Es existiert nichtmehr (306/59)

Entwirklicht

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Es wird Menschen geben, die diesen Beitrag nicht verstehen können und wollen. Schließlich hatte und habe ich noch mehr Kinder – und die habe ich verlassen, mich jahrelang nicht um sie gekümmert.

 

Selbst wenn ich gekonnt hätte, so wäre es mir trotz allen Wollens nicht möglich gewesen, gestern das Grab meines Sohnes zu besuchen. Das Grab existiert nichtmehr. Zwanzig Jahre nach seiner Beerdigung, zwanzig Jahre nach seinem Tod bei einem von ihm selbst verursachten (verschuldet ist für einen Sechsjährigen das falsche Wort), wurde die Grabstelle vor einigen Wochen eingezogen (nennt man das so?).

Das Grab. Viel zu selten habe ich es besucht. Und trotzdem habe ich ein paar Bilder von ihm. Es gibt in meiner Wohnung keine sichtbaren Bilder von den Kindern, auch keine anderen, die an dort erinnern. Im Schrank liegen einige gerahmte Fotos und viele ungerahmte, dort liegt auch der komplette Obduktionsbericht mit allen Bildern. Und auf der Bilderfestplatte und diversen CDs/DVDs sind noch mehr Aufnahmen von damals, von dort zu finden.

Aber nun gibt es einen realen Ort weniger. Es ist kein Grab mehr. Als wäre ein Tod damit entwirklicht.

 

Grab meines Sohnes, mit Holzkreuz

Grab meines Sohnes, mit Holzkreuz

 

Und nun weiß ich auch nicht, was ich damit bzw. daohne anfangen soll …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. November 2015 war schönes Wetter bei einem kleinen Spaziergang an den Ententeichen.
 
Tageskarte 2015-11-02: Die Drei der Schwerter.

© 2015 – Der Emil. Textunter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Für das Bild © 2010/2015 Alle Rechte vorbehalten.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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24 Antworten zu Es existiert nichtmehr (306/59)

  1. Zerdenkender schreibt:

    Sehr intim. Lass dich nicht von diesem Gefühl der Leere ergreifen. Die Erinnerungen an ihn leben schließlich in dir weiter. Errichte doch eine kleine Erinnerungsstätte in deinem Heim.

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  2. Karl schreibt:

    20 + 6 meine Tochter, und sie lebt. Man sollte sich bewusst sein, dass nichts selbstverständlich ist.

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    • Der Emil schreibt:

      Na ja, mein Leben war schon ziemlich verkorkst … Da war nach 27 Jahren nichts von dem mehr da, was vorher wirklich selbstverständlich war.

      Das ist mein großes Unglück gewesen, glaube ich.

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  3. misstueftelchen schreibt:

    Es ist vielleicht ein Gefühl der Endgültigkeit, jetzt wo das Grab eingeebnet wurde. Ein ins Bewusstsein rücken, und die Trauer und vielleicht auch Hilflosigkeit und Schuldgefühle kommen damit vielleicht wieder stärker nach oben. Vielleicht auch damit du hier und heute einen Weg für dich finden kannst damit umzugehen…
    Ich wünsche dir viel Kraft deinen Weg zu finden, loslassen zu können_dürfen, auch wenn es alles andere als leicht sein mag.

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  4. Sanguine schreibt:

    Verstehe, dass das erstmal sehr komisch ist. Aber dir wird auffallen, dass sich für dich im Grunde nichts geändert hat. Nach wie vor lebt er in deinem Herzen. Das kannst du zwar nicht sehen, nicht anfassen, dennoch sind dir die Erinnerungen näher als alles andere.

    Vielleicht möchtest du ein Bild aufstellen, wenn du dich damit wohl fühlst. Oder du schaust sie einfach durch, wenn dir danach ist.
    Als meine Oma starb, nahm sie solcher Art Erinnerungsfotos mit ins Grab.

