Nº 037 (2016):      |: Da :|

Morgens oder wie es heißen könnte: mrschnrtine

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6.48 Uhr. Der Körper und die Augen wollen noch zwei Stunden schlafen und könnten das auch. Aber der Kopf … Der schmeißt die laut ratternde Phantasie-Gedanken-Maschine an. Ich verstopfe die Ohren, reiße das Fenster auf (frische Luft, kein Regen, kein Sturm) und verschwinde so unter meiner Decke, daß nur noch beide Füße herausschauen. Es ist alles still, dunkel, schlaffördernd gestaltet. Sogar das rechte Auge klebt noch zu … Und plötzlich tanzt der Kopf Polonaise und ruft: “Äätsche-bäätsch!” Etwa zwanzig Minuten lang versuche ich das Unmögliche. Einfach Weiterschlafen. Ich bin sooooo müde! Das muß doch einfach gehen! Aber die Gedanken klappern am Inneren des Schädelknochens entlang, spielen Hopse, schreien sich dabei an – wie die Kindergartenkinder eben. Bei dem Lärm kann kein Mensch, dabei kann jedenfalls ich nicht schlafen.

7.23 Uhr. Der Kaffee ist fertig. Honig. Marmelade. Brot. Butter. Milch! Ich habe die Milch in der Küche stehengelassen. Ähm: Auch eine Tasse wäre ganz nützlich. Waaah! Sitzen. Kaffee schlürfen. Leise dudelt Musik aus dem Rechner, Corvus Corax’ “Cantus buranus”. Vorgestern wieder darauf gestoßen worden, und da ist die Erinnerung an einen grandiosen Konzertabend in Leipzig. Frühstück.

8.35 Uhr. Die Idee zu diesem Text kommt. Ich nehme Stift und Kladde zur Hand. Nebenbei laufen Twitter und Wolfsheim. Ich werde darauf hingewiesen, daß Dada (um Himmels Willen nicht Dadaismus!) heute, also: gestern, am 5. Februar 2016, genau 100 Jahre alt wurde. An diesem Tag ,dem 5. Februar 1916, gründeten nämlich Hugo Ball und Emmy Hennings in Zürich in der Spiegelgasse 1 das “Cabaret Voltaire”. Und ich versuche mich (zu Ehren der Dadaisten?) in eben diesem Genre. (Ernst Jandl allerdings erreiche ich nicht.)

 

 

da dodo dada.
dades pall dar dadubei.
dan glumbadsch doda.

Ein Dada-Senryū.

 

 

 

(2015er Dada-Kunstaktion der auch heuer vertretenen K.U.R.S.K.) Mein Rest ist – bis auf den Buchfink – Schweigen.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 5. Februar 2016 waren der Morgen, der Mittag, das Gefundene, das Gesprochene, das Gelesene.
 
Tageskarte 2016-02-06: Der König der Stäbe.

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Nº 036 (2016-02-05): Notwendig oder nicht.

Geld. Oder?

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Gestern habe ich mich bei mir umgeschaut und einmal kurz zusammengetragen, was in der nächsten Zeit notwendig wäre (oder auch nur sehnlichst erwünscht):

 

* Eine SSD fürs Netbook, dessen HDD defekt ist (oder gleich ein neues Kleines).
* Eine neue Kamera, die etwas besser als meine derzeitige ist.
* Ruhe vor der Verfolgungsbetreuung. Durch BGE.
* Ein per HDMI anschließbarer Monitor mit hinreichender Auflösung.
* Vielleicht ein Herd mit funktionierender Backröhre.
* Eine Bahncard 100 *grins*

 

Wenn ich das so lese: Alles hat mit Geld zu tun. Bis auf eines mit Geld, das ich ausgeben müßte. Wo sind die wirklich wichtigen Dinge, die es bräuchte, aufgelistet? Nun, in meinem Herz, das wirklich gerade ziemlich voll ist. Zum einen mit Traurigkeit, die von der Vergangenheit herkommt und von der einen oder anderen Unmöglichkeit in der Gegenwart. Zum anderen mit Freude, Wärme, sogar Liebe (?), die es heute und schon seit ziemlich langer Zeit für mich gibt. Trotz des Gefühls, in den letzten 14 Tagen massiv gealtert zu sein; aber das ist nach der ersten urologischen OP bei Männern vielleicht allgemein so?

Ansonsten habe ich zu gestehen, daß ich ohne Brille nichts mehr bzw. nicht mehr viel tun kann und mag. Am Telefon und am Rechner verschwimmen die Buchstaben, es sind nicht mehr nur die Arme zu kurz. Auch Rasieren (da oberhalb des Bartes sind auf beiden Seiten des Gesichts durchaus ein paar Striche mit der Klinge zu ziehen) ist selbst mit dem vergrößernden Rasierspiegel ohne Brille nicht mehr machbar. Ja, doch, ich werde älter. Dazu passend erhielt ich in den letzten Tagen die Nachricht vom Tod einer guten Bekannten und ehemaligen Nachbarin, die keine zehn Jahre älter war als ich. Also: es gibt nichts abzuwiegeln, nichts mehr zu beschönigen; ich werde älter (vor dem “alt” scheue ich aber noch zurück).

