Nº 120 (2016): Nachts kurz vor zwei.

Kreativitätsänderung

To get a Google translation use this link.

 

 

Es ist jetzt kurz vor zwei. Es ist jetzt die Zeit, in der ich wirklich produktiv bin, in der mir die Ideen nur so zufliegen. Ich kann innerhalb von zehn Minuten zwei gute Ideen in beinahe perfekte Sätze fassen – zumindest ihre Anfänge. Neben mir flackern die Flammen von Teelichtern und Kerzen, manchmal leuchtet auch eine Petroleumlampe. Manchmal zünde ich Räucherstäbchen (sehr selten) und oft ein Weihrauchkerzchen an. Der Duft öffnet – ja: Was? Die Augen und Ohren wohl nicht, denn ich höre und sehe diese Ideen nicht; sie tauchen plötzlich in meinem Hirn auf, in meinem Gedankenfluß, vor meinem inneren, geistigen Auge. Und der Füllfederhalter oder die Feder gleitet wie von selbst über das Papier. Es ist fast wie beim Automatischen Schreiben, nur daß hier folgerichtige Sätze entstehen. Zusammenhänge und Koinzidenzien werden hergestellt und bleiben erhalten.

Klingt gut? Aber diese Zeiten sind vorbei. Jedenfalls war es so. Wirklich jahrelang.

Und heute?

Heute kommen die Ideen überall und zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Deshalb habe ich (fast) immer mindestens eine Kladde dabei und genügend Stifte, schreibe (wie auch früher schon) in der Straßenbahn, im Bahnhof, in Passagen, in Cafés und überall. Nur nachts, kurz vor zwei, da finden kaum noch Worte aufs Papier. Denn nachts um zwei regiert die Sehnsucht über Müdigkeit und Ideen.

Die Sehnsucht, die sich mittlerweile auch aus Erfahrungen speist und nicht mehr nur meiner Phantasie entspringt. Die mich nicht verläßt, von der ich nicht verlassen werden mag, die ich nur selten so weit zurückdrängen kann, daß sie mich nicht beeinflußt (ist das wirklich möglich) und mein Denken nicht beherrscht.

 

Schreiben kann ich noch immer. Ich schreibe, als ginge es um mein Leben. Schreiben kann ich fast immer. Schreiben muß ich fast immer. Nur nachts, kurz vor zwei, da ist es irgendwie anders geworden.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 28. April 2016 war ein Telefonat.
 
Tageskarte 2016-04-29: Die Zwei der Schwerter.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Advertisements

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter 2016, Erlebtes, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Nº 120 (2016): Nachts kurz vor zwei.

  1. Herr Kai schreibt:

    Der Text gefällt mir sehr gut, er weckt Bilder und Emotionen.

    Gefällt mir

  2. petra schreibt:

    Schreiben kann ich noch immer. Ich schreibe, als ginge es um mein Leben. Schreiben kann ich fast immer. Schreiben muß ich fast immer.

    Das finde ich wunderbar – wenn ich es denn nur auch könnte! Bei mir kommt grad nur Kauderwelsch heraus…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s