Nº 060 (2016): Auf den Spuren von Goethe und Schiller und Shakespeare.

Sein und Schreiben in Weimar und in Gemeinschaft.

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In der Stadt der Dichter zusammensitzen. Über Twitter, Gott, die Welt, die Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte sprechen, über die Motivation und die Möglichkeiten, die Formen und Methoden des Schreibens. Einiges aufschreiben, einiges schreiben. Vieles nur im Geiste notieren. Stifte und Papier austauschen. Gefühle, Hoffnungen, Befürchtungen, Ängste benennen und beschreiben. Wichtigstes aber: miteinander sein, auf allen Ebenen.

Also auch über das Schreiben selbst sprechen und über die dahinterstehenden Mechanismen. Zum Beispiel über meine ständig über allem wabernde Phantasie (Pause macht die nur sehr selten). All die Fiktionen, erfundenen Malheurs, Freuden über Mögliches, Gedankenmacherei und Phantasterei zu den vielen aus Ahnungen über Hintergründe und Nebenschauplätze des Denkens und Geschehens sich ergebende Gedanken. Für mich ist diese ständige innere Geschichtenwolkenbastelei und -sortiererei notwendig, um die Realität und mich mit meinen Macken zu ertragen. Und deshalb mache ich ständig aus irgendwelchen Sätzen, die zu mir gesprochen werden, Witze, oder ich springe von einem Thema zum nächsten – in meinem Kopf ist das ja alles auf einmal, gleichzeitig da! Und dort ist auch alles mit allem (zumindest irgendwie) logisch verbunden. Aber eben nur in einer ganz eigenen, in meiner ganz persönlichen Logik, die sich Außenstehenden, also allen Personen außer mir, nur sehr schwer, meist jedoch überhaupt nicht erschließt.

So ist es auch bei der Beschreibung und Benennung von Ängsten: Nicht einfach nachvollziehbar sind sie, unverständlich bleiben sie fast immer. Wie fühlt sich Höhenangst an beim Gang über eine Brücke? (Scheußlich.) Warum hilft es nicht, wenn ich mich mit geschlossenen Augen von jemandem über die Brücke führen lasse? (Egal wer: Man könnte mich direkt ans Geländer führen und dort dann einfach stehenlassen.) Wozu lege ich für meine Umgebung k.o.-Kriterien fest und wieso sind die dann doch nicht sooooo kategorisch? (Manchmal, sehr, sehr selten kann ich mich vom “Gegenteil” überzeugen lassen.) Und was hat eigentlich diese verfluchte Angst vor der Angst für eine beschissene Daseinsberechtigung???

 

Etwas ganz Besonderes und Neues für mich war es auch mit dem Text von gestern: Der war ein nicht geplanter Versuch, diskontiniuerlich zu schreiben, eben nicht alles an einem Stück herunterzurotzen. Das ist ja eine meiner schreibtechnischen Krankheiten: daß ich alles in einem Rutsch schreiben muß und nach einer Unterbrechung nicht wieder in den Text hineinfinde. Beim Katzen-Content habe ich aber genau das getan! Den ersten Absatz geschrieben und in der Mitte des zweiten aufgehört. Eine Stunde später den zweiten Absatz fertiggestellt und zwei wichtige Stichworte vom dritten notiert. Noch zwei Stunden später (die Zeit dazwischen war immer mit intensiven Gesprächen und Erlebnissen gefüllt, so daß ich keine Zeit hatte, an meinen Text auch nur zu denken!) wuchs der dritte, irgendwann am Abend der vierte Absatz. Und erst beim Hochladen ergänzte ich meine Fragen außerhalb der Geschichte.

Ich bemerkte, daß in den Text viel mehr als sonst von mir selbst metaphorisch einfloß, weil ich mir die Zeit nehmen mußte, mich immer wieder, immer aufs Neue in den Text hineinzuarbeiten. Weil er eben nicht geflossen ist von Anfang bis Ende, sondern bewußt (mehr oder weniger bewußt und mehr oder weniger freiwillig) zerstückelt entstand; und ich konnte diese Metaphern später auch ziemlich genau erklären. Diese Erfahrung, daß soetwas eben doch möglich ist, habe ich aus Weimar auch mit nachhausegebracht. Und auch das Wissen, daß direktes Feedback, “Manöverkritik” vor einer Veröffentlichung manchmal auch zum Zurückhalten eines Textes führen kann und muß, weil der eben so, wie ich ihn meißelte, nicht machbar, nicht zur Veröffentlichung geeignet, zu mißverständlich ist, ist ein neugewonnenes Wissen.

Vielleicht schaffe ich es, gelernte Dinge in Zukunft viel bewußter zu nutzen und vor allem: zum Vorteil meiner Texte zu nutzen.
      Ach ja: Privatleben fand auch statt, bleibt aber verschwiegen.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 28. Februar 2016 waren ein sehr intensiver Morgen, die Fülle und das Miteinander, die problemlose Fahrt.
 
Tageskarte 2016-02-29: XII – Der Gehängte. (Ja, schonwieder.)

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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3 Antworten zu Nº 060 (2016): Auf den Spuren von Goethe und Schiller und Shakespeare.

  1. Sofasophia schreibt:

    Ich danke für den feinen Text.
    Und freu mich mit.

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  2. Xeniana schreibt:

    Wie auch der Katzenkontent ein schöner Text!!!!!

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