Heino Runkel von Rübenstein

Nachruf auf Figuren meiner Kindheit – zumindest auf ihren Schöpfer

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Einer meiner Onkel, der kaum zehn Jahre älter war und ist als ich, hatte in seiner Jugend (vor 1968) das Glück, das “Mosaik” mit den Digedags im Abonnement lesen zu können. Was habe ich jedesmal, wenn ich bei Oma zu Besuch war, in den alten, teilweise schon zerlesenen Heftchen geschmökert! Es waren sogar die Hefte der Weltraumserie dabei!

Und nun? Nun muß man auf ein Wunder hoffen, wie es bei den Galliern geschah: obwohl deren Schöpfer nicht mehr leben, werden jene weiterhin gezeichnet. Aber Hannes Hegen (Johannes Hegenbarth) hat schon 1975 aufgehört, Dig, Dag und Digedag Leben einzuhauchen. Es erschienen dann die neuen drei Abrax, Brabax und Califax, die ich zwar auch las, aber: Sie konnten ihren Vorgängern insbesondere mit Ritter Heino Runkel von Rübenstein zusammen nicht das Wasser reichen.

Von den Heften ist nach dem Tod meines Großvaters schon nicht mehr viel geblieben, nach Omas Tod verschwanden sie in den Handwagen der Jungen Pioniere bei irgendeiner Altpapiersammlung, nehme ich an. Nein, ich war nicht in der Lage, die heute unbezahlbaren Originalhefte zu retten – ich hätte durch die genze Republik tingeln müssen von Aue (Sachs.) bis Krakow am See. Damals hatte ich ganz bestimmt auch viel Wichtigeres zu tun …

Und nun, nun ist Hannes Hegen am 8. November 2014 in Berlin verstorben. Erst gestern habe ich es erfahren oder wahrgenommen, daß er starb. Der Mensch, der mit seinem Stift und seinen Ideen Hunderte von Figuren geschaffen hatte, Ländereien, Adelsgeschlechter (von Rübenstein, von Möhrenfeld), Häuptlinge und Raumfahrer und Außerirdische ans Licht dieser Welt strichelte. Irgendwie fiel mir nie auf, daß er sich zurückgezogen hatte. Nach dem Tod seiner Frau hatte er sein Privatarchiv dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig vermacht.

Das Mosaik. Es soll sogar Filme geben, aber nur zwei. Das unterscheidet die drei Digedags von Asterix und Obelix. Noch habe ich bisher allen Versuchungen widerstanden, weil ich Angst habe vor den Stimmen der Knirpse, die ganz sicher ganz anders sind als die, die ich mir als Kind vorstellte.

Eine weitere DDR-Ikone ist tot. Ein nächstes Stück des geraubten Landes wurde seinen Bewohnern, denen, die es Heimat nannten und nennen, weggenommen. Hannes Hegen, ich wünsche viel Spaß im Land der Märchen und der Träume.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 13. November 2014 waren der 64GB-Stick und die endlich(!) gekaufte Schreibtischlampe. (Wobei: Was ist ein Schreibti?)
 
Tageskarte 2014-11-14: Die Drei der Münzen.

P.P.S.: Heute ab 20 Uhr auf UKW 95,9 MHz bzw. als Stream bei RadioCorax.de ist der Buchfink zu hören, mit einem Novembergedicht und ganz viel Text von Christa Wolf.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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8 Antworten zu Heino Runkel von Rübenstein

  1. Ulli schreibt:

    allein diese Namen sind schon Honig auf meiner Frühstücksstulle, und du machst hier Einen bekannt, der bei uns nie einen Namen hatte, wie so viele. Eine weitere Unglaublichkeit!
    danke Emil

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  2. Inch schreibt:

    Mein Bruder, der Geschichte studiert hat, sagt, sein Basisgeschichtswissen hat es sich in den Mosaiks angegeignet. Mansches aus dem Stidium hat er vergessen, weil unwichtig, was er mit den Digedags erlebte, nie. Er hatte allerdings auch ein Abo

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  3. Clara Himmelhoch schreibt:

    Meine Kinder haben die Mosaikhefte gelesen – über ihre Begeisterung weiß ich nicht viel zu sagen. Auf jeden Fall weiß ich jedoch, dass sie mit gierigen Augen auf die in der Klasse kursierenden Westhefte mit den vielen Ententieren geschielt haben.

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  4. Gudrun schreibt:

    Ich habe die Hefte und vor allem ihre Hauptfiguren geliebt, den Ritter Runkel z.B. Ein Abo hatte ich leider nicht. Die Anzahl der Abonnenten war begrenzt. Man musste sich gedulden, bis quasi einer starb. Ich weiß noch, dass ich an dem Tag, an dem die Hefte an den Kiosk geliefert wurden, geflitzt bin, um noch eines zu ergattern. Die Frau am Kiosk kannte mich schon und holte mein Heft unter dem Ladentisch vor. Mich begeisterte immer wieder, dass die Geschichten einen so fundierten Hintergrund hatten und dass die Zeichnungen mit Akribie und feinem Humor umgesetzt waren. Schade, dass es dann sehr still um Hannes Hegen wurde. Er passte wohl nicht zu manch einer Oberflächlichkeit.
    Gruß von nebenan.

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