Und es ward dunkel (#151)

Alptraum – oder?

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Ein Versuch im Écriture automatique mittels Clustering (zugrunde liegt ein Alptraum). Sinnentstellende Anführungszeichen wurden entfernt.
 

 

Neben Dir im Bett liegen. Das war einmal ein Traum, heute ist es nur noch Gewohnheit. Einmal zuviel weggestoßen, einmal zu oft hast Du den Kontakt zu mir vermieden, “um mir nicht wehzutun”. Aber das war doch das Einzige, mit dem Du mir wehtun konntest. Das Einzige …

Nebeneinander liegen wir im Bett, wie zwei Steine in einer Ackerfurche. Da ist nichts mehr zwischen uns. Auch nicht mehr Deine kleine Geste, mich in die Hand zu nehmen, wenn wir einschlafen wollen. Nichts mehr. Nur noch das Lauschen auf Deine Atemzüge: Bist Du endlich eingeschlafen? Und wenn Du dann endlich schläfst, beginne ich mit meinem Monolog der Unzufriedenheit, der Lust- und Hoffnungslosigkeit. Des Lebens müde bin ich, mindestend des Lebens mit Dir, neben Dir, denn “mit” ist es schon lang nichtmehr.

“Ich bin es leid. Dieses in einer Wohnung leben und doch nicht gemeinsam, sondern gegeneinander … Bald bin ich fünfzig. Fett und unansehnlich bin ich heute schon. Spaß? Mit Dir? Nein, es ist alles verbittert und vertrocknet. Wo ist unsere Liebe hin? Vom Alltag aufgefressen. Lochfraß der Realität …” Ich halte inne, denn Du bewegst Dich im Schlaf.

“Und müde bin ich vom ständigen Kampf gegen Dein «aber ich muß noch dieses und jenes». Gegen das Alles-auf-einmal-erledigen-Müssen. Keine Zeit mehr für uns beide. Ständig der Streit um Kleinigkeiten und: ums Geld. Weißt Du eigentlich, daß ich eine Lebensversicherung habe, die auch im Suizidfall zahlt? Mit Geld kannst Du mit Kindern besser leben als mit mir, der ich immer auch noch Ansprüche an Dich stelle.” Wieder bewegst Du Dich. Deine Hand greift nach mir, findet mich und hält mich sanft gepackt.

“Morgen früh, noch bevor ihr alle wach seid, werde ich gehen. Einfach weggehen und von der Brücke springen. Du weißt, daß ich nicht gerne darüber fahre, weil meine Höhenangst eben doch noch nicht ganz weg ist. Aber ich tu es für euch, für eure Zukunft, und für mich alten Egoisten. Und weil ich so nicht mehr leben will. Leb wohl, Schatz. Ich kann nicht mehr. Es ist für mich endgültig vorbei.”

Erst jetzt merke ich, daß Du überhaupt nicht schläfst, sondern die ganze Zeit zugehört hast. Deine Schultern, Dein ganzer Leib zuckt schluchzend, als Du sagst: “Aber vorher küß mich nocheinmal.” Und ich küsse Dich – wir küssen uns – Du küßt mich.

Dann saugst Du mir den letzten Atem aus meinem Leib. Und während ich um mich schlagend nach Luft ringe und mich wieder nicht von Dir befreien kann, ward es vollkommen dunkel um mich herum.

Der kleine Tod. Herzstillstand für eine kleine Ewigkeit.

 
 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen seiner dunklen Phantasie.

P.S.: Positiv am 29. Mai 2012 war der Fortschritt beim Schnitt der Interviews.

© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können in meinem Blog erfragt werden.

151 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 522 words)

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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16 Antworten zu Und es ward dunkel (#151)

  1. colorsigns schreibt:

    ich umarme dich von irgendwoher kommen solche Gedanken, solche Worte entspringen nicht aus Nirgendwo , auch nicht aus Träumen, es ist wie trostlose Traurigkeit.
    aufgebahrt zwischen dem eintönigen Trott des Lebens , preisgegeben dem Lachen und Weinen der klatschenden Augen beim Durchblick durch die Sätze, ein Sternchen ja, unsichtbar von mir und einen Mond dazu erstarrt und voll Sorge , pass auf dich auf bitte,
    leise Christin

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    • der_emil schreibt:

      Oh Christin, Das hat wirklich nur wenig bis garnichts mit der Realität zu tun. Ein Traum, der mich weckte, dessen drei wichtigste Elemenze ich notierte. Nach dem Aufstehen Stunden später wurde das daraus.

