Die Frau, die vor der Tür stand (133/232)

Erste Bestandsaufnahme

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Da saß ich, ich Schriftstellerin, ich. Saß mit offenem Mund an meinem Eßtisch in meiner Küche, mit einem Bündel Geld in der Hand. Auf was hatte ich mich da nur eingelassen? Ein echtes Happy End erschien mir in der Realität ziemlich weit entfernt. Vor allem in Anbetracht der Scheibwerkstatt-Unterlagen, die in den sieben Taschen und Beuteln unter dem Tisch standen. Was soll’s. Ich ging neben dem Tisch auf die Knie und sah mir das an, was sie Material nannte. Dabei fiel mir dieser Karton mit den Fotos auf, den ich vorsichtig aus einem alten Kunstlederbeutel heraushob und hinauf auf den Tisch stellte.

 

Der ganze Karton

Der ganze Karton

 

Seltsam. Ganz zuoberst lag da dieses eine Foto mit der beschriebenen Rückseite.

 

Eine Nachricht

Eine Nachricht

 

«Ihr Lieben / mal ein kleines / Andenken / von Euren Freunden / Kurt & Milda / [Name entfernt] / San Gabriel, Calif./ aufgenommen 1948»
(Der Querstrich über dem “m” zeigt die Konsonantenverdopplung im Wort “aufgenomen” an.)

Das war ja ein erster Hinweis, auch wenn er auffällig merkwürdig plaziert war. Und bei einem Griff in das Chaos von Bildern unterschiedlichster Formate fiel mir ein auf dicken, festen Karton aufgezogenes Foto in die Hand.

 

Die Herren

Die Herren

 

Die Freundinnen

Drei Freundinnen oder Schwestern?

 

Vielleicht Großvater und Vater der drei Frauen, die auch Schwestern gewesen sein könnten? Denn auch diese drei wunderschönen Frauen waren im Karton zu finden. Auf der Rückseite des Bildes stand «Die drei Freundinnen». Zwischen den beiden Bilder liegen bestimmt zwanzig oder dreißig Jahre. Aber wie ich auch suchte, nirgends anders fand ich einen weiteren Namen, den ich in der Geschichte hätte verwenden können. Und es fand sich auch kein weiterer Name auf all den Bildern, die ich hastig durchwühlte, als hätte ich Angst vor der Entdeckung meines Tuns gehabt. Vielleicht sollte ich die Geschichte dieser seltsamen Frau mit der Suche nach diesem Photo-Atelier beginnen?

 

Hinweis?

Ein Hinweis?

 

Verdammt. Schon zwei Stunden betrachtete ich diese alten, uralten Fotos und Postkarten und erbaulichen Sprüche aus den Evangelien in diesem alten, braunen Karton. Drei Stunden also, zusammen mit der knappen Stunde, die jene seltsame Frau mit ihrer Sehnsuch nach einem Happy End mich vom Beginn meines neuen Romans ablenkte. Die Schriftstellerin in mir rief zur Ordnung. So ließ ich alles stehen und liegen und stieg nachdenklich, beinahe zögernd die Treppe wieder hinauf zu den leeren Seiten einer vollkommen anderen Geschichte.

 

Ein weiteres Mal danke ich der famosen Jutta Reichelt für die wunderbare Anregung.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 12. Mai 2015 waren die erledigte Hausarbeit und dieser Text.
 
Tageskarte 2015-05-13: Die Königin der Schwerter.

© 2015 – Der Emil. Alle Rechte vorbehalten. Bilder aus dem Privatarchiv.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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19 Antworten zu Die Frau, die vor der Tür stand (133/232)

  1. Arabella schreibt:

    Gut gemacht, ich überlege noch.

    Gefällt 1 Person

  2. Sofasophia schreibt:

    Sie machen es uns nicht leicht, diese zwei Frauen (Jutta und die Happy End-Wünschende).
    Und du auch nicht – mehr, mehr, mehr …

    Gefällt 1 Person

  3. Sofasophia schreibt:

    Ach, Kompliment übrigens zum Text.
    Die Bilder mag ich auch sehr.

    Gefällt 1 Person

  4. juttareichelt schreibt:

    Lieber Emil, das ist wunderbar! Ich bin begeistert und Stimme aus vollem Herzen in den Chor ein: Ja! Bitte mehr! Sehr herzliche Grüße!

    Gefällt 1 Person

  5. Pingback: Die Frau vor der Tür – wie geht es weiter? | Über das Schreiben von Geschichten

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