Wo bin ich (Nº 053/2018)

Aber keine vollständige Entwarnung.

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Im Krankenhaus war ich heute, auf alle Fälle. Nach ewig langem Warten in der Notaufnahme und einem dann recht kurzen Gespräch bin ich wieder heimgefahren. Die Angst war groß, und eine tatsächliche Diagnose habe ich noch immer nicht. Allerdings konnte ich sehr, sehr lange warten, hatte also mehr Glück als andere, denen schneller geholfen werden mußte. Und: Da ist nichts, was akut genug für eine Notaufnahme wäre. Also werde ich die (sowieso abgeklungenen – Zahnarztphänomen?) Symptome beobachten und spätestens am Montag wie versprochen das zuständige MVZ aufsuchen.

Jetzt bin ich zuhause und gehe schlafen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 22.02.2018 waren das gefaßte Herz, die Geduld, die Heimfahrt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

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Zusammenspinnerei (Nº 052/2018)

Pffffffffffff.

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Triggerwarnung.

 

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.

 

 

Ich schlafe schlecht, sehr schlecht, träume Träume, die eine Mischung aus dem Buchinhalt und der Fernsehserienfortsetzung sind. Nachts war ich wohl drei oder viermal wach, doch ich weiß nicht, ob ich das nur träumte oder erlebte. Traum und Realität der letzten Nacht sind nicht eindeutig voneinander zu unterscheiden. Am Morgen plötzlich Angst. So blöd es klingt: Angst vor … Angst vorm Krankenhaus und einer Diagnose und davor, das Klinikum nicht wieder lebend zu verlassen. Und Angst vor dem, was mit mir dort im Krankenhaus geschieht. Ich bin wie gerädert und wie gelähmt. Hab ich das mit dem rosa Kloschüsselwasser geträumt, war das real? Ist das Darmkrebs? Eine Darmperforation? In den nächsten Tagen werde ich also nicht alleine aufs Klo gehen dürfen, in eine Windel scheißen müssen, OP-Schmerzen haben, alleine sein, keinen Blog schreiben können. Vielleicht bin ich, bis ich mich endlich für den Gang ins Krankenhaus entscheide, auch schon innerlich verblutet? Aber gleich und sofort kann ich nicht los. Das geht nicht.

Schließlich habe ich doch eine Tasche gepackt. Zweimal Wechselwäsche, besser dreimal, Waschzeug, Badelatschen. Schreibkram. Meine große Reisetasche? Ach ja, die war kaputt. Und nun? Nehme ich … Scheiße. Okay, den Pilgerrucksack. Das Tablet hängt am Ladekabel. Ein Rechner wäre mir lieber. Und jemand, der mich jeden Tag besuchen kommt.

Jetzt fällt die Fassade. Jetzt ist zu sehen, daß ich viel zuwenig meines Lebens im Griff habe und viel zu viel Schein anbiete. Oder ist das garnicht so?

Ich habe den Abwasch erledigt und den Müll weggebracht. Das Bad sollte ich putzen und die Küche, doch das geht nicht. Mein Kopf hat etwas dagegen, glaube ich. Was ich bei anderen Menschen so einfach erledigen kann – Aufräumen –, das schaffe ich bei mir selbst nicht, jedenfalls nicht so, wie es notwendig wäre. Ich habe kalte Füße, kann aber das Gefühl von Socken an mir nicht ertragen. Ich fürchte mich davor, hier zuhause alleine zu sein, aber genauso groß ist die Angst vorm Krankenhaus, vor dem Verlust der Privatsphäre, vor dem Unwohlsein, das mit dem Nicht-mehr-aufs-Klo-gehen-Dürfen einhergeht. Ja, es ist auch Angst vor dem Altern, dem Altsein. Dem Verlassenwerden.

 

Ich packe jetzt weiter. Heute Abend noch oder morgen früh. Morgen früh. Morgen früh fahr ich. Ich “genieße” noch eine Nacht zuhause.

 

 

Bitte keine Fragen, keine Genesungsünsche, einfach Schweigen. Danke.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv war heute nichts.
 