Wie ihr lest, ist das ein ganz normales Leben, das ich führe. Auch wenn oder obwohl es sich hier manchmal bis häufig ganz, ganz anders liest. Es fließt dahin, wird ab und zu von Höhepunkten unterbrochen wie vom heute Abend wieder live zu sendenden Buchfink, von verschiedener mich erreichender Post (auf die freue ich mich schon sehr). Jedenfalls erscheint es von außen betrachtet ziemlich normal. Denn es gibt auch die üblichen Tiefpunkte, wenn etwas kaputtgeht, nicht funtionieren will, mißlingt. Ab und zu holpert und rumpelt es eben etwas (oder auch heftig).

Eines mache ich seit geraumer Zeit anders bzw. versuche ich anders zu machen (ich schrieb erst kürzlich wie nebenbei darüber): Mein Blick geht auf das Erreichte, Gelungene, Geschaffte – und nicht mehr (wie es oben bei der Liste vielleicht scheint) auf das Fehlende, das Manko. Und das hilft wirklich sehr (auch wenn ich mich manchmal dazu zwingen muß).

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 4. Februar 2016 waren das Verschlafen, die ruhigen Gespräche, der Erfolg beim Retten von Daten.
 
Tageskarte 2016-02-05: Der Bube der Schwerter.

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Nº 035 (2016): Er dreht seine Runde.

Geht langsam, bedächtig, schlendernd fast.

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Er dreht seine Runde. Geht langsam, bedächtig, schlendernd fast. Am Rand geht er, wie immer, damit ihn die Eiligen einfacher überholen können. Er jedenfalls hat es nicht eilig. Gleich wird er rechts abbiegen, das macht er immer, wenn er seine Runde dreht. Ab und zu bleibt er stehen, sieht sich um und sieht, was er jedesmal sieht. Nach der ersten Ecke kommt die Treppe, wie immer geht er sie hinunter; und an ihrem Fuß geht er gleich wieder nach rechts. Dort bleibt er stehen. Er grüßt andere, die er immer hier grüßt, läßt einmal Grüße an den Mann, ein anderes Mal Grüße an “die Frau Gemahlin” ausrichten. Nur selten haben die Menschen Zeit für mehr als einen Gruß, nur selten wird ein kurzes Gespräch über das Wetter oder andere Alltäglichkeiten geführt. Aber er ist’s zufrieden, genießt diese Minuten und geht dann langsam, bedächtig, fast schlendernd weiter.

Die Sonne scheint. Zwischen dem Gras der Wiese leuchten Klee und Löwenzahn. Keine Gänseblümchen, notiert er gedanklich. Und vergißt es gleich wieder. Obwohl er Gänseblümchen mag. Jetzt trifft er einen Mann, den er auf jeder Runde trifft, den er für dessen vollen, langen und immer wie frisch gekämmt aussehenden Bart ein wenig beneidet. Und um den wettergegerbten Lederhut. Irgendwo zuhause, auf dem Dachboden, liegt bei ihm eine ganz ähnliche Kopfbedeckung, die er sich im vorigen Jahr in Geiselwind an dem berühmten Truck-Stop gekauft hatte.

Ganz rechts am Rand geht er auf dem gepflasterten Weg. Er hat es nicht eilig. Er hat soviel Geld zusammengespart von seinen Gehältern und Boni, daß er sowieso nicht mehr täglich arbeiten müßte – kurz nur denkt er daran. Und auch daher macht er gerne Platz für die Eiligen, denn er geht langsam, bedächtig, fast schlendernd. Er genießt seine Freiheit, so langsam sich bewegen zu dürfen und zu können, und dreht seine Runde weiter.

Da ist sie auch schon fast vorbei. Er betritt das Haus, dessen Ruhe ihn sofort umfängt. Er schaltet das Radio wieder ein, das er vor seiner Runde abgeschaltet hatte. Kurz darauf legt er sich in sein Bett, in seinem Zimmer, hier im Hospiz.

 

 

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Entstanden aus den beiden Zetteln, die ich in der Nacht vorher notierte. Ausformuliert und tatsächlich zunächst wortwörtlich vom Kurrent-Manuskript in der Kladde übernommen, das ich am Nachmittag auf dem Bahnhof sitzend schrieb. Doch es gab da etwas, das zu Verwirrung führen konnte, daher habe ich nachgebessert. Fünf verschiedene Szenarien spukten mir durch den Kopf, aber dann wurde es ein ganz anderer Text. (Die Bilder zeigen Zettel und Manuskriptkladdenseiten.)

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 3. Februar 2016 waren das Wecken, die Gespräche, der im Bahnhof fließende Text.
 
Tageskarte 2016-02-04: XII – Der Gehängte.

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Nº 034 (2016): Faul.

Oder: äußerlich nichterkennbare Schwerstarbeit

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Wenn ich schon am Vormittag (allerdings nach einem heftigen, vollgestopften Vortag und einer traumvollen Nacht) “herumsitze”, lese, das Atmen und das (ausnahmsweise) leise Gezwitscher meiner Nymphensittiche bei einer Tasse Kaffee und Kerzenschein genieße, dann … ja, dann ist das nicht unbedingt Faulheit oder Erholung, sondern schwere biographische Arbeit. Glaubt ihr mir nicht? Na gut, dann seid erstmal ein paar Jahre depressiv, verlaßt währenddessen bei Nacht und Nebel eure Familie, taucht unter und werdet aus einer Wohnung von Amts wegen abgemeldet, obwohl ihr (ohne Strom, weil unbezahlt, und ohne Miete zu zahlen) noch darinnen wohnt, zeitweise drei große Flaschen Doppelkorn zum täglichen normalen Funktionieren braucht in eurem Job, den ihr trotz allem noch machen wollt und macht, beendet die Sauferei ohne Hilfe und rappelt euch wieder auf, halbwegs. Danach reden wir weiter.

