Nº 121 (2016): Spontanreimspielerei.

Goethes Faustischer Nachahmer

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Zu Walpurgis nach dem dritten Feierabendbier zu lesen
 

Wahrscheinlich müßte ich wiedermal dichten,
poetische Worte an Lesende richten,
auf Reime achten am Ende der Zeilen,
an Silbenzahlen und Wortlängen feilen.
Die Hebungen sorgfältig rhythmisieren
und Senkungen sauber hineinformulieren.
Drauf achten, daß daraus nicht plötzlich ein leiern-
des Sprechen entsteht. Denn auf manchen Feiern
kommt dieses Leiern nicht wirklich gut an.
Und ich will ja auch zeigen, daß ich dichten kann …

Aber ach, Kopf ist leer.
Keine Reime find’ ich mehr.

Es geht mir wie Goethen mit seinem Faust.
Auch dem hat es wohl vor den Reimen gegraust?
Oder weshalb hat er darinnen Reime vermieden?

Obwohl: Vom Goethe bin ich reichlich verschieden.

Und zu Walpurgis heut’ auf die Nacht
hab’ ich eben Gereime gemacht.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 29. April 2016 waren eine ruhige Schicht, eine liebe Studiogästin, ein gelungener Buchfink.
 
Tageskarte 2016-04-30: XI – Die Gerechtigkeit.

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Nº 120 (2016): Nachts kurz vor zwei.

Kreativitätsänderung

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Es ist jetzt kurz vor zwei. Es ist jetzt die Zeit, in der ich wirklich produktiv bin, in der mir die Ideen nur so zufliegen. Ich kann innerhalb von zehn Minuten zwei gute Ideen in beinahe perfekte Sätze fassen – zumindest ihre Anfänge. Neben mir flackern die Flammen von Teelichtern und Kerzen, manchmal leuchtet auch eine Petroleumlampe. Manchmal zünde ich Räucherstäbchen (sehr selten) und oft ein Weihrauchkerzchen an. Der Duft öffnet – ja: Was? Die Augen und Ohren wohl nicht, denn ich höre und sehe diese Ideen nicht; sie tauchen plötzlich in meinem Hirn auf, in meinem Gedankenfluß, vor meinem inneren, geistigen Auge. Und der Füllfederhalter oder die Feder gleitet wie von selbst über das Papier. Es ist fast wie beim Automatischen Schreiben, nur daß hier folgerichtige Sätze entstehen. Zusammenhänge und Koinzidenzien werden hergestellt und bleiben erhalten.

Klingt gut? Aber diese Zeiten sind vorbei. Jedenfalls war es so. Wirklich jahrelang.

Und heute?

Heute kommen die Ideen überall und zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Deshalb habe ich (fast) immer mindestens eine Kladde dabei und genügend Stifte, schreibe (wie auch früher schon) in der Straßenbahn, im Bahnhof, in Passagen, in Cafés und überall. Nur nachts, kurz vor zwei, da finden kaum noch Worte aufs Papier. Denn nachts um zwei regiert die Sehnsucht über Müdigkeit und Ideen.

Die Sehnsucht, die sich mittlerweile auch aus Erfahrungen speist und nicht mehr nur meiner Phantasie entspringt. Die mich nicht verläßt, von der ich nicht verlassen werden mag, die ich nur selten so weit zurückdrängen kann, daß sie mich nicht beeinflußt (ist das wirklich möglich) und mein Denken nicht beherrscht.

 

Schreiben kann ich noch immer. Ich schreibe, als ginge es um mein Leben. Schreiben kann ich fast immer. Schreiben muß ich fast immer. Nur nachts, kurz vor zwei, da ist es irgendwie anders geworden.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 28. April 2016 war ein Telefonat.
 
Tageskarte 2016-04-29: Die Zwei der Schwerter.

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Nº 119 (2016): Stimmt das oder stimmt das nicht?

Es hängt wohl ab von der Art des Tuns

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Fleiß ist die Flucht der Kreativen vor dem Druck der Phantasie.

