Internächte (Nº 360 #oneaday)

Von der Christnacht bis Epiphanias

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Hier in Halle (Saale) gibt es nicht viele Menschen, die mit den Begriffen «Internächte», «Die Zwölfe», «Rauhnächte» oder «Zwischennächte» etwas anfangen können. Dabei sind immer die zwölf Tage und Nächte gemeint, die auf den Heiligen Abend folgen. Im Erzgebirge (ich kann ja nur von dem reden) aber sind sie noch bekannt, zumindest bei den älteren Menschen.

Jeder dieser Tage, jede Nacht steht dabei für einen Monat des neuen Jahres. Aus den Träumen und dem Wetter soll man erkennen können, was in den zwölf Monaten geschehen wird und wie das Wetter wird. Niemand weiß wirklich, woher dieser Aberglaube kommt: Vielleicht spielt eine Rolle, daß der Jahresbeginn früher am 6. Januar begangen wurde? Oder daß vom 25. Dezember bis zum 6. Januar der Bergbau zumeist ruhte?

Es gibt im Erzgebirge ziemlich sonderbare Regeln für diese Zeit. So darf keine Bettwäsche oder weiße Wäsche gewaschen werden. Auf dem Dachboden und draußen darf auch keine Wäsche hängenbleiben, damit in der Silvesternacht die Engel dort tanzen können. Überhaupt soll keine Wäsche aufgehängt werden. Ein großes Unglück wird im dazugehörenden Monat denjenigen ereilen, der in dieser Zeit Porzellan zerschlägt.

Nicht gesponnen werden darf in dieser Zeit mit den Spinnrädern. Die Wagen der Bauern dürfen nicht bewegt werden. Früher wurde in dieser Zeit kein Rock genäht und – trotz aller Not – auch kein Brot gebacken. Alles wurde vorher besorgt. Töpfe und Kannen wurden randvoll mit Wasser gefüllt, weil selbst der Gang zum Brunnen unterbleiben sollte. Und wehe dem, der Wasser verschüttete: Der würde im neuen Jahr im dazugehörigen Monat viele Tränen vergießen.

Oft wurden Fenster und Türen fest verschlossen, damit Hexen und böse Geister nicht ins Haus kommen. Allerdings muß die Hintertür offenbleiben, denn durch diese kommt der Segen ins Haus. Alle zwölf Tage und Nächte wurde im Haus peinlichst auf Ordung und Sauberkeit geachtet, denn dort, wo es schmutzig und unsauber ist, können sich Kobolde, Zwerge und Ungeziefer einnisten.

Für die Tiere im Stall allerdings waren die Internächte eine Zeit, in der sie reichlich Futter, die sogenannten «Maulgaben» bekamen. Und auf den Feldern streuten die Bauern Stroh aus, was für reiche Ernten sorgen sollte.

Von den heidnischen Vorhersagebräuchen haben sich nur drei erhalten. Zum einen die oben schon angesprochene Gleichsetzung der zwölf Tage mit den Monaten, als zweites das Bleigießen in der Silvesternacht und drittens der Blick in den Brunnen oder ein anderes stehendes Gewässer, der einem die Zukunft zeigen soll.

Ziemlich kompliziert scheint es mir gewesen zu sein, all diese Regeln zu befolgen. Heute scheint es sogar oft unmöglich zu sein – oder haben so viele Menschen noch eine Hintertür, die sie offenlassen können?

Merkt euch eure Träume und achtet auf das Wetter, vielleicht ist an den Mythen ja doch etwas dran …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 25. Dezember 2011 war das Gefühl einer tiefen Zufriedenheit in mir und die Hoffnung/Gewißheit, zum Beginn des Jahres 2012 meine Familie zu besuchen.

© 2011 – Der Emil. Dieser Text steht unter einer creative common license für Deutschland 3.0
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Über Der Emil

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9 Antworten zu Internächte (Nº 360 #oneaday)

  1. Inch schreibt:

    Ah, interessant. Danke für den Einblick dieser alten Bräuche. Davon wusste ich nichts. Schön, dass ich wieder was dazu gelernt habe.
    Einen schönen 2. Weihnachtstag wünsche ich noch

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  2. anniefee schreibt:

    Will man denn alles vorhersehen ?
    – also ich möchte lieber nicht schon ahnen, was vielleicht im März passiert.
    Davon abgesehen erübrigen sich ja viele Verbote im Plattenbaugebiet. Zum Beispiel die Wäsche würde ich eh nicht draußen aufhängen, also kann sich auch kein wilder Reiter drin verheddern ;-)

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  3. Follygirl schreibt:

    Finde ich auch interessant, doch ganz ehrlich..ich beachte das eigentlicht nie.
    Wünsche Dir einen gemütlichen zweiten Weihnachtstag! Petra

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  4. sucherin schreibt:

    Das mit den alten Bräuchen finde ich sehr interessant. Übrigens kann ich mich noch erinnern, dass meine Großmutter immer gesagt hat, zwischen Weihnachten und Neujahr darf keine Wäsche gewaschen werden (ähnlich wie der von Dir angesprochene Brauch mit der weißen Wäsche), da das Unglück bringe. Immer wenn ich zwischen Weihnachten und Neujahr wasche, muss ich an den alten Spruch aus Bremen denken. Viele Grüße

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  5. Gudrun schreibt:

    Diese Bräuche waren bei uns zu Hause noch angesagt. So weit weg von deinem Erzgebirge wohnte ich nicht. Vielleicht lag es aber auch an der besonderen Geschichte unserer Familie.
    Schön, dass du die Bräuche aufschreibst. So bleibt das Wenige, was noch ist, erhalten.

    Liebe Grüße von der Gudrun

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  6. Veit Keller schreibt:

    Meine Mutter schockierte uns auch mit dieser Weisheit von den Raunächten. Meinte aber das die Stimmung an diesen Tagen das entscheidende ist. Sie kannte es von ihrer großmutter in Gotha.
    Keine Wäsche zu waschen und nicht Lüften zu dürfen… da sag ich für mich – lieber nicht!

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  7. Chaoskatze schreibt:

    Ich kannte das auch nicht… Bin mir allerdings auch nicht so sicher, ob ich auf meine Träume achten sollte, die sind meistens sehr phantasievoll… ^^

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  8. Medienkanzler schreibt:

    Danke, lieber Emil, für diesen weiteren Einblick in das Brauchtum des Erzgebirges. Sehr aufschlussreich!

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  9. kreadiv schreibt:

    Danke, jetzt weiß ich es wieder genau, hatte es nur noch in etwa im Kopf.

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