Nº 068 (2016): Welch sonderbare Wege mein Kopf doch geht.

Und ich bemerke es erst, als es fast zu spät ist.

To get a Google translation use this link.

 

Gestern Abend kam ich kurz nach 18 Uhr heim. Ich war seit der Mittagszeit im Radio, habe Musik mit den richtigen Metadaten versehen (ID3-Tags), korrekt benannt und sendefähig kodiert (Stereo-MP3 mit 320 kbps). Nebenbei – ich muß bei dieser Arbeit immer mal warten, bis die Umkodierung fertig ist – konnte ich mit der Einrichtung meines Netbooks fortfahren, auf dem jetzt ein Fedora 23 werkelt. Einige Dinge gefallen mir noch nicht so richtig, aber das wird sich noch einrichten lassen. Bis zum 21. März, so habe ich es mir vorgenommen, ist das Rechnerlein für den Produktiveinsatz fertig.

Ach ja. Ich kam heim, aß zu Abend und ließ mir Wasser in die Wanne; ich hatte das Gefühl, daß ich genau diese Entspannung nötig hatte. Wenn ich nur hätte sauber werden wollen, hätte es eine Dusche auch getan. In der Wanne unter Schaum zu liegen, zu träumen und vielleicht noch ein paar Sätze nebenbei zu schreiben: Das wäre und war Wohlfühlen, wie es alleine kaum noch besser geht (na gut, ein guter Trollinger, Lemberger oder Pinot gris hätte noch sein dürfen, oder einer aus dem Loupiac). Und es flossen Sätze aus dem Stift auf das Papier. Unzusammenhängend. Keine Geschichte. Brocken. Bruchstücke. vielleicht zehn oder fünfzehn Zettel schrieb ich mehr oder weniger voll (irgendwann bin ich mutig und veröffentliche alle Ergebnisse einer solchen Schreiberei, versprochen). Nach einer Stunde war ich entspannt, erholt, sauber und verschrumpelt genug, um mich der Bloggerei zu widmen.

Einen der Zettel hatte ich mir, noch in der Wanne liegend, extra zur Seite gelegt. Dieser eine Satz sollte mein Text für heute werden, hatte ich mir vorgenommen. So setzte ich mich mit einem Handtuchturban auf dem Kopf an das Notebook (nein, nicht das Netbook und nicht das Scannotebook) und begann, den Quelltext für einen Blogbeitrag offline zu bearbeiten. Ich spiele dann immer mit den Sätzen, um vielleicht doch einen Tanka, einen 28er oder etwas ähnliches daraus zu schöpfen. Nein, das hat mit diesem Satz nicht funktioniert.

Dieser Satz, den ich irgendwann im meiner Wanne auf das Schmierpapier kritzelte, war, ist! ein Akrostichon; eines, das rückwärts den vollen Namen eines Menschen, eines mir wohlbekannten und wichtigen Menschen bildet! Das kann ja nicht sein! Ist aber so? Das kann ich doch nicht …?

Der Zensor in meinem Kopf schlug zu. Der Schreiber war stärker. Und ich zwischen den beiden. Ich, der einzige, der jetzt die Kiste aus dem Dreck ziehen konnte. Was tun? Veröffentlichen? Klar! Nein! Und wenn ich zuerst frage? Wer, bitteschön, soll denn auf die Idee kommen und die Anfangsbuchstaben der Wörter rückwärts fortlaufend so aneinanderschreiben, daß mit einem Leerzeichen an der richtigen Stelle ein Vor- und Familienname erkennbar werden? Das habe doch nichteinmal ich selbst bemerkt, als ich den Satz so hinschrieb??? Naaahaaaaain! Ich habe es nicht absichtlich getan und nichteinmal selbst bemerkt, wirklich nicht! Und wer außer mir, wer von meinen Leserinnen und Lesern kennt diesen Realnamen denn überhaupt? Na? Oh, einige gibt es da schon! Ja, aber verraten diejenigen etwas, fragen die öffentlich nach?

Was, so fragten der Zensor und der Schreiberling, tun wir denn jetzt?

Tja. Da war guter Rat teuer. Aber nicht ganz so weit weg. Ich fragte bei diesem Menschen nach, ob ich diesen Satz so veröffentlichen dürfte. Warum ich das frage, wurde ich gefragt. Und erst als ich es verriet, wurde das Akrostichon erkannt. Der Schreck war groß. Und so ganz wurde mir nicht geglaubt, als ich meine Nichtabsicht und mein Nichtbemerken zugab. Und doch waren wir uns dann schnell einig, daß der Satz vorerst unser Geheimnis bleibt.

Jedenfalls habe ich nun allen erklärt, warum heute hier nicht einfach nur ein Aphorismus zu lesen ist, sondern dieser Erguß über eine nicht beabsichtigte Leistung meines absonderlich durcheinandergebrachten Denkens und Fühlens.

 

Das Denken durch die Rosarote Brille zeitigt Ergebnisse, die bekommt ein gemanistikgeschulter Poet nicht gekritzelt oder reimdichoderichfreßdichgeschmiedet …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 7. März 2016 waren der Fortschritt mit dem kleinen Rechnerlein, das Bad, der Satz.
 
Tageskarte 2016-03-08: XVIII – Der Mond.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Advertisements

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter 2016, Erlebtes, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Nº 068 (2016): Welch sonderbare Wege mein Kopf doch geht.

  1. puzzleblume schreibt:

    Die Wirkung des Wassers, Gedanken in Fluss zu bringen, ist wunderbar, ob man darauf sieht oder darinnen liegt, Gedanken fliessen zu spüren, und diese zuzulassen wirkt wie eine innere Reinigung, und dass etwas so Banales wie ein Wannenbad das kann, hat mich auch schon oft erstaunt.
    Allerdings habe ich noch nie in der Badewanne geschrieben, und so einen geordneten Effekt würde ich auch nicht zustande bringen. Das Erlebnis selbst stelle ich mir jedoch vor, könnte einer der seelischen Meilensteine sein, die man wegen des Wunderns nicht vergisst.
    Deine Beschreibung erinnert mich an einen Fluss, mit einer Flaschenpost im Wasser.
    Und so bin ich wieder einmal überzeugt davon, dass man zwar mit einem Bad ohne Badewanne leben kann, nur nicht so tief.

    Gefällt 1 Person

    • Der Emil schreibt:

      Das ist beinahe meine Krux: Überall schreiben zu wollen/müssen, zumindest die Möglichkeit dazu zu haben.

      Obs am Wasser lag oder nicht? Keine Ahnung. Ich schreibe leichter in Bewegung, zwischen anderen Menschen …

      (Und das Bad ohne Badewanne wäre für mich ein Klo mit Dusche.)

      Gefällt mir

  2. Sofasophia schreibt:

    Hörst du mich kichern? 😉

    Gefällt 1 Person

  3. petra schreibt:

    Ich verstehe grad nur Bahnhof: Koffer abholen! Komme mir völlig außen vor, vor.

    Gefällt 1 Person

  4. Gudrun schreibt:

    Wenn dich die Liebe so beflügelt, dann ist das doch eine ganz feine Erfindung.
    Aber, neugierig wie die Weiber nun mal sind, hätte ich den Satz auch gerne gewusst. :)

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s