(27. April 2010, 03.54 Uhr)

 

 

Solche Sätze fallen mir mitten in der Nacht ein. Warum nicht in den Momenten, wo sie notwendig sind? Oft zur Unzeit kommen Gedanken, die es meiner Meinung nach wert sind, mitgeteilt zu werden. Und wie es so ist: Manchmal fehlt mir sogar das Werkzeug, Worte festzuhalten – welche Strategie oder Taktik verfolgt mein Denkicht damit?

Jedenfalls ließe sich über den Satz sicher trefflich debattieren.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 27. April 2016 waren die Wanne und das Schreiben.
 
Tageskarte 2016-04-28: XII – Der Gehängte.

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Nº 118 (2016): Kalenderblatt.

Fundstück aus der Kladde von 2004

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In dieser Kladde, diesem Notizbüchlein, aus dem ich hier erst vor einigen Tagen zitierte, lag auch das:

 

Vorder- und Rückseite eines Kalenderblattes.

Vorder- und Rückseite eines Kalenderblattes.

 

Vorder- und Rückseite eines Kalenderblattes. Vorderseite: 12. Oktober 1981 Montag; SA (Sonnenaufgang) 6.20, SU (Sonnenuntergang) 17.12, MA (Mondaufgang) 17.22, MU (Monduntergang) 4.17. Rückseite: » Der vernünftige Mensch paßt sich der Welt an, der unvernünftige besteht auf dem Versuch, die Welt sich anzupassen. « G. B. Shaw

Was habe ich an diesem Tag gemacht? Was hast Du – Ja, genau Du! – an diesem Tag gemacht? (Es könnten Ferien gewesen sein in der DDR – weiß es jemand, sicher, belegbar?)

Ich hab es aufgehoben,dieses Kalenderblatt, mittlerweile fast 36 Jahre. Dieses und noch ein paar andere Kalenderblätter aus dem Jahr, in dem in der DDR zum zweiten Mal die Sommerzeit galt. Aus dem Jahr, da ich 18 wurde und in die zwölfte Klasse der EOS kam. Ich weiß nicht, warum ich es aufhob – aber nun werde ich es behalten, weiterhin aufheben, so, wie es in dieser Kladde liegt; und so wird es auch irgendwann mit dieser Kladde im Tagebucharchiv landen (ich überlege seit Zeiten schon, wann ich die abgetippten Kladden hinschicke und ob ich die dazugehörigen Dateien ebenfalls liefere).

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 26. April 2016 waren leckere Numiroso, ein paar Scans, zusammensortierte Musik.
 
Tageskarte 2016-04-27: Die Vier der Kelche.

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Nº 117 (2016): Alles etwas dunkler.

Auch eine Freiheit.

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Die Weiden am Bach gleichen nicht anderen Weiden, und die Forellen, die man aus diesem Bach herauszieht, scheinen immer aus dunkleren Geheimnissen herausgezogen zu sein, als der tiefe und dunkle Bach sie bergen kann.

Freilich, es gibt auch Freude hier und Lachen, aber alles ist dunkler getönt als anderswo. Die Menschen lieben einander, aber über ihrer Liebe steht das Familiengesetz, und nicht oft hat einer die Kraft, sich ihm zu entziehen. So ist in ihrer Liebe weit mehr noch, als es das allgemein menschliche Gesetz verlangt, Leid und dumpfe Angst. In den Liebesworten, die da gesprochen werden, strömt immer die Dunkelheit des Baches, in dem schon mehr als eine Liebe ihr Ende gefunden hat. Denn das wird ab und zu noch gewagt im äußersten Unglück, die Freiheit des Todes. Daß aber einer die Freiheit des Lebens wage, daß einer wage, er selber zu sein, sich herauszulösen aus der ewigen Verflechtung, das ist weit ungeheuerlicher hier und erscheint weit verwerflicher. Denn so läuft ja das Leben, daß alle, kaum daß sie die eigene Anfechtung nicht zwar überwunden, aber doch von sich abgetan haben, zu Richtern werden über andere Angefochtene.

