Lesestoff für bald (2017: 021)

Wiederbegegnung mit Max.

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Ich strotze vor Einfällen, aber ich habe Angst, sie aufzuschreiben. Nein: Angst, sie in Prosa umzusetzen. Ich bin im Übrigen ziemlich sicher, daß diese Blockade nicht ewig anhalten wird. Daß ich wieder Prosatexte schreiben werde.

Max Goldt im Interview mit der ZEITonline Artikel online (abgerufen am 21.01.2017, 15.00).

 

 

Ein Paradoxon, das Goldt da im Interview offenbart: Die – seine! – Schreibblockade ist seine Angst vorm Scheitern. Überhaupt ist der ganze Artikel lesenswert …

 

Diesen Max Goldt, den kenne ich ja als Sänger, nicht wahr? Damals von “Foyer des Arts”, deren Lieder ich kurz nach der Wende entdeckte. Und dann stolperte ich Anfang 2012 (?) wieder über diesen Namen, als ich mich nach und nach durch den Blog des Handsetzers und Druckers Martin Z. Schröder aus Berlin hindurchlas, ja geradezu hindurchfreute ob seiner zu spürenden Liebe zum Bleisatz und zur Sprache. Genau dort begegnete ich Max Goldt zum zweiten Mal bewußt.

Seitdem steht dieser Name neben vielen anderen auf dem Zettel der zu lesenden Schreibenden, Autorinnen und Autoren. Um seine Bücher irgendwann – und nun, dank meines Vorhabens, zuvörderst die schon in meiner Wohnung befindlichen Bücher zu lesen, noch immer nicht so bald – aus einer Bibliothek auszuleihen. Und all jene, die die anderen schrieben. Max Goldt. Von den händisch bleigesetzten und auf einem Heidelberger Tiegel handgedruckten Max-Goldt-Karten und -Büchern werde ich mir keine kaufen können, doch ich verspreche mir, was ich von ihm kriegen kann zu lesen …

Vielleicht, und das hoffe ich und wünsche ich mir, findet sich eines seiner Bücher für mich auf der Straße bereitliegend oder in einem der “Nimm-mich-mit”-Kartons. Oder gehe ich seinetwegen jetzt doch in die Bibliothek?

 

Ach ja, meine Schreibblockaden: Trotz vieler Gedanken schaffe ich es nicht, sie auf Papier zu bannen, niederzuschreiben, weil ihre Struktur zu komplex für Schriftsprache ist. Manche der Gedanken lassen sich nur mit einer Geste ausdrücken, die ich wiederum nicht adäquat beschreiben zu können glaube. Oder ich versuche mich zu zwingen … dann geht auch nichts.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 21.01.2017 waren eine geschaffte Schicht, der wiedergefundene Max Goldt, Gespräche, Gespräche, Gespräche.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Schwerter.

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Taggedachtes und -vergessenes (2017: 020)

Das Rätsel der entglittenen Tage.

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Ich weiß, es gibt sie: Tage, die mir in ihrem Lauf einfach entgleiten, an denen ich unzufrieden mit mir, mit dem von mir Geschafften bin, Tage, die ich wie einen dichten Nebel vom besten Waschküchenformat durchschleiche. Sie lassen sich nicht vorersagen, nicht vorausahnen; und ei lassen sich auch nicht oder nur sehr selten von mir in ihrem Lauf beeinflussen, beschleunigen. Jedenfalls schaffe ich das nicht zuverlässig. Zwei oder drei Tage nach einem so entglittenen Tag ist er aus meinem Gedächtnis mit all seinen trotzdem stattgefundenen Ereignissen verschwunden, es bleibt mir höchstens eine Ahnung davon, daß da ein Tag war, vielleicht ein Dienstag oder ein Donnerstag, jedenfalls irgendetwas vor dem Vorgestern.

Verschwunden. Weg. Ein ganzer Tag.

Wohin aber verschwinden diese entglittenen Tage? Nirgendwohin, bin ich versucht zu antworten, denn sie sind nicht weg, nur … woanders. Sie bleiben nämlich, für immer und alle Zeit Teil meiner gelebten Vergangenheit. Niemals kann ich einen entglittenen Tag, einen so wenig gefüllten Tag (denn das ist es, was mich ihn als “entglitten” wahrnehmen läßt: mir ist absolut nicht mehr gegenwärtig, womit dieser Tag angefüllt war) einfach so wieder hernehmen und füllen, “besser” füllen. Doch ich kann manchmal, wenn ich auf meine Kladden und die Blogs und die Kassenzettel u.v.m. zuhilfe nehme, ihn wie ein Photo eines Gemäldes aus einem Museumsmagazin betrachten, ansehen, meine Erinnerung an ihn verstärken für den Betrachtungsaugenblick. Kurz danach ist wieder alles weg, als wäre der Tag nie dagewesen. Leider funktioniert das mit den verlorenen Tagen nur äußerst selten, obwohl die Möglichkeit dazu prinzipiell vorhanden wäre.

Aber wieso schreibe ich jetzt von “verlorenen” Tagen? Sie sind doch nicht verloren. Keiner meiner Tage ist verloren, nicht einer. Und war er noch so düster, noch so waschküchenvernebelt. Immer nur volle und reiche Tage: Ich könnte das nicht ertragen. Ich brauche leise Zeiten, Ruhe, dieses Abwesendsein an den entglittenen Tagen. Und doch nannte ich sie eben “verloren”. Das ist doch … Doof. Doof ist das. Doof ist, daß auch ich so weit in diesem Leistung!-Hamsterrad stecke, oder?

