Denken, denken, denken

Doch nicht einmal Grübeln.

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Seltsam. Vor der besinnlichen Zeit scheint in diesem Jahr eine sehr, sehr nachdenkliche Zeit für mich angebrochen. Obwohl das einen für mich tatsächlich nachvollziehbaren Grund haben könnte. Ich habe Zeit dazu, ich nehme mir Zeit dazu. Nicht zuletzt durchforste ich zur Zeit (immernoch, ja) meine alte Fedora-Festplatte, auf der sich Dateien befinden, die ich seit fast zwei Jahren nicht gesehen habe (ich schrieb schon öfter darüber und kann auch nicht viel davon an einem Tag vertragen). Auch das geht mir ganz klar ans Herz und ans Gemüt.

Vielleicht ist der November ja doch die Zeit, in der ich mich “ins Innere” zurückziehe, mich mehr als sonst mit meinem Eigenen beschäftige. Oder bereite ich mich nur sehr gründlich darauf vor im November und bringe es dann in der Adentszeit fertig, bei der Innenschau das Gute überwiegen zu lassen? Vielleicht liegt es auch nur an einem Ereignis, nein, an einem Wort, das mich vor kurzem so total aus der Bahn geworfen hat. Aber aus einer Bahn, die wohl doch nicht ganz die richtige war … Wie sonst sollte ich mir erklären können, daß ich mir an den Kopf greife uns sage: “Wieso erst jetzt? Und nicht zu den mindestens drei Gelegenheiten vorher?” Waren die Ereignisse vorher nicht drastisch genug? War ich zu feige, zu ängstlich; konnte ich mir selbst mal wieder nicht zuhören und glauben?

Ach, wenn der Wunsch mal wieder Vater des Gedankens, gar Inspirator der Handelns ist, dann ist genaue Prüfung erforderlich. Will ich das wirklich? Oder versuche ich damit nur einem Ideal nahezukommen, das ich auf diesem Weg nicht erreichen kann? Illusionen und Träme sind oft schön; und angenehm ist es, sich ihre Erfüllung vorzustellen, zu erhoffen. Aber wenn dahinter die Realität verlorengeht, was dann?

Platzende Träme, zerstörte Hoffnungen, frische Wunden in Herz und Seele brachten mich auch diesmal gefährlich nahe an die Depression. Vielleicht war ich auch schonwieder in ihr Dunkel eingetaucht. Und dieses eine Wort hat mich herausgerissen. Auch wenn es brutal war. Auch wenn eine solche Zuschreibung verletzt. Aber besser ein Arm oder Bein abgetrennt als elendiglich ersoffen, oder? Es bleibt mir die Frage an mich, wieso ich nicht früher den Mut und/oder die Kraft hatte, nicht früher die Wahrheit sah?

Mein Zögern, mich an Netzdiskussionen zu beteiligen, steht mit diesem mir entgegengeworfenem Wort direkt im Zusammenhang. Die Aufregung um/über die Depression und den Umgang mit dieser schweren Erkrankung ist etwas abgeflaut. Der Hashtag #NotJustSad brachte doch sehr viel – War das Aufmerksamkeit? War das Diskussion? – theatralische Ans-Licht-Zerrung mit sich. Wie ich bei @isayshotguns “Stellungnahme – #NOTJUSTSAD” nämlich lese, haben bestimmte Medien und deren sogenannte Jornalisten sich irgendetwas in dieses #NotJustSad hineinphantasiert, um es nur reißerisch genug in die Welt schreien zu können. Was für ein Glück, daß mir diese Veröffentlichungen entgingen! Ich habe mehr oder weniger bewußt eine Woche gewartet, ehe ich mich bei #NotJustSad meldete, ehe ich dort und anderswo las, sah, hörte (auch wenn gute Freunde dort beinahe von Anfang an mitmachten) und mich beteiligte.

Ich habe mich damit geschützt. Vor mir selbst. Vor anderen. Vor meinen Reaktionen auf provokante oder unsinnige Aussagen. Vor meinem Mit-Leiden. Vor meinem Angstbeißen. Vor meiner ohnmächtigen Wut. Vor der Depression, aus der ich gerade noch entkommen bin. Nicht aus eigener Kraft – zumindest nicht ohne diesen brutalen Anstoß von außen. Und wenn ich mir jetzt meine Notizen ansehe, die ich in den letzten Wochen und Monaten machte, dann … ja dann sehe ich, wo mich die Zeit hinbrachte. Da sind einige Sachen geschehen, die mir sehr gefährlich wurden. Ich hatte zum Beispiel einen guten Grund, nicht zum Arzt zu gehen und auf die regelmäßige Diagnostik zu verzichten. Das werde ich noch vor dem Ersten Advent nachholen.

Auch wenn es für einige Leserinnen und Leser unverständliches Gebrabbel ist und bleibt, das hier so undeutlich wabernd und unkonkret bleibend beschrieben wurde, ich mußte es loswerden, habe beinahe drei Tage an diesem Text gesessen und beinahe drei Tage darüber nachgedacht, ob ich das öffentlich loswerden will. Und gestern habe ich nur noch den #NotJustSad-Absatz ergäzt. Ja, ich will, ich muß es herausschreiben. Auch wenn ich nicht alles offenbare, so bleibt manches doch nicht mehr versteckt, verborgen. Und das, das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu mir.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 18. November 2014 war der Morgen unter der Bettdecke, der Besuch bei der allerallerallerbesten Freundin, leckere asiatische Nudeln zum Abend.
 
Tageskarte 2014-11-19: Die Zwei der Schwerter.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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10 Antworten zu Denken, denken, denken

  1. arabella50 schreibt:

    Nur übers Nachdenken kommen wir zur Besinnlichkeit.
    Danke für deine ehrlichen Worte.
    Liebe Grüße in einen novembernebligen Tag.:-)

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    ja Emil, es ist Nachdenkzeit, nicht nur bei dir, aber vielleicht auch nicht so im ganz Allgemeinen. Nein, so wirklich weiss ich es nciht worüber du schreibst, aber ich kann das eine und andere erahnen, wichtig allerdings ist es, dass du an einem erneuten Loch vorbeigeschrammt bist, dass du zu dir und deinen Gedanken und Fühlen stehst, das ist wohl heil sein oder werden …

    „Auch wenn es brutal war. Auch wenn eine solche Zuschreibung verletzt. Aber besser ein Arm oder Bein abgetrennt als elendiglich ersoffen, oder?“ JA

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  3. Sofasophia schreibt:

    Verrückt, wie wir mal wieder ähnlich und doch anders mit dem Monster ringen.
    (Welches Wort war es, dass dich … ?)
    Danke für deine offenen Worte.
    Die Diskussion um besagten und auf besagtem Hashtag konnte ich nicht immer ertragen. Es triggert.
    Andererseits bin ich auch froh, dass darüber geredet wird. Es hat grundsätzlich eine heilsame Wirkung, Emotionen herauszuschreien. Und zu teilen.
    Ob wir alle wohl deshalb bloggen, tweeten, schreiben? Der Wunden wegen?
    Herzgedanken zu dir.

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  4. photographieandgossip schreibt:

    Danke! Danke für Deine an uns weiter gegebenen Gedanken..
    Herzliche Grüße…

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