 

 

Ich sehe ein Dorf vor mir, irgendwo weitab vom Schuß, an einer Grenze. Selten verirren sich Fremde dahin. Und wenn jetzt jemand denkt, daß sei ein Text von mir, so muß ich enttäuschen. Vielleicht paßt er zu meinen Anfängen ungeschriebener Geschichten, aber er ist nicht von mir. Es ist ein Zitat aus Johannes Kirschwegs “Leonie”. (In: Gesammelte Werke zweiter Band. Erzählungen 2, S. 6. © 1976 Verlag “Die Mitte” GmbH, Saarbrücken. ISBN 3-921236-19-2) Johannes Kirschweg, der Klassiker des Saarlandes, von dem ich bis dato nichts wußte, der zwar katholischer Theologe war, als solcher aber nie arbeitete (weil er krank und vom zuständigen Trierer Bischof auf Dauer beurlaubt war). Er lebte von 1933 bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller in Wadgassen bei Saarlouis. Und nachdem ich nun nur zwei seiner Erzählungen gelesen habe, weiß ich, daß ich auch all die anderen zehn Bände seiner gesammelten Werke in elf Bänden auf der Straße oder irgendwo finden muß, um zu lesen. So, wie ich Ulla Hahn lesen mußte. Aber den Kirschweng finde ich wahrscheinlich nicht in der Stadtbibliothek …

Falls jemand den Kirschweng kennt: Her mit Meinungen und Informationen!

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 25. April 2016 waren die geschaffte Hausarbeit, das angefangene Buch, der erinnerungsschwangere Dialog.
 
Tageskarte 2016-04-26: VI – Die Liebenden.

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Nº 116 (2016): Eventuelle Grabbeigabe.

Aus tiefer Liebe heraus

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Ungeschriebene Geschichte III
 

In der Tasche des Mantels steckte ein Brief. Alt ist er. Sehr alt. Auf dem Umschlag findet sich keine Briefmarke. Vorsichtig habe ich das Papier auseinandergefaltet, doch auch im Brief selbst steht kein Datum. Wegen der sehr sauberen, alten deutschen Schrift mit vielen Rundungen denke ich, daß er vor 1900 geschrieben wurde. Und all die Zeit, seit er geschrieben wurde, hat man das Papier pfleglich behandelt. Ja, an den Faltstellen ist es etwas dünn, an einer sogar schon auseinandergebrochen. Aber der Rest ist sehr gut lesbar, sehr gut erhalten. Das Entziffern bereitet mir keine Mühe: “Mein Lieber, wenn ich nur endlich Gelegenheit hätte, Dich wieder an mein Herz zu drücken. [ … ] Und wie ich Dir danken muß dafür, daß ich mich in Deiner Nähe so ganz als Dein Weib hab fühlen dürfen. Ach wie gerne ich das täglich und alltäglich wäre, mich Deinen Küssen und Liebkosungen hingeben würde. Deinem flehenden Ansturme aus tiefer Liebe heraus würde ich mich nicht mehr widersetzen können. Ach Liebster, so erwarte ich Deine Antwort sehnlichst und darf von meinem Vater mitteilen, daß auch in Bälde ein Aufgebot bestellt werden könne. Auf bald. Deine [ … ]”

Eine recht moderne Sprache, denke ich. Sorgsam falte ich den Brief wieder zusammen, schiebe ihn zurück in die Tasche des Mantels. Und wundere mich, wieso dieser alte Mann, der schon einige Wochen tot in seiner Wohnung lag, diesen Brief besaß und wahrscheinlich immer bei sich hatte. Vorerst sehe ich keine Verbindung zwischen der Absenderin oder dem Empfänger und ihm. Und wenn mir keine andere Idee kommt, werde ich ihm das Papier wohl auf sein Herz legen, dahin, wo er es vielleicht zu Lebzeiten immer trug, ehe wir den Sarg über ihm schließen.

 

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 24. April 2016 waren ein ruhiger Nachmittag im Radio, eine große Hilfe per Twitter, ein entspanntes Gespräch.
 
Tageskarte 2016-04-25: Die Zehn der Schwerter.

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Nº 115 (2016): Erinnerungslücken.

