Denn sie lehren die Kinder (261/104)

Lied und Wut

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Ich hab bisher die Fresse gehalten zum allgegenwärtigen Thema “Flüchtlinge”. Aus gutem Grund. Ich bin nämlich wütend. Stinkwütend bis zur Unsachlichkeit. Stocksauer sogar: auf die Politiker Europas, die den Waffenexporten und Kriegseinsätzen grenzenlos zustimmen, den Gewinn und die Steuern daraus gerne sehen. Doch die anderen Folgen, die wollen sie hier nicht haben: Eben die Flüchtlinge, aus Syrien, wo zur Zeit Krieg geführt wird auch mit Waffen aus Ländern der Europäischen Union, vom Balkan, wo die Wirtschaft und die Infrastruktur auch von NATO-Einheiten aus Ländern der Europäischen Union mit Waffen aus Ländern der Europäischen Union zerbombt und zerschossen wurden. Nein, die Flüchtlinge gehören nicht nach Europa, höchstens in die peripheren Länder Griechenland, Ungarn, Italien, Malta; jedenfalls nicht nach Deutschland und Frankreich.

Und dann wird in den Nachrichten wieder gesprochen von Orten in Polen, in der Slowakei, in Tschechien; da werden die Orte bei ihren alten, “deutschen” Namen genannt. Obwohl sie eben keine deutschen Orte mehr sind und ihre Namen manchmal auch für deutsche Unorte stehen. Nennen wir jetzt in der BRD befindliche Orte bei ihren alten, nichtdeutschen Namen? Na? Nein? Warum heißt Wrocław dann in den Öffentlich-Rechtlichen Nachrichten wieder Breslau?!? Und ich, ich bereite mich auf das Followerfest vor und übe Lieder aus der Singebewegung der DDR und stolpere dabei über ein Lied, das ich laut und wütend singe, fast herausschreie, das ich leider nirgends anhörbar finde im WWW. Deshalb müßt ihr euch mit dem Text zufriedengeben.

 
Denn sie lehren die Kinder

(Text und Melodie: Hartmut König 1967)
 

Ihr wißt es: Sie sind wieder da.
Braucht nur nach rechts zu schaun.
Sie schreien in schneeweißen Westen Hurra.
Die Hemden darunter sind braun

    Denn sie lehren die Kinder,
    ihr Land geh‘ bis Polen
    und es gäb auch dahinter
    noch manches zu holen,
    noch manches zu holen.

Die Kinder sagen wieder Stettin
und lesen bei Lampenschein,
wie mutige Männer gen Rußland ziehn
und würden es selbst so gern sein.

    Denn sie lehren die Kinder …

Ach, sagt nicht: «Seht, die Zeit verrinnt,
und mit ihr gehn auch sie.»
Und wartet nicht, bis sie am Ende sind,
ein Ende erlebtet ihr nie.

    Denn sie lehren die Kinder …

 

 

Wenn’s auf dem Hof aufgezeichnet wird, findet sich das Lied danach vielleicht auf Soundcloud.

Und das hier bleibt wahrscheinlich meine einzige Wortmeldung zum Flüchtlingsthema.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 17. September 2015 waren die gekaufte Fahrkarte und die Absprache zur Reise.
 
Tageskarte 2015-09-18: 0 – Der Narr.

© 2015 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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9 Antworten zu Denn sie lehren die Kinder (261/104)

  1. Alterschwede schreibt:

    Ja die Politik und die Berichterstattung durch die Medien sind weit von der Wirklichkeit entfernt und irgendwie gesteuert. Die Politik ist auf den Mammon ausgerichtet, Hauptsache das eigene Geld und das der Gönner (Konzerne) wird vermehrt, wie es dabei dem normalen Volke geht ist nebensächlich. Auch muss in der Politik alles schnell geschafft werden, denn bis zur nächsten Wahl muss man genug für den rest des lebens angehäuft haben. Hinsichtlich der Orte in Polen muss ich zugestehen, das ich diese auch mit dem deutschen Namen benenne, ich bin aber damit noch nirgendwo angeeckt, auch in Polen nicht.

