Nº 064 (2016): Der Raubvogel.

Vorbereitung aufs Vorlesen. Rückblick auf Hilfe.

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Heute Abend sitze ich wieder im Radiostudio, “Buchfink – Literatur zum Hören” präsentierend, vorlesend. Dieser Text wird dabeisein.

 

 
Der Raubvogel
 
Michael G. Fritz

Er saß Ludwig in der Kehle, der Vogel nahm die Luft und ließ den Hals schwellen, er spürte ihn schwellen, den Schnabel in ihn dringen, die Krallen, Tag für Tag tiefer in sein Fleisch, und Ludwig hatte Angst.

Langsam lief er zum Fluß, der die Stadt teilte. Ludwig stand auf einer Brücke und sah den schillernden, durch die Wellen zerbrechenden Spiegelungen der Stadt im Wasser zu, sah die Brücke splittern, sich selbst.

Ich habe Angst, sagte Ludwig zu ihm, ich habe Angst vor Dir.

Ich bin deine Angst, erwiderte der Vogel.

Warte, gleich werde ich dich herausreißen, sagte Ludwig.

Ohne mich bist du verloren, sagte der Vogel.

Temperamente. Blätter für junge Literatur 4/1988. S. 5
© 1988 Verlag Neues Leben, 1080 Berlin, DDR.
ISBN 3-355-00753-6

 

 

Die “Temperamente”, von denen ich mittlerweile (wieder) einige besitze, waren eine wunderbare Einrichtung in der DDR-Presselandschaft. Für 2,50 M der DDR gab es viermal jährlich Denkfutter, meist von guter Qualität, manchmal etwas propagandistisch, immer aber mit der DDR-typischen Eigenschaft, viel Information zwischen den Zeilen zu transportieren. Das Papier hätte besser sein können – es ist chlorgebleicht und verfärbt sich mittlerweile gelblich-braun; irgendwann wird es zerfallen … Am Ende der Hefte fanden sich immer auch Informationen über die Autoren, Mitteilungen und Danksagungen usw. usf. “Michael G. Fritz, Jg. 1953, Hochschulingenieur, Arbeit als Bibliothekar, lebt in Dresden” steht dort. Und das ist dort (im IV. Quartal 1988!) auch zu lesen:

 

Abbildung aus Temperamente.

Abbildung aus “Temperamente. Blätter für junge Literatur4/1988”, S. 160
«Das Literaturinstitut “Johannes R. Becher” Leipzig bat uns um die Veröffentlichung folgender Mitteilung:
Im September 1990 beginnt das nächste Fernstudium. Bewerbungen dazu sind vom 1. März bis 31. August 1989 möglich. Sie können formlos an das Institut für Literatur, 7010 Leipzig, Karl-Tauchnitz-Str. 8, PF 547 gerichtet werden.»

 

Ja, ich kann wieder scannen, nachdem ich endlich den richtigen Treiber richtig installiert habe; das ist gut. Nur dafür habe ich jetzt einen dritten Rechner hierstehen, der seine Arbeit zwar nicht blitzschnell, aber sehr, sehr zuverlässig verrichtet.

Mein Rechnerlein mit der defekten Festplatte hatte ich am Diensttag beim selbst Auseinanderbauen … Nun, da sprang mir zuhause ein Teil entgegen, das sich nicht hätte aus seiner Verankerung lösen dürfen. Mit einer nagelneuen SSD und den Einzelteilen war ich am Abend dann im Eigenbaukombinat zum sogenannten Hackerspacetreffen (siehe dort bei den aktuellen Terminen). Christian nahm sich meines Gerätes an, obwohl nicht Technik-Notaufnahme war, und putzte und schraubte und baute wieder zusammen. Gegen eine Spende wurde mir sehr freundlich, umfassend und schnell geholfen. Wäre ich nur eher hingegangen! Wenn ich es am Wochenende schaffe, ein geeignetes System zu installieren, ist meine Arbeitsumgebung mit Arbeitsnotebook, Scannotebook und Reisenetbook (und Schmartfohn) wiederhergestellt und erweitert.

Das Leben lebt sich. Auch wenn es zur Zeit besonders schwer fällt und besonders schön ist.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 3. März 2016 waren daswieder mögliche Scannen, ein “Schatzfund”, weggebrachte Bücher.
 
Tageskarte 2016-03-04: XXI – Die Welt.

© 2016 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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5 Antworten zu Nº 064 (2016): Der Raubvogel.

  1. Sofasophia schreibt:

    Mit drei Rechnern: wie schaffst du da das Datensyncen?

    Ob es das Fernstudium dann doch noch gab? Oder wurde es unter fallenden Mauersteinen begraben? Weißt du da was drüber?

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    • Der Emil schreibt:

      Oh, da gibt es nicht viel zu synchronisieren — den Blog zwischen zwei Rechnern per mega.co.nz — alles andere landet sowieso auf den externen Platten. Bilder wandern auf die 500er, Musik auf die 2TB, sonstiges auf eine 750er. Und dann stehen noch eine 3TB und eine 1.5TB für Backups hier. Und Bluetooth können alle 3 Rechner auch, wenn notwendig.

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  2. Dr. Manhattan schreibt:

    Is this everything? Do you have nothing to offer? You left a whole life behind and all you have is this? Seriously?

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