Der Schrecken lauert dort, wo nichts mehr ist

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Noch ein Satz, den ich 2004 in ein kleines Notizbuch schrieb:

 

 

Wer sich irgendwann nicht mehr an seine eignen Lügen erinnern kann, ist entweder ein toter – zumindest in bestimmten Kreisen – oder ein sehr einsamer Mensch.

 

 

An Grund, Anlaß oder Herkunft des Gedankens kann ich mich nicht erinnern. Das steht da ohne Datum, paßt nicht zu den umliegenden Texten, ist auch quer über eine der (damals noch nicht beschriebenen) “Rückseiten” – linken Seiten – gekliert. Manchmal erschrecken mich meine eigenen Gedanken.

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 23. April 2016 waren sortierte Scans, vertaggedte, also mit Metadaten versehene Musik, der Abend mit der allerallerallerbesten Freundin.
 
Tageskarte 2016-04-24: Die Neun der Stäbe.

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Nº 114 (2016): Zwölf Jahre Geduld.

Mehr oder weniger

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Heute bin ich viel, viel geduldiger als vor zwölf Jahren. Doch damals schrieb ich:

 

 

Zur Geduld fehlen mir Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Selbstvertrauen geht nicht ohne Selbstsicherheit; selbstsicher kann ich nicht sein, ohne mir selbst zu vertrauen. Deshalb bin ich ungeduldig, sooooo ungeduldig.

 

 

Also bin ich wohl auch meiner selbst recht sicher und vertraue mir ein ganzes Stück weiter als noch damals.

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 22. April 2016 waren nette Gespräche, ein Erfolg im Krankenhaus, die vierte vorproduzierte Sendung.
 
Tageskarte 2016-04-23: Der König der Stäbe.

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Nº 113 (2016): 2016 ist wirklich ein Arschloch.

Das wird die beste Band, die es je gab.

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Wenn es ihn gibt – GOTT – dann stellt er sich gerade die allerbesten Musiker zur absoluten Supergruppe zusammen. Gestern mußte Prince von dieser Welt auf jene Bühne wechseln.

 

 

Und natürlich ist das offizielle Musikvideo von der Musikindustrie gesperrt!

Die Welt ist schlecht. Der wievielte echt gute Musiker war das in diesem Jahr?

 

(Während der NVA-Zeit lief “Purple Rain” im Radio, auf den “verbotenen” Sendern. In der “Druschba” in Erfurt tanzte ich noch dazu, und in diesem Tanzlokal im Hinterhof, im ersten Stock. Ab Studienbeginn in Karl-Marx-Stadt war dieses Lied eine der Stehbluestanznummern überhaupt. Und ich erkenne den Song in den ersten 2 oder 3 Sekunden. Sorry, zu dem Lied habe ich eine sehr persönliche Beziehung.)

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 21. April 2016 waren die ziemlich gesunden Werte beim Arzt, der erledigte Behördengang – und dann …
 
Tageskarte 2016-04-22: Die Drei der Schwerter.

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Nº 112 (2016): Schreibgrund.

Das von mir gemachte Wort.

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Erlebtes ist nicht vererbbar. Nur das, was überlebt hat. Das aus meinen Erinnerungen, aus meinen Erfahrungen gemachte Wort.

Ulla Hahn: Spiel der Zeit. S. 281; 1. Auflage
© 2014 Deutsche Verlags-Anstalt, München. ISBN 978-3-421-04585-0

 

 

Schreibgrund. Einer.

Und ich schreibe viel, viel zu wenig vom Erlebten auf. Ich müßte, ich wünsche mir, wie Goethe arbeiten zu können: mit mehreren Schreibsekretärinnen und/oder -sekretären, die aus den notierten Stichworten und Skizzen ganze Werke machen können. Ich schreibe viel, aber viel zu wenig vom Erlebten (vermute ich). Eher, öfter schreibe ich, was ich nicht erlebt habe. Was mir durch den Kopf spukt. Ich habe eine Idee, notiere sie, formuliere aus ihr vielleicht auch einen Anfang – und dann kommen die nächsten Ideen, die ich auch aufschreiben muß, will, weil sie mir sonst entgleiten, in Vergessenheit geraten, wieder verschwinden. Weil sie auch interessant sind (oder gar noch interessanter als die soeben notierte). Manche Ideen bleiben verworren, sind nicht so reif wie andere, verschwinden sozusagen in einer Art Quarantäne. Aber die, die mich begeistern, faszinieren, die, die etwas auslösen in mir: die schreib ich auf. Möglichst alle. Da bleibt keine Zeit, auch nur eine zu einem vollständigen Buch zu machen. Weil ich über dem Schreiben neue Ideen verpassen könnte. (Ja, so denke ich.)

