Finster war’s (80/285)

An was ich bei einer Sonnenfinsternis so denke

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Sonnenfinsternis. Soooooooooonnenfinsternisssssssssss! Ja, die war gestern hierzulande zu sehen. Und die Reporter der großen Medien überschlugen sich in sprachlichen Korrektheiten, zum Beispiel im Morgenmagazin in den Nachrichten (leider nicht auffindbar in der Mediathek): “Die Sonnenfinsternis KÖNNTE das Tageslicht abschwächen.” Ja, der Moderator sagte tatsächlich “könnte”.

Und keinesfalls darf der Mensch mit ungeschützten Augen in die Sonne blicken. Das haben Menschen noch nie gemacht. Und noch nie hat ein Mensch danach eine einfarbige Fläche angesehen (oder die Augen geschlossen), um das Nachhallbild in der Komplementärfarbe zu erhaschen.

Und auch Kameras jeglicher Bauart durften nicht direkt auf die Sonne gerichtet werden, denn das Licht könnte ja den Sensor zerstören – früher brannten die durch das Objektiv einfallenden Lichtstrahlen regelmäßig Löcher in den Verschluß oder den Film.

Meine Fresse. War das nicht etwas übertrieben vorsichtig? Etwas zu autoritär fürsorglich? Oder zu fürsorglich autoritär? Und all die Schutzmaßnahmen, die 1999 noch ausreichten (CD/DVD, Rettungsdecke, berußte Gläser), all diese Dinge sollten gestern nicht mehr ausreichend sein … Na da brat mir doch einer einen Storch im Solarofen!

 

Bei der nächsten Sonnenfinsternis werde ich auch wieder keine Schutzmaßnahmen ergreifen müssen. 2088 wäre ich nämlich 125 Jahre alt – einhundertfünfundzwanzig! Das mag ich mir nicht vorstellen, so alt zu werden; ich mag nicht darüber nachdenken, welche Zipperlein mich in desem Alter plagen würden und könnten; ich mag nicht darüber nachdenken, wieviel von der Welt ich dann nur noch mit einem resignierenden, nichtverstehenden Kopfschütteln bedenken könnte und müßte.

Aber ich bin froh, wir alle können froh sein darüber, daß auch diesmal bei der Sonnenfinsternis nicht die ganze Welt untergegangen ist, daß nicht die bösen Mächte, die Herren der Fliegen und der Finsternis die Macht an sch gerissen haben und wir uns weiter auf die wichtigen Dinge unserer Welt konzentrieren können:

Germany’s next Topmodel. GZSZ. Lindenstraße. Die Affairen der Politiker und B- oder C-Promis. Blockbuster. Bierpreise. Spritpreise. Neue Unterkünfte für Menschen, die nach ihrer Flucht hier eine sichere Unterkunft suchen, das aber bitte nicht in unserer Wohngegend tun sollen. Der Stinkefinger eines Menschen, den dieser vor drei Jahren zeigte …

Ja, unser Leben kann so wunderbar sein, so wunderbar stumpfsinnig. Oder auch ganz anders. Es kommt auf uns an, darauf, was wir aus diesem Leben machen. Wie wir es zu nutzen verstehen.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 20. März 2015 waren der Blick auf die Sonne und der gelungene Buchfink.
 
Tageskarte 2015-03-21: Die Königin der Stäbe.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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6 Antworten zu Finster war’s (80/285)

  1. Sofasophia schreibt:

    Toller Text. Ich mag deinen kritischen Blick.

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  2. Bruder Indiana schreibt:

    War doch eher lustig, diese Hinweise. Und ich halte mich dran. Und von der Sonnenfinsternis heute redet niemand. Bei der Dunkelheit bin ich dann auch vorsichtshalber nicht aus dem Haus. (War mir auch zu glatt vom Schneefall)

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  3. minibares schreibt:

    Dabei hatte ich die SoFi von 2011 für einen schönen Sonnenaufgang gehalten und damals fleißig fotografiert, einfach so, wie immer, lach.
    Und es war doch die partielle Sonnenfinsternis.
    Diesesmal war bei und Nebel und der blieb.

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  4. Gabi schreibt:

    Tja, und ich hab auf die Sofi sogar vergessen. Und die Erde dreht sich trotzdem weiter. 😊
    Du hast recht, es gibt viel wichtigere Themen.

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  5. Sehr gut, thänx fg

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