Okay, aber was ist denn diese ominöse “biographische Arbeit”? Die Vervollständigung und das Verstehen (!) der (Familien-)Vergangenheit. Für mich vor allem: Erinnerungen abrufen, Verhalten analysieren, einordnen und – zu meinem Leidwesen noch immer nicht überwunden – bewerten. Tief verschüttete Erinnerungen, jahrelang verdrängte, unangenehme und nur wenige gute Erinnerungen (wahrscheinlich gibt es viel mehr davon, als mir jetzt klar ist). Und dann quasi nebenher eine wundervolle, offene, telefonische Diskussion über Vergangenheit und systemimmanente Prinzipien, deren Fehler und Richtigkeiten und und und, als Herausforderung non plus ultra. Es ist … wie wenn ich trotz meiner Höhenangst über eine Brücke gehe, weil ich ein dahinterliegendes Ziel unbedingt erreichen muß und es keinen, ich betone: KEINEN! anderen Weg für mich gibt.

Es existiert ein Stapel Zettel, auf denen ich Episoden meiner Vergangenheit notierte. Viele von denen habe ich bereits abgetippt, dabei entschreibfehlert, verständlicher formuliert, manchmal auch – ob der Heftigkeit des Notierten – “entschärft” (weil ich ja hoffe, daß die Texte irgendwann gelesen werden, nicht nur von mir, sondern auch von anderen betroffenen Personen). Und in diversen Kladden haben sich bestimmt etwa drölfzig Dutzend solcher Erinnerungsfetzen versteckt, die mir beim Übertragen in LaTeX immer wieder in die Hände geraten. Sehr interessant ist, daß ich auch in Büchern Texte finde, die mit mir und meiner Vergangenheit unmittelbar zu tun haben scheinen. Und obwohl ich weiß, daß dem eben nicht so sein kann, keinesfalls so sein kann, erschüttern diese mich bis ins Mark. Stoßen neue Denk- und Erinnerungsprozesse an, unterstützen (oder hemmen) damit mein Zusammenfügen meiner Vergangenheit mit meinem jetzigen Leben und mit meiner Zukunft. Dann überlege ich manchmal, was denn dieses “in-Worte-fassen” meiner Erinnerungen für mich bedeutet:

 

 

» Waren die Dinge nur das, was die Sprache ihnen zugestand, oder gaben die Dinge nur das preis, was die Sprache ihnen abzuringen imstande war? Waren Dinge nur das, was die Sprache ihnen gab? Konnten die Dinge, konnte die Sprache unabhängig voneinander existieren? Trug die Sprache die Welt in sich oder die Welt die Sprache? «

Ulla Hahn: Das verborgene Wort. S. 226f
Neuausgabe März 2008 DTV GmbH & Co. KG
© 2001 Deutsche Verlags-Anstalt München, ISBN 978-3-423-21055-3

 

 

Und auch dem hier muß ich zustimmen, zumindest für meine Vergangenheit:

 

 

» In meinem Kopf hatte ich alles. Denken war Weg-denken, Schön-denken, Anders-denken. Denken war Flucht in den Kopf, in die Freiheit. Freiheit war im Kopf. Und nur dort. Alles, was ich mir vorstellte, war so viel herrlicher als das, was ich in Wirklichkeit kannte. Und es gehörte mir, mir allein. Keiner konnte es mir wegnehmen. Keiner konnte mir befehlen, dreinreden, dumm kommen. Das Reich der Freiheit. Daß dies auch ein Reich der Einsamkeit war, störte mich nicht. Im Gegenteil. Scheinbar allein, war ich sie alle. Das verliebte Mädchen so gut wie der junge Mann, den sie liebte, der sie liebte; die gütige Mutter, der gerechte Vater, war Gebirge und Meer, Wälder und Seen. In meinem Kopf war alles schön. Lange glaubte ich, ein wahrer Künstler sei einer, der es vermöchte, Häßliches so darzustellen, daß es schön würde, ein Plumpsklo zum Beispiel oder einen Kuhfladen. Ich versuchte es einige Male, doch je genauer ich hinsah und vor allem hinroch, desto widerwärtiger wurden mir beide. Ich war eben kein Künstler. «

ebenda, S. 238

 

In einem Buch, nur ganze siebeneinhalb Seiten voneinander entfernt. Und wie Recht manche hatten, die mir ein Wiederfinden in diesem, ganz besonders diesem Buch vorhersagten. Ist das jetzt nur bei mir so, oder finden sich viele gerade in diesem Buch wieder? Und wieso überhaupt, denn es geht ja um eine 1945 geborene Protagonistin im Westen, ich bin eine Generation jünger und in der DDR aufgewachsen? — Egal. Leseempfehlung jedenfalls; und: Herumsitzen und Löcher-in-die-Luft-starren kann auch äußerlich nichterkennbare Schwerstarbeit sein. Manchmal ist auch Atmen schon eine solche …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 2. Februar 2016 waren wundervolle Dialoge, eine unkomplizierte Hilfe, ein neuer USB-Hub (scheißteuer).
 
Tageskarte 2016-02-03: Die Vier der Stäbe.

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Nº 033 (2016): Voller Tag.

Hoffentlich die Ausnahme.