Die Tageskarte für morgen ist leer.

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Lesestoff (Nº 051/2018)

Ein Tag voller stillem Vergnügen.

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Nun, ich scheine wieder gesund zu sein, zumindest bin ich symptomfrei. Ich habe heute sogar etwas gegessen. Gelesen habe ich auch. Für den ersten Band brauchte ich etwa eine Woche. Heute habe ich den zweiten Band zur Hälfte gelesen. Royce Buckingham: Die Karte der Welt und Der Wille des Königs – und einen dritten Band habe ich auch noch hierliegen. So schnell war ich lange nicht mehr, jedenfalls nicht lesenderweise.

Deswegen ist heute auch nicht viel mehr zu schreiben. Und außerdem läuft grad Dr. Who …

 

 

“Die menschliche Superkraft: Das Vergessen. Wenn ihr euch immer erinnern könntet, würdet ihr keine Kriege mehr führen und keine Babies mehr bekommen.” Das sagte gerade Dr. Who.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 20.02.2018 waren der Lesestoff, einige Telefongespräche, und natürlich der Doktor.
 
Die Tageskarte für morgen ist V – Der Hierophant.

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Vielleicht kein Anfang (Nº 050/2018)

Von einem der beschriebenen Zettel.

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Erschöpft. Ja, erschöpft war und ist er. Schon seit Tagen und Wochen. Und hatte doch immer weitergemacht. Niemand sollte ihm ansehen, wie erschöpft er war. Jetzt kommt auch noch Müdigkeit hinzu, die die Augenlider schwer werden läßt. Er setzt sich auf sein Bett, sinkt langsam zur Seite. Erst wollen die Beine nicht hoch, er zwingt sich zu der Bewegung, setzt sie letzten Kräfte dafür ein. Endlich liegt er.

Als er seine Augen langsam schließt und in die Dunkelheit des Schlafes sinkt, empfindet er seine Einsamkeit noch einmal sehr, sehr deutlich. Und er weiß, daß sie ihm am Frühstückstisch wieder gegenübersitzen wird. Sie. Die Einsamkeit.

 

 

Dieses Stückchen Text findet sich auf einem der vorgestern beschrieben Zettel. Nein, er ist nicht ich.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 19.02.2018 waren die deutliche Besserung des Gesundheitszustandes, das ausgelesene Buch, viel Schlaf.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Stäbe.

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Lazarettähnlicher Zustand (Nº 049/2018)

Hoffentlich wie immer.

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Sonntag. Aber ich war nicht Katze streicheln. Ich habe mich seit gestern abend um zehn nur an zwei Orten aufgehalten: auf der Couch und auf dem Thron. Irgendwie kenn ich das ja, mein Eintagesfieber mit Schüttelfrost, Übelkeit und Kopfschmerzen. Aber niemand weiß, was das wirklich ist.

Heute bin ich mir nicht sicher, ob nach 24 Stunden alles überstanden ist. Da tun die Schultern noch weh, ich habe Hose, Socken, Pullover an und friere noch. Die Nase ist noch nicht frei. Ich schniefe und schnaube. Die Haare zotteln und kleben, ich hab die Bettwäsche wechseln müssen. Jetzt verkrümele ich mich auf meine Couch.

Augen zu, umdrehen. Wegdämmern. Das reicht für heute.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 18.02.2018 waren Ruhe und Schlaf.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Münzen.

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Festigkeit (Nº 048/2018)

Menschbäume Baummenschen

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Ich stelle mir vor, auch Menschen hätten gut erkennbare Jahresringe, aber wirklich zählten nur die, die sehr eng beieinanderliegen; denn diese verleihen uns Festigkeit, nicht nur Volumen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 17.02.2018 waren viele beschriebene Zettel, ein reparierter Füllfederhalter, die Badewanne.
 
Die Tageskarte für morgen ist XV – Der Teufel.

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Noch immer aktuell (Nº 047/2018)

Und schon so lange her.