Die meisten meiner Texte stehen unter einer Creative Commons Lizenz, die die kommerzielle Nutzung meiner Texte nicht gestattet. Aber wer irgendetwas weiterschreiben mag, eine meiner Ideen nehmen und zu einem Buch machen mag, die muß das nicht unter dieser Lizenz tun, der darf auch in Gewinnerzielungsabsicht weiterschreiben, die darf jederzeit fragen, ob … Nun, fragt einfach. Alles weitere wird dann in nichtöffentlicher Kommunikation abgesprochen. Ich werde nicht irgendeine unangemessene Forderung stellen, falls jemand sich traut.

 

Mein Berufswunsch? Verschenker, Ideenverschenker vielleicht. Oder Ideenspinnlehrer. Fabuliertrainer. Oder auch etwas ganz anderes. Hauptsache, mir bleibt ein Grund zum Schreiben.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 20. April 2016 waren ein unerwartetes Gespräch, Nudeln mit Butter und Käse, Abgeschriebenes.
 
Tageskarte 2016-04-21: Die Sieben der Schwerter.

© 2016 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Nº 111 (2016): Mein Lieblings-Nagellack.

Mitten im Schaum.

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Ungeschriebene Geschichte II
 

Puh. Pause. Feierabend. Endlich. Ich lehne mich entspannt zurück, so schlaff und rechtschaffen müde. Innerhalb weniger Augenblicke fällt alle körperliche Anspannung von mir ab, ich kann wirklich keinen einzigen Muskel mehr anspannen. So rutsche ich noch ein wenig hinab in eine noch bequemere Lage. Die Geräusche werden leiser, ob nun tatsächlich oder nur, weil meine überreizten Ohren die Welt auszublenden beginnen, das ist mir gerade egal. Augen zu, wenige Minuten nur. Hach. Aaaaah. Wie gut diese Bewegungslosigkeit tut, wie leicht mir jetzt Arme und Beine erscheinen. Nur einschlafen darf ich nicht. In der Wanne liegen, mit viel Schaum …

Moment. Da war irgendetwas … — Ach ja, der Schaum …

Ja, genau, im Schaum. Da, da schaut ein Fuß mit lackierten Zehennägeln aus dem Schaum. Das ist meine Farbe, denke ich, das ist “p2 343” aus dem Drogeriemarkt … Das ist … Aber …

 

Ich stemme mich hoch, rücke die Uniform etwas gerade und gehe hinüber zum ELW, zum Hauptbrandmeister, der gerade mit den Polizisten spricht. “Da hinten an den Mülltonnen, das ist mein Nagellack.” Verständnislose Blicke. “Da schaut ein Fuß aus dem Löschschaum, mit lackierten Zehen.” Erst jetzt begreife auch ich, was ich da sah beim Hinsetzen, als das Feuer endlich unter Kontrolle, sogar schon gelöscht war. Die Polizisten laufen in die Richtung, in die ich noch immer mit der rechten Hand zeige, während mein Einsatzleiter einfach so auf mich zu…

 

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 19. April 2016 waren der gute Blutfluß beim Hausarzt (fürs Labor), leckeres Frühstück fünf Stunden nach dem Aufstehen, eine Idee.
 
Tageskarte 2016-04-20: Die Königin der Münzen.

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Nº 110 (2016): Ist das das Ende?


