Der Zwei-Euro-Versuch (#173)

Theoretische Spekulation

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Wenn ich Dich, genau Dich frage, ob es wirklich schlimm wäre, wenn Du jetzt zwei Euro verlierst, plötzlich einfach so zwei Euro weniger im Portemonnaie hast: Wäre Deine Antwort dann wahrscheinlich ein «Nein»?

Wenn ich das andere Leute frage, draußen, auf der Straße: Die würden sicher auch mit «Nein» antworten?

Wieviele der Befragten wären dann wohl bereit, mir genau diese zwei Euro zu geben?

So, wie ich jetzt aussehe, sicher nicht allzuviele. Also verändere ich den Versuchsaufbau.

Wenn ich mich umziehe, mir den Bart etwas stutze, in Anzug mit Schlips auf diese Menschen zugehe? Vielleicht nehme ich noch eine Liste oder ein Aufnahmegerät mit. Und eine leere Cappuccinodose, deren Äußeres ich etwas umgestalte.

Ob ich dann von täglich zehn oder zwanzig Leuten genau diese zwei Euro bekomme?

Selbst wenn es nur fünf Menschen wären, die mir an einem Tag jeweils zwei Euro überlassen – damit hätte ich schon mehr Geld zur Verfügung, als mir unser Staat pro Tag zum Erwerb von Nahrung bewilligt.

 

Aber ich werde mich nicht verkleiden. Ich werde diesen Versuch nicht machen. Obwohl mich das Ergebnis wirklich interessieren würde.

(Es ist auch Angst vor der Einbildung, so tief gesunken zu sein.)

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 20. Juni 2012 waren ein leckeres Mittagessen (selbstgekocht), ein gewaltiger Fortschritt in einem Text und ein interessantes Buch.

P.P.S.: Und sowas ähnliches wie mein 2-Eu-Versuch wird wieder mit allen Haushalten im Lande geplant, denke ich

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173 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 297 words)

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Über Der Emil

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26 Antworten zu Der Zwei-Euro-Versuch (#173)

  1. Himmelhoch schreibt:

    Emil, es kommt mir vor, als wenn du in meinen vorgeposteten Artikeln lesen könntest. Am 25. schreibe ich auch etwas über ein 2-Euro-Stück, aber in einem anderen Zusammenhang, doch meine Gedanken waren deinen etwas ähnlich. – Welches Glück für mich, dass ich eine Mutter habe, die mit einer sehr guten Rente bedacht wird – da kann ich diese Geldsorgen noch ein wenig nach hinten schieben.

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  2. Follygirl schreibt:

    Ja ich habe selber harte Zeiten erlebt… da wären „4 DM “ viel gewesen.. Heute gebe ich gerne , wenn ich kann. (nein leider bin ich nicht reich, dann würde ich noch lieber was abgeben).
    Aber Deine Überlegungen machen mich doch auch betroffen, habe selber zum Glück noch nie Geld vom Staat nehmen müssen,… aber es schon sehr knapp zu Leben…

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  3. Gudrun schreibt:

    Schluss, Emil. Das mit dem so tief gesunken will ich von dir nicht hören. Nein!
    Ich finde das auch alles schlimm. Man kommt einfach nicht wieder heraus, wenn einmal in der Tretmühle ist. Aber ist das das eigene Verschulden? Nein.

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  4. Elvira schreibt:

    Ich muss Gudrun zustimmen. Denn aus der Angst vor der Einbildung kann bald mehr werden, wenn Du es zulässt. Und Du weißt doch: Angst essen Seele auf! Nun, zur Zeit fressen Mutter und Vater Staat ihre Kinder.
    Liebe Grüße von Elvira

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  5. Rana schreibt:

    Ich denke nach, würde ich einem „wohlgekleideten“ Menschen die 2 Euro geben und einem anderen nicht??? Ich weiß es nicht…
    LG von Rana

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  6. mayarosa schreibt:

    Lieber Emil, das eigene hängt nicht an zwei Euro, auch nicht an zehn Euro täglich. Dein Post hört sich depressiv an und nach sich-selbst-ungerecht behandelt fühlen. Ich wünsche dir, dass du mit dir selbst liebevoll und gerecht umgehst, dann brauchst du keinerlei solcher Experimente, auch nicht in Gedanken.
    Ich weiß, von Hartz IV kann man keine großen Sprünge machen, aber muss man das? Es ist doch auch gut in einem Land zu leben, in dem es so etwas gibt wie Hartz IV, ist schließlich nicht selbstverständlich, so global betrachtet.
    Warum bist du auf den Geldsegen vom Staat angewiesen? Hast du keine Möglichkeiten, da raus zu kommen und wieder auf eigenen Füßen zu stehen? Selbst wenn du für deine eigene Arbeit am Ende auch nicht mehr Lohn hättest als die Almosen vom Staat, so fühlte es sich glaube ich besser an.
    Alles Gute wünsche ich dir.

