Advent 2015: Das 11. Türchen (345/20)

Für Eltern und Omas und Opas, für Tanten und Onkel: Gemeinfreie Lieder

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen fernab von zuhause, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.

 

In meiner Kindheit wurde in der Advents- und Weihnachtszeit viel gesungen. Mit der Kindergartengruppe – und daran kann ich mich wirklich erinnern – gab es Auftritte, nicht nur zu Elternabenden (ich weiß genau, wir sangen auch “Sind die Lichter angezündet” und wurden einmal mit einem Framo-Bus zu einer Berufsschule gefahren, ich weiß es ganz genau!), sondern auch bei anderen Gelegenheiten. Auch bei meinen Kindern war das noch so, daß die einfach sangen, zum Singen angehalten und angeleitet wurden. Ja, Winter- und Weihnachtslieder stehen beim Erlernen und Erfahren einer eignen Musikalität hoch im Kurs. Denn ehrlich betrachtet, sind die im täglichen Leben viel präsenter als andere Lieder, denn Winter- und Weihnachtslieder liefen und laufen in den Geschäften, auf den Weihnachtsmärkten, im Fernsehen und Radio wesentlich öfter als andere (Kinder-) Lieder, die Menschen in so jungen Jahren kennenlernen.

Doch auch vor den im Kindergarten gesungenen Liedern macht(e) der Kommerz nicht Halt. Nun dachte ich zwar, daß ich schoneinmal darüber geschrieben hätte, aber ich tat es nicht. Die GEMA, in diesem Falle als Vertreterin der VG Musikedition (interessante Texte dort, ohne daß auch nur einmal gesagt wird, welche Urheber sie überhaupt vertreten {dürfen}) forderte vor Jahren (ab 2009) nämlich plötzlich sogenannte “Lizenzabgaben” von Kindergärten … Noch heute verlangt diese VG – neben der Urheberrechtsabgabe, die beim Erwerb von Kopiergeräten unerwähnt von jedem mitgezahlt wird – von den Kindergärten zwar nur 59 Eu pro Jahr für 500 Kopien. Doch das läppert sich! Noch mehr für die VG als für die Träger der Kindergärten!

Seit damals gab und gibt es eine Initiative des Musikpiraten e.V. (“Der Musikpiraten e.V. hat als Zweck die Förderung freier Kultur mit Schwerpunkt Musik als künstlerischem Ausdrucksmittel.” – zitiert von der Webseite), durch den innerhalb kurzer Zeit 50299 Liederbücher mit gemeinfreien Kinderliedern gedruckt und später auch an fast alle der damals 50299 Kindereinrichtungen der BRD verteilt wurden. Das Projekt endete danach nicht; es hat sich weiterentwickelt. Es wurden und werden auch Lieder (leider nur wenige Kinderlieder) direkt von den Künstlern dem Verein zur Verfügung gestellt (was wegen der sog. GEMA-Vermutung auch nicht einfach ist). Es wurden und werden auch – nach eigenen Angaben der VG “aus Kulanzgründen” – Bestätigungen für die Gemeinfreiheit von Liedern und Notensätzen durch die VG Musikediton erteilt.

Nicht nur der Verein Musikpiraten e.V. existiert und arbeitet heute noch. So gibt es auch eine Sammlung von einhundertundsiebzig freien Kinderliedern, deren Noten und Texte bei der privaten Initiative Kinder wollen singen frei verfügbar/herunterladbar sind. Und bei den Musikpiraten gibt es (seit 2013 in der 3. Version) ein Adventsliederbüchlein, das hier im Ganzen oder auch als Notenblätter für jedes einzelne der etwa 50 Lieder haruntergeladen werden kann. (Kennt ihr mehr als jeweils die erste Strophe der Lieder, gleich aus welchem Projekt?) Und: Alle Notensätze der Lieder beider Projekte sind gemeinfrei, dürfen also unter anderem beliebig oft kopiert und verteilt werden, ohne daß irgendein windiger Verwertungsverein, dessen Einnahmen zu 95% nur 10% der Mitglieder (große Musikverlage) zugutekommen, dafür nocheinmal eine Lizenzabgabe verlangen darf.

Liebe Eltern, Omas, Opas, Onkel, Tanten, Erzieherinnen, Tagesmütter, Diakone, Erzieher, Lehrerinnen usw. usf.!
Singt mit den Kindern Advents- und Weihnachtslieder, Kinderlieder. Laßt die Kinder Noten und Texte haben, von denen keine GEMA-Gefahr ausgeht, holt euch, kopiert, verteilt, nutzt die von diesen beiden hier exemplarisch vorgestellten Initiativen (es gibt sicher noch mehr davon) zur Verfügung gestellten Materialien.
Liebe Leserinnen und Leser,
uralte Lieder dürfen wir alle nicht einfach einer Kommerzialisierung durch sogenannte Verwertungsgesellschaften anheimfallen lassen. Ich wünsche mir, daß das Singen wieder öfter passiert, öfter jedenfalls, als es in den letzten Jahren geschah. Ich wünsche mir, daß Musik hör- und sichtbar ist – und nicht statt des erwarteten Wohlklanges nur ein “Ätsch, wir sind die GEMA und zwingen alle zum Bezahlen auch für Dinge, die nicht bezahlt werden müssen”-Bild auf einem Gerät erscheint, für das ich Rundfunkgebührenbeitrag zahlen muß.

Früher war weniger “Last Christmas” und mehr handgemachte Advents- und Weihnachtsmusik.

 

Das für die Einbettung hier vorgesehene Video hätte möglicherweise können Inhalte haben, für die die GEMA mit Sicherheit einfach nur dummfrech abkassieren hätte mögen und dürfen.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. Dezmber 2015 waren der interessante Vormittag, die vielen gefundenen Bücher, die vielen freigelassenen Bücher, die Freude über das angekommene Paket.
 
Tageskarte 2015-12-11: Die Neun der Schwerter.

© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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3 Antworten zu Advent 2015: Das 11. Türchen (345/20)

  1. Elvira schreibt:

    Bei uns wurde und wird noch viel gesungen. Durch die Enkel, alle vier aus Ost-West-Ehen, habe ich Lieder kennengelernt, die mir unbekannt waren, bei meinen Schwiegertöchtern aber zur weihnachtlichen Sangestradition gehörten. Alle vier Kinder sind begeisterte Sänger von alten, aber auch neuen und frecheren Liedern.

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    • Der Emil schreibt:

      Das ist schön!

      Oh, von den Enkel lernen … Warum nicht?

      Und die Kassiermentalität der VG find ich seitdem noch scheißer als sowieso schon. Bildung sollte für Kinder & deren Familien kostenlos sein!

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  2. Ulli schreibt:

    Lieber Emi, sicherlich kennst du auch den Satz: Hier lasse dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder …
    Auch bei uns wird viel gesungen, richtige Kinderlieder, neue und alle und Weihnachtslieder und Gute-Nacht-Lieder und improvisierte Lieder, die singe vor allen Dingen ich. Sie kommen ja einfach so, beim spazieren, beim Pflanzen sammeln, aus dem Moment heraus, viele sind dann auch flugs wieder vergessen, andere meiner Improvisationen halten sich.
    Schön dein Apell und die Sammlungen schaue ich mir noch in Ruhe an, heute muss ich wieder mal in die Küche und da bleibt nicht sooo viel Zeit.
    herzlichst
    Ulli

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