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Den Wecker hatte ich mir auf 5.30 Uhr gestellt, denn ich wollte den Bus um 7.00 Uhr nehmen. Damit wäre die Nacht schon kurz gewesen – aber wenn es meinem Körper wie gestern morgen einfällt, mich etwas zu ärgern, dann wird er eben einfach etwas früher wach. So viel füher, daß es deutlich an Schlaf fehlte, aber der Versuch weiterzuschlafen einfach in einer Katastrophe (verschlafen) geendet hätte. 4.45 Uhr. Gut. War ich eben früher wach. Nur nützte es nichts, denn ich sollte nüchtern bleiben, d. h. keinen Kaffee wegen der Blutdruckbeeinflussung, nichts Süßes, kein Essen, einfach nur Wasser bzw. ungesüßten Pfefferminztee. Wobei das Wasser auch in ausreichender Menge in mich hineinmußte, damit genügend Blut für ein großes Labor zapfbar blieb. Was ich gestern, noch immer nicht ganz wach, doch vergaß, war der zweite Bus. Um 7.00 Uhr fahren zwei Busse, eine 34 und eine 36, jeweils in die gleiche Richtung an der gleichen Haltestelle ab. Ich stieg – ich durfte ja keinen Kaffee trinken, nicht wahr – im Tran in den falschen. Okay, der fuhr ohne Umsteigen auch in die Richtung der Hausarztpraxis, so ungefähr. Mit dem anderen wäre ich einmal umgestiegen und vor der Haustür des Arztes ausgestiegen, mit dem von mir benutzten hatte ich eine ganze Strecke zu Fuß durch einen fiesen Nieselregen zu gehen. Danach war ich wach.

Mein Arzt freute sich, mich zu sehen. Wir scherzten und flapsten – geschmipft hat er trotzdem mit mir. Ohne Absprache die Diabetes-, Bluthochdruck- und Depressionsmedikamente einfach für mehrere Monate nicht nehmen … Blut wurde auch genommen, was allerdings dauerte, da ich, nein, da mein Körper mal wieder nichts hergeben wollte. Jedenfalls bin ich seit gestern wieder ein braver Patient und regelmäßig in der Sprechstunde meines Hausarztes. Um 9.30 Uhr fuhr ich mit dem Bus zurück nach Halle.   —   Apotheke. Post. Bank. Drogerie. Zuhause irgendwann kurz nach elf. Zeit, endlich etwas zu essen. Und so speiste ich bis zwölf Bemme, Brot und Schnitte dazu, trank etwa einen dreiviertel Liter Kaffee. Natürlich war ich zwischendurch auch wieder bei Twitter, sah nach Blogs, telefonierte – all das gegen meine sonstige Gewohnheit, neben dem Essen nichts anderes zu tun. Danach waren dran: Der Abwasch, das Pillenfach im Schrank, die zusammengelegte Wäsche. Etwa 15.30 Uhr kam ich zur lange geplanten, eine Woche überfälligen Reinigung des Vogelkäfigs, die immer mit einigem Staubwischen, hinundherräumen und Staubsaugen verbunden ist. Nach zwei Stunden war auch das erledigt und ich konnte mich dann auf den Weg machen, die vormittags nicht verfügbaren Medikamente aus der Apotheke abzuholen. Weil ich im Laufe des Tages feststellte, daß mir auch sonst das Eine oder Andere fehlte, war ich auch noch im Supermarkt.

Nach einem Abendessen gegen 20 Uhr (vorher gewogen: etwa 6 Kilo weniger als vor dem Zahnziehen und der OP und damit deutlich unterhalb des sonst üblichen Schwankungsbereiches) dann die üblichen Rituale. Schreiben in einer Kladde, Gedanken sortieren. Lesen, denn damit kann ich mich ein wenig beruhigen. Nebenbei wieder Twitter und all die anderen Dinge, die am Rechner tagtäglich geschehen und Zeit beanspruchen. Und telefonieren. Technik- und Sozialberatung, Smalltalk zur Aufrechterhaltung von Kontakten, Wichtiggespräche. Ich bemerkte deutlich, daß die seit gestern verfügbare echte Flatrate dringend notwendig war und ist. Spät am Abend, ab 21.30 Uhr etwa, kümmerte ich mich um diesen Text hier: Aufschreiben, abtippen, Fehler suchen, hochladen, zwischendurch wieder Telefon.

Jetzt ist Schluß. Es reicht. Möge morgen, also heute, weniger angefüllt sein.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 1. Februar 2016 waren der Arzbesuch, die Medikamente, die geschaffte Arbeit, die Gespräche und so vieles mehr.
 
Tageskarte 2016-02-02: Die Zwei der Kelche.

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Nº 032 (2016): Gipfelstrand.

Minuten nur

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Berge und Meerblick
Auf Bildern an den Wänden
Sand in meinem Schuh

Die Sehnsucht läßt Minuten
Mich seufzend davon träumen

Ein Tanka.

 

 

Und leider habe ich kein einziges Bild davon, das ich hier zeigen kann.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 31. Januar 2016 waren Ausschlafen, leckeres Essen, Erledigtes.
 
Tageskarte 2016-02-01: XX – Das Gericht.

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Nº 031 (2016): Verplempert.

Einen Tag lang »Nichts« getan

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Manchmal dauert das Ankommen zuhause länger, als mir lieb ist. Diesmal mußte ich sogar einen Umweg nehmen. Über zwei “verplemperte” Tage.

Hä?