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Da gab es diesen Krieg, den Zweiten Weltkrieg, der 1945 beendet wurde. Also vor 73 Jahren. Vor einer Zeitspanne, die viele Menschen nicht als Lebensdauer haben. Was damals geschah, das ist doch lange schon vorbei und vergessen. Wenn es nach Menschen einer bestimmten politischen Ausrichtung/Gesinnung geht, ist auch die Schuld längst erloschen. Ich sage: Nein, es ist nicht vergessen, und die Schuld (gerade auch derer, die den Krieg vom Zaune brachen und andere Verbrechen begingen) brennt noch immer, brennt, solange es Menschen gibt, die durch diesen Krieg und seine Folgen geschädigt und/oder beeinflußt wurden und werden und sind; und selbst ich als Kind von Menschen, die diesen Krieg noch miterlebten, selbst ich bin von ihm noch beeinflußt, vielleicht sogar gezeichnet.

Auch auf andere Art und Weise wirkt er noch nach, dieser Zweite Weltkrieg, der so viel Leid schon damals brachte. Heute zum Beispiel, am 16. Februar 2018, wurde in Leipzig einmal mehr eine Fliegerbombe aus diesem Zweiten Weltkrieg gefunden (am 30. Januar war da die in Merseburg, dann war eine in Bremen, in Coesfeld usw. usf.). Mit den entsprechenden Folgen:

  • Evakuierung von 600 Menschen
  • Sperrung von Eisenbahn, anderen Nahverkehrslinien und Straßen
  • Gefährdung von Menschen, die mit/an diesem Fundstück arbeiten müssen
  • Sperrung des Leipziger Hauptbahnhofes heute Nacht
  • hohe Kosten all dieser Maßnahmen
  •  … 

Das ist nur ein Teil dessen, was ein solches beinahe 75jähriges Überbleibsel verursacht.

 

Und dann denke ich an die Gegenden auf dieser Erde, in denen in den letzten fünfundzwanzig Jahren deutsche Soldaten mit ihren Waffen aller Art zugange waren oder sind. Gab und/oder gibt es dort keine Blindgänger, die im Boden, unter Gebäuden, Straßen, Schienen liegenbleiben? Wird von denen in den nächsten 75 und mehr Jahren keine, nicht die kleinste Gefahr ausgehen? Aber an diesen Gefahren tragen ja die Taliban, die Kosovaren, die Malinesen usw. usf. die alleinige Schuld, nicht die, die diese Waffen einsetzten? Nein, alle Beteiligten, ob die weltpolizistischen Truppen der USA, ob waffeneinsetzende Bürgerkriegsparteien, selbst die zurecht sich zur Wehr setzende Blauhelme oder eben Soldaten der Deutschen Bundeswehr, die unsere marktkonforme Demokratie am Hindukusch oder sonstwo “verteidigen”.

Krieg. Gehört verboten. Endgültig. Konflikte werden ausgefochten in einem ganz einfachen Modus: Die Oberhäupter der Parteien, die heute noch Krieg führen würden, treten in einer Art Boxring gegeneinander an. Mit bloßen Händen. Solange sie im Ring sind, gibt es keine Verpflegung, keine Getränke, keine Versorgung. Nichts. Wer sich prügeln will, soll sich prügeln, aber die Menschen vor Prügeleien schützen. Und keinen Krieg gleich welcher Art mehr führen.

 

Auch das mußte jetzt mal gesagt werden.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 16.02.2018 waren Mohnkuchen, der Zorn, die Wanne.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

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Auf der Suche mit St. Antonius (Nº 046/2018)

Sowas regt mich auf!

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Ich steckte heute ein grünes Feuerzeug in die linke Hosentasche meiner Schlumperhose.

Es ist weg. Verschwunden. Unauffindbar. Nicht in der Jeans (wo es ja vorher war), weder auf noch unter einem Tisch oder Stuhl. Nicht in der Küche noch im Flur. Ich such(t)e es jetzt seit fast drei Stunden. Ja, ich habe auch so manches Gebet an den Heiligen St. Antonius gerichtet. Aber das neongrüne Feuerzeug ist und bleibt verschwunden. Gut, ich habe genug andere, aber wo ist das neongrüne?!