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    • der_emil schreibt:

      Depressiv? bin ich zur Zeit nicht. Echt nicht.

      Wenn ich ganz ehrlich bin, komme ich mit meinem ALG II ganz gut zurecht. Viel mehr mag ich auch garnicht haben. Ich könnte auch darauf verzichten, tu es aber wegen der Krankenversicherung nicht. Ohne Geld hab ich nämlich auch schon gelebt.

      Für meine Arbeit – ich tu ja einiges, ehrenamtlich – will mich nur niemand bezahlen, das ist das Problem. Und das zweite, was mich wirklich ärgert, ist, daß ich als ALG II – Empfänger ausgegrenzt, stigmatisiert, vorverurteilt werde.

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      • Gudrun schreibt:

        Oh ja, da kann ich auch Geschichten erzählen.
        In Leipzig sollte ein Projekt gestartet werden, Hartz iV-Empfänger in Kindereinrichtungen einzusetzen. In dem „Club“ gibt es auch Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter … Die Reaktion einer Bekannten war Entsetzen. „Man kann doch keine Hartzis in der Kindereinrichtung einsetzen!“ Warum nicht? Weil sie saufen, verlottert und dreckig sind, ungebildet …?
        Ich hatte mich jetzt für ein Berufsfreiwilligenjahr beworben. 140 Euro wären zu viel gewesen, was ich hätte bekommen dürfen. Schade.
        Mit meinem Arbeitsberater habe ich auch über Selbständigkeit nachgedacht. Es geht nicht und ich kann es mir nicht leisten, ohne Krankenversicherung zu sein. Nebenberufliche Selbständigkeit gibt es nicht, auch keine freiberufliche Tätigkeit. Immer muss ein Gewerbe angemeldet werden, mit allen Pflichten, Berufsgenossenschaft, und und, und. Mit null Rücklagen geht es einfach nicht. Alles andere ist Augenauswischerei.

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      • mayarosa schreibt:

        Lieber Emil, das freut mich, dass es keine depressive Verstimmung ist.
        Das mit der Stigmatisierung ist so eine Sache. Sicher gibt es Menschen, die andere vorverurteilen, weil sie Hartz IV bekommen, besonders dick oder besonders dünn sind, oder veilleicht auch, weil sie besonders normal sind, bunte Haare haben oder fünf Kinder oder gar keine, homosexuell sind, arabisch aussehen, schwarze Haut haben und und und. Das will ich nicht kleinreden.
        Meine Erfahrung ist aber auch, dass Menschen sich selbst stigmatisieren bzw. dieser Glaube, wegen irgendetwas als weniger wertvoll betrachtet zu werden, Wirklichkeit wird, weil jemand selbst das so fühlt, unabhängig davon, ob das Gegenüber tatsächlich solche Gedanken hegt.
        Wo dich jemand echt ausgrenzt und wo dein Selbstbild beteiligt ist, kann ich nicht beantworten. Wünsche dir jedenfalls, dass du mit dir im Reinen bist, dann können dir andere nämlich viel leichter egal sein.

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  7. minibares schreibt:

    Ach, lieber Emil, wir müssen auch für jeden Cent arbeiten.
    Ach nee, inzwischen kommt ja schon ein wenig Rente.
    Aber bis vor kurzem kam nur Geld, wenn wir auch ordentlich gearbeitet haben. Und – zuviel wars nie. Wir kamen halt hin damit. Als reich habe ich mich nie empfunden.

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  8. Frau Blau schreibt:

    das experiment finde ich schon spannend. meine erfahrung als briefträgerin – lang ists her – war so, dass die armen von ihrer rente immer dicke trinkgelder gaben (was mich oft beschämte, aber es nicht anzunehmen ging auch nicht…), während die in den fetten einfmilienhäusern nur knurrende köter für die postfrau hatten… ja, so gehts zu- ich glaube, dass anzugträger weniger geben. aber eben, weiß ich es?
    ich habe lange von hartz IV gelebt, es ging und doch ist es mir grad, wie es ist, lieber. ich fühle mich unabhängiger und muss mich in keine absurden maßnahmen stecken lassen… zum beispiel…

    schön aber, dass du schreibst, dass es dir langt und du damit zufrieden bist…

    gudrun… was du schreibst verstehe ich nicht. ich hatte hartz IV und eine freiberufliche nebentätigkeit, ohne berufsgenossenschaft und all dem quark… vielleicht kommts ja aufs gewerbe an?

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