 

Jetzt ist mir zwar nicht der Tag, aber der Faden entglitten. Da waren am Anfang des Aufschreibens noch Ideen von parallelen Vergangenheiten, verzweigenden, divergierenden Zukünften und Entglittene-Tage-Lagerstätten auf Einnerungsmonden in meinem Kopf. Die gingen, als ich plötzlich an “verlorene” Tage dachte, in den Untergrundspeicher für vernachlässigte Ideen, von wo aus sie irgendwann wieder auftauchen werden. Irgendwann mitten in einer Nacht …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 20.01.2017 waren nette Unterhaltungen im Sender, viel Geschriebenes, elf bearbeitete Alben fürs Musikarchiv, der Buchfink.
 
Die Tageskarte für morgen ist XX – das Gericht.

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Fabulat (2017: 019)

Oder wie wird genannt, was fabuliert wurde?

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Wieder hörte ich ihn bellen. Wie in so vielen Nächten zuvor, so auch in dieser Nacht. Mich im Halschlaf hin- und herwälzend, hörte ich seine heiseren Laute: Der Fuchs, der gleich hinterm Zaun lebt, der ringsum von einem Stahlzaun eingeschlossen ist, unentrinnbar umschlossen zwischen abends sechs Uhr und morgens neun Uhr, ruft. Wen? Seine Fähe? Ihren Rüden? Den Nachwuchs, den ich vor vielen Wochen an einem hellen Abend mit einem Alttier duchs Fernglas beobachtete, in ihrer abgeschlossenen, eingzäunten Welt. Aber seitdem … Ist in diesem kleinen Stück Welt überhaupt genug Platz für einen normalen Fuchs? Das Streifgebiet umfaßt von wenigen Hektar in Städten bis zu 3.000 ha in offenen Landschaften Skandinaviens, sagt Wikipedia, der Zaun aber umschließt vielleicht zwei, maximal drei Hektar, abwechslungsreich zwar, doch zum Teil auch noch asphaltiert und bebaut. Aber mindestens ein Tier lebt dort noch …

Im Einschlafen begann ich ihn zu verstehen. Halb im Traum versunken saß ich ihm außen am Zaun gegenüber und hörte seine Geschichte. Vom Eingeschlossensein, daß er lange Zeit nicht als solches empfand, weil seine Welpen und seine Fähe bei ihm waren. Aber die verschwanden im letzten Sommer, in einem unbeobachteten Moment, da er im eingezäunten Gelände unterwegs war, Mäuse zu jagen. Da muß das Tor einmal abends sehr lange offengeblieben sein, und lauter Krach war unweit seines Baus und viel Menschen mit Hunden waren an einem Feuer zu sehen. Ja, da müssen seine Liebsten wohl geflohen sein.

Er ist jetzt allein, und wenn er sein Lied bellt, dann tut er das auch für mich, der ich ihn immer öfter von da oben – er wies mit der Schnauze auf den Wohnblock gegenüber – mit diesem schwarzgrünen Jägerding beobachte. Dann lehnten wir uns an den Zaun, aneinander und spürten durch den Metallgitterzaun jeweils die Wärme des anderen und seufzten vor uns hin …

 

 

Es gibt wirklich einen Fuchs im eingezäunten Gelände gegenüber, daß um filmrolle.schleife.zahn (Satellit oder ESRI-Satellite anzeigen lassen) liegt …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 19.01.2017 waren wieder Ausschlafen, fertige Vorbereitung, ein Dankeschön.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.

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Wenn Aufgeben ein Sieg ist (2017: 018)

Wieder etwas gelernt.

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Notiz von heute morgen

Notiz von heute morgen

 

Das Zwei-Stunden-Schreiben am Morgen:
ich gebe es auf. Heute früh habe ich es zum
vorerst letzten Mal versucht. Zu oft saß ich am
Stift kauend da, ideenlos, vor ganz unter-
schiedlichem Papier. Verschiedene Stifte habe ich
auch versucht. Aber …
 
Jeden Morgen, beinahe jeden Morgen war ich
während und nach den zwei Stunden angepißt.
Absolut unzufrieden. Es war wieder dieses Gefühl
des Versagens. Heute stellte ich mir die Frage,
ob ich mir das wirklich antun muß? Weil mir
der Frust nämlich auch die Lust an allem an-
deren Schreiben nahm. Das machte mir nun
wirklich Sorgen – und so rang ich mich
heute zur Entscheidung durch, das nicht weiter-
führen zu müssen und wollen.

 

Wenn ich mir etwas ganz fest vorgenommen habe und dann feststelle, daß mir etwas nicht gelingt, weil es nicht mein Stil ist, nicht meine Art, nicht meine Arbeitsweise, dann … Dann hätte ich das früher als Versagen bezeichnet. Doch heute früh war das anders. Weiterzumachen hätte zu weitaus schlimmeren Folgen geführt. Denn ich habe in den siebzehn Tagen nicht viel mehr als die Blogbeiträge hier geschafft, egal wie es nach außen auch aussah. So unzufrieden war ich selten mit mir und der Schreiberei. Ehrlich.

Also sitze ich nicht mehr morgens vor leeren Seiten, sondern bin wieder mit den Kladden zugange. Es war ein wunderbares Gefühl, heute vorm Discounter zu stehen und zu schreiben, was da aus meinem Kopf wollte. Endlich wieder ewtas, das nicht nur tagebüchern war, sondern Neues, Ausgedachtes, Fabuliertes. Endlich wieder. Ach, wie gut das tat. Manche von euch können sich das vorstellen …

Ab sofort geht es mir wieder besser. Weil ich mich nicht mehr zu etwas zwinge, das ich zwar will, aber nicht kann. Das habe ich jetzt eingesehen, wieder ein Stück weiter als bisher: Es reicht nicht, nur zu wollen und mich dazu zu zwingen. Es muß zu mir passen, zu mir, zu meinem Leben, es muß sich gut anfühlen. Dieses Aufgeben einer ungeliebten Routine, das war kein Versagen, das war ein Sieg. Über ein zwar gut gemeintes, aber eben nicht passendes Vorhaben. Über mich, über die Angst vor dem “Versagen”.

