen.

Immer bin ich spürbar, immer bin ich überall. Nur festhalten kann mich niemand mehr.

Ich mach mich dem Wind gleich.

 

 

Ein Versuch, dem ich den Umweg über den entwurfsordner erspare.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 12.02.2017 waren leckeres Essen (Kartoffeln und Quark), ziemlich viele gescannte Zettel, neue alte Musik, ein erledigtes Amtsschreiben.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Stäbe.

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Die Sprünge im Schnee (2017: 042)

Von einem Gedankengang zum anderen

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Über Nacht wurde die Welt vor meinem Fenster doch noch einmal komplett überpudert und zeigt mir beim AUfwachen, wie Winter sein könnte. Ja, nur könnte, nicht “ist” – denn diese dünne Schicht verschwindet, nein, sie verschwand bald wieder. Nicht vollständig, denn es ist kalt geblieben; und nur in der Sonne oer dort, wo Salz gestreut wurde (pfui, das sollte schon wegen seiner giftigen Wirkung auf Bäume und Sträucher am Straßenrand unterbleiben) ist sie weg. Die verbliebenen weißen Flächen geben mir Anlaß und mein “freier” Tag Gelegenheit, über meine Sehnsucht nach Schnee nachzudenken. Wieso überhaupt “nach”-denken? Das ist doch … Das ist doch wie beim nachspüren: einer Sache hinterherspüren, im Sinne von … Ja, in welchem Sinne? Hinterher im örtlichen Sinne, folgend einer Richtung, gar ver-folgend? Oder zeitlich gedacht? Also zu einem späteren Zeitpunkt (später als alle anderen, die schon längst Erkenntnis gewannen aus ihrem Denken)? Nun, über meine Sehnsucht nach Schnee denken klingt spröder, ungewohnter als nachdenken, sagt vielleicht etwas anderes aus … Ich nehme jetzt die Kombination “nachdenken über” in der Bedeutung “eigene Denkprozesse zum angegebenen Ding zulassen” als festehende Wendung hin, die nichts, für mich jedenfalls nichts mit Zeit und Richtung zu tun hat.

Also zurück zum Schnee, diesem kalten, weißen Zeug da draußen. Mich wundert es, daß so viele Menschen jetzt schon wieder Frühling haben wollen. Viele von denen möchten dann trotzdem in den nächsten Wochen noch zum Schifahren in die Berge … Der Winter ist noch lange nicht vorbei und er hat seine Funktion im Jahreslauf. Ist er zu kurz oder zu warm, fehlt seine Wirkung auf die Pflanzen- und Tierwelt. Wenn bei Kälte der Schnee fehlt, so nehmen Pflanzen und Tiere sogar Schaden. Und wenn der Schnee fehlt, dann ist es für mich mittelgebirgskindheitvervöhnten Opa eben auch nicht Winter, sondern nur kalt. Warum aber fehlt mir das so sehr? Gerade der Schnee? Liegt es an den angegebenen Vernunftsgründe, liegt es an meinen Erinnerungen?

Ich lege mich fest. Es sind meine Erinnerungen an glückliche(re) Zeiten. Und meine Befürchtung oder Annahme, daß den Kindern heute dieses Glück entgeht, da ihnen der Schnee fehlt zu all dem Unfug, den wir damals im Schnee trieben. Zum Herumtollen und -toben. Vielleicht ist da auch ein Wunsch, selbst mal wieder kindlich zu sein und einen fetten Schneemann zu rollen … (Aber zufrieden bin ich damit nicht, mit diesem Erklärungsversuch für meine Sehnsucht nach Schnee.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 11.02.2017 waren der Schnee am Morgen, leckerer Möhreneintopf zu Mittag, ein schöner Dialog Nachmittag.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Schwerter.

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Das Ziegenkatz (2017: 041)

Phantasmagorisch?

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Im Hof, auf der Koppel vor dem raumhohen Fenster stehen Ponys und Pferde, deren Namen ich nicht kenne. Zwischen ihnen aber springt eine Ziege herum, die Minka genannt wird. Ab und zu steht Minka auch auf den Rücken der Pferde, nicht der Ponys, nur auf den Rücken der Pferde und meckert. Aller Überblick der Erde scheint dort oben zu finden zu sein. Als ein Schatten auf das Fenster fällt, trete ich durch das Glas – als ginge ich durch eine drei oder vier Zentimeter starke Schicht trockenen Wassers – hinaus und werde von einer Bö erfaßt, die mich zu Boden drückt.
Die Ziege steht auf mir und leckt mit einer Katzenzunge durch meinen Bart, wedelt dabei mit einem Katzenschwanz. Jetzt weiß ich auch wieder, wieso diese Ziege Minka genannt wurde von meiner Großmutter. Ein Pony galoppiert im Kreis um mich herum. Es hat Tigerstreifen im Fell und blinkende Begrenzungsleuchten an den Flanken.

