Nachdenktext, sehr privat

Das muß ich auch mal aufschreiben, um besser denken zu können.

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Einen ganzen Sonntag in den eigenen Erinnerungen herumgekramt habe ich. Zum Teil sind die ja als Texte vorhanden, zum Teil gibt es Bilder dazu. Vermieden habe ich es, unklärbaren Fragen nachzugehen. Die Wunden sind dazu noch zu frisch; die Geschichten sind zu lang her, als daß sie heute noch wirkliche Auswirkungen auf mein Leben jetzt haben. Aber ich hatte die Gelegenheit, mich mit mir, mit meiner Geschichte, meiner Biographie, meinen Beziehungen zu beschäftigen.

Einige Dinge habe ich mir zum ersten Mal/wieder notiert, um irgendwann in einer Mußestunde erneut daran zu arbeiten. Da gab es mehrere Zeiten in meinem Leben, die mir viel mehr gegeben haben als andere. Und wenn ich zurückschaue, dann waren daran immer Menschen beteiligt, mit denen mich sehr, sehr viel verbunden hat. Menschen, mit denen ich auf Augenhöhe mich austauschte, bei denen ich nicht Störfaktor oder notwendiges Übel wurde oder war. Bei denen auch einmal meine Meinung etwas zählte und nicht von vorneherein als “bescheuert” abgetan wurde oder als zur Katerorie “ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt” zugehörig.

Und da ist mir etwas aufgefallen. Ein Muster. Eines, aus dem ich nur zu selten ausgebrochen bin bisher. Ich versuchte tatsächlich schon mehrfach, die von mir geforderten oder gewünschten Verhaltensweisen zu übernehmen. Doch jedesmal wurden mir genau diese dann aufs Brot geschmiert: “Du mit deinem blöden [ … ]” (irgendetwas von dem gewünschten Verhalten eben). Ich habe viel zu oft versucht, mich weiter anzupassen als es gut war, habe mich immer und immer und immer wieder verbogen. Ha! Nicht nur dieses eine Mal hier in Halle, auch davor und danach. Als es mit meiner zweiten Ehefrau um mein Rauchen und meinen Bauch ging z. B. – da bin ich in “Vorleistung” gegangen, weil sie ja im Gegenzug auch etwas tun wollte (aber dann doch nicht tat). Und so ging das immer und immer und immer wieder.

Andererseits ist ein kompromißloses Leben nur schwer möglich. Zumindest in dem Konstrukt, das sich Beziehung nennt. Ob nun reine Freundschaft oder Freundschaft plus oder Paarbeziehung oder oder oder … Da müssen sich schon zwei sehr verwandte Seelen treffen, zwei mit ziemlich vielen zueinanderpassenden Interessen und Einstellungen. Ja, auch das ist mir schon geschehen, das meinte ich oben mit den Zeiten, die mir mehr gaben.


Was mach ich nun mit diesen Erkenntnissen, die mir an diesem Sonntag wirklich so klar wurden? Gut, ich hab sie notiert und könnte sie wiederfinden. Werde ich – irgendwann – eine neue Beziehung eingehen, einzugehen versuchen, in der ich kompromißlos bleibe? Aus der ich mich zurückziehe, wenn ich mich untergebuttert fühle, nicht ernstgenommen werden?

Hey, was soll ich denn dann tun? So ganz, so richtig zufrieden bin ich mit meiner Nachdenkerei noch nicht …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 16. November 2014 war die viele Zeit zum Nachdenken.
 