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  5. Sofasophia schreibt:

    Bei mir gehts noch ein paar Jahre, aber dennoch verstehe ich dieses Gefühl einer neuen Schwelle von Endgültigkeit zu begegnen. Ich weiß nicht, was das dann mit einem macht. Noch ein bisschen mehr loslassen. (War es nicht mal geplant gewesen, das Grab zu verlängern?)
    Danke dir fürs Teilen und fühl dich gedrückt.

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  6. Elvira schreibt:

    Das Grab als Ort, an dem man meint, dem Toten nahe zu sein, hat mir bei meiner Mutter sehr gefehlt. Sie wollte anonym bestattet werden. Das aufgestellte Foto im Regal erfüllt diesen Anspruch nicht. Irgendwann habe ich es nicht mehr wahrgenommen, nicht mal beim Staubwischen, wenn ich es in die Hand nehmen musste. Ein Grab ist der Ort, zu dem wir gehen müssen, ein Akt des Wollens geht dem voraus. Dort können wir unseren Gedanken Raum und Zeit geben. Ein Grab spendet auch Trost. Es zu verlieren, scheint der endgültige Verlust zu sein.
    Wäre es nicht möglich gewesen, die Zeit zu verlängern? Oder hattest Du keinen Einfluss darauf?
    Ich schicke Dir eine Umarmung.
    Elvira

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    • Der Emil schreibt:

      Bei mir gab es den Ort und ich ging nicht hin. Eher habe ich hier auf den Friedhöfen Stellvertretegräb er besucht.

      Zur Verlängrerun schrieb ich grad in der Antwort an SoSo, daß die Vernunft siegte.

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  7. piri schreibt:

    Tote sind nicht weg, sie haben nur ihre Stofflichkeit geändert! Auch den Sohn ist in deinem Herzen…

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  8. gerelcalow schreibt:

    Hallo Emil!
    Das Grab meines Kindes ist schon lange fort. Ich lebte 300 km weit davon weg und konnte es nicht pflegen, wie es sich die Verwandschaft dachte … So musste ich das „Fortnehmen“ selbst veranlassen. – Nun wäre es räumlich mehr als 700 km entfernt, also war die „Vernunft“ auch bei mir Sieger. Erst neulich nahm ich auch das Foto vom Grab im Schnee und das letzte Foto mit Kränzchen im Wald von meiner Homepage – wen geht´s was an, außer ich will es. Na ja, meine anderen Kinder schaun immer, ob ich irgendwo noch ein Foto von ihm stehen habe, wenn sie kommen. Das schon.
    Ich habe die Geschichte von seinem tödlichen Unfall schon vor Jahren nicht wieder gefunden. Die vielen Umzüge! Aber wenn man als Mutter 30 Jahre um es geweint hat, geht es nicht mehr vom Herzen weg.
    So wird es auch bei Dir: Es rückt ferner und ist doch immer nah.
    Und wo wir auch sind, dies Gedenken ist da …

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  9. Gudrun schreibt:

    Lieber Emil,
    ich möchte dir jetzt gerne gegenüber stehen und dich schütteln. Lass nicht zu, zu denken, dass dein Leben verkorkst war, ist, sein wird.

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  10. Jane Blond schreibt:

    Ich mag und will nicht auf Friedhöfe gehen. Obwohl das so nicht stimmt. Ich mag Friedhöfe schon, solange da nicht die Meinen liegen. Darum nehme ich anders Abschied. An Orten, die mir im Zweifel auch keiner nehmen kann … Es zählt auch nicht, wie man nach Außen hin agiert. Nur das, was in einem ist, ist wichtig. Nichts anderes.

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    • Der Emil schreibt:

      Gut, für mich zählt (mittlerweile) auch das äußerliche Handeln. Das ist wohl bei jedem Menschen unterschiedlich.

      Naja, ich bin Friedhofsfan. In „neuen“ Orten muß ich unbedingt den Friedhof besuchen, immer.

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