 

 

Traumnotat vom Mittagsschlaf. Und wieder bin ich froh darüber, keine Ahnung von Traumdeutung zu haben und keine Lust, danach irgendwo zu suchen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 10.02.2017 waren ein nur mit heftigstem Kopfschütteln überstandener Termin beim Jobcenter (sie dürfen mir ein Fromular nicht per Mail zusenden, weil sie damit ihre Mailadresse verraten und so gegen die Datenschutzbestimmungen verstoßen würden!), ein wudervoller Mittagsschlaf, etwa dreißig gescannte Zettel.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Stäbe.

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Geräuchert (2017: 040)

Und zwar kalt.

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In der Tonne brennt Holz. Fünf halten ab und zu die Hände über die Flammen, um die klammen Finger etwas aufzuwärmen. Dann drehen sich die Zigaretten leichter. Der Rauch des Feuers brennt in den Augen, mischt sich mit dem Geruch des Tabaks. Husten ist zu hören. Hin und wieder huschen Worte hin und her, scheinbar zusammenhanglos, sich in ihren Bedeutungen und Sprachen überkreuzend. Die Hunde streichen durch das Gelände, halten sich aber vom durchaus wärmenden Kreis um die Tonne fern. Kann sein, sie haben mit den fliegenden Funken schlechte Erfahrungen gemacht. Auf Stüheln neben der Tonne stehen Tassen mit Kaffee oder Tee. Alkohol ist hier nicht üblich.

Nach einer Weile ist es zu kalt, die Fünf legen kein Holz mehr in der Tonne nach und gehen zu den Wagen. In denen brennen die Öfen; drinnen ist es mollig warm. Heute geht es höchstens zum Kochen nocheinmal hinaus oder zur Toilette. Einer setzt sich an seinen Schreibtisch. Zu hören sind das Knacken der Scheite im Ofen, das Rascheln des Stiftes auf Papier und ganz leise Musik aus einem Radio. Es riecht nach dem Holz der Innenverkleidung und Lagerfeuer.

 

 

So stelle ich mir einen dämmernden Nachmittag vor, bei -2 °C und Wind …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 09.02.2017 waren der Einblick in ein anderes Leben, eine gute Idee, ein Besuch bei bisher Unbekannten.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Kelche.

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Kalter Schweiß (2017: 039)

Am offenen Fenster der Angst widerstehen.

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Am Abend begann er zu schwitzen. Im Zimmer ist es aber nicht so warm, daß … Schwitzend dreht er die Heizung ab und öffnet das Fenster. Draußen sind drei oder vier Grad plus, also ist es viel zu warm für einen vernünftigen Winter. Mit bloßem Oberkörper atmet er, bedaächtig, zählt beim Einatmen bis drei und beim Ausatmen durch die Lippenbremse bis sechs. Früher ließen die ihm gut bekannten Schmerzen nach einer Weile nach: Ösosphagusspasmus, ein Speiseröhrenkrampf, der zuverlässig verschwand, wenn er langsam ein paar Schlucke Milch oder Wasser trank. Bleibt der Schmerz, so wie jetzt, dann fühlt sich das an wie die Vorstufe eines Herzinfarktes. Nach ein paar Minuten am offenen Fenster fröstelt es ihn; der kalte Schweiß verstärkt das unangenehme Gefühl. Er nimmt noch einen Schluck aus dem Milchkarton, doch der unangenehme Krampf bleibt.

Was, wenn es doch … Nein, daran darf er nicht denken. Das wäre … Das wäre wahrscheinlich dann doch … Schluß mit dem Gegrübele. Dieser blöde Krampf rechtfertigt nicht diese übertriebene Angst.

Tief luftholend schließt er das Fenster. Im Kühlschrank steht noch ein Glas Joghurt, den holt er sich und beginnt langsam zu löffeln. Der Schmerz läßt nach, der Schweiß aber fließt noch. Es wird Zeit für eine Dusche und dann fürs Bett.

