Normales Chaos am Freitag (136/229)

Oder: Übeleben im täglichen Wahnsinn

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Gestern Mittag machte ich mich auf den Weg zum Sender. Eine Schicht Sendedienst und am Abend dann die Live-Literatur-zum-Hören-Sendung “Buchfink” lagen vor mir. Aber so wenig Lust auf die Sendung hatte ich noch nie. Ich hatte eine erkleckliche Anzahl Bücher im Rucksack – doch für keines von denen konnte ich mich so Recht begeistern. Wie schlimm diese Unlust war läßt sich vielleicht daran ermessen, daß ich als bekennender Fußball-Hasser sogar dieses Buch mitgenommen hatte, für den Notfall … Als ich am Moritzburgring aus der Straßenbahn stieg, schämte ich mich doch sehr dafür.

Unweit der Haltestelle ist ein modernes Antiquariat, das am Ende überhaupt nicht so modern ist, sondern stilvoll, “authentisch” wäre die neueste Phrase dafür. Rotschildt Bücher – die paar Meter Umweg sind nicht schlimm, vielleicht finde ich ja was, Zeit habe ich auch noch genug, kaufen muß ich ja nix, und die 31a wollte ich beim Chinesen meiner Wahl auch noch mitnehmen.

Wie sage ich immer? Bücher müssen mich anspringen. Und ich wurde angesprungen! Heftig sogar, noch draußen auf der Straße, aus den Grabbelkisten heraus. Anna Seghers “Das siebte Kreuz” mußte wieder in meinen Besitz übergehen. Gedichte von Johannes R. Becher im zellophanierten Reclam-Bändchen “Als namenloses Lied” (8523-25C) durfte nicht liegenbleiben. Je ein Bändchen mit kurzen Texten von Heinz Knobloch (u.a. Wochenpost-Feuilletonist, “Nachträgliche Kostbarkeiten”) Richard Christ (u.a. Weltbühne-Mitarbeiter, “Die Sache mit dem Haken”) und Ben Witter (u.a. Kolumnist der Zeit, “Sensationen im Sessel”) fanden den Weg zu mir.

Und dann fielen mir blaue Buchrücken auf. Die Front der Bücher immer mit wunderbaren Bildern versehen, die mich an einen bekannten Maler erinnerten aus dem Mittelalter, der mit seinen apokalyptisch-surrealen Bilder auch ganze Kirchen ausgestaltete (war das vielleicht Hieronymus Bosch?) – und es lagen ja auch nur sechs aus der “Biblothek der phantastischen Abenteuer” (Fischer) da. Auch die gingen für wenig Geld in meinen Besitz über. Uff. 16,50 – das kostete zu DDR-Zeiten eine Flasche der weniger üblen Spirituosen. Mitsamt meiner kleinen Bibliothek lief ich dann am China-Imbiß vorbei zur Arbeit.

Zunächst erwartete mich ein ruhiger Start, der schlagartig ins Chaos umschlug. Viel zu tun. Ein echtes technisches Problem, das ich aber dann lösen konnte. Zu allem Überfluß sagte kurz vor der Angst noch der Sendetechniker für die Abendschicht ab. Naja, was soll’s. Ich hatte Live-Sendung, war wie üblich sowieso bis 21.30 Uhr im Sender und konnte daher die kurze Zeit, die zu überbrücken war, auch noch übernehmen. Aber der Tag als solcher war …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 15. Mai 2015 waren ein gefundener und behobener technischer Fehler und viele schöne “neue” Bücher.
 
Tageskarte 2015-05-16: Der Bube der Schwerter.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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6 Antworten zu Normales Chaos am Freitag (136/229)

  1. Sofasophia schreibt:

    Toll, wie dich die Büched finden. Improvisierst du eigentlich dann bei Buchfink oder hast du eine Choreographie?

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  2. Elvira schreibt:

    Gibt es nicht ein Zitat, in dem es heißt, dass aus Chaos Sterne geboren werden? Scheint zu stimmen!

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