Nº 110 (2016): Ist das das Ende?


Schonwieder ein neuer Anfang

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Ungeschriebene Geschichte I
 

Wie sie da auf der Couch liegt, ihre Arbeit am Schreibtisch nur kurz verlassen hat. Sind ihre Augen geschlossen? Ich weiß es nicht. Ich sehe, daß das T-Shirt aus der Hose gerutscht ist, sich etwas hochgeschoben hat und mich einen Streifen ihres Bauches sehen läßt. Es ist die Haut, nach der ich mich so lange gesehnt habe, die ich so gerne streichle. Da drüben liegt sie, um sich nur ein paar Minuten auszuruhen. Gleich wird sie sich wieder erheben, sich auf den Stuhl am Schreibtisch setzen, ihre Brille zurechtrücken und weiterarbeiten. Bis dahin sitze ich hier am Bücherregal auf dem Fußboden und schreibe die ersten Sätze meines nächsten Buches. Ganz klassisch mit Tinte auf Papier, in der ersten von etwa zehn bereitliegenden schwarzen, biegsamen Kladden beginnt – das Ende? Schließlich sind die Geschichten von Peter, vom amnesischen Patienten und vom Alten Mann noch nicht ganz erzählt. Das hätte ich nie geglaubt, wenn mir das jemand vorhergesagt hätte, aber jetzt ist es so: Band eins und zwei sind gedruckt, viele kennen den Alltag und die Erlebnisse vom Schuljungen und seiner Mutter, viele kennen auch den Alten Mann mit seiner Taschenuhr und seine vor Jahren schon gestorbenen Frau und beider Geschichte. Nur der Patient, der bei einem sonderbaren Vorfall sein Gedächtnis verlor, nur dessen Geheimnisse schlummern noch in mir und werden jetzt ihren Weg durch den Arm und den Füllfederhalter auf das Papier der Kladden finden. Und wahrscheinlich werden auch alle Rätsel um den Zusammenhang zwischen all diesen Figuren gelöst …

Sie liegt immernoch auf der Couch, ihr Atem geht ganz gleichmäßig. Ziemlich verträumt und verliebt sehe ich sie an. Es scheint, als wäre sie kurz eingenickt. Ich schleiche in die Küche und mache zwei Kaffee. Mit den beiden dampfenden, duftenden Tassen in den Händen kehre ich zurück, stelle sie auf ihrem Schreibtisch ab. Dann lege ich meine Hand auf das schmale Streifchen nackten Bauches und küsse die Schlafende.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 18. April 2016 waren die Beratungen im Sender, das verstehende Schreiben, die gepflanzte Idee (für die ich danke und für die ich hoffe, daß das daraus Entstandene gefällt).
 
Tageskarte 2016-04-19: Die Sieben der Münzen.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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4 Antworten zu Nº 110 (2016): Ist das das Ende?

  1. petra schreibt:

    Das ist fertige Geschichte und lässt viel Spielraum zum weiterdenken….

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  2. Gudrun schreibt:

    Schreib die Bücher. Tu es. Und bau dir ein Netzwerk auf aus Leuten, mit denen du über das Projekt reden kannst, in jeder Phase. Das hilft, wenn die kleinen Zweifel nagen wollen.
    (warum ich das für wichtig halte, erzähle ich einander Mal)

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