Ich habe heute die Angst vor dem Versagen besiegt.

Ich. Habe. Meine. Angst. Vorm. Versagen. Besiegt.

 

Uwe Haucks “Depresion abzugeben” lese ich jetzt nach dem Überfliegen (gut, gut zu lesen!) gründlich; Thomas von Steinaeckers “Verteidigung des Paradieses” war mir ab dem fünften Tag der Flucht so unerträglich, daß ich es unausgelesen zur Seite legte.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 18.01.2017 waren Ausschlafen (kein Baulärm, echt), die Überwindung der Angst, wiedergefundene Schreiblust.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Kelche.

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Lernprozeß (2017: 017)

Es war unglaublich.

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Ich ahnte ja nicht, daß eine halbleere Packung Kaffeefiltertüten der Größe 4 angemessener auf ein Hilfsangebot reagieren kann als so mancher Mensch.

 

 

Es gibt Situationen … in denen erfahre ich Dinge, von denen ich lieber nichts gewußt hätte.

Boah.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 17.01.2017 waren ein Lächeln, meine Beherrschung, 2:45 min für 154 Stufen nach oben.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Schwerter.

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Trainingsstand (2017: 016)

Aus Freiwilligkeit wurde Zwang

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(Wie ich es gestern sagte: Es ist vorbei.)

 

Zum Glück hatte ich es vergessen, verdrängt, sonst hätte ich schon seit Tagen Angst davor gehabt und wäre wütend gewesen wegen der Unanehmlickeiten, die davon bedingt sind. Seit heute also wird im Haus gebaut. Der Fahrstuhl wird erneuert. Das gute, alte TaKraf-Teil mit seiner Sprelacart-Kabine hat ausgedient, war auch für viele Neubewohner des Hauses etwas, das nicht mit der für seine problemlose Funktion erforderlichen Sorgfalt behandelt wurde. Deshalb sprang das Seil der Schließmechanik für die Kabinentür immer wieder aus der Rolle, deshalb lief ich öfter als gewünscht zu Fuß vom neunten Stock hinab oder mit schwerem Einkaufsrucksack und zwei prall gefüllten Einkaufsbeuteln von ganz unten in den neunten Stock hinauf.

Als ich hier einzog, 2006 im August, schaffte ich den Weg zu Fuß nach oben nicht ohne Pause. Hier vor der Wohnungstür wünschte ich mir oft ein Sauerstoffzelt und eine Hopfenauszugsinfusion. Lange Zeit war mir das egal. Aber als ich in der Tagesklinik war zum Jahresende 2011, da passierte es, daß ich dort Frühsport machen mußte, ich, der Spätaufsteher, der Nachtmensch, der Sportmuffel. Das hat mich angekotzt (und ich habe mich in der Frühsportphase mehrfach morgens vorher übergeben, nur weil mich der Scheiß psychisch so gestreßt hat). Frühsport also ist nichts für mich, echt nicht, noch immer nicht. Und trotzdem begann ich damals, wenn ich mich recht erinnere, damit, am besten einmal täglich heraufzugehen, auf den Fahrstuhl zu verzichten. Schaut nicht so ungläubig! Denn genau das habe ich seit 2011 getan, nicht wirklich täglich, aber an durchschnittlich fünf von sieben Tagen erklomm ich meinen neunten Stock zu Fuß. Das geht auch mit Last ohne Pause, und am Ziel habe ich seit Jahren nicht mehr das Gefühl, kurz vorm Kollaps zu stehen. Ja, ich schnaufe noch immer, ich rauche ja auch noch immer. Doch glaube ich, daß das beinahe jeder tun würde, der nicht wirklich gut trainiert ist.

Von heute an aber muß ich also fünf Wochen lang zu Fuß hinab und hinauf, insgesamt 154 Stufen mit den zehn vor dem Haus. Klar überlege ich jetzt wesentlich öfter, was mit hinunter muß und was ich mit heraufzuschleppen habe. Mehr als zweimal täglich mag ich nämlich nicht … Aber wenn es nötig ist, bleibt mir das trotzdem nicht erspart, dann werden das eben über tausend Stufen an einem Tag bei mehr als dreimal runter und rauf.

Übrigens ist das Treppensteigen nicht das Schlimmste an den Bauarbeiten. Nein. Viel schlimmer sind für mich die Geräusche, die die Arbeiter erzeugen (müssen). Hämmern, Schleifen, Bohren, Brechen, Sägen. Ab sieben Uhr in der Früh, die Mittagsruhezeit hindurch, bis nachmittags um vier ging es heute. Und nein, auch geräuschdampfende Gehörschutzmittel schaffen es nicht, für einigermaßen Ruhe zu sorgen. Ist doch hier im Neunten auch der Einstieg in das Maschinenhaus, das nur einen Stock höher, im Zehnten, mitten im Gebäude, direkt über dem an mein Bad grenzenden, akustisch wundervollen Fahrstuhlschacht ist. Zum Glück tragen auch die Arbeiter Geörschutz, so bleibt mir wenigstens das plärrende Baustellenradio womöglich noch mit “Privat”-Rundfunk erspart. Das wäre dann das Sahnehäubchen, das Tüpfelchen auf dem I, der das Faß zum überlaufen bringende Tropfen. Und es piept nicht, zum Glück, denn ich hasse diese Rückwärtsfahrwarngeräusch oder die Krawallftitteusen bei McDoof und Co. Und ich vermisse den “Laß-das-Scheiß-Gequatsche-aus”-Knopf in Aufzügen … (Keine Sorge, ich verstehe, warum und wozu solche Ansagen notwendig sind und finde sie gut, doch es sollte einen Stummschaltknopf geben, den ich zur Not gedrückt halten kann. Die Benutzung der Selbsbedienungskassen, die es hier in einem Supermarkt gibt, habe ich wegen deren Sprachausgabe wieder eingestellt.)

