Superlativitis (Nº 13 #oneaday)

Jahrhundertereignisse

Boah! Was mir diese Superlativitis in den Nachrichten auf den Geist geht!

Ja, wir hatten 2010 einen Winter, der mit Schnee bis zum Frühjahr dauerte. Und Ende November, ziemlich pünktlich zum Anfang des Winters, gab es schonwieder Schnee, der dann auch zu Weihnachten noch auf der Erde lag! Ein Jahrhundertwinter! Zum zweiten Mal in diesem Jahr!

Vor dreißig Jahren funktionierte trotz Schnee und Frost und Eis noch (fast) alles. Sogar in dem angeblich in den Ruin gewirtschafteten Land, das DDR genannt wurde.

Und das mit Dingen, die vom heutigen Stand der Technik scheinbar noch Jahrtausende entfernt waren. Heute machen all diese hochtechnisierten und automatisierten Züge / Straßenbahnen / Autos etc. etc. pp. bei drei Flocken schwach schlapp …

Was schlußfolgere ich daraus? Das bei diesem Fortschritt irgendwas schiefgegangen ist.

Und weil es 2010 heftig regnete, gab es an manchen Flüssen Hochwasser. Ah! Eine Jahrhundertflut! Hallo? Die Häuser stehen teilweise schon mehrere hundert Jahre an Flußufern. Und in manchen Gegenden wurde eben nicht gebaut, weil dort öfter mal Hochwasser war.

Und trotzdem gab es vor dreißig Jahren nicht solches Kasperletheater. Man hat versucht, das Eindringen des Wassers mit Sandsäcken etc. zu verhindern. Falls das nicht fruchtete, wurde geschöpft und / oder gepumpt.

Jetzt hat es getaut und es regnet noch dazu. Also haben wir zum Jahresanfang 2011 wieder ein Hochwasser. Und wieder bricht in manchen Gegenden alles zusammen. Es muß ja auch in vielen Überflutungsgebieten gebaut werden … Eine Jahrhundertflut – zum zweiten Mal in zwei aufeinanderfolgenden Jahren!

Was schlußfolgere ich daraus? Auch dort ging irgendetwas in die Hose.

Aber irgendwie scheint mittlerweile alle zwei oder drei Jahre ein neues Jahrhundert zu beginnen?

Wenn wir im Sommer dann mehr als 30 echte Sommertage haben werden: Ist das dann ein Jahrhundertsommer? Was ist an den Jahreszeiten, die sich immernoch im Rahmen ihrer normalen Schwankungen entwickeln, so jahrhundertmäßig?

Ich werde mich bemühen, Ereignisse, die in dieser Form vor 30 Jahren noch normal waren, auch weiterhin als normal anzusehen und zu bezeichnen.

Ich fordere: Schluß mit der Superlativitis! Laßt normalem Wetter seine Normalität. Und gebt dem Leben etwas zurück, was ihm vor lauter Fortschritt verlorengegenen zu sein scheint: Seine Normalität.

Der Verfasser des Blogs schleicht ganz normal davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil

013 / 365 – One post a day

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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5 Antworten zu Superlativitis (Nº 13 #oneaday)

  1. christA schreibt:

    Nun, dass sich das Klima irgendwie verändert, weil wir Menschen Umweltschweine sind, brauchen wir gar nicht zu streiten, oder? – Über „bei drei Flocken schlapp“ – (Verzeihung!) „schwach – machen“, mußte ich laut lachen. – Und irgendwie musste ich dran denken, dass ich als Kind völlig bedenkenlos mit dem Finger den Schaum der per Hand frisch gemolkenen Milch aus dem Filter über der Milchkanne schleckte… – Das hat jetzt zwar mit dem Wetter nichts zu tun aber irgendwie doch…

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  2. frizztext schreibt:

    schöne Grüße von

    Flood Victim

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  3. Follygirl schreibt:

    Ja, da ist viel Wahres dran…
    LG, Petra

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  4. Die Hellwache schreibt:

    Lieber Emil ! Unglaublich, in diesem „Jahrhundert-Winter“ waren es Heute 9 Grad + vor meiner Haustür ;-) ! Und nein, ich lasse mich jetzt nicht darüber aus, das es eigentlich zu warm für Mitte Januar war. Vor fast 30 jahre gab es auch bei mir ein Hochwasser in dessen Fluten es sogar Todesopfer gab (nun ja, ;-) ein Hund ). ich glaube, da gab es nur ein kleines Artikelchen im örtlichen Lokalanzeiger … obwohl es einiges an Schäden an und in Häusern gab. Ich denke, unsere Medien erliegen der Sensationsgier, quasi einer JAHUNDERTGROSSEN !!! Danke mal wieder für Deinen „unaufgeregten“ Blog! LG :-)

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