Nº 070 (2016): Telefonsorge.

Wie groß doch die Abhängigkeit (schon) ist.

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Im Radiosender ist schlechter Handyempfang. Immer schon. Wenn man in den Hof oder auf die Straße geht bzw. ganz nah am Fenster bleibt, kann normalerweise telefoniert werden. Das ging gestern ab viertel oder halb eins plötzlich nicht. Keinerlei Telefonnetz, auch draußen nicht. Nun, so langsam kenne ich die Technik, deshalb schalte ich das Telefon aus und nach einem Weilchen wieder an. Aber: Kein Telefonnetz vorhanden. Nichts. Die SIM-Karte ist für Datenverbindungen zugelassen, nicht aber für Telefonie und SMS/MMS. Kann ich mir diese Dienste sperren? Nicht daß ich wüßte. Und ausgerechnet in diesem Moment mußte ich ganz dringend einen Anruf tätigen! Es war zum Kotzen!

Aber ich kenne das Spiel: Auschalten. Wieder einschalten. Oder mal kurz in den Flugmodus und zurück wechseln. Mein Dual-SIM-Mobistel “Cynus T5” läßt mich auch die SIM-Karte deaktivieren und wieder aktivieren. Alles mußte schnell gehen, denn für den wichtigen Anruf war nur wenig Zeit. Nichts. Ich rief dann mit einem anderen Telefon an, kurz nur, und war danach sehr, sehr ängstlich und wütend und fühlte mich ohnmächtig. Hatte Vodafone die Karte – vielleicht nur teilweise – gesperrt? Unwahrscheinlich, denn erst am Tag vorher wurde Guthaben aufgeladen und seitdem nichts gebucht. Die Flatrate für alles war auch noch da. Was stimmte also nicht? Nochmal. PIN-Eingabe: 3 Versuche übrig – also keine Fehleingabe. Aber irgendetwas, darin war ich mir sicher, hatte ich falsch oder kaputtgemacht. Blöd. WLAN und Datenverkehr waren allerdings noch möglich. Schließlich Telefon auseinandernehmen: Akku und Karte raus, zehn Minuten liegenlassen.

In der Zwischenzeit erinnerte ich mich an die Worte des Sendetechnikers, der mich ungefähr zur Zeit, zu der ich das Problem bemerkte, abgelöst hatte: “Kann ’ne Störung sein, und die steht bestimmt im Netz!” Eine Suche nach Betreiber Störung Kfz-Kennzeichen brachte die Gewißheit. Im ganzen Bundesgebiet Störung durch “Wartungsarbeiten und Ausfall einer Datenbank in Essen” (so las ich es an veschiedenen Stellen, unter anderem im Vodafone-Forum) …

Puh, zum Glück also lag der Fehler nicht bei mir. Auch das Telefon oder die SIM-Karte waren nicht kaputt. Irgendwann nach fast drei Stunden tat das Telefon wieder, was es hauptsächlich tun soll: Ich war in der Lage, mit anderen Menschen zu telefonieren!

 

Eines habe ich in diesen beinahe drei Stunden bemerkt: wie groß unsere, meine gefühlte Abhängigkeit von diesen Mobiltelefonen doch ist! Wenn ich nicht erreichbar bin, niemanden erreichen kann: Das fühlt sich an wie etwas tot …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 9. März 2016 waren eine Frühschicht als Sendedienst, der Fortschritt mit dem Netbook, sehr notwendige Anrufe, das wieder telefonierende Mobiltelefon, der ab sechs Uhr verfügbare Beitrag bei Pixartix.
 
Tageskarte 2016-03-10: Das As der Kelche.

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Über Der Emil

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12 Antworten zu Nº 070 (2016): Telefonsorge.

  1. Clara HH schreibt:

    Was für eine Duplizität der Ereignisse – es muss im gesamten Vodafonnetz eine Störung gegeben haben, denn ich hatte fast den gesamten Vormittag keinen Netzempfang – auch bei mir waren WLAN und Mails noch empfangsbereit, aber ich konnte nicht telefonieren. – Und da wollte ich natürlich mein Festnetz nehmen – die Akkus total runter, nichts. Und da besann ich mich, dass ich noch ein Handy mit eplus hatte, was dann diese zwei wichtigen Telefonate erledigen musste. – Du hast recht, man ist schon ganz schön abhängig.

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    • Der Emil schreibt:

      Es war ein bundesweites Problem bei Vodafone. Und wenn ich Festnetz hätte, richtiges, nicht dieses verfluchte VoIP (das trotzdem demnächst als einziges {nichtmilitärisches} „Festnetztelefon“ verfügbar sein wird; das analoge wird vollständig eingedampft), dann stünde hier ein schnurgebundener Apparat — genau aus diesem Grunde.

      Bequem. Bequem bin ich geworden, zu bequem.

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  2. Jane Blond schreibt:

    Da sitzt du im Radio und hörst kein Radio ;-) das war denen, bei uns im Norden zumindest, eine Meldung in den Nachrichten wert.

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  3. puzzleblume schreibt:

    Nicht dasselbe Phänomen, aber ähnliche Gefühle habe ich mit Handy und Internet auch schon durchlebt und mich dabei gewundert, wie emotional diese Unzugänglichkeit der beiden doch recht jungen Kommunikationsmittel einen Menschen beuteln kann, der mehr als sein halbes Leben ohne beides auch ganz gut zurecht gekommen ist. Früher musste jeder warten auf einen Anruf auf einem herkömmlichen Telefon, das irgendwo stand, wo derjenige gerade nicht hin konnte.
    Man wartete schicksalsergeben auf die Post, weil es so langer dauerte, wie es eben durch die Sortier- und Auslieferungsvorgänge brauchte.
    Der Unterschied, der diesen unangenehmen Druck verursacht, liegt für mich in der Erwartungshaltung, die ich beim Empfänger voraussetze.
    Wenn man auch nur ein klein wenig für das Entwickeln von Schuldgefühlen und zwischenmenschliche Ängste anfällig ist, sind diese Möglichkeiten, „etwas sofort tun zu können, wenn man es nur wollte“ eine kleine persönliche Seelenhölle.
    Andererseits sagt mir mein innerer Erwachsener, dass jemand, der mir so etwas, falls es eine Ausnahme ist, übel nimmt, mir auch für den Rest meines Lebens nicht gut tun wird.
    So gesehen kann ein solcher Zwischenfall einen segensreichen Reinigungseffekt haben, für die eigene Psyche und die Beziehungen.

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    • Der Emil schreibt:

      Oh, Schuldgefühle, Selbstabwertung, Selbstvorwürfe: meine Spezialgebiete.

      Aber ja. Ich habe zum Beispiel auch vier Wochen warten müssen, bis ein letzter (der zweite abgeschickte) Brief aus Italien mich erreichte … Ich kenne dieses Warten also sogar aus gerade erst Erlebtem. Aber weil ich ja um meine (eingebildete) tollpatschige Dummheit weiß (haha!) und unbedingt auf genau diesen einen Kommunikationskanal dieses einen Gerätes angewiesen zu sein glaubte, waren die Stunden nicht nur eine kleine Hölle … Der Unterschied lag für mich im Postulat eigenen unzulänglichen Handelns („ich habs kaputtgemacht“).

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  4. Sofasophia schreibt:

    Ja, diese Schreckmomente kenne ich auch. Wegen schlechter Netze da und dort vor allem. Frustrierend. Aber auch erkenntnisreich. Natürlich sind wir abhängig. Ich jedenfalls. Verrückt. Darum sind die Leute früher anders gereist, waren nicht oder anders mobil, denk ich grad.

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