Nº 128 (2016): Reisebegegnungen.

Die “andere” Art und ihre Folgen

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Heutzutage reicht für eine Reise ein einziger Zug ja meist nicht mehr aus. So ging es auch mir, und nachdem der ältere Mann ausgestiegen war, mußte auch ich irgendwann auf irgendeinem Bahnhof umsteigen in einen andern Zug …

In dem erwartete mich die Reisebegegnung der andern Art: Die Sprache ist nicht Deutsch; Mutter, Vater und vier Kinder sind einfach nur entsetzlich laut. Der Kleinste schreit wie ein Baby – ist aber sicher keines mehr. Der Zweitjüngste klappert seit endlosen Minuten mit dem Müllbehälter. Der Älteste sagt seiner Mutter etwas auf und muß die beiden anderen natürlich übertönen, also schreit er fast. Und der Vater brüllt sein Telefon an. Warum erscheint es mir, als würden Fremdsprachler immer so übertrieben laut telefonieren?! Oder auch die Jugendlichen mit ihrer Kanak-Sprak?

Ich halte den Krach nur etwas über zehn Minuten aus, dann fliehe ich. Nicht nur in den nächsten Waggon, denn da ist das Müllbehälterklappern noch immer zu hören. Im übernächsten Wagen finde ich einen ruhigen Platz. Dort sitze ich dann auch nicht mehr auf der Sonnenseite am Fenster. Mit der Eisenbahn zu fahren, kann spannend sein: Es gibt in den Regionalzügen keine Ruhezonen, wie sie in den Schnellverkehrszügen mittlerweile üblich sind, und doch ist da, wo ich nun sitze, kein Handykrach und kein Klingeln zu hören. Ab und zu raschelt die Zeitung des Geschäftsmannes drei Reihen weiter; das Pärchen auf der anderen Seite des Ganges flüstert sich kleine Ferkeleien ins Ohr, und ich schaffe es kaum, mein daraus entstehendes Kopfkino im Zaum zu halten. (Es ist schon interessant, als völlig Unbeteiligter von diversen Körpermodifikationen und auch von von mir bevorzugten Spielarten zu hören.) Hinter mir sitzt ein Student – jedenfalls sah er nach Student aus, als er vorhin an mir vorbeiging – der mit seinen riesigen Kopfhörern klassische Musik hört, die so leise ist, daß ich beinahe nur ahnen kann, welche Art Musik läuft. Und ich, ich ziehe leise mein Notizbuch aus der Tasche und versuche mir schwer niedersinkenden Augenlidern festzuhalten, wie es zugeht hier im Zug …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 6. Mai 2016 waren ein sehr ruhiger Morgen, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Sitzen am Rheinufer, Picknick und Flammkuchen und Dunkles Hefeweizen.
 
Tageskarte 2016-05-07: Die Fünf der Schwerter.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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4 Antworten zu Nº 128 (2016): Reisebegegnungen.

  1. minibares schreibt:

    Lieber Emil,
    hast du das erlebt? Oder ist es Fiktion?

    Gefällt mir

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