Berliner Abend (196/169)

Begegnung, mit Currywurst

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Sie würde mich ja erkennen, schrieb sie (oder sagte sie?), ehe wir uns am U-Bahnhof Warschauer Straße trafen. Und dann kam sie auf mich zu. Frau Quilttraum. Nach den wenigen Bildern, die sie in ihrem Blog von sich zeigt, hätte ich sie nicht erkannt. Hm. Erster Eindruck? Die ist ’ne Ostberliner Pflanze, mit der lassen sich Pferde stehlen und andere Dinge mehr tun (Du kannst mir das hoffentlich verzeihen).

Um ihre Begleitung zur Tamara-Danz-Straße hatte ich gebeten und in die Eastside-Gallerie. Beides in direkter Nachbarschaft zu meiner Unterkunft, beides nicht zu verfehlen. Aber zu den Grafitties, dachte ich, hätte ich ja viele Fragen.

 

Tamara-Danz-Straße

Es gibt sie doch!
Auch wenn diese Straße in der Nähe der O2-World (oder wie das Dingens heißt) “nur” zu einem BSR-Hof führt: Nach dieser Frau sollten mehr Straßen benannt werden.

 

Und dann? Dann standen wir nach einem kurzen Weg an ebendieser Eastside-Gallerie. Und ich war enttäuscht. Weil viele der Originalbilder von Tags und Crewsigns verunstaltet sind. Der alte Sprüherkodex, der zum Beispiel auch ein Übersprüh-“Verbot” enthielt, scheint Nichts mehr zu gelten. Eine kurze Zeit am Spreeufer entschädigte mich aber für diesen entgangenen Genuß. Ja, und dort war es auch, daß mir Konoppke wieder einfiel, als mich ein kleiner Hunger überfiel. Schon nach einer halben Stunde bekam ich Appetit auf eine Kult-Currywurst. Wir suchten beide im Telefon nach der Adresse, fanden sie auch und machten uns auf den Weg.

19.58 Uhr. Wo ist denn dieser Imbiß? Ach, auf der anderen Seite der Danziger Straße, nicht direkt unter dem U-Bahnhof Eberswalder Straße. Dort sah es aber sehr, sehr verdächtig nach Geschäftsschluß aus. Nur ein Mann kehrte noch vor den beiden Kiosken. Und ja, auf der Rückseite des einen stand dann auch, daß Sonnabends 20 Uhr geschlossen wird. (Hätte ich das bloß photographiert!) Toll, wie ich schon schrieb. Nun gut, gleich um die Ecke war, nein, ist ja auch die Kulturbrauerei, von der ich wegen der Literaturwerkstatt wußte, die mir bei einer Suche in den letzten Wochen über den Weg lief (ich fand damals das wunderbar klingende “Deutsche Zentrum für Poesie i. Gr.”). Und in der wurde mir im Hostel auch die Alte Kantine empfohlen, die leider an diesem Sonnabend auch nicht sehr einladend aussah. Nun, in der ganzen Kulturbrauerei war an diesem Tag wahrscheinlich nichts normal, denn ausgerechnet am 11. Juli war es laut und farbstaubte im Hof: Holi-Festival, Farbpulverbeutelaufmenschenschmeißhappening. Nix für mich, und nix für Elvira. (Genügend bunte Figuren liefen dann auch draußen herum …)

Gleich gegenüber, an der Ecke Danziger / Knaackstraße, leuchtete Elvira und mir der Schriftzug CURRYWURST entgegen. Der gehörte zu einem Imbiß (bei Interesse: es ist Berliner Currywurst & Coffeeshop) mit leckerer Currywurst und guten Pommes, wie sich kurze Zeit später herausstellte. Dort saßen wir uns im lauen Berliner Abend draußen gegenüber. Und weil ich so viel zu erzählen hatte und kaum aufhören konnte, brauchte ich, der ich schon beinahe vor Hunger auf der Straße zusammengebrochen war, länger zum Essen als sie. Aber ich fühlte mich echt wohl, es paßte, und so tranken wir noch ein und noch ein Berliner Pils und ich fühlte mich ein wenig wie der Engel Aloisius.

Zwei schnatternde Hühner an einer Berliner Straßenecke. Als ob es genau so sein mußte. Es war ein wirklich sehr, sehr angenehmer Abend. Ich werde jederzeit wieder gern mit Elvira unterwegs sein und auch gerne wieder dort ’ne Currywust essen. Vielen Dank, Elvira, für Deine Zeit, einen schönen Abend und ein bißchen mehr Miteinander im mir zu hektischen Berlin. Und Danke! auch für Deinen Text.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 14. Juli 2015 war die Ruhe.
 
Tageskarte 2015-07-15: Der Ritter der Kelche.

© 2015 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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7 Antworten zu Berliner Abend (196/169)

  1. Pit schreibt:

    Currywurst: muss ich mir unbedingt mal wieder selber machen. Zu kaufen kriege ich sie hierzulande ja nicht.
    LG,
    Pit

    Gefällt mir

  2. Ulli schreibt:

    ja, mit Elvira kann man wunderbar die Stunden verschwatzen, das durfte auch ich im März erleben, schön, dass es dir auch so ging :)
    herzlichst Ulli

    Gefällt 1 Person

  3. Elvira schreibt:

    Den Pferdestall für die zu stehlenden Pferde hatten wir in der Kulturbrauerei ja schon gefunden ;-)
    Ich habe Dir sehr gerne zugehört, denn Du hast ja auch etwas zu sagen. Du bist klug, hast Humor und besitzt etwas sehr Wertvolles: Herzenswärme.
    Liebe Grüße,
    Elvira

    Gefällt 1 Person

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