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  2. wildgans schreibt:

    Man sitzt ratlos, überlegt sich mögliche Kommentare. Mir fallen nur unmögliche ein. Die will ich nicht schreiben. So wie ich das auch nicht gerne gelesen habe. Erschüttert.
    Sonja

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  3. Amelie schreibt:

    Ich will dich einmal noch lieben
    wie beim allerersten Mal.
    Will dich einmal noch küssen
    in deinen offenen Haaren.
    Ich will einmal noch schlafen
    schlafen bei dir
    dir einmal noch nah sein
    bevor ich dich
    für immer verlier.

    Mut zu melancholischen Gedanken
    Hier in Gänze zum Reinhören

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  4. M. schreibt:

    Träume entspringen ganz im Innersten unseren ureigensten Gedanken am Tag.
    Bitte achte auf deine Gedanken am Tag. Ich mag jetzt gar nicht weiterdenken. Mandy

    Das Video ist der Hammer und ich speicher mir das jetzt ab. Hammer Song!

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  5. minibares schreibt:

    Spannend geschrieben.
    Gut, dass es doch nicht sooo einfach ist, aus dem Leben zu scheiden.
    Solche Gedanken beschäftigen dich also auch tags, in etwa wenigstens….
    Schau auf die schönen Dinge…

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    • der_emil schreibt:

      Besten Dank für das „spannend geschrieben“.

      Es heißt doch immer, im Traum wird verarbeitet, was einen im Leben wirklich beschäftigt – oder so ähnlich. Ich habe hier nur einen Traum verwurstet in einem Text, habe mein Hirn, mein Unbewußtes/Unterbewußtes machen lassen, ohne großartig regulierend einzugreifen.

      Und als ich nach ein paar Minuten das Blatt ziemlich vollgeritzelt hatte, sah ich, was womit verbunden schien und wie der Text „funktioniert“, oder wie das Gekritzel als Text funktioniert.

      Aber so ganz gefällt mir das Clustering nicht, es wird wohl eine Technik bleiben, die ich nicht oft benutze.

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  6. Herbstbaum schreibt:

    Ich habe mich auch erstmal mit einem Kommentar zurückgehalten, da ich das Gelesene nicht einordnen konnte.
    „Fragezeichen“ erlebt – erdacht? Konnte ich unten beantwortet finden.
    „Oder“ bleibt für mich immer noch stehen. punkt punkt p. . . . –> ich habe eine Ergänzung,
    Du wirst deine eigene, andere haben.
    „Alptraum“ ja.

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    • der_emil schreibt:

      Nun hast Du ja gelesen, daß ich in diesem Text einen Traumn verarbeitet habe.

      „punkt punkt p. . . . –> ich habe eine Ergänzung, Du wirst deine eigene, andere haben.$

      Das verstehe ich grad nicht, steh auf der Leitung: Ergänzug wozu?

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  7. Herbstbaum schreibt:

    Du stehst zurecht auf dem Schlauch. Ich habe bei meinem Lesen Auslassungspunkte hinter dem ODER gesehen, die du gar nicht gesetzt hast. :) Jetzt sehe ich, daß da gar kein Raum ist zwischen dem oder und dem Fragezeichen. Das Oder oben fragt nicht nach näherer Bestimmung. Nichts für ungut – ich ziehe alles zurück :)
    Liebe Grüsse

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  8. Gudrun schreibt:

    Weißt du, lieber Emil, du schreibst manchmal so unglaublich traurig. Und manchmal möchte ich dir etwas sonniges Gemüt abgeben. Du schreibst, dass du nur einen Traum verarbeitet hast. Ich habe das wohl gelesen. Trotzdem, es ist und bleibt düster.
    Eine nahe Verwandte hat früher immer Gedichte geschrieben. Alles an ihnen stimmte, technisch, aber sie waren genau so traurig. Als ich sie jetzt nochmal lesen wollte, hat sie mir das verweigert.
    Damals haben sie uns geholfen, über Themen zu reden, die sonst lieber weggelassen werden. Es waren ja nur Gedichte.

    Liebe Grüße
    (die nahe Verwandte studiert ab Herbst Germanistik, schreibt für ihr Leben gern …)

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  9. Frau Blau schreibt:

    bei deinem text denke ich an den film: die katze… ähnlich trostlos leer und schwer… aber auch das ist das leben… manchmal.
    und alles hat immer auch etwas mit einem selbst zu tun, gerade wenn es aus den träumen und dem einfach nur runterschreiben kommt….
    herzlich grüßt dich frau blau (ehemals Li Ssi)

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