Nº 065 (2016): Was macht mein Leben eigentlich glücklich?

Angeregtes Nachdenken und Erkennen.

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Irgendwie hatte ich die “Reblog”-Funktion anders in Erinnerung, deshalb wählte ich diese Form. Die Fragen (und meine Antworten) waren für mich jedenfalls interessant:

 

 
Was macht euch eigentlich glücklich?

Wofür genau steht ihr jeden morgen auf?
Was hält euch davon ab nicht den ganzen Tag im Bett zu verbringen, überall hin zu spät zu kommen?
Warum fragt ihr euch nicht ständig weshalb wir eigentlich leben?

Mit vorzüglichem Dank an whateveralter.
Ähnliche Fragen oder Antworten darauf (?) gab es schon 2013.

 

Nicht reblogt, aber komplett zitiert und mit diesen Antworten:

Wieso glauben Menschen, daß (vllt. außer ihnen selbst?) Frage drei niemanden betrifft? – Nun gut, ich frage mich nicht mehr ständig, weshalb ich eigentlich lebe: Ich genieße es (soweit ich es kann), das Leben, mein Leben, mein besonderes. Das ist genug Sinn und Grund zu leben für mich. Braucht ein anderer Mensch mehr Sinn und Zweck? — Spuren hinterlassen werde ich auch mit meiner Art zu leben, ich muß nicht irgendein Haus bauen; Kinder hatte ich in meinem früheren Leben auch genug gezeugt. Und Bäume pflanze ich nicht. Nein, ich nehme dankbar an, was mir geschenkt wird von Menschen und verschenke auch gern. Das gehört für mich zum Genuß meines Lebens dazu. Und ich fühle.

Die Fragen zwei und eins lassen sich von mir nur gemeinsam beantworten:
Niemand hielte mich davon ab, einen oder zwei oder viele ganze Tage nicht aufzustehen. Aber: Meine eigne Lust am Leben, am Erleben, am Erfahren, am Erschaffen ist es, die mir jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten in der Regel weit nach neun Uhr sagt, daß ich aus dem Bett an den Tisch oder irgendwohin gehen soll und will. Keine Broterwerbsarbeit, die mir in acht oder mehr Stunden das Überleben ohne ALG II nicht ermöglichen würde, lenkt mich vom Sein ab. Nur ab und zu stören Behördengänge oder Arztbesuche mein Gleiten durch Zeit und Raum und Gefühl. Leben ohne Termine, ohne zeitgebundene Pflichten (bis auf ganz wenige dieser Art) fühlt sich für mich ganz stimmig an. Zu spät komme ich trotzdem selten, manchmal etwas verspätet, ja, aber zu spät kam ich bisher vielleicht nur fünf oder sechs Mal in meinem Leben. Und ich gestehe: Es gibt durchaus Tage, die ich sogar sehr gerne komplett im Bett oder auf meiner Schlafcouch verbringe. Sie sind selten.

Wofür stehe ich also auf, wenn ich aufstehe? Um zu leben. So einfach. So glücklich.

 

Ich weiß nicht, ob in dem jungen Alter, in welchem ich die Schreiberin (aber so ganz sicher bin ich mir nicht) vermute (Abi vor maximal drei Jahren?), andere Antworten erwartet und/oder gegeben werden. Mir genügen meine Antworten, die ich so aber auch erst gebe, seit ich der 50 bedrohlich nahekam (Start meines Blogs hier) bzw. sie deutlich überschritten habe (es werden immerhin 53 Jahre in diesem Jahr). (Entschuldigt bitte die vielen Klammern, aber anders hätte ich nicht alles auf die Schnelle in einem relativ kurzen Textstück nicht unterbekommen.)

Ja, es stimmt: Ich verfolge keinen klassischen, konservativen oder gar unkonventionellen Lebensentwurf, nicht einmal einen meiner eigenen Lebensentwürfe aus meiner Jugend oder meiner Studentenzeit, auch nicht aus der Zeit meiner zweiten und dritten Familiengründung. Der erste Plan wurde vom Anschluß der DDR an den Kapitalismus zunichtegemacht, der zweite Plan von familiären Verwicklungen, der dritte Plan durch meine Flucht von der Ursprungs- und sonstigen Familie. Einen vierten Lebensplan – denn das waren Pläne, nicht nur Entwürfe – habe ich nicht aufgestellt. Wozu sollte ich den auch brauchen?

Muß Leben einem Plan folgen, einen anderen Sinn als sich selbst haben?

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 4. März 2016 waren ein freundlicher Auslieferungsfahrer, eine wundervolle Anregung zu diesem Text (manchmal brauche ich das, um zu erkennen, wie gut es mir geht), leckeres Essen, der Buchfink, der späte Abend.
 
Tageskarte 2016-03-05: Der Ritter der Stäbe.

© 2016 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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9 Antworten zu Nº 065 (2016): Was macht mein Leben eigentlich glücklich?

  1. Sofasophia schreibt:

    Danke – Denkfutter vom feinsten.
    (Und ja, mich macht manchmal ein Tag im Bett glücklich.)

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  2. petra schreibt:

    Was macht mich eigentlich glücklich? Meine Güte, ist das eine schwere Frage und sollte einfach beantwortet werden. Ich glaube, wir sind allesamt viel zu verkopft. Glück ist doch eine Momentaufnahme und kein Dauerzustand – dann wäre es ja schon wieder öde!

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  3. Frau Momo schreibt:

    Ich suche nicht ständig das Glück. Ich bin zufrieden damit, wie ich lebe, wie ich leben kann. Ich mache einen Job, der mir gefällt und der es mir erlaubt, mir einen Teil meiner Überzeugungen leisten zu können. Ich arbeite gerne, ich würde mich ohne nicht wohl fühlen. Da ist halt jeder anders und ich kann die verschiedensten Lebensentwürfe gut nebeneinander stehen lassen. Ich bin glücklich verheiratet, das ist mein Dauerglück und alles andere kommt danach. Ich schätze meine Leben, so wie es gerade ist. Ich hatte auch mal ein anderes und es sah lange nicht danach aus, als könne ich jemals wieder in diese vermeintliche Normalität (die es ja nun mal leider ist, mit Job und so) zurückkehren. Meine lange Krankheit hat mich auf eine Art auch demütig gemacht. Ich muß nicht immer mehr, immer höher, immer weiter. So wie es ist, ist es gut und was kommt, das wird sich zeigen. Es kam immer alles anders und deshalb habe ich keine Pläne.

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  4. whateveralter schreibt:

    Deine Antwort und die Botschaft die dahinter steckt ist schön. Ich bin eigentlich überzeugt, dass Leben ist schön so wie es ist. Aber irgendwas ist in der letzter Zeit passiert. Etwas hat mich verändert und das alltägliche Glücklich-sein/Leben und meine Gedanken zum Leben verändert. (Macht das Sinn? – Ich glaube ich habe immer noch Gedankenchaos)

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    • Der Emil schreibt:

      Das hat schon Sinn. Wenn sich in Deinem Leben etwas verändert hat, dann verändert das auch Deine Wahrnehmung und Gedanken. Daran muß mensch sich auch erstmal gewöhnen, ehe der einsetzt und das Leben wieder das Ableben und gut ist.

      Gefällt 1 Person

  5. zehrasworte schreibt:

    Ich finde, der Sinn des Lebens erschließt sich mit den Jahren an Erfahrungen. An dem was man reflektiert, an dem, wie aufmerksam man ist und an seinen Fähigkeiten und Bestimmungen. Das kommt alles mit der Zeit und dem Alter.

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