Fünf Wochen. Wenn sich die Bauarbeiten nicht ähnlich wie bei S21 oder BER gestalten. Fünf Wochen erzwungenes Treppensteigen. Der Zwang macht für mich den einen großen, den gewaltigen, den entscheidenden Unterschied. Denn selbst Dinge, die ich freiwillig gern mache, lehne ich ab, hasse ich, finde ich völlig unangemessen und bescheuert, wenn ich (nicht aus mir selbst heraus, nicht von mir selbst) gezwungen werde oder bin, sie zu tun. Das geht wohl nicht nur mir so. Für mich weiß ich genau, wann ich mir das Widerstreben gegen die Fremdbestimmung endgültig zugelegt habe: (kurz vor) Silvester 1987. Da war das dann so verfestigt, verinnerlicht, daß es mir seitdem wirklich, wirklich schwerfällt, anders zu reagieren.

 

Heute war ich zweimal unten. In fünf Wochen bin ich topfit.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 16.01.2017 waren eine wundervolle nette Unterhaltung, (bisher) eine Überraschung, 616 Stufen im Haus.
 
Die Tageskarte für morgen ist XX – das Gericht.

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Worüber ich sonst nicht schreibe (2017: 015)

Ein Regelverstoß.

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Sonntag, gleich zehn Uhr abends. Die freiwillig übernommene Schicht als Sendetechniker ist noch lange nicht zuende. Es ist trotzdem etwas Gutes, als Vereinsmitglied etwas für den Verein zu tun. Das weniger Gute wird sein, daß einige Zeit nach Mitternacht nur zwei Grünpflanzen zuhause auf mich warten werden und meine Couch. Die einen haben heute mittag erst Wasser bekommen, und die andere käme auch noch eine ganze Weile ohne mich aus.

 

Seht mir nach, daß ich mich heute zu mehr Text nicht in der Stimmung fühle. Und seid gewiß, daß das morgen wieder anders sein wird. Denn so ein kurzer Anfall von Einsamkeit und Alleinseinsgefühl vergeht über Nacht, ist nichts dauerhaftes bei mir oder gar ungewohnt. Ich schreibe sonst nur nicht darüber …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 15.11.2017 waren trotzdem gute Nachrichten, Ruhe zum Sortieren von Bildern, etwa 65 GB aussortierte und gelöschte Audiodateien.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – der Narr.

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Mißtrauen (2017: 014)

Ein uralter Anstoß.

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Mißtrauen ist ein Argwohn, daß jedermann unehrlich sei.

Theophrast: Charakterbilder. Deutsch von Horst Rüdiger. S. 44
Sammlung Dieterich Band 34. © 1949 Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Leiptig
Veröff. unter Lizenz-Nr.155 Rudolf Marx der SMAD 6265/49-8695/49

 

 

Ein schmales Bändchen auf gelblichem Papier, leinengebunden im geprägten Pappeinband. Irgendwann fand es seinen Weg zu mir, auf einen meiner Bücherstapel. Es ist kein Buch zum Durchlesen in einem Rutsch, nein, ich vertrage immer nur eines der 33 Charakterbilder. Heute war es eben der Mißtrauische. So einer wie ich es zuweilen oft fast immer ständig bin. Nur bin ich es nicht den normalen Menschen gegenüber, die ich in meinem täglichen Leben auf der Straße treffe, nein, denen bringe ich großes Vertrauen entgegen; da glaube ich an das Gute im Menschen. In jedem Menschen. Man mag mich dafür gutgläubig oder sonstwie nennen, ich glaube trotzdem daran.

Fast in jedem Menschen.

Mißtrauisch bin ich all denen gegenüber, die mich so offensichtlich über den Löffel balbieren wollen, daß ich nicht umhinkomme, das deutlich zu bemerken. Dazu zählen Werbetreibende, Von-Zins-und-Dividende-Lebende, die meisten Bundes- und Landespolitiker, Dogmatiker, Missionare. Bei den beiden letzteren vor allem die nichtchristlichen. Machtmenschen gegenüber bin ich sowieso mißtrauisch, denn Macht korrumpiert, macht gieriger. Nein, diesen traue ich nicht. Der Wahrheitsgehalt einer Staffel Startrek scheint mir jedenfalls viel größer zu sein als der einer Bundestagsdebatte oder einer Erklärung des Merkels.

Dabei, so glaube ich fest, kommt jeder Mensch mit einem Urvertrauen in die Welt: an Vater und Mutter, an Sonne, Wärme, Speis und Trank. In der kindlichen Fremdelphase wird von den Familien auch alles dafür getan, dieses Vertrauen zu erhalten. Aber irgendwann geht das nicht mehr, irgendwann erlebt jedes Kind die Ent-Täuschung, die Erkenntnis, daß manches nur Lüge ist. Das manches gefährlich ist und das manches schmerzt. Wann ich das zum ersten Mal erlebte, weiß ich nicht mehr – und das ist gut so. Nun, ich hatte als Kind zum Beispiel keinen Gott, an den ich mich mit allem wenden konnte, denn der kam in meinem Leben, im Leben der damaligen Familie nur sehr selten vor. Die Oma, ja, die betete manchmal auch mit mir bzw. ich betete mit ihr und meinen Cousinen und Cousins, die in wesentlich religiöser geprägten Familien aufwuchsen als ich. Vielleicht hatte auch ich einmal diesen Kinderglauben an Gott, das scheint mir sogar wahrscheinlich. Doch der blieb mir für lange Zeit nicht erhalten. Mein Leben funktionierte lange Zeit mit einer wissenschaflichen Weltanschauung …

In dieser Phase jedoch begann auch mein Mißtrauen zu erwachen, zu wachsen. Weil es zu viele Theorien gab, die nicht verifiziert werden konnten, aber nach ihnen war alles ausgerichtet. Ich erkannte, daß es nicht viele Unterschiede zwischen den Religionen und der herrschenden Philosophie gab und gibt. Später führte das zu Verwerfungen in meinem Leben, die bis heute nachwirken. Und da waren auch noch ganz private Enttäuschungen.

