Philosophieren über ein psychisches Phänomen (276/89)

Die Zeit

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Vor noch garnicht allzulanger Zeit war eine Woche für mich eine unüberschaubare Zeitspanne; so weit konnte und wollte ich nicht planen. Aber es ändern sich die Zeiten. Die Fahrt nach Zweibrücken hatte ich ja auch schon fast vier (?) Wochen vorher geplant. Und mit den Zeiten, die sich ändern, ändert sich für mich auch der Ablauf der Zeit!

Vielleicht – nein. Ganz sicher ist die Zeit nichts Unveränderliches, das sagt ja schon die Relativitätstheorie von Albert Einstein. Und ich glaube, daß Zeit maßgeblich auch ein psychisches Phänomen ist. Wenn der Mensch nicht mißt: Wie verläuft dann die Zeit? Na? Das ist etwas, auf das niemand eine endgültige Antwort weiß …

Bei mir geht sie sprunghaft voran, diese “Zeit”. Und sie ist irgendwie unzuverlässig, oder?

Bin ich allein, so schleichen die Veränderungen nur so dahin mit der Geschwindigkeit einer tektonischen Platte (na toll, Geschwindigkeit ist durch die Zeit definiert: Beißt sich der Hund da in den Schwanz?) in einer Neumondnacht. Warte ich auf etwas oder jemanden, so wird aus dem Ablauf der Zeit beinahe ein Stillstand. Da hilft auch das Anstarren einer Uhr nicht: Der Sekundenzeiger bewegt sich in gefühlten Stunden nur um ein Zwölftel des Stundenkreises weiter. Und bei digitalen Anzeigen – ach, stundenlang auf die Sekundenangabe “58” zu starren ist auch unbefriedigend.

Aber wehe, es geschieht etwas Wichtiges, sehr Schönes, etwas, in das ich fest eingebunden und tief versunken bin! Dann fliegt sie vorbei, diese Zeit, vergeht in Überlichtgeschwindigkeit. Oder ist fast nicht zu bemerken, zumal wenn ich auf keine Uhr achte und damit fast zeitlos lebe. Und wenn ich zu mancher Gelegenheit im Abstand von wenigen Sekunden auf eine Uhr sah, dann waren in diesen wenigen Sekunden mehrfach auch schon Stunden verflossen, ja, fast ganze Tage vorbei.

Deshalb gaube ich, daß Zeit vor allem ein psychisches Phänomen ist. Weil der Eindruck ihres Vergehens tatsächlich auch von meiner Gemütsverfassung (ein tolles Wort) abhängt, von meiner Psyche. Vergeht die Zeit überhaupt, strebt sie wirklich einem/ihrem Ende, ihrem Verschwinden zu? Existiert die Zeit nicht ewig und nur ich vergehe, während ich mich durch sie bewege? Und wenn ich mich unterschiedlich intensiv bewege, dann ist der Eindruck des Zeitverstreichens eben auch unterschiedlich …

Ach ja, der Zeitablauf, der sich für mich geändert hat, wegen der oben beschriebenen Planerei: Eine Woche war unüberschaubar; und jetzt plane ich für insgesamt sechs Monate schon sechs Monate im Voraus, also jetzt für April bis Oktober 2016!

Bescheuert, das alles. Oder?

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 2. Oktober 2015 war der Buchfink.
 
Tageskarte 2015-10-03: Das As der Kelche.

P.P.S.: Feierlaune kommt heute nicht auf bei mir:

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Über Der Emil

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8 Antworten zu Philosophieren über ein psychisches Phänomen (276/89)

  1. Elvira schreibt:

    Ich liebe Bücher und Filme, die sich um das Phänomen „Zeit“ drehen, mit all ihren Fragen rund um Zeitreisen. Ansonsten denke ich, dass Zeit nicht als Zeit existiert, dass sie ein von Menschen geschaffenes Konstrukt ist, ein Gerüst, das wir nutzen müssen.

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  2. Sofasophia schreibt:

    Nicht bescheuerter als das Menschsein. 😉

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  3. gerelcalow schreibt:

    Hallo Emil,
    ist Dir Hans-Peter Dürr ein Begriff? Er hat mit Heisenberg zusammengearbeitet, war also eigentlich Physiker, doch in den letzten Jahren hat er sich auch mit der neuen Beziehung zwischen Wissenschaft und Religion beschäftigt, die ZEIT spielt in seiner Kosmologie auch eine Rolle. Ich finde das persönlich alles sehr interessant.
    Herzlich GERELCA

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