Ganz plötzlich wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen am Donnerstag, mußte Bett und Schrank in nur wenigen Minuten räumen. Die allerallerallerbeste Freundin holte mich ab und brachte mich heim. Dort schaffte ich es, die Taschen auszupacken, mir einen Überblick über Fehlendes zu verschaffen. Dann lag ich mit Eisbeutel, den es den ganzen Vormittag nicht gab, eine Weile auf der Couch. Am Nachmittag war wiederum die allerallerallerbeste Freundin für mich da, fuhr mit mir zum Hausarzt (der leider erst am Montag wieder Sprechstunde haben wird), zur Apotheke. Auch neue Kühlgelkissen besorgte ich mir noch. Und dann? Duschen, essen, kühlen. Notwendig wäre so vieles gewesen, das ich einfach nicht schaffte. Am Entlassungstag sowieso nicht, doch auch nicht am Freitag oder Sonnabend, nein, ich konnte mich zur Hausarbeit nicht aufraffen. Den Freitag und den Sonnabend habe ich komplett verplempert (okay, einkaufen war ich).

Diese OP, über die ich hier schrieb, die hat doch mehr in mir getan. Mir gezeigt, wie schnell alle Pläne das Papier nicht mehr wert sein könnten, auf das ich sie schreibe. Irgendwie war ich an den Tod erinnert, an das Vergangene, an meine manchmal verzweifelten Lebensversuche. Nein, da war nichts, was ich hätte aufschreiben können. Da war nur der Wille, in Einnerungen zu weilen. Das aber ist bei mir zuhause wirklich einfach. Als bekennender Haufenbilder gebe ich zu: hier liegen mehrere Stapel/Haufen mit altem Papier jeglicher Couleur, meist bunt gemischt, oft viel zu groß und durch viel zu viel Unbedeutendes auf diese Übergröße gebracht. Also nahm ich mir am Freitag und Sonnabend je einen dieser Stapel vor.

Da saß ich. Jeden Schnipsel drehte ich um, jeden Brief sah ich mir an. Da waren Zeitungsseiten mit Artiklen, deren Information ich vielleicht einmal zu einem Blogtext hätte brauchen können. Doch was will ich heute mit vier Jahre alten Zeitungsseiten? Ab auf den Stapel Altpapier. Da waren Briefe, die mich schmerzlich an meine Vergangenheit erinnerten. Ab auf den Stapel Weiterbearbeiten. Ansichtskarten und Prospekte, mit denen sich nichts mehr verband: Altpapier. Fahrscheine, Eintrittskarten, Notizen: Je nachdem. Die Fahrscheine landten alle und die Eintrittskarten zu einem großen Teil im Altpapier. Die Notizen wurden überprüft: Bereits verwendete gingen zum Altpapier, nicht genutzte zur Weiterbearbeitung (ach so, Notizen sind Zettel, auf denen eindeutig Anfänge, Bruchstücke und anderes Material für die Verwendung im Schreiben zu finden sind). Und Schmierzettel fand ich, schon längst erledigte Mahnungen: Ab in den Beutel Schredder. Zwischendurch aß ich an beiden Tagen auch, trank Kaffee und viel, sehr viel Wasser (am Ende um die sieben bzw. vier Liter) und kühlte. Dann war ich wieder am Haufen. Manchmal brauchte ich Pausen und las und twitterte.

Die meiste Zeit verwandte ich sowohl am Freitag als auch am Sonnabend auf das Nachdenken: Welche Erinnerungen habe ich an dieses oder jenes Papier, was hatte ich damit vor und wann hatte sich das erledigt, brauch ich das wirklich oder will ich es nur aus … nur aus … nur “aus Gründen” aufheben? Was davon ist auch in Zukunft notwendig (“Gehaltsabrechnungen” vom BFD, alte, teilweise sehr alte Liebesbriefe, Visitenkarten, deren Daten ich noch benötigen werde)? Kann das weg (Zeitungsausriß von 2012, 2013er Werbung vom Energieversorger, Aufladebons für ein Prepaid-Telefon, das ich schon längst nicht mehr besitze)? Was mache ich mit den alten Vordrucken aus Zeiten meiner eingenen Freiberuflichkeit (zerschneiden und als Schmierzettel nutzen, was sonst)? Manche dieser Entscheidungen dauerte länger als nur fünf Minuten. Aber so, wie ich in der Klinik auch schon sehr in meiner (Beziehungs-)Vergangenheit unterwegs war, um den Mustern weiter nachzuforschen, so war ich es auch am Freitag und am Sonnabend zuhause, weil eben vieles von dem Papier mit meinen Beziehungen zu tun hatte! Am Abend jedenfalls, am späten Abend war jeweils ein Haufen komplett sortiert in Altpapier (75%), Schredder (10%), Schmierzettel (10%) und Weiterbearbeitung (ja, nur ein Zwanzigstel des Haufens, aber noch immer nicht so geordnet, daß das Zeug endgültig wegsortiert werden kann/ist).

 

So sieht es im Außen aus. Sieht es in mir auch so aus, daß 85% zum Altpapier bzw in den Schredder sollen oder gar müssen? Diese Gedanken kommen mir immer, wenn ich solche Arbeit erledigt habe und deren Ergebnis sehe. Bei den Prozenten mag ich mich irren, aber prinzipiell? Prinzipiell lasse ich wohl noch immer viel zu wenig vondannen ziehen; nein, nicht nur prizipiell. Merke ich gerade, während ich noch ganz verwundert darüber bin, daß ich mich durch den am Ende doch eher harmlosen Klinikaufenthalt so heftig “aus der Bahn werfen” ließ. Wieso? Weil ich dadurch an die Endlichkeit meines Seins erinnert wurde? An all das, was noch unsortiert und unerledigt herumliegt/-steht auf den Haufen, in den Schränken, in meinem Leben? Weil ich Angst davor habe, die Fehler aus der Vergangenheit treu und brav meinen Mustern gehorchend zu wiederholen?

