Ein Abschiedsbrief

Katharina und Christoph: Sind sie wirklich tot??
Rätsel um zwei Leichen an der nordspanischen Atlantikküste

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Geständnis
 

Mein Name ist Christoph ¤¤¤¤¤¤¤, ich wurde am XX. Juni 19XX in Schlema geboren und wohne in 08XXX Hartenstein, August-Bebel-Str. XX. Zur Zeit halte ich mich allerdings im Ausland auf.

Vor einigen Tagen habe ich im Fernsehen (ZDF) mitbekommen, daß sie nach mir suchen im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Katharina ¤¤¤¤¤¤. Ja, ich gestehe, ich habe sie erstochen und hier in der Gegend begraben. Aber es war ein Unfall.

Ich war sehr erstaunt und erschrocken, als Frau ¤¤¤¤¤¤ eines Tages hier vor mir stand und eine halbe Million von mir forderte für ihr Schweigen. Ich habe keine Ahnung, wie sie herausbekommen hat, daß ich den Safe bei ihrem Vater ausgeräumt habe. Sie stand plötzlich hier in der Küche, ich war gerade beim Kochen, beim Gemüseschneiden. Und ich höre noch ihre gehässige Stimme. “Ah, der verschwundene Christoph. Der, der auch unser Geld aus dem Safe mitgenommen hat. Christoph ist verschwunden? Nein, nicht nur der, sondern auch die 930.000 Euro aus unserm Safe!” Dann wollte sie eine halbe Million von mir. Dabei waren in dem Tresor nur 240.000!

Katharina ¤¤¤¤¤¤ beschimpfte mich, bezichtigte mich der Lüge und griff mich tätlich an. Gegen ihre Schläge und Tritte setzte ich mich passiv zur Wehr. Dann stolperte sie in ihrer Raserei und fiel mir in das Messer, das ich noch immer in der Hand hielt. Sie war ziemlich sofort tot. Ich habe sie dann hier im Garten vergraben. Aber seitdem quält mich Angst davor, daß auch andere mich finden können. Ich war seitdem nicht mehr einkaufen, nicht mehr in Talon oder gar in Frixe oder Liros und auch nicht in Corcubion. Seit fast drei Wochen sitze ich hier in diesem halbverfallnen Bauernhaus fest. Das Benzin für den Generator ist auch schon lange alle.

Ich habe keine Lust mehr zu warten, bis ich verhaftet werde. Für das wenige Geld aus dem Tresor möchte ich auch nicht ins Gefängnis, und für die Blödheit dieser Furie auch nicht. Ich hoffe, dieser Brief wird bei mir gefunden und irgendjemand kann meiner Mutter sagen, daß es mir leidtut, daß ich schonwieder versagt habe.

Christoph ¤¤¤¤¤¤¤, Dezember 2014, Talon, Spanien.

 

 

Dieser hier im Wortlaut abgedruckte Brief (Namen unkenntlich gemacht) wurde von der Policía Local in der Hemdtasche eines strangulierten Leichnames entdeckt, den pilgernde Jugendliche in einer Ruine unweit Finisterre, in der Nähe der Playa de Nemiña in Nordspanien noch am Seil hängend vorfanden. Im zum verfallenen Bauernhaus gehörenden Garten konnte von den Beamten auch eine vergrabene zerlegte weibliche Leiche festgestellt werden. Ob es sich bei den beiden Toten wirklich um Christoph ¤. und Katharina ¤. handelt, wird zur Zeit in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Polizei geklärt.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 29. Dezember 2014 war der Schlaf am Vormittag.
 
Tageskarte 2014-12-30: Die Acht der Stäbe.

P.P.S.: Die Anregung hierzu lieferte wieder Jutta Reichelt – wie schon beim verschwundenen Christoph.

P.P.P.S.: Werd‘ ich noch zum Ghostwriter?

© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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18 Antworten zu Ein Abschiedsbrief

  1. sweetkoffie schreibt:

    Emil, wie gruselig … 😳

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  2. Arabella schreibt:

    Wie geht dies…wo ich Christoph doch gegessen habe.;-)

    Klasse Geschichte.:-)

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  3. Sofasophia schreibt:

    Klasse gruselig, du Geistertexter du. Toller Text.

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  4. Sylvia Kling schreibt:

    Der Christoph-Kerl könnte einem sogar leid tun. Oh weh…wegen bisschen Geld. Ich sitze im Kino bei den Pinguinen aus Madagascar 4 und lese Deine Gruselstory ;-). Fein, oder?

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  5. alltagsfreak schreibt:

    Oha! Was für eine Story!

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  6. juttareichelt schreibt:

    Lieber Emil, ich finde, dass den meisten Texten ein bis zwei Leichen ganz gut tun und bin schon insofern sehr angetan von deinem Text – bisschen schade ist, dass er jetzt so unwiderruflich beendet zu sein scheint. Andererseits: Es könnte sich ja auch um ein Ablenkungsmanöver C.’s handeln, oder?! Herzliche Grüße und alles Gute für das noch so frische Jahr 2015!

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    • Der Emil schreibt:

      Aber von diesem Ende aus (das es ja nicht sein muß, schließlich ist die Identität noch nicht zweifelsfrei geklärt) läßt sich auch ein Roman rückwärts schreiben, sozusagen vom zeitlichen Ende entwickeln bis zum zeitlichen Anfang. Gibt es da vielleicht schon ein Beispiel dafür?

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      • juttareichelt schreibt:

        Der Roman „Der Winter tut den Fischen gut“ von Anna Weidenholzer, den ich kürzlich gelesen habe (und der mir sehr gefallen hat) beginnt tatsächlich mit Kapitel 54 und erzählt dann rückwärts bis Kapitel 1. So etwas schwebt dir doch gerade vor, oder?
        Eine andere Möglichkeit wäre z.B. die Szene, die du hier beschrieben hast, als eine Art Prolog zu verwenden (vielleicht noch etwas rätselhafter) und dann in der Zeit zurückzugehen und (vorwärts) zu erzählen, wie es dahin kommen konnte.
        Was dann wirklich (gut) „funktioniert“, weiß man ja leider meist erst, wenn man es ausprobiert hat … Schöne Grüße!

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