Steinzeit – Jetztzeit (292/73)

Die bemerkten Veränderungen

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Ich kenne die Zeiten noch, in denen Netzwerkkabel tatsächlich Abschlußwiderstände brauchten, damit in den Kabeln weniger Interferenzen zwischen den Datenpaketen auftreten sollten. Damals, sozusagen in der computertechnichen Spätsteinzeit war es ein besonderer Fortschritt, für mehrere/viele/alle PCs nur einen Drucker zu benötigen. Der durfte, auch wegen der penetranten Geräuschentwicklung eines Neun- oder Vierundzwanzignadlers, in einem eigenen, abgeschiedenen Kämmerlein ganz am Ende des Flures stehen. Arbeitskollegen trafen sich dann ab und zu am Drucker. Und für ganz eilige Schriftsätze gab es etwas, das als Fax genutzt werden konnte, ohne den Umweg über einen Drucker zu nehmen: direkt aus dem PC konnten Texte an Empfängerfaxgeräte gesendet werden.

Internet? Ach Du heiliges Kanonenrohr! Ja, das gab es, aber wozu sollte das gutsein? Die wenigen, die ihre Telefonrechnung mit horrenden Beträgen für Datenverbindungen belasten konnten und die E-Mails schrieben, das waren in den Augen der meisten Menschen Spinner. So wie ich, der ich die Kundennummer 6643 bei GMX hatte, damals, mit meiner ersten angelegten Mailadresse. Internet war zu der Zeit ein sehr teures Ding. Selbst ich nutzte die Anfütterangebote des Internet-Zugangs-Anbieters America OnLine. Diese Firma verschenkte irgendwann Software-CDs, die für 30 Tage (oder wie lange auch immer) kostenfreien Netzzugang offerierte, d. h. für den Zugang ins Internet wurden ausnahmsweise keine Gebühren außer den Telefongebühren fällig, während alle anderen Zugangsanbieter noch minutengenau abrechneten, wie lange jemand im Internet war, für 99, 39, 29 oder 19 Pfennige pro Minute!

Und wenn ich dann im Internet war, dann traf ich mich dort zum Beispiel bei Metropolis.de (die gibt es noch) mit Menschen zum Chatten. Fakebock und Gockle kannte keiner, die gab es noch nicht. Twitter, Instagram, WebLogs: Nicht daran zu denken, jedenfalls nicht für mich.

∗ ∗ ∗

Netzwerk? Gibt es heute drahtlos als WLAN, WIFI oder wie auch immer es genannt wird. Internet ist stets und ständig verfügbar (na gut, nicht auf dem platten Land in Deutschland, da ist Wüste). Drucker werden manchmal nicht mehr benötigt, ebenso wie PCs oder Fotoapparate oder Negativfilm. Ansichtskarten werden auf einem Mobiltelefon gestaltet: Fotografieren, Text dazu schreiben, bei einem Internetdienstleister in eine physische Ansichtskarte umwandeln lassen, die ein Empfänger mit der guten alten Post bekommt.

∗ ∗ ∗

Zwischen beiden Zuständen liegen ganze 25 Jahre. Die Welt ist anders geworden, hektischer, vollgestopfter ist die Zeit eines Menschen. Ist die Welt besser geworden? Ja, vielleicht auch das; vielleicht ist die Welt wie vieles Andere, Kleinere besser geworden.

Aber was wurde nicht nur besser, sondern gut?

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 18. Oktober 2015 war die Ruhe zu Mittag.
 
Tageskarte 2015-10-19: Die Zwei der Schwerter.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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2 Antworten zu Steinzeit – Jetztzeit (292/73)

  1. Sofasophia schreibt:

    Die Mineralwasserwerbung eines Schweizer Wassers geht genau in diese Richtung: Alles wird besser, nur XY bleibt gut.
    Ich mache mir in der letzten Zeit auf oft Gedanken über dieses Streben nach dem Besten. Man darf auf keinen Preis dort bleiben, wo man ist, man muss sich stets weiterentwickeln. Updates, Upgrades. Weiterweiter.

    Ich verdanke Internet viel. Und ich bin froh über all diesen technischen Kram, weil ich sehr technikaffin bin. Aber. Das hinter all dem steckt doch diese leide Versagensangst. Eines Tages den Zug zu verpassen. Auf der Strecke zu bleiben. Ausgebootet zu werden. Nicht nur die Endnutzerin (ich) hat diese latente Angst, auch die Anbietenden haben sie und peitschen sich darum gegenseitig voran. Konkurrenz. Besser als die anderen sein. Diese Haltung finde ich ja zum K***.

    Ich übe, als Konsumentin von meinen Bedürfnissen auszugehen, doch oft weckt das Angebot in mir erst Bedürfnisse, auf die ich von allein nicht gekommen wäre. Und das … nun ja, das gibt mir mehr als zu denken.

    Gefällt 1 Person

    • Der Emil schreibt:

      Ich habe den Verdacht, daß, was gut ist, niemals käuflich zu erwerben sein wird. Weil das nicht produziert werden kann. Denn zu allem Produzierten gibt es bald produziertes „Besseres“. Ergo: Gutes ist unproduzierbar und damit i.d.R. nicht vermarktungsfähig.

      Beispiele? Eine Walderdbeere, Liebe, Zuwendung, eine sonnenbeschienene verborgene Lichtung im Wald, das Schnurren einer zufriedenen Katze, das gemeinsame Lächeln und Lachen einander bisher persönlich nicht bekannter Menschen an einem Feuer …

      Gefällt 1 Person

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