Tageskarte 2014-1-17: Die Königin der Münzen.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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9 Antworten zu Nachdenktext, sehr privat

  1. arabella50 schreibt:

    Verzeihen – sich und dem anderen – ist der Motor einer Beziehung. :-)

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  2. photographieandgossip schreibt:

    Guten Morgen, Emil,
    wenn in einer Beziehung untergebuttert wird, führt dies zu Frust. Genauso verhält es mit Kompromißlosigkeit.
    Ich finde es ist wichtig, den anderen so anzunehmen, wie er/sie ist.
    Kann man den/ die anderen nicht so annehmen, sollte man Abstand halten – weil das unweigerlich zum Bruch führt, wenn man sich selbst verstellt/ verbiegt.
    Kompromisse sind wichtig, sollten sich aber in gesundem Rahmen halten.
    Liebe Grüße :)

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  3. Sofasophia schreibt:

    Danke für deine Offenheit.
    Beziehung ist wohl immer ein bisschen ein Eingehen von Kompromissen und Veränderungen. Wenn sich aber – dem/der andern zuliebe – grundsätzliche Wesensmerkmale verändern müssten, damit ich den Partner lieben kann, funktioniert es nicht. Liebe – zu dir und zum andern – ist immer bedingungslos. Was nicht heißt, dass es uns immer gelingt und dass es immer einfach ist. Weißt du längst.
    Ich kann an meinem Wesen/Charakter nur dann (heilsame) Veränderungen vornehmen, wenn ich das mir zuliebe will. Rauchen aufhören, abspecken, etc.
    Ich wünsch dir eine Partnerin, die das versteht und lebt.

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  4. Colorsigns schreibt:

    für diese sehr nachdenklichen worten eine umarmung
    leise christin

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  5. Elvira schreibt:

    Wenn Kompromisse einen der Partner nicht mehr leicht fallen, er sich als ganzer Mensch nicht mehr angenommen und respektiert fühlt, dann ist an der Beziehung etwas nicht in Ordnung. Ich habe einmal lernen müssen, dass nicht ich andere Menschen ändern kann, sondern ich mich ändern, meine Erwartungshaltung reflektieren muss. Wenn mich etwas an einem anderen Menschen stört (und hier meine ich nicht die gern zitierte gequetschte Zahnpastatube, denn wenn die erst zum Problem wird, ist die Beziehung eh im Eimer), dann muss ich mich fragen, warum stört mich das? Piekst der Bart oder gefällt er mir nur nicht? Das sind zwei sehr unterschiedliche Störaspekte. Habe ich Asthma oder eine angeschlagene Gesundheit oder kann ich einfach den Geruch nicht ertragen? Dann lässt sich das Rauchen betreffend sicher ein für beide Seiten annehmbarer Kompromiss finden. Bin ich um die Gesundheit des Rauchers besorgt? Dann kann ich das äußern, aber es obliegt immer noch dem anderen, ob er das genau so sieht. Ups, da kommt gerade meine analysierte analytische Seite ins Spiel. Schluss also an dieser Stelle. Übrigens wirst Du es schon richtig machen, wenn eine neue Beziehung den Weg zu Dir findet (oder Du zu ihr?).
    Liebe Grüße,
    Elvira

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  6. Ulli schreibt:

    Ich habe gerade Georgette Dee entdeckt und höre wieder und wieder ihre Lieder, weil sie so herrlich kompromisslos in der Liebe sind, so wunderbar frech und selbstbewusst, auch traurig, mitfühlend und dann aber eben wieder doch kompromisslos …

    ich bin zwar wirklich schon meine Schritte gegangen, aber gerade in den letzten Tagen frage ich mich wieder und wieder: bin ich Eisenherz oder Hasenfuss, ideal wäre ja, wie immer, die Mitte, aber die, die ist nur immer sehr kurz, weil das Pendel eben pendelt …

    danke dir Emil für deine ehrlichen Worte

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  7. Gela schreibt:

    …sowas passiert immer im November ;) mein großer Plan: das Herz niemals verschließen und sich immermal in Vergebung und Demut üben. Das ist teilweise schwer und tut manchmal weh, aber es scheint mein Weg zu sein und vielleicht ist es auch deiner – vielleicht auch nicht… was zählt, ist die Liebe.

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