Urologik

Verquerer Traum

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In einem innen futuristisch gestalteten Krankenhaus, das von außen wie das Auer Krankenhaus und der (damals) Neubau der Sektion Physik an der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt gestaltet ist, war ich diese Nacht unterwegs. Einer der Fahrstühle fährt über das Gebäude hinaus, in einen gläsernen Aufbau. Dort wird auch der Fahrstuhlboden transparent. Ich muß dort oben aussteigen und über eine wackelige Gitterrosttreppe wieder hinabsteigen, mehrere Stockwerke. (Zum Glück weiß ich, daß ich träume. Und in diesem Gebäude war ich träumend schon oft unterwegs.)

Im 32. Stock steige ich in den für Evakuierungen reservierten Fahrstuhl Nº 25, muß mit dem in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit bis ins elfte Untergeschoß. Dort verlasse ich die Kabine und soll mit dem Lift Nº 3 wieder nach oben fahren, sagt mir der japanische Verkehrshelfer, in die Urologie. Siebter Stock, Urologie. Auf dem Flur und in den Zimmern sitzen Perser, Syrer und andere unter karierten Decken. Ein Mann hat sich vollständig unter eine der Decken zusammengekrümmt direkt an einer der spiegelnden, edelstahlverkleideten Säulen.

Am Empfang, der dem Tresen meiner Gartenkneipe von früher ähnelt, werde ich zum Abort geschickt. Ehe hier noch irgendetwas geschieht, muß ich mich entleeren. Auch dort alles Edelstahl. beinahe alles, denn hinter einem hüfthohen Blech ist ein Porzellanklobecken zu sehen mit gelber Plasteklobrille, über dem ein riesiges, industriell gefertigtes Hinweisschild hängt (ebenfalls gelb, mit schwarzem Rand und schwarzer Schrift): “Achtung. Dies ist keine Toilettenkabine, sondern ein reserviertes Notentleerungsbecken! Benutzung nicht gestattet! Menschen haften für ihre Haustiere!”

Die Kabinen allerdings haben auch keine Türen. Und Toilettenpapier suchte ich vergeblich. Zum Glück habe ich nicht nur meine Kladde, sondern immer auch eine Reserveportion Klopapier bei mir …

Plötzlich steht der japanische Verkehrshelfer vor mir, reißt mich hoch und führt mich mit heruntergelassner Hose quer durch die Etage in ein Untersuchungszimmer. Dort soll ich mittendrin gut sichtbar für alle genau so stehenbleiben … Aus einem Lautsprecher ertönt mein Name, mir wird mitgeteilt, daß ich fertig untersucht und kerngesund bin und das Krankenhaus auf schnellstem Wege mit dem Lift Nº 12 zu verlassen habe.

Als mir dann eine riesige Katze eine Leine anlegen will, wachte ich auf.

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 27. Dezember 2014 waren gelungene Käufe und ein Ladendetektiv im Irrtum.
 
Tageskarte 2014-12-28: Die Zwei der Schwerter.

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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14 Antworten zu Urologik

  1. Arabella schreibt:

    Da ich beide Häuser gut kenne, folge ich deinem Traum…weia;-)

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  2. Sofasophia schreibt:

    Voll krass. Und wie genau du dich der Details erinnerst.
    Ich müsste mal wieder Träume aufschreiben. Heute war da was von USA-Reise, einer singlen Freundin, die plötzlich zwei Adoptiv-/Pflegekinder hatte und … hm, vergessen. Schade.
    Im Traum muss ich auch oft aufs Klo, erwache dann zum Glück und muss dann auch im echten Leben wo hin.

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  3. wildgans schreibt:

    An einigen Stellen musste ich lachen. Sorry, muss bei Traumschilderungen immer lachen. Zu absurd manches. Besonders die große Katze am Schluss! Sehr eindringlich alles! Bei mir schießen die Fahrstühle immer oben raus bis ins Endlose…

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  4. danielajaeggi schreibt:

    Wie gut, dass es ausser mir noch mehr irre Träumer gibt! Mich hätte zum Schluss vermutlich die riesige Katze noch fressen wollen…. Wie gut, dass es nur ein Traum war:-)

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  5. Gabi schreibt:

    Das erinnert mich an meine Fahrstuhl-Träume, die ich früher oft hatte. Aufzüge, die entweder hoch hinauf schossen oder in tiefste, dunkle Untergeschosse oder auch irgendwohin seitlich weg. Der Fahrstuhl blieb nie dort stehen, wo ich hin wollte und ich fand nie wieder zurück.
    Ich mochte diese Träume überhaupt nicht.

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    • Der Emil schreibt:

      Das Fallen, das ist immer schlimm …

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      • Gabi schreibt:

        Das stimmt. Das kam jedoch in den Aufzugs-Träumen nicht vor, aber dafür in anderen.
        Die Fahrstühle brachten mich immer irgendwohin, wo ich nicht hinwollte und ich fand nie zurück.
        Oder einen Traum, den ich eine Zeit lang immer wieder hatte, dass mich der Lift immer in ein Untergeschoß brachte, dort ging die Tür auf und vor mir war ein vollkommen dunkler, schwarzer Gang und ich traute mich nicht auszusteigen. Und egal auf welchen Knopf ich drückte, ich kam immer wieder dort hin. Das waren echt Alpträume. (Ich weiß, man schreibt richtig Albträume – aber das gefällt mir nicht. :-))

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