Nº 141 (2016): Das Böse siegt.

Eine Folge Jordskott gesehen – und wieder eine Frage

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Kann ich auch Geschichten mit einem Antihelden schreiben? Nein, nicht Antiheld, nein: mit einem Bösewicht, der am Ende gewinnt? Eine Geschichte, in der das Gute versagt, untergeht?

Das ist eine Frage, auf die ich noch keine Antwort weiß.

Es fiele, es fällt mir schwer, sehr schwer. Schon die Vorstellung einer entsprechenden Story ist mir beinahe unmöglich. Außer in einem ganz bestimmten Kontext kann ich mir das nicht vorstellen. Ja, ein Sadist kann unerbittlich, gnadenlos, einfach sadistisch grausam sein. Und sein Objekt wäre nur ein Stück Fleisch, eben ein Ding, das mehr oder weniger nützlich, benutzbar ist, mit und an dem er seine Gier und seine Neugier befriedigen kann. (In meinem tatsächlichen Leben allerdings geht das absolut nicht; da bestimmt Sub die Grenzen, da bin ich eher Erfüllungsgehilfe ihrer Phantasien.) Außerhalb dieser engen Grenzen ist bisher jeder Versuch gescheitert.

Offene Enden (zunehmend) oder positive Enden (hauptsächlich) sind das, was ich auch beim Lesen oder in Filmen finde. Und die Geschichten, die hier entstehen, die ich schreibe, anfange, die haben oft eine Wendung zum Guten, etwas Märchenhaftes manchmal. Ja, ich sehne mich sogar nach guten Enden! Wenn es mir zu schnulzig, unwahrscheinlich oder unglaubhaft erscheint, lasse ich das Ende offen, dann widerstrebt es mir, zu gekünstelte Verschwurbelungskonstrukte dazuzuschreiben. Gute Enden – schön und gut. Doch das wichtigste: Glaubwürdig sollen sie sein, meine Geschichten, als könnten sie wirklich geschehen sein. Und da kenne ich nunmal nichts, das wirklich ungut, böse, schlecht endet.

Echt nicht.

 

Vielleicht habe ich den Satz von Oscar Wilde (von dem anscheinend niemand wirklich weiß, wo er ihn schrieb/äußerte) zu sehr verinnerlicht:
 
     » Everything will be good in the end, if it isn’t good, it’s not the end. «
(Am Ende wird alles gut, wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.)

Vielleicht. Und nun sitze ich weiter an diesem Entwurf einer schlecht endenden Geschichte, an dem ich seit etwa einer Woche herumfitzele …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 19. Mai 2016 waren Ausschlafen, Grabower Minis, gute Gespräche, wirklich gute Gespräche.
 
Tageskarte 2016-05-20: Die Sieben der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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6 Antworten zu Nº 141 (2016): Das Böse siegt.

  1. alltagsfreak schreibt:

    Ein Klassenkamerad war nach der Wende gut darin. Er schrieb eine Art Gang Story wo sich die Guten in der letzten Sekunde zu retten scheinen konnten, sie von den Schurken doch noch gegriffen worden und der Tod wie ein Unfall aussah.
    Wenn man sich an den Alltag orientiert, fallen da bestimmt Sachen ein. Ich gebe zu ich habe ihn für dieses Talent beneidet, mir fiele es auch schwer das Böse siegen zu lassen.

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  2. petra schreibt:

    Guck dich doch im in der Welt! Siegt dort das Gute? Doch in den seltensten Fällen. Wir leben in einer Scheinwelt, in der alles zum Ende darauf hinausläuft: … und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!

    Ich gebe dir aber recht – Happyend-Geschichten sind schöner. Aber sie gaukeln etwas vor, was es nicht gibt.

    Gefällt 2 Personen

  3. puzzleblume schreibt:

    Das Alltagsböse, das sich nur Geldgier, Zynismus und Ignoranz manifestiert und eher nicht vorsätzlich Leiden bringt, aber das ist, was allgemein den Eindruck erweckt „das Böse“ siege, wäre selbst in einer Person gebündelt nicht abgründig genug, solange nicht der Vorsatz, leiden zu lassen die treibende Motivation ist. Abgesehen davon, dass diese Menschen in der Regel nicht frei von eigenem Leid sind und somit dein Gedanke, einen Bösewicht siegen zu lassen, nur durch Verkürzung der Geschichte zu erreichen wäre,

    Eine BDSM-Partnerschaft der moderneren Lesart, mit irgendeinem Grad persönlicher Zuneigung als Basis, ist wieder etwas ganz anderes; mich wundert, dass du es in den Zusammenhang stellst, denn der Dom unterwirft sich, wie du ja schreibst, ebenso der Bedürfniserfüllung seines Sub, wie diese(r) sich vertrauensvoll diesem innerhalb der einzuhaltenden Grenzen. Ein Zuwiderhandeln würde immer das Ende einer solchen schwer wieder zu erlangenden Konstellation bedeuten. Meiner Ansicht nach hat dieses gegenseitige bedachtsame und im Idealfall von höchster Auferksamkeit für den anderen getragene Wunscherfüllen relativ wenig mit dem Splatter-Charakter von echtem Sadismus zu tun.

    Echter Sadismus, der Menschen teilweise oder ganz herabwürdigt , verbraucht und vernichtet, um sich am Ausüben und Erleben extremer Handlungen und Emotionen zu berauschen, wirkt zwar „teuflisch“, hat aber verkrümmte biographische Wurzeln persönlicher Unglückserlebnisse – wieder etwas, das man weglassen müsste, weil es keinen Sieger beschreibt..
    Das „perfekte Böse“ wäre aber nicht nur mächtig sondern in sich heil, und alles absolut Vollkommene entzieht sich dem Erzählerischen, weil es alle Entwicklungen von vornherein ausschliesst: der Schreibende hätte dann zwar das Erlebnis schreibend konstruierter Erlebnisse, aber der Protagonist würde zur Nebensache und die Szenen würden sich ohne Klimax wie einer dieser kilometerlangen amerikanischen Güterzüge aneinanderreihen.

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  4. Gudrun schreibt:

    Ich habe vor vielen Jahren eine Leipziger Inszenierung des Faust gesehen. Der Mephisto war mir regelrecht symphatisch.

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