Wie auch eines meiner Brillenetuis: eines aus grünem Plaste, in welchem eine Ersatz-(Lese-)Brille steckt. Dieses Etui wandert von einer Tasche in den Rucksack in die Tasche usw. usf. Es ist das Brillenetui, das immer mitgenommen wird. Aber leider: seit Monaten verschwunden. Ich habe nicht nur meine gesamte Wohnung auf der Suche danach komplett auf links gedreht und wieder zurück, sondern auch wirklich alle Taschen, Beutel, Rucksäcke. Nicht auffindbar, dieses Accessoire. Und die Ersatzbrille ist dementsprechend auch unauffindbar …

Wie auch der zu diesem Batteriefachdeckel gehörende Wecker. Das war noch im September, da piepste der nur noch so leise, daß er mich nicht mehr zu wecken vermochte. Ich bin mir sicher, daß ich nicht nur das Batteriefach geöffnet und den entladenen Energiespeicher herausgenommen habe. Nein, ich habe auch eine neue Batterie eingesetzt. Aber das Batteriefach nicht wieder verschlossen, weil nämlich dieser verflixte Wecker einfach unauffindbar ist seither. Und der Deckel vom Batteriefach liegt ab der Stelle, an der der Wecker einst stand.

 

Drei Beispiele. Die mich verrückt machen, kirre, nervös. Die mich an mir und meinem Verstand zweifeln lassen. Und gerade bei den Feuerzeugen wundert mich das sehr, denn ich habe in der Jeans immer eines in der linken und eines in der rechten Hosentasche. Und nun ist das linkstaschige verschwunden, muß ersetzt werden. Dabei weiß ich ganz genau, daß ich es weder verloren habe noch daß es mir gestohlen wurde. Es ist einfach verschwunden …

Sozusagen “W” wie: weg.

Eigentlich sogar “G” wie: Ganz weg.

Und letztendlich “Ü” wie: Überhaupt nie dagewesen.

 

Schgönndausflibbn.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 15.02.2018 waren etwas Aufgebautes, etwas Weggebrachtes, etwas Leckeres.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVII – Der Stern.

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Auf einem Dorf in einer Scheune (Nº 045/2018) – #Schattenklänge

Zweimal 40 Watt.

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Mittwoch Abend. Da sitzen sie alle. Naja, beinahe alle, denn manche trauen sich nie wieder aus ihren Verstecken. Aber die meisten sind hier. Sie sitzen miteinander hier und tauschen sich über ihre Geschichten aus. Wie sie Singles wurden, aus ihrer angestammten Umgebung sich zurückzogen. Wie sie es satthatten, immer und immer wieder nur benutzt und nicht wenigstens ab und an einmal geschätzt und geachtet zu werden. Sie hören einander zu. Sie trösten einander in den erlitte­nen Schmähungen und Verlusten. Sie sprechen sich Mut zu. Doch nur wenige von ihnen ziehen eine Rückkehr in Betracht. Viele haben auch keine Vorstellung davon, wie sie das schaffen könnten.

Mittwoch Abend. So stelle ich mir ihren Stammtisch vor. Und da sehe ich den Tupperdeckel, den linken Socken, die Hälfte einer Wäsche­klammer, ein Zwei-Cent-Stück, die Lesebrille, das Handy (dessen Akku mittlerweile leer ist) und eine Oberkiefergebißprothese, ein Spitzen­taschentuch, die rechte Badesandale, einen Nachbarn, den Fahrschein und den Stockschirm, eine Pudelmütze, eine Sandkastenschippe und den Handschuh, den Einkaufszettel und ein einzelnes Hörgerät, einen Schal, das Bild vom kranken Großvater und ein angerostetes Fahrrad. Sie alle treffen sich am Mittwoch Abend zum Stammtisch der verges­se­nen Dinge. Nein, nicht im Fundbüro. Sondern irgendwo am Rande der Stadt, nein, auf einem Dorf in einer Scheune. Und zwischen ihnen im trüben Lichte zweier nackter 40-Watt-Glühbirnen so viele hoffnungs­volle Träume so vieler Menschen …

 

 

Ja, ich habe den Text zu einem Beitrag für die Schattenklänge gemacht.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 14.02.2018 waren die Verschonung vorm Kommerztag, Mittagsschlaf, gebratene Leber mit Zwiebeln.
 
