Was Übersetzer so können (147/218)

Zwei Sprachbilder, die mir gefallen – und die Konsequenz daraus

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Viel zu selten werden die Menschen gewürdigt, die sich den Mühen unterziehen, die die Übersetzung von Literatur mit sich bringt. Denn wenn Du oder ich oder irgendjemand Gefallen findet an einem ursprünglich fremdsprachigen Werk, so wäre dies ohne die feine Arbeit der Übersetzer kaum möglich. Und mir sind zwei wunderschöne Beispiele dafür aufgefallen, wie gut solche Verdolmetschungen sein können:

 

 

» Wenn er versuchte, ihr seine Liebe zu gestehen, fing er an zu stottern und stampfte auf der Wiese der Sprache wie ein blödes Rindvieh umher, bis er sich so sehr schämte, daß er überhaupt keinen Ton mehr herausbekam. «

S. 199

 

» Was ist Zeit? Wer vermag ihren Fluß zu verfolgen? Ist die Zeit wie der Wind – eine gewaltige, unsichtbare Macht, die alles verändert –, oder ist sie das Produkt eines kollektiven Traums? «

S. 207 in Mary Mackey: Kornmond und Dattelwein. Deutsche Erstausgabe 1987
© 1987 Fischer Taschenbuch Verlag GmbH Ffm. ISBN 3-596-22719-4

 

 

» Aus dem Amerikanischen von Marcel Bieger « (Hervorhebungen von mir) steht auf der Titelseite im Buch. Marcel Bieger, einer von Tausenden, die eine einfache Websuche liefert. Welcher wird es wohl sein? Ich habe keine Ahnung. Doch in Zukunft werde ich wohl öfter an das Rindvieh auf der Sprachwiese denken müssen, wenn mir die Worte wegbleiben und ich zu stottern beginne. Und die Vorstellung, daß Zeit nur ein Ergebnis eines kollektiven Traums aller Menschen ist (oder besser: vieler Menschen, denn dann kann ich mich außerhalb dieser Träumerei sehen und damit als an der Zeit unschuldig seiend) ist tatsächlich eine reizvolle.

Marcel Bieger hat nicht nur in diesen beiden Beispelen, sondern im gesamten Buch Arbeit geleistet, die nicht zu bemerken ist und darum bemerkenswert ist. Das Buch las und liest sich für mich, als hätte es mir in seiner Originalsprache vorgelegen.

Die Übersetzer zähle ich von nun an zu den Künstlern.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 26. Mai 2015 waren ein ruhiger Nachmittag und eine unerwartete, trotzdem viel zu kurze Mail.
 
Tageskarte 2015-05-27: Die Sechs der Münzen.

P.P.S.: Nicht zu vergessen die Lektorinnen und Lektoren, die an den sprachlichen Feinheiten nicht geringen Anteil haben, glaube ich!

© 2015 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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4 Antworten zu Was Übersetzer so können (147/218)

  1. Sofasophia schreibt:

    Vermutlich hat sogar schon die Autorin das Bild vom Rindvieh und jenes vom kollektiven Traum geschrieben – auch das gilt es zu bedenken.
    Bei Lyrikübetsetzungen, so weiß ich es aus erster Hand, arbeiten zuweilen neben den Übersetzenden, die sich auf die sprachliche Korrektheit fokussieren, auch LyrikerInnen mit. Seelenverwandte im Idealfall.
    Gut Übersetzen ist Kunst – unbedingt!

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