Menschheitsaufgabe (277/88)

Mehr und/oder Weniger

To get a Google translation use this link.

 

Wiedereinmal gibt mir Sofasophia mit ihren “Kleinen Helden und Heldinnen” feines Denkfutter. Wie so häufig verläßt aber der Fluß meiner Gedanken sehr, sehr schnell den Anstoß, die Quelle und mäandert dann durch alle möglichen und unmöglichen Themen. Obwohl: es bleibt der rote Faden der Lebensveränderung.

 

 

Die Entdeckung der Langsamkeit als wichtige Lebensqualität – ich nenne es jetzt großspurig “Aufgabe für die Menschheit” und für mich. Neudeutsch wird das Entschleunigung genannt, was ich als Wiederfinden des den Menschen eigenen Tempos empfinde, meines eigenen Tempos. Jeder nach seinen Fähigkeiten (Teil einer großen Losung im Sozialismus). Ich hoffe ja wirklich noch darauf, daß die Schädlichkeit der ständigen Überforderung allgemein erkannt und dann auch abgeschafft wird und bemühe mich nach Kräften, das in meinem Leben umzusetzen. Allerdings fühle ich mich sehr oft daran gehindert, wieder in ein Hamsterrad hineinbefohlen, in dem ich wahrlich nicht unterwegssein will. Ich bin keiner der Schnelläufer, ich brauche meine Zeit, mehr Zeit als viele andere. Es gibt nunmal, so wie ich es im Zuge der Tour #AnsKap bemerkte, Schnellradler, die in kurzer Zeit ihr Ziel erreichen wollen, und andere Radler, die die Tour er-leben wollen und sich Zeit dafür geben. Wieso sollte in unserer Gesellschaft kein Platz für Menschen sein, die nicht zuerst hetzen und rennen und rammeln, sonder die zuerst leben und den Rest dementsprechend drumherumorganisieren?

Ich lese auch, daß da ein Kreis von Menschen ist, in dem Menschen sich gut aufgehoben fühlen. Ein Kreis, ein Netzwerk? Jedenfalls etwas, wo keiner erster und vornedran sein will und/oder muß. Gleiche unter Gleichen sein, bei allen Verschiedenheiten der Menschen: Das funktioniert wirklich. Wer schreibt mir denn vor, daß ich mich, wer bestimmt denn, daß die Menschen sich immer und immer wieder vergleichen müssen und dabei immer und immer wieder ihr Augenmerk nur auf das richten, was sie weniger gut als andere haben/können. Von wem lasse ich mir das schlechte Gewissen, das Minderwertigkeitsgefühl machen? Wen nützt dieses ständige “mich-zu-klein-Fühlen” überhaupt? Mir doch nicht. Und denen, die sich größer scheller gebildeter wohlsituierter besser als ich fühlen, nützt es ihnen etwas? (Nein, ich erwarte auf all diese rhetorischen Fragen {an mich, sowieso nur an mich gerichtet} keine Antworten.)

Ach, da nehm ich den Gegenwind gerne inkauf, auch wenn es bergauf geht, auch wenn es schwer ist/fällt. Aber ich möchte einfach nicht irgendjemandem der irgendetwas hinterherhetzen. Diese Gesellschaft erscheint mir in besonderen Momenten als eine, die das ganze Volk durch einen “Course de la Paix”, eine “Tour de France” treiben will. Und nur, wer als erster durchs Ziel kommt, kann ein “wertvolles Mitglied der Gesellschaft” sein. Meine Güte, wie breit die Zieleinfahrt da sein müßte, wenn alle nebeneinander gemeinsam durchs Ziel radeln! Aber wie ist das denn bei diesen Radrennen? Hatten und haben die Letzten, die ins Ziel kommen, nicht auch immer Applaus und sogar besondere Sympathien bekommen? Die “Leistung” ist doch eben nicht der “Sieg” in einem Kampf, sondern die Leistung war es, ist es und sollte einzig und allein die Tatsache sein, den Weg geschafft zu haben, und sei es nur auf einer Teilstrecke … (Autsch! Jetzt beginnt der Vergleich Leben./.Radrennen auf Vorder- und Hinterrad zu eiern!)

 

Nochmal kurz: Weniger vergleichen, weniger Defizitprimat, weniger (auch selbstgemachter) Leistungsdruck, weniger hetzen; mehr Zeit geben und mehr Leben zulassen würde meiner Meinung nach uns allen guttun. Und vielleicht will ich deshalb lieber gehen als radeln.

 

 

Das ist noch längst nicht zuendegedacht, aber ich lasse mir Zeit dazu.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. Oktober 2015 waren das Ausschlafen, die Wanne, viele Ideen.
 
Tageskarte 2015-

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Advertisements

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter Gedachtes, One Post a Day, postaday2015 abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Menschheitsaufgabe (277/88)

  1. Sofasophia schreibt:

    Auch bei mir denkt es weiter: Die Vergleiche „Tun ist gut, Nichtstun ist peinlich“ „jung ist gut – alt ist doof“ sind ja so Schubladen, die unsere Gesellschaft zu ihrem Schaden praktiziert.
    Ich bin froh, dass du den Faden aufgenommen und mit deinen Fäden weitergesponnen hast. Danke dir!

    Gefällt mir

  2. Ulli schreibt:

    ich zucke noch immer zusammen, wenn ich das Wort Entschleunigung als allgemeingültog lese, ich dachte nämlich vor ein paar Jahren, dass ich es ganz allein kreiert hätte – lach

    und sonst … ja, Emil genau so und weiter … ach, ich würde sehr gerne deine Wanderberichte lesen!!!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s