 

 

Die Einsamkeit, das Alleinsein, das beschäftigt mich gerade ebenso wie die mögliche Sortierung meines Lebens.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 08.02.2017 waren eine fertig geschnittene Sendung, ein präzisierter Plan, noch ein präzisierter Plan.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Kelche.

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Der Hort eines Textdrachens (2017: 038)

Tagesablauf und Ordnung.

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Einen – nein, was ich schreiben wollte, stimmt ja gar nicht. Denn ich hatte heute keinen faulen Tag. Obwohl ich nicht ein einzges Mal die vielen Stufen im Haus hinab- und sie deshalb auch nicht wieder hinaufstieg. Und auch, wenn ich von den noch zu erledigenden Hausarbeiten (das Weihnachtszeug steht seit Tagen in einer Ecke das Zimmers und wartet auf das Wegräumen) nicht viel erledigt habe: Nein, der Tag war nicht faul.

Mitten in der Nacht nämlich begann er, dieser Tag, nach nur zweieinhalb Stunden Schlaf. Ich war wach vor eins. Ohne offensichtlichen Grund. Und ich schrieb. Schrieb erst den einen, dann einen zweiten Text, Ein Gedicht wurde es auch noch. Zwei oder drei Handlungsskizzen entstanden, stichwörtlich notiert, die auf ihre Ausformulierung noch warten müssen. Und viele einzelne, beinahe aphoristische Sätze habe ich gekritzelt. Und noch eine Miniatur. In Kladden, auf Schmierzettel und zum Teil in einfache Textdateien auf dem Schmahrdfohn. Das alles steht nicht wirklich in erkennbaren Zusammenhängen. (Irgendwie wie beim Buchfink: Da nehme ich Bücher o. ä., aus denen ich “irgendetwas” vorher nicht wirklich festgelegtes vorlese, dazu habe ich mir ein paar Lieder herausgesucht. Und dann, im Sendungsablauf, den ich spontan geschehen lasse, fügt sich doch immer irgendwie alles zueinander. Oft verstehe ich auch im Nachhinein nicht, wieso das so wunderbar zueinander paßt.) Ich schrieb von kurz nach Mitteracht bis morgens um fünf, wechselte den Schreibplatz, das Papier, die Stifte. Und schrieb. Bis fünf Uhr morgens. Dann endlich war der Druck im Kopf weg, der nicht unangenehm war, mich aber so lange zum Schreiben drängte. (Und gescannt habe ich nebenbei auch wieder.)

Nicht lange danach war ich eingeschlafen. Etwa um Neun wurde ich einmal kurz wach, weil die Fahrstuhlmonteure mittlerweile im achten und hier im neunten Stock Schlagbohrmaschinenarbeit verrichten. Na und? Das störte mich nicht. Ich schloß das seit abends offene Fenster, drehte mich zur Wand, sortierte mich und meine Steppdecke in die immer komplizierter werdene Heimatschlafstellung und wurde vom Schlagbohrmaschinchen sanft in den Schlaf gesäuselt. Erst kurz nach 13 Uhr endete meine Nacht. Oder der Schlaf. Ich bin ja sowieso keiner, der am Regelarbeitstag sich orientieren mag, ich Nachtmensch, der ausnahmsweise einmal nicht morgens um drei oder vier einen Tag beendete, sondern gestern schon um Zehn zur (ersten) Ruhe ging.

Statt Frühstück gab es eben Mittagessen. Und dann ging es an den Rechner, an die Rechner. Schreiben. Was sonst. Musikdateien bearbeiten. Scannen. Lesen. Telefonieren. Überhaupt Kommunizieren. Eine Pause in der Wanne – aber auch dort waren Papier und Stift mit. Bruchtstücke, Satzfetzen, Anfänge und anderes.

Und dann habe ich heute tatsächlich ein Problem erkannt. Es ist zu viel zu Unterschiedliches, das sich bei mir sammelt. Wie sortiere ich das? Für verschiedene Blogs habe ich verschiedene Projektordner. Auch für andere Texte gibt es Ordner auf meinen Rechnern, die – natürlich – synchronisiert werden. Ich habe also vier Geräte, mit denen ich auf identische Textbestände zugreifen kann. Und zwei Sicherungen, die ich etwa aller zwei Wochen aktualisiere. Und doch: Was wird aus all den Skizzen, Anfängen, Einzelsätzen und -wendungen, wo lasse ich die? Und zwar am besten so gespeichert/aufbewahrt, daß auch eine mehr oder weniger gezielte Suche im Haufen möglich ist?

