Nº 007 (2016): Nachwirkungen eines Todesfalles

Die Lektüre war zu lang her

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Anna Karenina (Link im gestrigen Beitrag). Als Ballett von Jochen Ulrich im Opernhaus Halle (Saale). Über zweieinhalb Stunden war ich verzaubert von Musik und Tanz. Weil die Lektüre zu lang zurücklag, hatte ich keine Ahnung mehr von Personen und/oder Handlung. Aber zu Musik Rachmaninovs schwebte ich mit den 18 Tänzerinnen und Tänzern und dem einen (7-10 Jahre alt?) Jungen durch Sphären, deren Vorhandensein ich kaum mehr erahnt hatte bis gestern Nachmittag. Vier Vorhänge. Und ich beseelt.

 

Kurz nach Ende der Vorstellung fiel mir wieder ein, daß ich vor langer Zeit die Idee hatte, hier in der Stadt ebenfalls eine Kulturloge anzuschieben. Was daraus geworden ist? Nichts. Jedenfalls nicht direkt eine Kulturloge. Etwas anderes wurde seitdem von der Stadt eingeführt, n&amul;mlich ein besonders ermäßgter Preis für (nachweislich) besonders Bedürftige. Damit ist es sogar mir möglich, ab und zu einen Besuch im Opernhaus oder im Theater zu versuchen. Wie nebenbei stellte ich fest, daß ich lange, sehr lange bei keiner Bühnenveranstaltung mehr im Zuschauerraum saß. In den vergangenen Jahren war da nur dieser eine Besuch bei “Kein Ort. Erxleben.” Ende Mai 2013. Als Student hatte ich ein sogenanntes Anrecht bei den Karl-Marx-Städter Bühnen, einmal im Monat gab es da die Möglichkeit. Damals sah ich “Mein Freund Bunburry”, ein Heiner-Müller-Stück, Kabarett, Nabucco (aus der der Gefangenenchor in den Rabensteiner Felsendomen gesielt wurde) usw. usf. zu wirklich DDR-typischen günstigen Preisen. Seither …

Also war ich seit 1989 nur ein einziges Mal, nur ein einziges Mal … Oh, und irgendwann einmal ein Theaterstück auf einer Freilichtbühne, in den Greifensteinen, Aber frage mich keiner, was da gegeben wurde …

Heiliges Kanonenrohr. Das ist mir die ganzen Jahre nicht aufgefallen. Mir fehlte etwas, das mir nicht fehlte. Kultur war “nur” Radio und Fernsehen, Bücher, Veranstaltungen, die ich mitveranstaltete, wenige Konzerte, mehrfach ein Country-Festival (das allerdings vor 1997); aber keine “Hochkultur”. Vielleicht brauche ich doch ab und zu mal einen Anstoß, einen Galeriebesuch, eine Freikarte, eine Einladung oder: wenigstens sehr gute Information über das, was ich versäumen würde.

Nachwirkung des Todesfalles “Anna Karenina” im Opernhaus zu Halle (Saale): Jetzt habe ich doch noch etwas, das ich für dieses Jahr plane. Mindestens fünf weitere Besuche in Theater oder Oper nämlich. Vielleicht gehe ich manchmal auch nicht allein.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 6. Januar 2016 waren Telefonate und die wunderbare Vorstellung im Opernhaus.
 
Tageskarte 2016-01-07: Die Fünf der Stäbe.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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3 Antworten zu Nº 007 (2016): Nachwirkungen eines Todesfalles

  1. sonjasperspektive2 schreibt:

    Wie schön!!! :-)

    Ich geh auch viel zu selten hin. Meine Garderobe ist auch nicht dafür extremst geeignet …. aber, wenn etwas für Kinder läuft…. begleitet mich meine Tochter. Zuletzt der Nussknacker, mit kurze lese/ erklär Sequenzen.

    Schönen Tag und lass es dir öfters mal so richtig gut gehen! ;-)

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  2. Sofasophia schreibt:

    Als mein Lieblingsbruder noch Bünenmeister im Berner Stadttheater war, haben wir uns – ich war vielleicht 12 – die Lustige Witwe angeschaut. Ich wusste nachher nur, dass ich nichts damit anfangen konnte.
    Später – mit 20 – war ich mal zu einem Konzert eines Kammerorchesters in der Zürcher Tonhalle eingeladen: Was für ein Ereignis. Wir zwei Freaks inmitten der abendbekleideten High Society. Aber die Musik! Mitten ins Herz ging die.
    Klassischer Gesang ist nicht so meins, Theater (klassisch oder experimentell) mag ich sehr – und Musik, ja, auch sehr. Klassische und Rock.
    An Rockkonzerten und Openairs war ich oft. Heute seltener, weil mich so viele Leute sehr anstrengen.
    Hochkultur? Hauptsache, es berührt – so wie dich!
    Ein feines Erlebnis hast du da geteilt. Danke.

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  3. Gudrun schreibt:

    An deine Idee mit der Kulturloge kann ich mich erinnern. Ich träume jetzt einfach mal.

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