Oh halt. Stop.

 

Aus den beiden Stapeln habe ich 85% für erledigt erklären können. Darauf will ich sehen, auf das Geschaffte, Erledigte, Überwundene. Nicht auf das Manko … — Hab ich gestern, also am Sonnabend, dann auch geschafft und weiter Papier sortiert. Mit Kühlbeutel.

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 30. Januar 2016 waren Klarheit, Wechsel der Blickrichtung, Vergangenheitsbewältigung.
 
Tageskarte 2016-01-31: Die Neun der Schwerter.

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Nº 030 (2016): Das kleine Herz bekommt Besuch.

Ein Märchen

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Eine Riesin trampelt um das kleine Herz herum. Sie berührt da ein Bild, dort ein Wort, hier eine Blume, da eine Frucht, dort einen Strauch. Sie greift den Rechen, fuchtelt mit dem Spaten durch die Luft und trötet schreckliche Töne auf der alten Gießkanne. Manchmal nimmt sie einen der herumliegenden Träume und bläst ihn auf, bis er platzt. Das kleine Herz sitzt auf der Bank in seinem Garten und zittert. Denn die Riesin ist nicht nur riesengroß, sondern sie wirft auch riesengroße Schatten. Und in denen wagen sich die Angsttrolle aus ihren Verstecken und geifern das kleine Herz an. Jetzt steht die Riesin vor dem kleinen Mutbäumchen und zieht an dessen Krone, als wolle sie es ausreißen. Da stürzt sich das kleine Herz dazwischen, umklammert das zarte Stämmchen, hält fest, so fest es nur kann. Und blickt der Riesin endlich ins Gesicht.

“Dummerchen”, sagt die Riesin, “ich tu Dir doch nichts.” Und wirklich, als sich das kleine Herz umsieht, ist alles im Garten noch so wie zuvor. “Aber von meinen Träumen hast Du ein paar platzen lassen!” “Das stimmt. Aber haben die Dir wirklich gefallen? Werden Dir die wirklich fehlen?” “Ich weiß nicht”, sagte das kleine Herz, “ich habe sie lange gepflegt. Vielleicht waren es gar nicht meine oder keine guten?” “Siehst Du”, erwiderte die Riesin, “und wenn Du genau hinsiehst, wirst Du ein paar neue Träume entdecken, die ich hie und da gepflanzt habe. Kümmere Dich um sie, damit sie wachsen und wahrwerden können.” Sie ließ das Mutbäumchen los, das durch ihr Ziehen bestimmt einige Meter gewachsen war und nun schon beinahe wie ein richtiger Baum aussah. Die Arme des kleinen Herzens reichten auch kaum noch um den Stamm herum, also ließ es den Baum los, sah der weggehenden Riesin hinterher und rief: “Danke! Ich weiß aber nichtmal Deinen Namen?”

Die Gestalt, die ständig größer zu werden schien, drehte sich um. “Du weißt es doch längst. Ich bin die Sehnsucht und werde Dich von nun an viel öfter besuchen.”

Und das kleine Herz steht in seinem Garten und weiß nicht, ob es sich freuen oder fürchten soll.

 

 

Viele Grüße auf das einsame Gehöft!

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 29. Januar 2016 waren die geschaffte Arbeit und die Phantasiereise.
 
Tageskarte 2016-01-30: Die Sechs der Münzen.

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Nº 029 (2016): Sinnvoll.

Sehr.

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Ich werde aufs Glück nichtmehr verzichten – nur aus Angst, es wieder zu verlieren.

 

 

Das ist ein Versprechen!

 

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Der Emil

P.S.: Positiv am 28. Januar 2016 war die Entlassung aus der Klinik und noch viel, viel mehr.
 
Tageskarte 2016-01-29: Die Königin der Münzen.

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Nº 028 (2016): Statt Reise.

Fremder Text, der meiner sein könnte

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Wenn Du mich mit Dein-meinen Gedanken in solch unendlich ferne Nähen katapultierst, dann … Dann kann auch ich nicht schlafen … Dann gehe ich aber jetzt trotzdem ins Bett, mich in Dich hineinträumen … In uns …

Danke an Uta für die Genehmigung, den Text hier zu veröffentlichen.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 27. Januar 2016 waren der Besuch hier, der die gewünschten Zettel mitbrachte, gute Gespräche, gute Nachrichten.
 
Tageskarte 2016-01-28: Das As der Stäbe.

Der Text ist urheberrechtlich geschützt. Weiterverbreitung bitte vorher bei Der Emil anfragen.

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Nº 027 (2016): S(i)t(u)ationsbericht.

Von Nichts zur Philosophie

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Alltag im Krankenhaus. Bei mir etwas aufgelockert durch das WWW, besonders durch Blogs und Twitter. Und durch das Nachlesen von “alten” Nachrichten, älteren Texten. Ich hätte mir … Nein, nachher frage ich die allerallerallerbeste Freundin, ob sie mir morgen, nein, das ist ja heute, aus meiner Wohnung die Ausdrucke der alten Fortsetzungsgeschichten herbringt (auf dem Schreibtisch, die zusammengehefteten A4-Blätter rechts neben dem Monitor, oben auf dem Stapel auf den beiden Stapelschütten, direkt unter der Plasteabdeckung der Bluetooth-Tastatur gleich hinter der Mikrowelle). Dann kann ich den Leerlauf, der beim stationären Verweilen zur Wundheilung und Klärung von Unklarheiten entsteht, vielleicht etwas besser füllen.

