Nº 100 (2016): Der heftigste Schmerz.

Rhetorische Frage als Prolegomenon

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Ist der aktuelle Schmerz deshalb immer der am heftigsten erscheinende, weil die Erinnerung das Schöne überhöht, das Negative aber im Rückblick durchweg abgeschwächt (und tiefer Schmerz sogar ganz ausgeblendet) wird?

 

 

Dieser Gedanke schoß mir durch den Kopf, als ich gestern nachmittag bei der Eröffnung einer als Der Tote Winkel benannten Lokalität zu Gast war. Vor allem, weil mich die für den 22. April angekündigte Veranstaltung eines Kaffeeklatschs interessierte. Im “Der Tote Winkel” und beim “Kaffeekranz Totentanz” geht es um den Tod und um den Umgang damit. Beides sind Einrichtungen, die sich hier in der Stadt (re-)etablieren könnten. Ach, irgendwie waren die Menschen dort alte Bekannte – dieses Büro befand sich früher am Domplatz in dieser Stadt und sah auch etwas weniger freundlich aus. Der Gemeinnützige Feuerbestattungsverein Halle e.V. (wiedergegründet 1990 und Rechtsnachfolger des 1934 “gleichgeschalteten” und damit faktisch aufgelösten ‘Volks-Feuerbestattungsverein Halle und Umgebung’) war mir von dort durchaus bekannt, seine Stiftungsgründung allerdings nicht … Und neu war mir auch Das Magazin für Endlichkeitskultur, wie Drunter & Drüber im Untertitel heißt. “Endlichkeitskultur”: ein Gutwort.

Da war ich also dort, hörte der Live-Musik zu, las in dem Magazin, trank einen Kaffee und bemühte mich, die Tränen in mir zu behalten.

Tränen?

Ja, weil … Vor 20 Jahren nämlich (wer öfter hier liest, weiß es bereits) mußte ich die Beerdigung meines Sohnes organisieren. Und als ich dort auf der Bierbank saß, kam der alte, mittlerweile besänftigt geglaubte Schmerz wieder, mit einer Wucht, die ich ihm nie, nie im Leben noch zugetraut hätte …

Und ganz plötzlich waren alle meinen dezeitigen, sonst so groß erschienenden Wehwehchen, der Schmerz der Einsamkeit (manchmal), der Schmerz der … und des … [bitte selbst Begriffe einsetzen], winzig klein, obwohl ich sie noch eine Minute zuvor doch als die heftigsten je erlebten Schmerzen wahrnahm. Mir scheint, diese Pegeländerungsfunktion des Gedächtnisses, der Erinnerungen sind ganz nützlich. Ich bin froh darüber, daß es sie gibt. Und ich bin auch ganz froh über eine Art lokales “Six Feet Under” …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 8. April 2016 waren der Besuch im Toten Winkel, der andere Blogeintrag, die Bockwurst, iDogma-Karte #40.
 
Tageskarte 2016-04-09: Der Ritter der Schwerter.

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Über Der Emil

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Eine Antwort zu Nº 100 (2016): Der heftigste Schmerz.

  1. petra schreibt:

    (((Emil)))

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