Überversorgt (63/302)

Nur in einem ganz speziellen Teilbereich

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Ich gestehe, daß ich alle zwei Wochen “Kunde” bei der örtlichen Tafel bin. Das hilft mir als Empfänger von ALG II wirklich beim Leben mit wenig Geld. Ja, ich bin dankbar für die Spenden von Händlern, Märkten, Discountern usw. und ich war dankbar für die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer dieser Tafel.

Aber es hat sich viel geändert in letzter Zeit. Weil es Unregelmäßigkeiten gab, wurde einiges anders: Nur noch zwei oder drei Ehrenamtler sind dort (der Rest der Mitarbeiter kommt aus Einrichtungen der Lebenshilfe); der Ablauf wurde so verkompliziert, daß ich neuerdings viel länger warten muß, immer wieder. Und das “Sortiment” hat sich verändert.

Früher gab es viele Milchprodukte, Joghurt, Quark, Käse. Oft auch Süßigkeiten. davon gbt es nur noch sehr wenig. Und die Aufteilung der ausgegebenen Lebensmitteln ist auch irgendwie “anders” geworden. Irgendwie. Gestern zum Beispiel hatte ich als Einzelperson sechs ganze Brote dabei – ich habe zwei davon dortgelassen. Zwei- oder Dreipersonenhaushalte hatten zweimal oder dreimal Brot. Wurde da was vertauscht? Das kann ich mir allerdings nur schwer vorstellen, das wird ja alles (neuerdings) ganz straff durchorganisiert.

Und auch der Preis – ja, es gibt nichts kostenlos dort, damit sich die “Kunden” nicht wie Bettler vorkommen, denen ein Almosen gegeben wird –, die sogenannte “Aufwandsentschädigung” wurde drastisch nach oben korrigiert, um zwei Drittel des bisherigen Betrages. Okay, es ist noch immer viel billiger als im Laden, aber das meiste der Waren muß in den Gefrierschrank, Brot und Wurst zum Beispiel.

Jedenfalls: Neuerdings muß ich mich jeden zweiten Dienstag dazu überwinden hinzugehen. Würde gern zuhause bleiben, bin aber doch auf diese Hilfe angewiesen … Eine verdammt unangenehme Situation.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. März 2015 war leckerer Salat am Abend.
 
Tageskarte 2015-03-04: Die Sechs der Münzen.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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24 Antworten zu Überversorgt (63/302)

  1. Dan schreibt:

    Verständlich :-(

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  2. Faktoid schreibt:

    Ein Zyniker, der dahinter Methode vermutet. Danke fürs Teilen.

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  3. Sofasophia schreibt:

    Ich verstehe das Zaudern. Heißt das, du kannst nicht auswählen? Dir wied dies und das zugeteilt, selbst bei Nichtbedarf?
    In der CH gibts die Caritasläden, wozu man eine spezielle Kundinkarte braucht. Die Preise (und Herkunft) sind wohl wie bei eurer Tafel, ansonsten ist es ein „normaler“ Laden. Ich kenns von einer Reportage.
    Schade, wie viel einst Gutes verschlimmbessert wird.

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  4. S. Meerbothe schreibt:

    Ich hörte gestern im Deutschlandfunk einen Bericht über die Dortmunder Tafeln. Ich versuche es fehlerfrei wiederzugeben (ich bin nicht so firm in dem Thema).
    Die steigende Zahl der nicht Deutsch sprechenden „Kunden“ hängt in Dortmund damit zusammen, dass (jetzt kommt der Teil wo es ungenau werden könnte) die Stelle, die für die Versorgung der Flüchtlinge zuständig ist, es finanziell nicht mehr packt, diese ordentlich zu versorgen. Daher erhalten diese eine Bescheinigung, die sie berechtigt, ihre Lebensmittel bei den Tafeln aufzustocken.
    Ich hatte Fahrgäste, daher war ich nur mit einem Ohr dabei. Doch ich könnte mir vorstellen, dass es bei Euch ähnlich läuft. Was die „vertauschte“ Brotmenge angeht, das halte ich tatsächlich für einen Fehler in der Organisation.
    Ach, und noch etwas. Bei der Tafel Dortmund gab es ehrenamtliche Helfer aus dem Kreis der Kunden, Asylanten. Diese dürfen bekanntlich nicht arbeiten und haben das gemacht, um sich nicht im Heim langweilen zu müssen. Dann wurden sie abgeschoben. Vielleicht sind „Eure“
    Ehrenamtlichen ja auch „nach Hause“ geschickt worden.

    Alles im Allem verstehe ich aber gut, dass Du unwillig bist, Dich unter den neuen Umständen dort hin zu begeben.

    Liebe Grüße,
    Silvia

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  5. Gudrun schreibt:

    Wenn du auf der Suche nach Büchern über ein Kräuterbuch stolperst, dann heb es für mich auf bitte. Ich möchte in diesem Jahr Salate aus Wildkräutern machen, Suppen kochen und Pesto machen, mich öfter von der grünen Wiese ernähren. Bei Tee hat es geklappt. Ich bin gut über den Winter gekommen.

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  6. Karl schreibt:

    Ich habe schon ein wenig das Gefühl, dass bei den Tafeln, wie auch bei etlichen anderen Sachen im Bereich Soziales aus ursprünglich wirklich „sozialen“ Ideen, die als echte, uneigennützige Hilfe gedacht waren und ursprünglich auch so praktiziert wurden, mehr oder weniger ausgeprägt Geschäftsmodelle wurden.
    Statt Ehrenamtlern als Anerkennung eine gewisse Aufwandsentschädigung zukommen zu lassen schaffen sich Haupamtliche ihre Vollversorgung. Ich weiß nicht und will nicht behaupten, ob es bei Euch so ist, aber ich beobachte es mit Skepsis, wie ich die Tafeln insgesamt teilweise sehr skeptisch sehe.
    Einerseits wird beahuptet, man nehme Geld von den „Kunden“ damit diese sich nicht als Almosenempfänger fühlten, andererseits wird (auch hier in meiner Gegend) von Kunden berichtet, das sie sich massiv gedemütigt fühlen, weil sie eben gerade als das behandelt werden: Almosenempfänger, die sich für alles rechtfertigen müssen. Irgendwie hab ich das Gefühl von einer weiteren von vielen Schieflagen berichtet zu bekommen.

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  7. gabi m. auth schreibt:

    Ich finde es unsäglich, dass überhaupt eine Unkostenbeteiligung gefordert wird. Noch übler finde ich, dass der Beitrag erhöht wurde. Besonders erschreckend bleibt für mich die gesamte Praxis von H4 und dass ein Mensch davon nicht wirklich angemessen leben und sich ernähren kann. Aber das Erschreckendste ist die Anti Hartz Vier Empfänger Stimmung im Land, die immer weiter mutwillig angefeuert wird von bestimmten Medien.

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  8. Gabi schreibt:

    Das tut mir leid, dass sich das für Dich (und auch für andere) ins Negative verändert hat. Und ich verstehe auch sehr gut Dein Unwohlsein.

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  9. zeilentiger schreibt:

    Bitter. Danke fürs Teilen.

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