Mein Mißtrauen wurde und wird zum größten Teil von Herabsetzung und Abwertung gespeist, von der Erhebung anderer über mich. Die Befürchtung, daß mir Arges widerfahre von denen, die sich über mich stellen oder über mich gestellt sehen, die sich wertvoller fühlen als ich es in ihren Augen je sein kann, und die Befürchtung, in den Augen anderer Menschen einfach wieder zu versagen, die haben mich seitdem nur sehr selten verlassen. Ich befürchte, daß es anderen mit mir ähnlich gehen könnte, und das macht einen Teil meiner Schwierigkeiten mit Lob und Anerkennung aus (das ist auch als Hochstaplersyndrom bekannt). Wenn ich ersteinmal mißtrauisch jemandem oder einer Sache gegenüber geworden bin, dann ist das nur schwer wieder zu entkräften … Wenn ich ehrlich und sehr, sehr genau hinsehe, muß ich gestehen: Manchen Menschen gegenüber kann ich einfach nicht mißtrauisch sein, unabhängig von ihrem Verhalten und ihrer/unserer Geschichte. Es sind nicht sehr viele, ich kann sie an Händen und Füßen abzählen. Wie schaffe ich es von heute an, zumindest immer mehr Menschen mit der Annahme zu begegnen, sie seien ehrlich und ohne böse Absicht? Wie nur?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 14.01.2017 waren geschaffte Hausarbeit, leckerer Linseneintopf, ein Abendspaziergang, ein begonnener Brief.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Schwerter.

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Reiterbild VI (2017: 013)

Ernst Wilhelm Nay und Wasja Götze in der Moritzburg.

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Beinahe kubistisch, mindestens picassoesk. Das rot-weiß-braune Pferd ist gut erkennbar, weil sein Kopf beinahe klassisch gemalt ist. Vom Reiter glaube ich zuerst nur die linke Hand etwas links unterhalb des Pferdekopfes im Bild zu erkennen und ein Stück Arm. Wenn ich dem folge, finde ich auch das, was Torso und Kopf eines Menschen sein können. Dieser Gegensatz: Das Pferd ist überdeutlich präsent im Bild mit seinem Kopf und dem Ohr und einem stilisierten linken Auge; der Reiter verbirgt sich neben ihm stehend in einer abstrakteren, moderneren (?) Formensprache. Rot, Schwarz, Weiß, Blau. Und außerdem Braun. Kräftige Pinselstriche, zumeist gerade. Oft scheinen Stellen wie “über den Rand hinausgemalt” … In der Stirnmähne des Pferdes ist das Schwarz so gepinselt, daß der Maluntergund durchscheint.

Es fällt mir auf, daß die Ölfarbe in verschiedenen Konsistenzen aufgetragen ist. An manchen Stellen so flüssig angerührt, daß ich an Aquarell erinnert bin, anderswo pastös, fast wie ein nur flüchtig mit einem Pinsel verwischter Strang direkt aus der Tube wirkend. Dieser eine Kringel mit dem quer darüberliegenden Strich in dem Bildelement, daß den Kopf des Reiters darstellen könnte: Ist diese von der Ölfarbe gebildete, reliefartige Struktur vielleicht das Auge der abstrahierten Figur? Ein ganz ähnliches Gebilde findet sich oben rechts über dem Pferdekopf.

Wenn das ein Auge … Ja, die Form hier ist dieselbe, wie ich sie unten als Kopf … Ist das eine linke Schulter?

Moment. Moment mal! Da ist doch … Ist das der Reiter – und die zuvor erahnte, erkannte menschliche Figur ist es nicht? Wer oder was ist dann die nicht auf dem Pferd sitzende Gestalt: der Steigbügelhalter? – Da. Jetzt erkenne ich auch die rechte Hand unter und den rechten Arm des Reiters neben dem Pferdekopf. Und da sind seine Beine und Füße links und rechts neben dem Pferdeleib. Ha! Es sind also ein Pferd und zwei Menschen im Bild dargestellt: Der Reiter sitzt doch da, wo er hingehört, aber so, daß er von meinem ungeschulten, im Realen verhafteten Blick zuerst übersehen werden mußte. (Sollte das so sein? Hat Ernst Wilhelm Nay das 1936 so gewollt?)

Und wie ich mit den Augen aus wechselnden Betrachtungsabständen über das Ölgemälde streiche, fallen mir wieder die Stellen mit dem deutlich pastöseren, verschwenderischen Farbauftrag auf. Entstehen die Wülste, Würste und Batzen nur zufällig beim Malen? Sind sie absichtlich genau dahin und genau so gesetzt, wo und wie ich sie noch heute erkennen kann? Tragen sie demnach einen – vielleicht sogar nicht unbedeutenden – Teil der Bildaussage, der Information, sind sie also Ausdrucksmittel von Ernst Wilhelm Nay? (Der Blick auf ein direkt daneben hängendes Bild scheint diese Annahme zu bestätigen.) Doch bin ich weder Zeichner noch Maler und habe somit wirklich keinen Erklärungsversuch dazu. Ich habe nur, was ich sehe (auch die Farbabplatzungen am unteren Bildrand). Und wie hier beim Reiterbild VI (1936) von Ernst Wilhelm Nay bleibt vieles meinem Blick verborgen, wenn ich mir nicht die Zeit dazu nehme, genauer hinzusehen.

Nach weit über einer Stunde, die ich vor diesem Bild im Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, im Kunstmuseum Moritzburg verbrachte, glaubte ich, am Pferd einen linken Flügel zu erahnen. Hat Nay einen Pegasus gemalt?