Schonwieder ein neuer Anfang

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Ungeschriebene Geschichte I
 

Wie sie da auf der Couch liegt, ihre Arbeit am Schreibtisch nur kurz verlassen hat. Sind ihre Augen geschlossen? Ich weiß es nicht. Ich sehe, daß das T-Shirt aus der Hose gerutscht ist, sich etwas hochgeschoben hat und mich einen Streifen ihres Bauches sehen läßt. Es ist die Haut, nach der ich mich so lange gesehnt habe, die ich so gerne streichle. Da drüben liegt sie, um sich nur ein paar Minuten auszuruhen. Gleich wird sie sich wieder erheben, sich auf den Stuhl am Schreibtisch setzen, ihre Brille zurechtrücken und weiterarbeiten. Bis dahin sitze ich hier am Bücherregal auf dem Fußboden und schreibe die ersten Sätze meines nächsten Buches. Ganz klassisch mit Tinte auf Papier, in der ersten von etwa zehn bereitliegenden schwarzen, biegsamen Kladden beginnt – das Ende? Schließlich sind die Geschichten von Peter, vom amnesischen Patienten und vom Alten Mann noch nicht ganz erzählt. Das hätte ich nie geglaubt, wenn mir das jemand vorhergesagt hätte, aber jetzt ist es so: Band eins und zwei sind gedruckt, viele kennen den Alltag und die Erlebnisse vom Schuljungen und seiner Mutter, viele kennen auch den Alten Mann mit seiner Taschenuhr und seine vor Jahren schon gestorbenen Frau und beider Geschichte. Nur der Patient, der bei einem sonderbaren Vorfall sein Gedächtnis verlor, nur dessen Geheimnisse schlummern noch in mir und werden jetzt ihren Weg durch den Arm und den Füllfederhalter auf das Papier der Kladden finden. Und wahrscheinlich werden auch alle Rätsel um den Zusammenhang zwischen all diesen Figuren gelöst …

Sie liegt immernoch auf der Couch, ihr Atem geht ganz gleichmäßig. Ziemlich verträumt und verliebt sehe ich sie an. Es scheint, als wäre sie kurz eingenickt. Ich schleiche in die Küche und mache zwei Kaffee. Mit den beiden dampfenden, duftenden Tassen in den Händen kehre ich zurück, stelle sie auf ihrem Schreibtisch ab. Dann lege ich meine Hand auf das schmale Streifchen nackten Bauches und küsse die Schlafende.

 

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 18. April 2016 waren die Beratungen im Sender, das verstehende Schreiben, die gepflanzte Idee (für die ich danke und für die ich hoffe, daß das daraus Entstandene gefällt).
 
Tageskarte 2016-04-19: Die Sieben der Münzen.

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Nº 109 (2016): Anfänge ungeschriebener Geschichten.

Sonntagsabendeinfall Buchprojekt

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Sonntag. Vor sieben Uhr wachgeworden. Kaffee angesetzt. Eine Tasse getrunken, zwei Kekse dazu gegessen. In den Schlaf fand ich nicht zurück. Naja, da hab ich eben ein paar Zettel gescannt und danach die gescannten Dateien – nein, nicht kopiert oder verschoben, sondern gelöscht. Nun, das Häufchen wird dann eben nocheinmal gescannt. Hab ja nichts weiter zu tun.

Nach einem Frühstück bin ich dann in den Sender gefahren. Für heute hatte ich mich bereiterklärt, den Dienst als Sendetechnker zu übernehmen. Es gab keine Live-Sendungen, die Arbeit hätte sich auf die Überwachung und Neubestückung der Ausspielautomatik (ein Computer mit einem speizeillen Programm) beschränkt. Einfach irgendwann die vorbereiteten Sendungsdateien in die Abspiellisten einpflegen, Fehl- und Überzeitausgleich durch Jingles und Fades vornehmen: Fertig. Aber Pustekuchen. Eine der Dateien war dann eine falsche, sogar fehlerhaft und brachte das Programm zum Absturz. Ganze 18 Sekunden brauchte ich, um wieder zu senden. Rekord. Danach habe ich eine Ersatzsendung herausgesucht, die eingepflegt und gestartet; im Anschluß dann den Rest in Ruhe und mit einer Kontrolle mehr als notwendig erledigt. Zwischendurch gab es Döner, extra scharf und wie von diesem Laden gewohnt auch extra lecker. Irgendwann war alles fertig.