Die Tageskarte für morgen ist IV – Der Herrscher.

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Kenn‘ ich (Nº 044/2018)

Schwierige Entscheidung.

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Plötzlich seht ihr einen Menschen und ihr seid euch sicher: Kenn' ich! Nur woher? Wenn, dann muß die letzte Begegnung Äonen, mindestens aber 15 bis 20 Jahre zurückliegen. Aber ihr kennt diesen Menschen sicher. Und nun, was tun? Ansprechen oder weiter/wieder verstecken?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 13.02.2018 waren geschaffte Musik, eine erhaltene Lieferung, ein völlig unerwartetes Treffen.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Kelche.

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Unerwartet (Nº 043/2018)

Spontane Entschlossenheit verblüfft.

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Wenn ein bedachter, vorsichtiger, alles abwiegender Mensch ganz entschlossen eine Entscheidung ohne Nachdenken trifft, dann stehe ich sehr verblüfft daneben und beginne an meiner Menschenkenntnis zu zweifeln. Und freue mich doch still mit dieser Person mit.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 12.02.2018 waren ein guter Riecher, eine schnelle Entscheidung, übertragener Text.
 
Die Tageskarte für morgen ist XII – Der Gehängte.

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Leere Seiten (Nº 042/2018)

Weniges füllte den Tag komplett aus.

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Welcher Text soll es denn heute werden?

 

Kladde mit geöffnetem Füllfederhalter.

Kladde mit geöffnetem Füllfederhalter.

 

Nach einem anstrengenden Tag, am Abend, wenn ich dann vor dem Computer sitze und meinen täglichen Blogeintrag bearbeiten muß, möchte und will, dann wirkt das Schwierige das Tages oft noch nach. An den allermeisten Tagen habe ich irgendwo einen Entwurf notiert, eine Skizze, ein paar Stichworte oder einen in einem Rutsch herunter­ge­schrie­benen Text in einer Kladde, auf einem Schmierzettel. Aber gerade an den übervollen Tagen fehlt diese Vorarbeit. Jetzt auch. Eine meiner Kladden liegt neben dem Rechner, ich drehe den Füllfederhalter in der Hand. Wenn ich es genauer betrachte, habe ich keine Lust, keine Kraft mehr für einen Text. Aber noch weniger würde mir ein ausgelassener Tag behagen. Diese eine absichtliche Fehlstelle im Blog hat es mir gezeigt.

Manchmal kommt mir dann schnell eine Idee. Manchmal habe ich noch irgendwo einen Satz oder in einem Buch eine Zitat. Manchmal habe ich nichts, dann muß ich mir etwas aus dem Hirn quetschen. Oder: Vielleicht jammere ich auch einfach über diesen Tag, der so voll war mit so Wenigem? Erzählen kann ich davon nichts, denn nichts davon ist für die Öffentlichkeit geeignet. Aber es war wirklich nur wenig, das diesen Sonntag beherrschte und ihn so ausfüllte.

In der Kladde landet sicher noch mehr Geschriebenes, ich muß noch einige Gedanken loswerden. Irgendwie ist es wie Tagebuchschreiben, auch. Und irgendwann, wenn ich mich an das Abtippen mache, werde ich über meine notierten Sätze schmunzeln, lachen, den Kopf schütteln. An Vieles kann ich mich später kaum noch erinnern, einiges bleibt zurecht vergessen. Und doch steht es niedergeschrieben in der Kladde, in den Kladden, auf Zetteln, in Heften und sonstwo.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 11.02.2018 waren ein zweites Frühstück, Wirsingkohlrouladen, die Zeit in der Wanne.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Münzen.