 

Als ich schon auf dem Weg aus dem Museum nach draußen war, geriet ich (zufällig) in ein Galeriegespräche mit Wasja Götze. Dort stand ich dann bis kurz vor 18 Uhr, wechselte auch noch ein paar persönliche Worte mit dem Maler. Es war ein Vergnügen, dem freundlichen, komischen, humorvollen, lebhaften und mit Händen und Füßen erzählenden Menschen, Maler, Landstreicher und Musiker zu lauschen, der dem Volke aufs Maul schaute und schaut und dessen Sprache spricht. Und wie wundervoll selbstironisch er kokettierte mit seinem Werk und dessen Beurteilung und Erklärung! Er, der “Maler delikater Bilder”, dessen Lebensmaxime ist: “Ich muß nicht jeden Tag meiner Meinung sein.”. Wasja Götze

 

Ach, jetzt weiß ich auch, warum ich heute so viel Glück hatte: Es ist Freitag, der 13. Und DIe Jahreskarte ist endlich eingeweiht.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 13.01.2017 waren der Museumsbesuch mit der Schulung der eigenen Augen, das Galerie- und das persönliche Gespräch mit Wasja Götze, ein Buchkauf (Uwe Hauck: “Depression abzugeben”).
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Stäbe.

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Das alte Muster (2017: 012)

Endlich durchbrochen.

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Ganz plötzlich war es wieder zuviel. Alles zuviel. Alles. Zuviel Bürokratie, zuviel Angst, zuviel Kontakt, zuviel Lesestoff, zuviel Krach, zuviel Angescheiße. Das kenne ich, daran bin ich eigentlich gewöhnt. Das habe ich schon mehrfach überstanden. Es hat mir nie merklich geschadet. Mich immer nur stärker gemacht. Härter. Einsamer.

Mein Mittel dagegen war schon immer der Rückzug. Ja, für ein paar Wochen verschwinde ich hinter einer detailreich gestalteten Fassade, einer, die in den Potjemkinschen Dörfern allerorten einfach nicht auffällt. Die wird von ein paar Stützbalken und Schnüren gehalten, solange keine der Nachbarfassaden zusammenstürzt.

Das einzige, was mir in solchen Situationen zuverlässig beim Überleben half, war zuviel Alkohol. Bis die wohlige Wattigkeit im Kopf einssetzt. Bis es im Bauch brennt und im Rachen. Bis die Scheißbilder da draußen verschwimmen. Bis ich nichts mehr artikulieren kann. Bis ich zu müde dazu bin, vor einen Zug zu springen, bis ich so sehr torkele, daß ich höchstens noch den Weg zum Klo schaffe, um da hineninzukotzen – und oft habe ich mir einfach einen Eimer ans Bett gestellt. Kotzen heißt minutenlanges Würgen bei leerem Magen. Denn wenn ich saufe, kann ich nicht noch essen, dann würde ich ja fett werden.

Bisher war das immer so.

Diesmal saufe ich nicht. Kein Schnaps. Nichts. Keinen Klopfer, keinen Schlucki, kein Kompott, kein Flüssigschnitzel, kein Glaseisbein. Diesmal werde ich euch allen zeigen, daß ich fehle, wenn ich weg bin. Falls ihr das überhaupt merkt, daß ich verschwunden bin. Wie bequem es doch ist, SMS und Blog und anderes Zeug planen zu können, für Wochen im Voraus. Mir reicht es jetzt. Ich habe genug von all dem Gemeckere, Fürdummerklären, Beschissenwerden, Kontrolliertwerden, Verachtetwerden, von all den Erwartungen und Pflichten und Verboten und Lügen. Genug. Übergenug.

Auszeit. Und jedesmal, wenn ihr etwas Neues von mir lest, werdet ihr euch fragen müssen, ob das nur geplant war.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 12.01.2017 waren der erledigte Bürokratiekram, viel Geschriebenes, Contenance, das vollständige Durchbrechen des alten Musters in all seinen Teilen.
 
Die Tageskarte für morgen ist  II – die Hoheprieseterin.

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Stimmungsbericht (2017: 011)

Zeitversetzter Musikgenuß und mehr.

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Ich weiß ja, daß bei den meisten von euch Weihnachten spätestens seit dem letzten Wochenende vorüber ist. Doch bei mir ist es das noch nicht, ich lasse alles bis Mariä Lichtmeß weihnachtlich sein. Heute wollte ich ursprünglich zum ersten Mal in diesem Jahr ins Kustmuseum Moritzburg – doch mir fiel rechtzeitig ein, nach den Öffnungszeiten zu sehen: Mittwochs geschlossen. So hatte Zeit für anderes, konnte endlich einmal in aller Ruhe durch einige Geschäfte stöbern und eine Liste von zu verbrauchten und wiederzubeschaffenden Dingen wesentlich verkürzen. Und auch den normale Einkauf hab ich erledigt. Bei dem fielen mir noch ein paar Kopfhörer und eine Weihnachts-CD in die Hände.

Zuhause habe ich die Kopfhörer natürlich gleich mit der neuen Musik eingeweiht. Mit Weihnachtsmusik. Alpenländisch angehaucht. Und dann saß ich am Fenster und schaute den tanzenden Schneeflocken zu. Allerdings entdeckten die Schneeflocken auch den matschigen, überhaupt nicht winterlichen Erdboden. Darüber fingen sie zu weinen an und fielen als Regen in die Pfützen und auf die Straße. Trotzdem war dann das Weihnachtgefühl wieder da, die Besinnlichkeit, meine eigene – hier fehlt mir gerade das richtige Wort. Jedenfalls war es mir heute nachmittag recht weihnachtlich zumute, und das letzte Stück Stollen vom ehemaligen Bäcker-Nachbarn und die letzte Tüte gefüllte Lebkuchenherzen sind verputzt. Auch zwei Pyramiden liefen heute nachmittag. Noch immer riecht es nach ausgeblasenen Kerzen und natürlich Neudorfer Weihrauchkerzchen, heute, am 11. Januar, abends um zehn …

Ich hänge mit meiner Stimmung etwa drei Wochen hinter dem tatsächlichen Zeitenlauf hinterher. Es fühlt sich nicht falsch an. Es mag anderen Menschen sonderbar vorkommen, für mich ist es gut so, wie es ist. Hänge ich eben hinterher! Na und? Dafür bin ich gerade in einer sehr guten Stimmung, einer, die mir guttut. Es ist mir erstaunlicherweise auch vollkommen egal, warum das so ist; es ist so und es ist gut so. (Das hab ich lange nicht mehr gehabt, diese so deutlich fühlbare Zufriedenheit mit meiner eigenen Gemütslage.)

