Über das Begehren und sein Fehlen


Es arbeitet in mir, dieses Buch.

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Nein, ich werde ganz sicher nicht monothematisch. Aber ich habe in der “Gnadenfrist” nochetwas gefunden, das mich schwer beeindruckt hat. So schwer, daß ich es mir sofort notieren mußte und hier weiterverbreiten möchte. Weil es den Menschen, die Menschin, kurzum: all die Menschen betrifft, die nicht als Einsiedler oder monastisch leben.

 

 

Alles dreht sich darum, begehrt zu werden, und der Schmerz beginnt, wo das Begehrtwerden endet[ Hervorheb. Der Emil ] Wo man dich nicht mehr begehrenswert findet, sondern überflüssig. Der Blick in die Augen der Frau, die neben dir liegt, der Blick, der dir sagt, daß du ihr eigentlich auf die Nerven gehst.

Arnon Grünberg: Gnadenfrist. S. 57
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten.
© Diogenes Verlag AG Zürich 2006. ISBN 978 3 257 06529 9

 

 

Ja, als Mann hab‘ ich das einmal zu oft erlebt. Danach dachte ich, die Welt sei untergegangen, mein Leben wertlos und ziellos und sinnlos. Aber ganz so war es doch nicht, denn: Ich fand das Begehren wieder, es wurde mir wieder gegeben/gezeigt/geschenkt. Und mit diesem Begehren kam auch die Sehnsucht wieder … Wonach? Naja, nach der heilen Welt, der Familie, die sich jeder wünscht, nach dem Begehrtsein. Kennt ihr das nicht?

Der graue Alltag ist der größte Feind des Begehrens. Wenn ich anfing, mich gehenzulassen, wenn sie anfing, nur noch Schlabberklamotten zu tragen. Wenn ich mich ignoriert fühl(t)e, weniger wichtig als das Fernsehgerät oder das Strickzeug oder irgendetwas. Wenn der Computer es schaffte, ihre Existenz zu verdecken …

Jeder Mensch sucht sich irgendwann für irgendetwas oder irgendwen ein Substitut; davon bin ich überzeugt. Aber ich bin auch davon überzeugt, daß das nicht sein muß, wenn die Menschen (auf-)einander achten.

Gerade jetzt bin ich traurig darüber, daß ich mir selbst das Begehren untersagte, vor einer ganzen Reihe von Tagen, nachdem ich mich lange Zeit ignoriert fühlte. Dabei war ich mir nichteinmal sicher, daß es genau so war! Nein, ich hatte nur das Gefühl, den Verdacht, habe nicht nach Gründen und Ursachen gefragt. Blöd, oder? Fehlende oder fehlgeschlagene Kommunikation? Ja, sicher. Auch …

Und da merke ich, daß Grünberg etwas reales beschreibt: der Schmerz beginnt, wo das Begehrtwerden endet. Hat er absolut Recht damit. Und wenn ich den Schmerz nicht mehr haben will, dann rede ich mir ein, daß ich nicht begehrt sein will. Nicht begehrt sein muß, um ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. Juli 2014 war der Morgen.
 
Tageskarte 2014-07-04: Die Zwei der Kelche.

© 2014 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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17 Antworten zu Über das Begehren und sein Fehlen

  1. Gabryon schreibt:

    Diese Gedanken kann ich sehr gut verstehen…

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  2. Gabryon schreibt:

    Hat dies auf Allerlei Kunterbunt… rebloggt und kommentierte:
    Interessant nicht nur für diejenigen, die verlassen wurden oder jemanden verlassen haben…

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  3. Amelie schreibt:

    Noch ein gut gewähltes Zitat.
    Wunderbar Deine Gedanken dazu.
    UND, ich habe das Buch gerade – amazon hat immer geöffnet – gekauft.

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  4. nurbanales schreibt:

    Diese Gedanken kenne ich auch.

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  5. Myriade schreibt:

    Und die Basis zum Begehrtwerden ist das Wahrgenommenwerden und auch das fehlt in unserer Gesellschaft immer mehr

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  6. Ulli schreibt:

    Ich hatte gerade darüber vor drei Abenden ein Gespräch mit dem Liebsten und siehe da, was er wahrgenommen hatte, war in mir etwas ganz anderes und das, was ich ihm unterjubeln wollte, war eine Variante meines Misstrauens … ich schreibe das, weil es sich wieder einmal gezeigt hat, wie wichtig es ist miteinander zu reden, sich zuzuhören,mit weit offenem Herzen, auch noch nach 17 Jahren, auch noch, als wir nach 16 Jahren dachten, alles endgültog vor die Wand gefahren zu haben …
    danke Emil

    herzliche Grüsse Ulli

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  7. Gudrun schreibt:

    Auch Monothematisches hat durchaus seinen Sinn.

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    • Der Emil schreibt:

      Ja, Gudrun, aber ich könnte niemals meinen ganzen Blog von nun an für immer auf dieses Buch beziehen (dann schon eher auf „Kein Ort. Nirgends“ von Christa Wolf oder „Die Kronenwächter“ von Achim von Arnim oder „Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik“ von Immanuel Kant oder den Anti-Dühring …).

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  8. Frau Tonari schreibt:

    Wahre Worte. Ich finde, gegenseitige Wertschätzung ist wichtig. Der “Rest” kommt dann fast von alleine.

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