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Anders betrachtet (Nº 041/2018)

Sebasitian 23

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Er ist einer der besonders guten Poetry Slammer. Leider finde fand ich diesen seinen großartigen Text nicht als Video o. ä. Kein Wunder, hei&szlig:t er doch “Zeit für Lyrik”. Aber ihr habt gefunden und es ist ja noch viel länger! Seht in die Kommentare! Danke!

 

 
Bäume sind Büsche auf Balken

Sebastian Rabsahl, bekannt als Sebastian 23
 

Bäume sind Büsche auf Balken
Schrauben sind Nägel mit Falten
Zugfahren ist Fließen auf Gleisen
Flüsse sind Meere auf Reisen

Träume sind Schlaf mit Ideen
Igel Kakteen, die gehen
Fenster sind gläserne Mauern
Berge sind Wellen, die dauern

Beine sind Arme zum Laufen
Mauern sind sehr grade Haufen
Sekunden sind Stunden, die rennen
Eier sind werdende Hennen

Koma ist Amok im Spiegel
Kakteen sind fußkranke Igel
Schränke sind Häuser für Sachen
Weinen ist trauriges Lachen

Wolken sind Pfützen, die fliegen
Zs sind Ns wenn sie liegen
Weizen sind Gräser mit Ähre
Und Schwimmen ist Fliegen für Schwere

 

 

Ich hatte diesen Text, genau diese Version irgendwann einmal in der NDR-Talkshow gesehen und finde ihn großartig. “Einfache” Perspektivwechsel …

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 10.02.2018 waren eine abgeholte Bestellung, Blasmusik live, extrakrosse Pizza.
 
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Unzufriedene Meckerei (Nº 040/2018)

Ein Sammelsurium.

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Zwei Ereignisse gleichzeitig, die mich abschrecken: Olympische Spiele und Karneval. Himmel, das geht mir beides weit, sehr weit am Arsch vorbei. Wobei dieses Zwangslustigkeitsgedöns ja schon etwas über eine Woche … Ach, egal. Aber ich kann beidem nicht wirklich entfliehen.

Das Geschachere um Posten und Pöstchen in Berlin ist auch nicht geeignet, mich zu Begeisterungsstürmen hinzureißen. Koalitionsvertrag? Ja. Wie in der letzten Legislaturperiode steht einiges darinnen, das am Ende nicht umgesetzt werden wird. Und was umgesetzt wird, ändert nichts, überhaupt nichts zum Guten. Denn die Kindergelderhöhung nützt den Ärmsten der Armen Kinder nichts, weil: Kindergeld wird bei ALG-II-Bezug als Einkommen angerechnet, verringert in voller Höhe den notwedigen Bedarf der Bedarfsgemeinschft, so daß von der Erhöhung jeglicher Leistung wie bisher gerade dort NICHT EIN EINZIGER CENT ankommt. — Achtausend neue – ja was eigentlich: Arbeitsstellen? – in der Pflege nützen nichts, wenn aus Kostengründen schon jetzt offene Stellen nicht besetzt werden bzw. wegen zu schlechter Arbeitsbedingungen und Entlohnung sich keine Bewerber finden. — Die Klimaziele – ja, da war mal was! – sind aufgegeben, statt des ÖPNV wird weiterhin der (beinahe ausschließlich verbrennungsmotorisierte) Individualverkehr gefördert. Ich hoffe, daß die Mitglieder der einstmals sozialdemokratischen SPD eine Koalition mit der wirklich nicht mehr christlich zu nennenden CDU und der Bajuwarischen Heimatschutz- und Digitalbrems-Partei CSU ablehnen.