Vor Jahren fuhr ich im Hochsommer mit meinem Auto durch die Stadt und hörte Country-Weihnachts-Kassetten. Was sollen mich da heute Weihnachstklänge in meiner Wohnung stören? So wurde der Tag auch zu dem Tag, an dem ich nicht neue Musik von der Radiobemusterung hörte, sondern Sachen aus meinem eigenen Archiv. Zwischen den saisonalen Alben erklangen auch beste Gothic-Mugge, Schlager, Volxmusik. Und dabei fiel mir auf, daß ich meine Musik doch irgendwann einmal in die Datenbank eines Abspielprogramms importieren lassen muß. Denn erst dann ernte ich die Frucht meiner Mühen, alles mit validen Metadaten zu versehen, dann kann ich mir Playlisten nach Genre oder Jahr mixen lassen.

 

So. Jetzt noch ein wenig Erzgebirgische Weihnachtsmusik zum Einschlafen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 11.01.2017 waren die Weihnachtsstimmung, die Kopfhörer, ein sehr sehr sehr frühes Telefonat, das Wissen um etwas noch nie Erlebtes.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Kelche.

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Ich-Gedanken (2017: 010)

Woher habe ich das nur?

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Wenn ich nur wüßte, wo ich das heute gelesen/gehört/gesehen habe (sinngemäß):

 

 

» Ist ein Ich überhaupt ein in sich geschlossenes und streng in zeitlich-fleischliche Grenzen abgedichtetes Ding? «

 

 

Das Ich.

Welches?

Ausweis- oder Lebenspersönlichkeit? (Sind das überhaupt zwei verschiedene Ich?)

 

(Wieso erscheint im Schreiben zu einem Satz, der das Wort “überhaupt” enthält, überhaupt das Wort “überhaupt?”)

 

In sich geschlossen. Ein Ich kann jedenfalls kein abgeschlossenes System sein, denn jedes Ich ist sozial, auf Austausch mit anderen Ichs, also Dus, angelegt, angewiesen und bedacht. Ich jedenfalls bin so. Sonst würde ich nicht hier schreiben, nirgends schreiben, nicht reden, kommunizieren, nicht etwas mit Radio machen.

Und ein Ding ist keines meiner Ichs. Höchstens ein ein “Ding an sich”, also als solches.

 

Was ist eigentlich “das Ich” überhaupt?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 10.01.2017 waren Ausschlafen, Ruhe am Vormittag und weitere bearbeitete Alben.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Stäbe.

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Manchmal, manchmal kann ich es nicht (2017: 009)

Der Verlust des Widerstands

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Manchmal … Manchmal jedenfalls kann ich nicht anders. Ganz gleich, wie fest ich mir etwas vorgenommen habe, ganz gleich, wie eisern ich mir etwas verkneife: manchmal geht es nicht anders und ich muß trotzdem dagegen handeln. Meistens ärgere ich mich kurz darüber, manchmal aber auch für eine längere Zeit. Heute jedoch, heute ist das ganze Gegenteil angesagt, heute freue ich mich über mein Zuwiderhandeln. Gleich gegen zwei Gebote:

  • Büchererwerbsfasten-Gebot
  • Gebot der sparsamsten Haushaltführung.

Auf dem Weg in die Stadt mußte ich an einem Buchladen vorbei. Vor dessen Tür stehen immer so wunderbare Grabbelkisten, voller schöner und gute Bücher. Immer wieder gibt es besondere Angebote: drei oder vier Bücher fürn Zehner u.ä. Doch so billig, sozusagen auf Antiquariatsgrabbeltischniveau, habe ich dort lange nichts mehr liegen sehen. Heute aber, heute aber war das so, da lagen mehrere Dutzend für nur einen Euro oder gar einen halben! Kann der Bibliophile da widerstehen? Der vielleicht, ich aber nicht – genausowenig hätte ich bookcrossing-Bücher liegengelassen … Zwei neue Bücher. Zwei. Dabei sind meine Bücherstapel doch hoch genug, alle. Und sogar aus der Bibliothek will ich nur noch ganz wenige holen!

Heute wurde ich schwach. Für anderthalb Euro. Knapp tausend Seiten zusammen, also einige Stunden Lesestoff. Zusätzlich zu dem hier gestapelten bedruckten Papier. Hach. (Ich bin ehrlich: Ich wohnte gern in einer Bibliothek, vornehmlich in einer alten Bibliothek mit alten Beständen – inmitten von Millionen von Frakturbuchstaben, von handschriftlichen Minuskeln und Majuskeln. Papier, zumal bedrucktes, hat einen besonderen Geruch!)