    Da meine Familie dort seine Wurzeln hatte und meine liebe Frau aus Polen stammt, bin ich auch oft in Polen. Das man das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen kann (wie manch einer gern Möchte) ist mir auch klar (Eine mechanische Uhr geht kaputt, wenn man diese zurückdreht). Also eine Änderung hinsichtlich der Staatszugehörigkeit währe ein großes Unrecht, da dort auch schon wieder mehrere Generationen geboren wurden und dort zu Hause sind, die kann man nicht einfach wegjagen – die sind da zu Hause.
    Was ich allerdings gemerkt habe, auch die dort lebenden menschen fragen jetzt vermehrt, wo sie herkommen und fahren in die Ukraine und Weißrussland um dort mehr über ihre Familien zu erfahren. Ich habe dort schon sehr gute Gespräche in angenehmer Atmosphäre geführt, ohne Hass und Besitzanspruch und bin jedes Mal von der Gastfreundschaft dort überwältigt. Dort sieht man jetzt allerdings besorgt nach der Ukraine, da Polen gerade unter Stalin sehr zu leiden hatte und die Leute Angst haben. Die Berichterstattung in Polen (da meine Frau aus Polen kommt, sehen wir uns die dortigen Nachrichten auch an und vergleichen) ist ganz anders als in Deutschland. Also ich hab das Vertrauen in die sogenannte unabhängige Presse und in die so ehrlichen Politiker verloren. Auch die Berichterstattung über die Flüchtlinge ist nicht ehrlich.

    […]

    editiert

    Ja, den Rest Deines Kommentars habe ich absichtlich großzügig weggelassen. Ich mag keine Verallgemeinerungen der von Dir gemachten Art Und auch das „Ja, aber …“ am Schluß finde ich nicht gut. Der Emil

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  2. Sofasophia schreibt:

    Zum ersten: Meine Rede!

    Zum zweiten: Wirst du ein gutes Aufnahmeding dabei haben? Wir haben nur iPhones. Damit aber gerne, wenn auch vermutlich „ungenügend“.

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  3. Clara Himmelhoch schreibt:

    Emil, ich möchte so gern mit dir schreien!
    Bei den polnischen Namen hatte ich nie Schwierigkeiten, da ich 4 Jahre polnisch gelernt habe und zu meinen Lebzeiten Wroclaw eben nur so und nie als Breslau kennen gelernt habe, war es eben Sczeczin (oder wie es sich eben schreibt.)
    Doch andersherum – wir sagen doch auch Rom und nicht Roma oder für die spanischen oder russischen Städte haben wir auch deutsche Namen. Kaum jemand sagt Moskwa – Moskau ist üblich, obwohl es nie eine deutsche Stadt gewesen ist.
    Wenn die Politik und alle Menschen vernünftig mit den aus ihrem Land flüchtenden Menschen umgehen würden, dürften sie meinetwegen auch Beuthen (Bytom) und Kattowitz (Katowice) oder Hindenburg (Zabrze) sagen.

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    • Der Emil schreibt:

      Ja, Du hast natürlich Recht.

      In der DDR lernten wir diesen Gebrauch der Polnischen und Tschechoslowakischen Ortsnamen — die deutschen hätten vor 30 Jahren immernoch zu sehr an die Zeit des Hitlerfaschismus erinnert.

      Vielleicht ist es auch überhaupt nichtz so, daß diese Benennungen zunehmen, vielleicht wurde und werde ich mit diesen Nachrichten einfach nur wieder empfindlicher für das, was als systemunterschiedlicher Umgang prägend war.

      (Hoffentlich kann jemand verstehen, was ich damit auszudrücken versuchte.)

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    • Der Emil schreibt:

      Da fällt mir auf: Genau bei den Städten, die nie deutsch waren, da stören mich deutsche Benennungen nicht. Aber bei denen, die im II. WK deutsch waren …

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