Advent 2015: Das 10. Türchen (344/21)

Die Beschreibung eines Spielzeuges

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen fernab von zuhause, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.

 

Nun habe ich seit einigen Monaten einen Schuber mit zwei Bänden von Charles Dickens. “Weihnachtserzählungen” und “Weihnachtsmärchen”. Das Lesen habe ich mir bewußt bis zur Adventszeit aufgehoben/aufgeschoben, weil … nunja, sowas gehört für mich numal in die Adventszeit.

Den Film um den verschrobenen Sonderling Ebenezer Scrooge und vielleicht sogar das Buch, nach dem dieser Film entstand, ist sicher vielen bekannt. Doch ich, ich war überrascht von den Erzählungen, den “kurzen” Texten. Und es bewahrheiteten sich die Sätze aus dem Klappentext: “Wenn die einzelnen Erzählungen auch noch so spannend, ergreifend und interessant sind, sollte man das Buch doch nicht in einem Zuge lesen. Es eignet sich am besten als Bettlektüre, um nach und nach gelesen zu werden, so wie die einzelnen Geschichten auch nach und nach geschrieben wurden.” Am meisten Vergnügen (nicht das laut lachende, sondern das verstehende, leise melancholisch lächelnde) bereitete mir “Ein Christbaum”. In der berichtet der Protagonist von einem Besuche bei einer Kindergesellschaft, die “um jenes hübsche deutsche Spielzeug”, den mit einer Menge kleiner Kerzen besteckten Christbaum, versammelt war; und er beschreibt den einen Baum mit einem einzigen Satz (!) so:

 

Da gab es rosenwangige Puppen, die sich hinter den grünen Blättern verbargen; da geb es richtige Uhren (wenigstens mit beweglichen Zeigern und der Möglichkeit, sie endlos aufzuziehen), die von zahllosen Zweigen herabbaumelten; da gab es polierte Tische, Stühle, Bettstellen, Kleiderschränke, Achttageuhren und verschiedene andere Möbelstücke (in Wolverhampton wunderbar aus Zinn angefertigt), die mitten in den Baum gesetzt waren, als sollten sie für einen Feenhaushalt Verwendung finden; da gab es fröhliche, breitgesichtige kleine Männer, die viel angenehmer anzusehen waren als viele richtige Männer, und das war auch kein Wunder, denn ihre Köpfe waren abnehmbar, und dann konnte man sehen, daß sie voll Zuckermandeln steckten; da gab es Fiedeln und Trommeln, Tamburine, Bücher, Arbeitskästen, Malkästen, Bonbonkästen, Guckkästen und alle möglichen anderen Kästen; da gab es Geschmeide für die älteren Mädchen, das viel heller glitzerte als die Gold- und Juwelensachen für die Erwachsenen; da gab es Körbchen und Nadelkissen in allen möglichen Ausführungen; Flinten, Säbel und Fahnen; Hexen, die in Zauberkreisen von Pappe standen, um zu weissagen; Drehwürfel, Kreisel, Nadelbehälter, Federwischer, Riechfläschchen, Konversationskarten, Blumenvasen, wirkliche Früchte, die durch Goldpapier einen künstlichen Glanz erhalten hatten; nachgeahmte Äpfel, Birnen und Nüsse, die vollgestopft mit Überraschungen waren; kurz, wie ein hübsches Kind vor mir einem anderen hübschen Kind, seiner Busenfreundin, zuflüsterte: » Es gab alles und noch mehr. «

Charles Dickens: Weihnachtserzählungen. S. 179 f. 30. Auflage 1994
© 1976 by Verlag Arthur Moewig GmbH, Rastatt. ISBN 3-8118-1562-8

 

 

Ein Satz, der die für Kinder überaus gewaltige, überwältigende Erscheinung eines “Spielzeugs” beschreibt …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 9. Dezember 2015 waren diverse Telefonate, Mittagsschlaf, ein ruhiger Abend.
 
Tageskarte 2015-12-10: Die Sechs der Münzen.

© 2015 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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Eine Antwort zu Advent 2015: Das 10. Türchen (344/21)

  1. piri ulbrich schreibt:

    Ein wahrhaft gewaltiger Satz!

    Gefällt mir

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