Noch 'ne Sucht (Nº 63 #oneaday)

Überbewertet: Sehnsucht.

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Gestern vormittag stolperte ich darüber, über dieses «überbewertet».

Wenn ich jemandem zum Geburtstag gratuliere, dann wünsche ich immer auch, daß sich einer der Wünsche des zu Beglückwünschenden nicht erfüllen möge: Damit ihm auch die Sehnsucht bleibt.

Und diesmal bekam ich zur Antwort: «Sehnsucht ist überbewertet.»

Ich dachte eine Weile darüber nach und muß doch widersprechen. Eine der wenigen Sachen, die nicht überbewertet werden können, ist, glaube ich, die Sehnsucht

Wenn ich wirklich wunschlos glücklich wäre, wenn also alle meine Wünsche erfüllt sind, bin ich dann wirklich glücklich? Oder kommen dann doch wieder Wünsche dazu? Es wird diesen "wunschlos-glücklich"-Zustand wohl nicht geben, oder doch?

Kann ich wunschlos und glücklich sein?

Wenn alle materiellen Wünsche erfüllt sind, kommt dann nicht der Wunsch nach Anerkennung und Liebe? Und wenn ich das auch noch habe, kommt dann nicht der nächste Wunsch um die Ecke? Vielleicht nur eine klitzekleine, ganz unspezifische Unzufriedenheit, ein Wunsch nach nichts genau Festgelegtem – eine Sehnsucht – die das Glück stört oder erst vollkommen macht?

Nebenbei habe ich heute bei einer Bekannten im Blog gelesen. Sie fragte ursprünglich «Soll ich …» und schrieb in diesem Artikel auch über ihre Freiheit.

 
Ich habe was zu verlieren, mein Leben, mich selbst und vor allem meine Freiheit.
 
Und frei will ich bleiben, unbedingt, auf biegen und brechen, denn worauf ich vielmehr stehe, sind Werte und Menschlichkeit. Ja, ich gebe es zu, ich stehe auf Moral und ich habe mir einen Begriff davon gemacht, was das bedeutet, auf Moral und Ethik zu stehen. Ich habe sogar Prinzipien, man mags kaum glauben. Eine davon lautet: Handle immer so, dass du dich abends noch im Spiegel anschauen kannst. Auch wenn das manchmal schwer war, hat es meistens ganz gut geklappt und die Male, bei denen das nicht so geklappt hat, haben mich in diesem Prinzip und meiner Art zu denken eher bestärkt.
 
Also, ich will frei bleiben, unbedingt, ich will mich im Spiegel anschauen können.

Mit vorzüglichem Dank an Helena, die Autorin von werkstattwort.
 

Bleibt nicht in jedem Menschen der Wunsch, die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit?

Oder gibt es jemanden, der nicht frei und unabhängig zu sein wünscht?

«Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.» schrieb einst Marie von Ebner-Eschenbach.

Vielleicht sind wir alle noch zu sehr Sklaven. Aber in mir ist die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit. Und sie ist so groß, daß sie mich im Leben leitet.

Irgendwo hab ich mal geschrieben, daß ich am Ende meines Lebens "zufrieden" sein möchte. Das ist nicht wunschlos glücklich, denn es beinhaltet Sehnsucht. Die nach Freiheit, Unabhängigkeit und Glück.

Wie denkt ihr darüber, meine lieben Leser?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

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Über Der Emil

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8 Antworten zu Noch 'ne Sucht (Nº 63 #oneaday)

  1. Angie schreibt:

    Dazu zu sagen das ist überbewertet kann ich auch nicht so recht nachvollziehen. Wunschlos glücklich *grübel*, das kann ich mir gar nicht denken. Ich habe doch immer Angst etwas passiert, da habe ich die Sehnsucht, dass nichts passiert. Ich wünsche mir etwas für die Zukunft der Kinder, da hat man doch auch immer eine Sehnsucht, dass es ihnen gut geht. Oder setze ich da jetzt das falsche Wort ein *grübel*!? Nein ich finde das ist eine Sehnsucht. Frei bleiben, gesund bleiben oder werden, Gesundheit für die Lieben, das ist doch alles eine Sehnsucht, oder?
    Liebe Grüße
    Angie

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    • der_emil schreibt:

      Deshalb bin ich ja drüber gestolpert. Und der Helena-Blog paßte dann auch noch dazu …

      Nein, wunschlos mag ja gehen, aber dann bin ich mit Sicherheit nicht glücklich. Und wenn ich glücklich bin, dann bin ich mit Sicherheit nicht wunschlos.

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  2. fudelchen schreibt:

    Die Frage hast du ja schon sehr gut beantwortet…ist schon nicht einfach mit den Wünschen und Sehnsüchten, obwohl in Sehnsucht steckt auch „Sucht“

    Herzlichst ♥ Marianne

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  3. frizztext schreibt:

    die Sehnsucht ist keine Sucht, sondern eine Vernunft, die sich äußert – und vielleicht auch manchmal Wege zur Verwirklichung findet …

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  4. frizztext schreibt:

    vielen Dank, Emil, du hast mich mal wieder zu einem Artikel inspiriert:

    HOPE is no addiction but reason


    ich habe dort auch deine Seite verlinkt.

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  5. Helena schreibt:

    Lieber Emil,

    vielen Dank für deine Kommentare auf meinem Blog und ich freue mich sehr, dich inspiriert zu haben.

    Ich glaube ja, es liegt in der Natur des Mensch-Seins immer wieder auf’s Neue zu wünschen, selbst wenn der letzte große Wunsch erfüllt wurde oder ist, kommt schon bald ein neuer um die Ecke geschlichen. Es ist wohl auch die Sehnsucht nach der Sehnsucht selbst… zu wünschen…

    Grüße
    Helena

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