 

Semantische Indizierung, lexikalische Sortierung, thematische Gruppierung, fraktale Segmentintegration nach Morphemen? Hilfe! Wie sortieren, nutzbar durchsuchbar machen?

 

Einige Zeit habe ich auch darüber nachgedacht. Einige Zeit. Und mich dann dafür entscheiden, es bei verschiedenen Kladden und diversen Zettelhaufen zu belassen. Vergesse ich etwas, dann ist das in Ordnung so. Finde ich etwas nach längerem Suchen in meinem Chaos wieder, dann ist das in Ordnung. Finde ich etwas nicht, dann ist auch das – ihr vermutet richtig – in Ordnung. Wahrscheinlich ende ich, ähnlich wie Der Spülmaschinenkommunist, seine geschirrtechnische Identitätslosigkeit, irgendwann als Textkommunist, der alles mit vielen zu teilen vermag und ansonsten einfach weiter hortet – einen Hort anlegt, d.i. etwas schafft, (Ort, Institution und so weiter), das einem geistigen Gut oder dergleichen einen besonderen Schutz zuteilwerden läßt (laut wiktionary) allein durch das herrschende Chaos der Undurchsuchbarkeit?

Und nachdem ich Irgendlinks Text las und mich an seine Sommerküche erinnerte, war ich mir grad sicher: Es ist alles gut genug sortiert so wie es ist. Ich bleibe bei der Haufenisierung meiner Texte. Ganz wie so ein alter Drache es mit seinem Golde machte …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 07.02.2017 waren die vielen Worte, nette Texte, ein weiterer Plan.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Nebel und Fortschritt (2017: 037)

Irgendetwas haben sie miteinander zu tun

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Die Welt ist schmutzigweiß grau, undurchsichtig. Jedenfalls draußen vor dem Fenster. Sind das aufliegende Wolken oder ist das nur Nebel oder Hochnebel? Wodurch unterscheiden sich diese beiden Phänomene eigentlich? Er wirft eine Suchmaschine an – Nebel und Hochnebel sind beides Wolkenformen, Formen der sogenannten Stratus; es geht zusätzlich irgendwie um eine morgendliche Sichtweite von unter einem Kilometer. Und dann wird die Sichtweite größer und die Wolke mit dem Namen “Nebel” steigt nach oben und wird Hochnebel – bleibt aber Wolke. Aha.

Das Wissen um das, was da vor seinem Fenster ist, macht die Aussicht nicht besser. Für die Jahreszeit ist es viel zu warm; und Schnee fehlt auch. Die Kinder haben doch jetzt Winterferien, ohne Winter, ohne Schnee. Kein Schlitten, keine Schneeschuhe, keine Schneebälle. An was werden sich diese Kinder erinnern, wenn sie sich, wie er jetzt, an ihre Winterferien erinnern? Schneemänner hat er gebaut als Kind. Ganz klassische mit Möhrennase und Knöpfen aus Kohlestückchen. Selbst die aber sind heutzutage kaum noch bekannt bei den Kindern. Kohlestückchen. Einfache, zerbrochene Brikett. In einer Stadt wie hier?

Da ist wieder sein Zweifel. Am Fortschritt. Am technischen und ökologischen (falls es einen solchen überhaupt gibt) Fortschritt, an den ständig hergebeteten Verbesserungen. Da gab es mal dieses Lied, “Alles wird besser, alles wird besser! Aber nichts wird gut.” Von Tamara Danz gesungen, jaja, ein typischer DDR-Song. Fortschritt jedenfalls, so überlegt er, läßt viele schöne Dinge in Vergessenheit geraten. Im Nebel der Vergangenheit und der Erinnerungen daran verblassen. Den Geruch des gerade im Ofen entzündeten Holzes zum Beispiel. Die besondere Wärme eines Kachelofens und das Singes des Ofentopfs. Und Schneemannbauen mit Kohleknöpfen.

Wann hatte er eigentlich zuletzt Bratkartoffeln gemacht?

 

 

Im Grau sind Silhouetten von Gebäuden zu erahnen.

Im Grau sind Silhouetten von Gebäuden zu erahnen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 06.03.2017 waren erledigte Hausarbeit, ein Telefonat am Vormittag, gefaßte Pläne.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Stäbe.

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