Fast wäre ich zu früh heimgegangen! Aber noch rechtzeitig erinnerte ich mich daran, daß am Nachmittag noch Veranstaltungstechnik aus der Ausleihe zurückkommen sollte. Und pünktlich zurückkam. Danach war der “Arbeitstag” beendet. Ja, die Anführungszeichen stehen da nicht ohne Grund. Als ganz Freiwilliger hat man durchaus die Möglichkeit, nebenher noch privat etwas zu telefonieren, zu chatten oder andere Dinge zu tun. Einen Text konnte ich zwar lesen und auf Auffälligkeiten prüfen, aber in der Datei noch keine Änderungen vornehmen und keine Anmerkungen machen. Ein paar Bilder konnte ich auch sortieren und nachbearbeiten (vom Sonnabend waren über 80 Blümchenfotos geblieben!) und von der Bemusterung des Senders das eine oder andere auf mein Klappechnerlein packen zur Bearbeitung für das Musikarchiv des Senders. Langeweile kam nie auf, nicht eine einzige Minute.

Am Abend saß ich zuhause. Nein, nicht am Scanner, das war mir nun wirklich vergangen für den Tag. Es liegen hier noch ein paar Texte herum, an denen ich mir noch immer die Zähne ausbeiße. Immernoch, immerwieder. Vor einiger Zeit tat ich mich noch schwer, diese Stücke überhaupt anzufassen, heute kann ich schon daran herumprobieren. Das heißt allerdings nicht, daß dabei irgendetwas mich zufriedenstellendes entstehen würde – verzwickte Lage, verzwickte Texte, verzwickte Stoffe. Vermaledeite Kopfdinge.

 

Ein Buch hätte ich ja schon fast fertig. Eines mit ca. 700 Seiten. Arbeitstitel: Anfänge ungeschriebener Geschichten.

Eigentlich auch ein schöner Titel für eine Textserie hier im Blog, oder?

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 17. April 2016 waren das gelöste Problem im Sender, ein begonnenes Gespräch, Herumprobieren an Texten.
 
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Nº 108 (2016): Symbolbild.

Um das prinzipiell zu verdeutlichen

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Zur Zeit fühl ich mich … Aber beschreiben kann ich es nicht. Es ist so vieles! Das Vermissen. Die Unzufriedenheit. Die Sehnsucht. Meine Angst vorm Falschmachen. Der Papierkram. Mein Weg duch den Kontinent. Der Blog. Das Radio. Und einfach alles … Es ist so schlimm, daß ich mich gestern hinaustreiben mußte. Und mehr Zeit draußen verbringen mußte als zum Einkaufen notwendig. Da habe ich eben beim Warten auf den Bus Bilder gemacht, mit der Kamera, die ich vor drei oder vier Jahren weggelegt hatte, weil da ein Fehler auf dem Sensor gewesen zu sein schien. Und dann fand ich (neben ganz vielen Blüten) das Bild, das meinen Zustand perfekt zeigt:

 

Etwas mehr als halb abgepustete Pusteblume

Etwas mehr als halb abgepustete Pusteblume
Am 16. April 2016 in Halle-Neustadt gesehen und fotografiert. Ist der Löwenzahn wirklich schon soweit?

 

Aber keine Sorge. Es geht mir gut. Es war vergangene Woche nur ein wenig zuviel vom Zuwenig. Ab sofort darf anderes dominieren.

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 16. April 2016 waren das mitternächtliche Gespräch, die vielen Bilder, des wegspazierte Loch.
 
Tageskarte 2016-04-17: Die Sieben der Schwerter.

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Nº 107 (2016): Nachwirkung eines gelesenen Textes.

Nöööö. Heute nich.

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Beim Buchfink auf Radio Corax vorgelesen. Schwer schlucken müssen.

Entschuldigung, aber mehr geht heute nicht.

Nachlesbar beim Simplicissimus: Arnold Zweig: Der Kaffee. (Seite 406, also kurz mal nach unten rollen.)

Wirklich. Eine Anekdote … Aber ja, formal stimmt das.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 15. April 2016 waren ein vollkommen unerwartetes Gespräch und – trotzdem – der Buchfink.
 
Tageskarte 2016-04-16: Der Bube der Kelche.

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