Wissen-Schaft (165/200)

Ich mach mir so meine Gedanken

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(Die Halkyonische Akademie spukte auch gestern noch in meinem Kopf.)

 

 
Unnützes oder ungenutzes Wissen? Angewandte und unangewandte Wissenschaft?
 

Welchen Nutzen bringt (mir) Wissen, das ich nicht anwende?

Ich wette, jede und jeder hat genau solches Wissen – über Freunde, Bekannte, Verwandte, Kollegen, Chefs, Vorgänge in Betrieben, Behörden usw. usf. Und jede und jeder hat gute Gründe, dieses Wissen nicht anzuwenden, ja, in einigen Fällen sogar nicht einmal bekannt werden zu lassen! (Auf diese Weise zieht man vielleicht doch einen Nutzen aus diesem Wissen, denn man könnte ja …)

Eine andere Art Wissen ist das, zu dessen Anwendung sich keine Gelegenheit bietet. Ich kann mich zum Beispiel noch an einige Teile der Stringtheorie, an physikalische Besonderheiten monomolekularer bzw. monoatomarer Schichten erinnern. Doch wo soll ich das nutzen? Ich habe auch einmal Russisch gelernt (und verdammt viel davon bereits seit langer Zeit wieder vergessen), aber wo kann ich meine Kenntnisse heute noch einsetzen? Was ist mit den Prinzipien der perspektivischen Darstellung aus dem Technischen Zeichnen?

Geschichtsazahlen, Unmassen von historischen Daten haben wir alle in der Schule gelernt: Die Varusschlacht, der Untergang Karthagos, die Jahre, in denen bestimmte Herrscher gekrönt, und die, in denen sie gestürtzt wurden. Entstehungsjahre von Kunst- und Bauwerken und von Ländern. Und Gedichte! Na, wie ist es: “… und rings auf hohem Balkone / die Damen in schönstem Kranz …” oder: “Nur nicht so schnell! / Laß dir erst deine Zähne brechen, / Dann wollen wir uns weitersprechen.” Ha, ich wette erneut, diesmal daß jetzt einige Suchmaschinen bemüht werden; aber das ist nicht schlimm, das ist völlig normal, denn niemand kann all das Wissen behalten, das jemals gelernt und anders erworben wurde.

Wie gut es doch ist, daß ich mich nicht an alles erinnern kann, das ich einst lernte. Und daß ich von all meinen Erlebnissen mir immer nur an einen Bruchteil erinnern kann und auch dieser Bruchteil ist am Ende noch von meinem Hirn geschönt.

 

Muß wirklich alles Wissen einen Nutzen haben? Hat unangewandte Wissenschaft vielleicht einen Nutzen, der größer ist als der der angewandten Wissenschaft?

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 13. Juni 2015 waren liebe Nachrichten und der Abend mit der allerallerallerbesten Freundin.
 
Tageskarte 2015-06-14: Der Bube der Kelche.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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12 Antworten zu Wissen-Schaft (165/200)

  1. alltagsfreak schreibt:

    Vieles hat leider an Bedeutung verloren, war vielleicht damals schon zweitrangig. Man muss es selbst einschätzen was wertvoll ist oder nicht. Heute werden Kinder mit Religionslehre konfrontiert, noch „wertloseres“ Wissen. Stenographie, hatte wenigstens einen tieferen Sinn, was Generationen vor unserer lernte. Das gesprochene Wort in schneller Weise zu Papier bringen, wenn es technisch nicht möglich ist Gespräche aufzuzeichnen. Manches scheint wertlos, fördert aber kognitive Fähigkeiten. Ein interessantes Thema, was Du angeschnitten hast.

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    • Der Emil schreibt:

      Wertlos? Nun, zumindest ist alles Wissen eines Nachdenkens wert über seinen Nutzen und seine Nutzung — wie auch JEDE Wissenschaft.

      Wohin gerate ich, wenn ich nicht mit meinem Wissen hadere und hausiere, nicht darüber nachdenke und NICHTS vergesse?

      Es arbeitet …

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  2. Arabella schreibt:

    Wissen ist niemals wertlos.

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  3. Sofasophia schreibt:

    Du kennst ja bestimmt auch das Phänomen, dass, wenn etwas auf der Straße liegt, die nächsten Leute hemmungsloser auch was wegwerfen? So ähnlich aber im umgekehrten, positiven Sinne stelle ich es mir mit dem Wissensammeln vor. Theoretisch lernen wir alle ungefähr das Gleiche in der Schule. Dies und das. Was hängen-, resp. auf der Straße liegenbleibt, ist vielleicht am Anfang ein bisschen Zufall. Darüber, wie sich Affinitäten entwickeln oder ob sie schon in unseren Genen liegen, gibt es ja viele Theorien. Von denen ich kaum welche wirklich weiß. Aber dass es was mit positiven Verstärkern zu tun haben muss, scheint mir logisch.
    Warum bin ich ein kreativer Mensch geworden, im Gegensatz zu meinen beiden Geschwistern? Weil es mein Ausweg war? Das Anderssein eine Art Überlebensstrategie? Und so blieb dann eben der ganze kreative Karsumpel – in der Schule etc. – auf meiner Straße liegen.
    Möglich. Anderes mochte ich zwar (Bio, Chemie), doch davon ist kaum was bei mir geblieben.

    Wie auch immer – du hast mir da grad mal wieder feines Gedankenfutter geliefert! Ich danke dir.

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    • Der Emil schreibt:

      Gedankenfutter, aber gerne doch.

      Hast ja auch gleich einiges dazugetan und mich wieder an meine $laquo;gute Ausrede&aquo; bzgl. Kreativitäten und ebenso genetisch bedingten Diagnosen … Ich glaube (?) an Spezialitäten-Magnete oder -Kleber, mit denen gesammelt wird.

      Ja, und dann? Ungenutzt, unnütz? Vielleicht ist mein unnütz nur mein Synonym für „Keinen Vorteil bringend“ ?

      Gefällt 1 Person

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