In tiefer Nacht (180/185)

Nachts ist anders.

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Nachts.

Nachts ist anders.

Nachts weit nach Mitternacht.

Meist zwischen drei und vier Uhr, manchmal aber auch früher. Wachwerden in der Dunkelheit, liegen, zögern, wieder weggleiten aus der Wachheit hinein in luzide Träume. Dann doch ganz im Jetzt und in der Nacht sein. Oft wache ich auf, weil ich mit voller Blase eben nicht gut weiterschlafen kann. Oder weil ich in einem Traum etwas zu Aufwühlendes erlebte. Manchmal scheinbar völlig unbegründet. Aber ich bin irgendwann wach, putzmunter; und bis zum Wiedereinschlafen vergeht immer eine geraume Zeit.

Nachts geschehen wundersame Dinge. In meinen Träumen erfüllen sich alle meine Wünsche. Nachts gibt es kein “nein, das geht doch nicht”. Ich schreibe im Traum ganze Bücher, drehe Filme und Serien, kann durch die Zeit reisen und angstfrei fliegen (solange ich nicht nach unten schaue). Nachts erfinde ich Worte und Sprachen, löse bisher unbekannte Probleme jeglicher Wissenschaft. Immer wieder scheitere und sterbe ich in meinen Träumen, werde verletzt an Körper und Seele. Nachts bin ich unsterblich und träume in Fortsetzungen. Neben dem Schlafplatz liegen Zettel und Stift, und manchmal finde ich morgens Texte und kann mich nicht an den Prozeß des Aufschreibens erinnern. Nachts kommen mir die seltsamsten Fragen in meine Träume, in den Sinn. Und nachts erlaube ich mir auch, sie öffentlich zu stellen (zumindest wenn ich nicht schnell genug Zettel und Stift zum notieren finde – oder wenn ich es ohne aufzuwachen tue).

Plötzlich reicht aus der Nacht heraus etwas in meinen Tag.

Ich muß über genau diese Sehnsuchtspunkte nachdenken. Aber nicht nachts. Denn nachts ist anders.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 28. Juni 2015 waren langes Ausschlafen, ein langer Spaziergang, leckere Kirschen und ein gutes Gespräch.
 
Tageskarte 2015-06-29: Die Fünf der Stäbe.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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16 Antworten zu In tiefer Nacht (180/185)

  1. Zerdenkender schreibt:

    Schöner Gedankengang : ), brachte mich sehr ins grübeln. Wer seinem Lebensweg nicht folgt, wird es früher oder später wohl bedauern. Im Jetzt leben und nicht sehnsüchtig nach hinten blicken zu müssen ist etwas, dass den meisten Menschen verwehrt bleibt. Das Leben ist oft kompliziert, weil wir uns selbst ein Bein stellen. Danke für den nächtlichen Denkhappen!

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  2. Sanguine schreibt:

    Ich frage mich, wenn man nicht nachts darüber nachdenken soll, wann dann? Am Tage? An den hellen Tagen, welche gesegnet sind mit den üblichen Einschränkungen?

    Da sehe ich einen Widerspruch.

    Über all jene Sehnsüchte, die am Tage zu oft ein „nein“ erfahren, sollte man doch am besten, ebenso wie man sie dort träumt, auch nachts nachdenken. Hm?

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    • Der Emil schreibt:

      Aber nachts, wenn alles so wenig wirklich ist, darf ich träumen.

      Wenn ich etwas in mir bewegen will, bewußt bedenken, verarbeiten, einordnen möchte, dann brauche ich die Wachheit und die Zeit des Tages (die ich mir zum Glück recht frei einteilen und nehmen kann) …

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      • Sanguine schreibt:

        Vor allem bietet der Tag so viele Möglichkeiten um seine Träume zu ÜBERdenken. Bis man sich dann in irgendeiner weit entfernten Nacht wiederfindet und neben den unausgelebten Träumen denken kann ‚War es das Wert?‘

        Warum sind es nur Träume? Träume sind es, weil ungeahnte Risiken damit verbunden sind. Mut wird erfordert. Nachts träumen wir uns den Mut gleich mit dazu. Den Mut, der uns mit der Vernunft des Tages verlässt.

        Wenigstens einen kleinen Traum, einen, der uns nicht gleich das Genick, sondern vielleicht nur einen Arm bricht, sollte in der Nacht Platz finden, um so geträumt und gedacht zu werden, dass wir ihn, ohne ihn zu überdenken, einfach mit in den Tag nehmen und ausleben.

        Wenn man noch jung ist, noch keine große Verantwortung trägt, ist dieses Verhalten selbstverständlich. Es wird einfach so nach den Sternen gegriffen.
        Aber mit dem Erwachsenwerden kommt auch die Verantwortung, die Vernunft, die mit jedem Tag wächst und wächst, während die Träume lediglich die Nacht unsicher machen können.

        Gönn dir mutig einen kleinen Traum, ohne ihn mit großer Vernunft zu überdenken und abzuändern.
        Kompromisse gibt es im Leben doch genug. :)

        ..Der Alchemist. Seit frühester Kindheit mein absolutes Lieblingsbuch. Allein das Vorwort ist atemberaubend. Dieses Buch bietet in der Tat wertolle Lektionen für’s Leben.

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  3. Sofasophia schreibt:

    Du sprichst auch über meine Nächte irgendwie – auch wenn ich zum Glück zurzeit wieder durchschlafen kann. Im Moment schreibe ich die Träume kaum auf, zu viele sind es. Und doch wirken sie und erfüllen sich zuweilen – wie ich gestern beim Altes-Tagebuchlesen erkannt habe.
    Wie das alles zusammenhängt?
    Vielleicht muss ich es nicht wissen, aber es tut und es WIRKT.
    Sehnsuchtspunkt ist ein Gutwort – gutes Weiterfinden dir!

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  4. Ulli schreibt:

    Ja, Nachts ist anders … schnörkelloser, freier, ehrlicher? Da darf alles ungefiltert aufsteigen, hat seinen Platz, selbst der Alp …

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  5. zweitesselbst schreibt:

    Nachts hab ich meine Ruh. Oke, noch bisschen am PC rumhängen. Aber das war´s dann auch. Das Gute am PC und TV ist ja, wenn man genug hat, schalt ich aus. Tagsüber ist das leider nicht so einfach. Eija, abends groß weggehen, tu ich auch nicht mehr.

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