Außer regelmäßigem Fieber- und Blutdruckmessen, ständigem Kühlen des Schlachtfeldes (boah, sooooooo kalt ∗3 mm zwischen Daumen und Zeigefinger zeigen∗ ist das), um das ich mich selbst bemühen muß, geschieht mit mir: nichts. Ich warte im Bett in seitlich halbliegender Position, daß der Tag endet. Nein, bei aufgestelltem Kopfteil im Bett “sitzen”, das ist eine der unbequemsten Körperhaltungen, die ich kenne. Am Ende dieses Dienstags knie ich auf dem Bett vor dem Rechner und tippe meinen Text ab. Und seit dem Nachmittag weiß ich bereits, daß ich höchstwahrscheinlich bis Sonnabend bleiben muß und ein Katheter, wie er mir vorgeschlagen wurde, nicht wirklich zu meiner Gesundung beitrüge und deshalb auch nicht zum Einsatz kommt.

Nein, normal auf einem Stuhl am Tisch sitzen ist momentan noch unbequemer. Aber mir tun durch die hauptsächlich von mir eingenommenen Lagen doch die Schultern weh. Und in der Nacht kann ich meine Lieblingsschlafstellung auch nicht so recht finden, da noch immer eine Schwellung vorhanden ist und ein Geschirr … Ach! Gönnt den Regisseuren, Kameraleuten, Schauspielern, Beleuchtern, Ausstattern, Tonleuten und Cuttern (bewußt alles männlich) eures Kopfkinos ein weiteres Mal freie Entfaltung der Kreativität.

 

Das oben ist tatsächlich Jammern auf hohem Niveau. Es geht mir den Umständen entsprechend gut, ich habe kaum Schmerzen, ich behalte keine dauerhaften psychischen Schäden – körperliche wurden mit der OP ja ausgeschlossen. Ich hätte Zeit, weiter über Muster und Ähnliches nachzudenken, vermeide aber die Beschäftigung mit der Vergangenheit. Stattdessen phantasiere ich von der (vorerst) ausgefallenen Zukunft, zu der mir so viele Startparameter fehlen. Das ist mir egal! Ich versuche, nicht zu idealisieren, nicht zu überhöhen und trotz allem davon zu träumen und daran zu glauben. Und vor allem: nicht zu zweifeln.

Mir wird dabei ganz, ganz sehr viel der allerbesten Hilfe geschenkt.

Danke. Allen, die an mich denken, mit mir leiden, mir gute Besserung wünschen, mich zum Lachen bringen und meine Launen ertragen.

Danke (                 ).

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 26. Januar 2016 waren die Schmerzfreiheit, das Verständnis und die Gespräche.
 
Tageskarte 2016-01-27: Der Bube der Stäbe.

P.P.S.: Daß sowohl vorgestern (richtig) als auch gestern (falsch, das hätte 026 sein müssen) Nº 025 waren, fiel und fällt niemandem auf. So.

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Nº 025 (2016): Kronjuwelenproblem.

Einmal zur Notoperation, bitte

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Am Montag Morgen war ich beim Zahnarzt; freiwillig, und ohne ganz akute Schmerzen. Der hat es geschafft, den einen Zahn zu ziehen, der ein klein wenig muckerte. Am Freitag hatte ich schon ein wirklich sehr gut verlaufendes Vorgespräch mit dem Herrn, und daher auch das anxiolytische und eine anterograde Amnesie verursachende Medikament Dormicum intus. Schmerzfrei, angstfrei und wirklich gut vorbereitet und schnell.

Den Rest des Montags wollte ich verschlafen.

Ging nicht ganz, weil Menschen, die wußten, daß ich beim Zahnarzt war, wissen wollten, wie es mir geht.

Gegen 14 Uhr allerdings war etwas anders. Etwas tat weh. Männer, hört lieber auf mitzulesen! Wie erkläre ich das jetzt … Ohne zotig zu werden.

Die linke meiner Kronjuwelen schmerzte. Wie nach einem Tritt oder heftigen Stoß, bis hoch rauf in die Leiste. Okay, zunächst versuchte ich als Mann, den Schmerz wegzuignorieren, was in Männerkreisen ja als übliche und erfolgreiche Heilmethode gilt. Das funktionierte aber nicht. Denn: Es wurde nicht weniger Schmerz. Berührung, Bewegung – Schmerz. Kein Vernichtungsschmerz, nein, nur Schmerz. Außerdem nahm ich eine Lageveränderung gegenüber dem Normalzustand und der rechten meiner Kronjuwelen wahr sowie eine Vergrößerung des Volumens.

Zack, sprang die alte Heilpraktikermaschine an: Unbedingt zum Arzt schicken bei diesen Symptomen, könnte Hodentorsion sein!

Ja, wenn diese Lageveränderung, der Schmerz beim Anheben (der wohl doch “nur” Berührungsschmerz war) und die Schwellung nicht gewesen wären … Die allerallerallerbeste Freundin fuhr mich zur Notaufnahme des hiesigen Universitätsklinikums. Es kam, wie’s kommen mußte: Stationäre Aufnahme, 22.30 schon OP (was das wie gemacht wird lest euch bitte selbst aus dem Netz). Kurz nach Mitternacht zurück auf Station, schnell per Twitter eine Verlautbarung hinterlassen.

