Nur die Wertung muß ich ändern (32/333)

Wie aus Scheitern ein Lernerfolg wurde

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Heute? Keine Ahnung. Gestern war auch schon wieder so ein Tag, der getrost aus dem Kalender hätte gestrichen werden können. Jaja, das hat seine Gründe. Ich bin noch immer viel zu schlapp für irgendwelchen Streß. Und diese zwölf Stunden, die hier mal ein bißchen Schnee lag, die waren viel zu kurz. Kann es denn wirklich sein, daß mir dieses Jahreszeitendurcheinander so heftig zu schaffen macht? Drei oder vier Zentimeter Neuschnee fielen am Abend und in der Nacht, morgens waren die Autos und Wiesen noch weiß. Aber schon zur Mittagszeit war reineweg nichts mehr davon zu sehen. Und dann sehe ich Schneebilder über Schneebilder, lese vom Schneien und Räumen und vom zuverlässigen Winter der Kindheit …

Ach, so recht gelingen mir heute zusammenhängende Gedanken auch nicht. Mein Geist hüpft mal hier-, mal dorthin. Und zwischen all den normalen bis guten Gefühlen tauchen plötzlich wieder Löcher auf. Löcher, in denen jegliches Gefühl fehlt. Es kann sein, daß das nur an einer Art Erschöpfung liegt, einer Erschöpfung, die nach Überanstrengung wohl verständlich ist. Aber was, was nur hat mich so sehr beansprucht, daß ich die Grenzen nicht bemerkt und sie einfach überschritten habe?

Die Sammelmappe schrieb dieser Tage: » Der Versuch den Kopf leerzudenken muss als gescheitert gewertet werden. «

Auch mein Versuch, mich ganz und gar zu entblößen, will mir nicht recht gelingen. Ich sitze seit Tagen an einem autobiographischen Text, der will und will sich nicht formen lassen, sich nicht ins Verständliche eindeutschen lassen. Gestern war ich an dem Punkt, da ich all das Abgetippte gelöscht habe. Auf dem Paper beginne ich heute erneut (allerdings ohne die Vernichtung der bisherigen Notizen). Reset. Neustart. Mit dem Wissen, beim ersten Versuch recht erfolglos gewesen zu sein; und dieses Wissen läßt sich nicht aus meinem Kopf herausdenken. Deshalb zitiere ich Claudia hier, deshalb vielleicht ist auch mein Versuch als gescheitert zu werten. Und siehe da: Vielleicht ist dieses subjektive Gefühl des Scheiterns der Grund für meine schlechte Laune, für meine Unzufriedenheit mit mir, mit der Welt und allem drumherum.

» … muß … gewertet werden. « Hey, wer sagt denn, daß ich muß? Das bin ja wohl nur ich!? Und wieso denn » als gescheitert «? Habe ich beim Schreiben nicht wieder etwas gelernt? Habe ich nicht bemerkt, daß bei solch heiklen Themen ein gesonderter Zettel mit Stichworten unabdingbar ist neben dem Papier, auf den der Text fließt? Habe ich nicht gelernt, daß es mir auch hier nicht hilft, zuerst davon zu sprechen, “auf Band” zu sprechen?

Habe ich nicht begriffen, daß auch das von mir am tiefsten in mir Vergrabene nicht tot ist, sondern nur eingesperrt war und wütend darüber war und ist und sich beim Freilassen – ganz gleich, wie vorsichtig ich das zu tun versuche – einfach nur als rasende Wilde Bestie zeigt, die mich brutal überfällt, überwältigt und sich erst dann, wenn sie sich an mir sattgefressen hat, zähmen läßt?

 


(Weißt Du, wie schwer es ist, einen Anzug anzuziehen?)

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 31. Januar 2015 war die Neubewertung.
 
Tageskarte 2015-02-01: Die Vier der Stäbe.

© 2015 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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3 Antworten zu Nur die Wertung muß ich ändern (32/333)

  1. Sofasophia schreibt:

    Oh ja, genau das ist der Weg des authentischen Schreibens. In die Keller steigen. Zu Grunde gehen.

    Das ist der Weg der Wandlung.
    Nicht werten, genau.
    Aus den Scherben Neues schaffen.

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    Soso hat mir die Worte vorweg genommen und das ist gut so!

    Wieder denke ich an Knausgard und seine authentischen Bücher und an alle meine Fragen, die seitdem auftauchen, besonders die, wieso ich immer noch meine etwas verbergen zu müssen … Scham ist eine grosse Sache, wie ich erst in den letzten Jahren WIRKLICH begreife!
    herzliche Sonntagsgrüsse aus einem der wenigen noch existierenden Holleländern und danke fürs verlinken und für den feinen Text von Annalena

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  3. Anna-Lena schreibt:

    Manchmal mutet man sich zuviel zu, ohne es zu bemerken.
    Manchmal setzt man sich so unter Druck, ohne es zu merken.
    Manchmal will man an Dinge ran, deren Zeit einfach noch nicht da ist.

    Nichts lässt sich erzwingen, lieber Emil. Lass Dinge ruhen, bis sie dir von alleine signalisieren, dass die Zeit reif ist.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Anna-Lena

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