Gekauft habe ich heute Mascha Vanessa: Die Prophezeiung der Seraphim, und Viktoria Schlederer: Die Maskerade des Teufels. Beide wahrscheinlich im Bereich der “Fantasy” beheimatet. Zur Erholung zu lesen, zum Abschalten. Zum Abtauchen in fremde, wundervolle Welten, voller Menschen und Wesen, die mir nie begegneten und auch nie begegnen werden, unter Himmel, die ich nie sehe, in Wasser, die ich nie durchschwimme. Reisen kann ich mit ihnen, ohne meine Couch zu verlassen, weit, weit hinaus ins All oder in die Vergangenheit oder in die Zukunft, hinter die Nebel von Avalon, nach Shambhala oder Feuerland, auf den Mars, ins Ewige Eis, in Wüsten, nach Vulkan oder DS9 oder Babylon5; auf eine Sommerwiese, an einen Frühjahrsstrand, auf ein Herbstfeld oder in den Winterwald kann ich reisen, ohne daß mir Regen, Wind oder Kälte etwas anhaben können – und doch fehlen sie mir nicht, weil sie auch in meiner Phantasie sind, dort so wahr sind wie die Wirkung von Einhornstaub.

Aber ich leſe auch andere Bücher. Wahre Bücher, Tatſachenberichte, sogar wiſſenſchaftliche Publikationen (deren Verſtändnis mir zunehmend schwerer fällt), gar Lehrbücher. All das nicht nur in der allermodernſten Form, sondern gerne auch “leicht antik”, in Fraktur, in den erſten Antiqua-Drucken noch mit Lang-S (ſ). Hm. Ob ich einmal einen Text verſuche, der genau dieſen Buchſtaben in ſeiner Verwendung zeigt?

 

Ich ſchleiche mich davon und ſage Danke für’s Leſen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 09.01.2017 waren die Bücher, mehrere Telefonate, die Kälte draußen.
 
Die Tageskarte für morgen iſt der Bube der Kelche.

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Musikalische Attacke (2017: 008)

Der heutige akustische Teppich

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Sonntag. Wenn ich die Meinungen zum gerade zuendegegangenen Tatort lese, dann bin ich mir nicht böse für meinen Entschluß, kaum noch fernzusehen. Heute vormittag, ja, da kam eine der Sendungen, sie ich nur selten verpassen möchte. Und an Dr. Who hab ich auch einen Narren gefressen. Doch sonst? Ach, es geht ganz gut ohne. Ich rege mich viel weniger auf über Unrichtigkeiten, Dampfplaudereien, Plattformgeberei für Idioten und nationalsozialistisch angehauchte Irgendjemande und INSM-Sympathiesanten. Die unabgelenkte Zeit ist ein Geschenk. Ich komme viel besser zurecht mit der schieren Unmenge an Musik, die ich hören möchte, besonders mit den Bemusterungen für eben dieses Radio.

Immer mehr und mehr Alben (CDs und Digipacks) stapeln sich in meinem OuM (Ordner ungehörter Musik), harren dort ihres Erklingens und meiner Bearbeitung. Heute, gerade jetzt, sind dort für jeden noch kommenden Tag des Jahres ein komplettes Album gespeichert. Und jede Woche kommen etwa ein Dutzend dazu. Also muß ich wöchentlich knapp 20 davon hören, um am Jahresende so ungefähr hinterhergekommen zu sein. Zwanzig. Wöchentlich. Mit den unten genannten fünf landete ich in der vergangenen Woche bei 17 ganz unterschiedlichen Hörerlebnissen. Vor dem Hören kommt das Digitalisieren (wo nötig), mit dem vorgegebenen Satz an Metadaten versehen, einheitlich benennen. Dann hören und entscheiden, ob das den Sendungsmachern angeboten werden kann. Und glaubt mir, ich nehme nicht nur die mir gefallende Musik, sondern alle die, die senderkompatibel und damit dort spielbar ist. Irgendwann schiebe ich die Verzeichnisse in das Musikarchiv und erstelle Links zu Genres … Manchmal erstelle ich daraus auch Musikblöcke für die Nacht, und dann muß die Musik schon etwas zueinander passen.

 

 

Heute waren nebenbei anzuhören: Kornelius Flowers – Vintage Hedonist (2016), Elossa – Galaxie (2016), Philippe Petit – Mulicoloured Shadows (2015), Adani & Wolf – Dust on the floor (2016), Maja & David – CPH-Café-YUL (2015). Außerdem habe ich beim Schnitt zweier Radiosendungen (technische) Hilfe geleistet, geschrieben, das Sendungsarchiv gepflegt, eine Livesendung betreut … Jedenfalls habe ich Musik gehört, viel unterschiedliche Musik. Und nur Philippe Petits Werk war mir etwas zu avantgardistisch für das normale Radioprogramm (aber das muß mindestens einmal in der Nacht gespielt werden, denn mir gefällt es tatsächlich und es zaubert mir psychedelische Bilder in meinen Kopf), alles andere findet sicher seine Liebhaber auch “draußen”. Ich verspeche hiermit, die anderen vier im nächsten Buchfink zu spielen (am 20. Januar 2017 um 20 Uhr, wo der Stream zu finden ist, schreibe ich kurz vorher nochmal).

Gerade jetzt läuft übrigens noch Bebo Best & the Super Lounge Orchestra – Jazz Mamba (2016); ich würde es nicht Einschlafmusik nennen …

Morgen, morgen höre ich zur Entspannung auch wieder etwas aus meinem Altbestand.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 08.01.2017 waren Frühstück mit 30 min TV, drei erfolgreich betreute Sendungen, gute Neuigkeiten.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Münzen.

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Wenn Zuviel zu wenig läßt (2017: 007)

Überflutung.

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»… und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.«

1. Moses 1,2

 

 

Oh, doch! Auf Papier habe ich geschrieben, seit Montag täglich; nicht ganz wie geplant, aber doch viel. Nur fehlt mir heute Abend die Inspiration für mehr Text. Oder nein: Ich lese gerade und habe zu viel Inspiration und schaffe keine Auswahl mehr …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 07.01.2017 waren Numiroso, zwei neuverkabelte Studios (Monitore, USB und LAN), zwei Stunden Kabel sortieren und dann endlich das Gesuchte finden.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Kelche.

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