Und nun? Eine Torsion war es nicht, aber es war da etwas, was nicht da sein durfte (kein Krebs!). Links ist außerdem alles heftig entzündet.

Jetzt ist Dienstag. Irgendwann gibt es Frühstück und ich gehe eine rauchen. Nachher nochmal zum Ultraschall. (Nein, der Ultaschall war gerade hier. Und ich habe auch endlich seit gestern früh wieder etwas essen können.)

Nun noch herausfinden, wie lange ich hierbleiben soll. Hoffentlich nicht lange.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 25. Januar 2016 war die schmerzfreie Behandlung beim Zahnarzt, die übestandene Kronjuwelenoperation.
 
Tageskarte 2016-01-26: Die Zwei der Stäbe.

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Nº 025 (2016): Muster.

Nur ein Grund meiner Aufregung.

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Es geht mir gerade ein wenig … Ich bin angespannt, sehr. Das liegt zum einen an (latenten) Schmerzen unter anderem links an den Rippen, da bin ich wohl im heftig bremsenden Bus am Entwerter angestoßen. Zum anderen passiert gerade viel bei mir, verdammt viel. Innen. Und Außen. Ich habe ein Muster entdeckt, das meine Beziehungen bestimmt(e), meine Beziehungen zu Frauen. Es sind sogar zwei Muster! Jaaaaaahaaaaaa, genau so hab ich auch aus der Wäsche geschaut! Ziemlich bedröppelt nämlich. Und wahrscheinlich ist eines von beiden auch der Auslöser für eine andere Katastrophe in meinem Leben gewesen. Das andere ist ewiges Hoffen. Selbst wenn ich irgendwie bemerke, daß da etwas im Argen liegt, die Beziehung nicht mehr das ist, was sie für mich sein soll, nicht mehr so ist, wie sie für mich sein soll, wie ich mir das für eine Beziehung – wie soll ich das nur ausdrücken? –, selbst dann hoffe ich noch, daß das nur eine Phase, vorübergehend, nicht wirklich schlimm ist. Dann tu ich und mach ich und vor allem verschließe ich Augen und Ohren vor den Veränderungen.

Angestoßen wurde die Musterfinderei durch die Bücher über die Funkstille. Weil ich sehr intensiv über meinen Grund für meine Funkstille und Flucht nachdachte, nach ihm suchte. Mich endlich selbst begreifen und/oder verstehen wollte und will. Und dann sah ich irgendwo noch eine Dokumentation über eine der meinen sehr ähnlichen Vergangenheit. Da. Da war was. Und Texte über eine schwierige Beziehung zur Mutter (und zum Vater) las ich in einem Blog, und in Ulla Hahns “Das verborgene Wort” (Du hattest damit so sehr Recht). Ja, auch da war was, heftig sogar schon am Anfang des Buches. So sah ich plötzlich wieder, was ich damals als Kind/Jugendlicher/junger Mann und in fast jeder scheiternden Beziehung sah. Was ich im Moment des Entschlusses zur Flucht mir zum Gehörten sehr deutlich vorstellen konnte. Wie soll ich das jetzt hier besser erklären, ohne Roß und Reiter zu nennen? Der Ausdruck bestimmter Emotionen und der Umgang miteinander, diese beiden Dinge kamen zusammen und ich ging.

Plötzlich stand diese Erklärung vor mir (von der ich aber überhaupt nicht weiß, ob es die Erklärung ist).

So richtig zufrieden bin ich mit meinen Denkprozessen und Entwicklungsschritten aber nicht. Kann das nicht alles etwas wohldosierter kommen, eines nach dem anderen, peu à peu? Es gibt da ja auch noch eine andere Seite meiner Aufregung …

 

Während der Denkerei habe ich in einer Woche etwa 30 von diesen ungefähr streichholzschachtelgroßen Bildchen gemalt, surreale, nicht-gegenständliche. Das oben gezeigte ist eines davon. Wo ich doch so überhaupt nicht zeichnen kann. Wie das mit der Zeichnerei weitergeht, wenn ich mir auch meine Stricheleikladde neben die Schlafstatt lege?

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 24. Januar 2016 waren der ruhige Morgen, hocherfreuliche Post am Abend.
 
Tageskarte 2016-01-25: X – Das Rad des Schicksals.

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Nº 024 (2016): Der Sinn einer Silvesterrakete.

………

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Eine Silvesterrakete in die Mittagssonne aufsteigen lassen: wie sinnlos!

Aber wie glücklich es mich macht …

 

 

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 23. Januar 2016 waren ein sortierter Haufen, ein ausgesprochener Verdacht.
 
Tageskarte 2016-01-24: Der König der Stäbe.

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Nº 023 (2016): An Zartheit kaum zu übertreffen.

Aussterbende Schönheit

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Eisblumen an einem Buswartehäuschen

Eisblumen an einem Buswartehäuschen

 

 

Ein warmer Atemhauch reicht aus
Ein Loch in sie hineinzuschmelzen
So zart und vergänglich blühen Eisblumen

Ein 28er nach Helmut Maier.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 22. Januar 2016 war der Besuch beim Zahnarzt (und ich habe immer Panik davor und dabei).
 
Tageskarte 2016-01-23: Die Zwei der Schwerter.

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