Und der blau gespritzte Braune Haufen? Bei den Äußerungen, die deren Mitglieder und Abgeordnete von sich geben, wäre es an der Zeit, viele, sehr viele Strafverfahren wegen Volksverhetzung, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Verleumdung, Beleidigung etc. pp. anzustrengen, meine ich. Obwohl ja auch der Innenheimatschutzminister in spe Vollhorst Seehofer früher HIV-Infizierte “in Lagern konzentrieren” wollte. Vielleicht könnte man auch wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung …

Es ist deutlich zu erkennen, daß ich mit der gegenwärtigen Gesamtsituation eher unzufrieden bin. Liebend gerne würde ich bestimmten Menschen irgendwie helfen können, aber da fehlen mir auch die (meist monetären) Möglichkeiten. Es macht sich in meinem Leben seit Jahresanfang eine gewisse Unzufriedenheit breit, breiter als mir gefallen kann. Allerdings finde ich kein geeignetes Mittel dagegen. Gut, Karneval geht an einem der von mir meistgehaßtesten Tage zuende: am Valentinstag. Dann bin ich zumindest den Schrabbel los. Und Ende Februar enden ja auch die Bezahlsportspiele dahinten am Arsch der Welt. Vielleicht muß ich wirklich diese beiden Qualen noch überstehen, um unbelasteter durch die Welt gehen und in die Welt schauen zu können.

Ich hoffe darauf.

Ich warte darauf.

Ich freu mich darauf.

Und doch geht es mir gut im Moment, ehrlich.

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 09.02.2018 waren Bratwurst, Versprechen, bearbeiteter Text.
 
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Zwickmühlenzeit (Nº 039/2018)

Mutsuche.

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Das im Folgenden Beschriebene ist bei mir gerade nicht aktuell. Es war einmal, mehrmals genau so.

 

 

Alles zuviel und von allem zuwenig. Wieder eine Zwickmühlenzeit. Und er? Er tigert umher. Geht vom Bett zum Tisch in die Küche zum Tisch zum Bett ins Bad. Blickt mit leeren Augen aus dem Fenster. Während in seinem Kopf … Nein, im Kopf ist: Nichts. Alles weg. Alles. Kein Gedanke, kein Gefühl, keine Erinnerungen, keine Wünsche. Oder doch. Ein Wunsch: Daß das alles einfach nur zuende ist. Daß er nicht mehr ist. Keine Belastung mehr für andere, nicht mehr krank, nicht mehr verschuldet, nicht mehr allein und einsam.

Es ist gut, daß er sich an diese Zwickmühlenzeit erinnern kann. Er kennt seit Jahren Tricks und Kniffe, wie er das Hineinrutschen in diesen Zustand, das Abgleiten, Untergehen verhindern oder mindestens so lange verzögern kann, bis er sich Hilfe suchen konnte. Manchmal hilft lesen, manchmal hilft reden mit Fremden; oft helfen ihm gute Freunde, per Telefon, die ihn an seine eigenen Erfolge erinnern, an überwundene Katastrophen und Krisen. Vorhin zum Beispiel. Wie gut es tat, daß da Verständnis auf der anderen Seite war, von der Art, die er schon kennt, und von dem er weiß, daß es echt ist. Das Angebot, für ein, zwei Tage hinzufahren, aus seiner Einsamkeit, seiner Umgebung auszubrechen, nein, nicht auszubrechen: in den zwei Tagen kann und darf er Abstand nehmen vom Üblichen und muß nicht einsam und alleine sein. Allerdings heißt das auch, daß er zwei Tage lang auf viele seiner Gewohnheiten verzichten wird.

Um einer Zwickmühlenzeit zu entgehen, wird er diese Zwickmühle aushalten. Seine Gewohnheiten unterdrücken, auf sie verzichten. So schwer ist das ja auch nicht. Zwei Tage leben, wie die meisten Menschen es tun. Mit anderen zusammensein. Reden. Etwas unternehmen. Verzichten auf Berieselung aus dem Fernsehgerät rund um die Uhr. An den Tagesrhythmus eines anderen Menschen angepaßt essen, schlafen und arbeiten. Nähe aushalten und genießen, ja, auch genießen; und aushalten.

Er muß nur noch den Mut finden, das Angebot anzunehmen.

 

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 08.02.2018 waren eine fertige Sendung, eine getroffene Entscheidung, überarbeiteter Text.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.

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