Nº 150 (2016): Eingebungsprotokoll eines halben Tages.

Ganz sicher fast vollständig

To get a Google translation use this link.

 

So ziemlich alle aufgetauchten, erschienenen, herabgefallenen, aufgelesenen Sätze, Anfänge und Szenen des Sonnabends (damit ist der Tag gemeint, nicht der Sonnabendabend):

 

(Beim Aufwachen)
Nichts konnte ich mir weniger vorstellen als einen blauen Renault Laguna mit einem 15jährigen Kind am Steuer. Und noch weniger konnte ich glauben, daß das gutgeht; aber es ging gut. Dieses Mädchen!

(Nach dem ersten Kaffee)
Das Geräusch der Dusche verstummte. Unerwartet betrat sie sein Arbeitszimmer, streifte den Kimono ab und setzte sich nackt zu seinen Füßen nieder. Als sie ihn scheu berührte, zitterte seine Kaffeetasse nur leicht. Als sich ihre Lippen um ihn schlossen, erlaubte er sich, den Kaffee und die Welt zu vergessen, sich zurückzulehnen, zu empfangen.

(Beim Abwasch)
Weit und offen gestattet sie den Blick darauf aus jeder Richtung.

(Beim Flickenaufnähen)
Rechtschaffen müde von der vielen Schrubberei an den gewaltigen Kesseln der Schloßküche erreichte er seine Kammer im westlichen Stall. Die Rosse schnaubten schon im Schlaf und die Schafe machten leise Geräusche beim Wiederkäuen. Hans legte Schürze, Wams und Hosen ab, sprach sein Abendgebet und war nach kurzer Zeit auf dem Stroh eingeschlafen.
 
Nur die Prinzessin schlief nicht. Im Schein vier großer Kerzen saß sie auf ihrem Himmelbett und las den Brief, der von einem ihr unbekannten Prinzen kam.

(Zum Nachmittagskaffee)
Die Wucht des Aufpralls nimmt ihm den Atem, das wird sicher auch blaue Flecke und ein paar Tage lang Schmerzen geben. Trotzdem, als Feigling kann ihn Daniela jetzt nicht mehr bezeichnen, jetzt, da er seine Angst überwunden hat und nur für sie vom Zehner sprang. Hoffentlich hat sie’s auch gesehen, denkt er noch, noch immer unter Wasser; und dann wird ihm die Luft knapp und er weiß nicht, wo oben und unten ist, er wird panisch, schlägt mit den Armen und Beinen durchs Wasser, gerät in Bewegung, verbessert seine Orientierung dadurch kein bißchen. Er stößt mit dem Fuß auf etwas Hartes und dann ist es dunkel.

(Kurz nach dem Kaffee, beim Lesen)
»Bleibenlassen ist nicht dasselbe wie Scheitern
Vielleicht machen wir uns das Bleibenlassen ja auch nur deshalb so schwer, weil es sofort mit dem Buhwort Scheitern belegt wird. Doch in den allermeisten Fällen war die Idee ja wirklich mal gut, die Beziehung mal glücklich, das Meeting sinnvoll, der Job befriedigend. Nichts, was 20 Jahre gut war und zwei Jahre schlecht, verdient, gescheitert genannt zu werden. Es war mal eine gute Idee, jetzt nicht mehr, also hören wir auf damit. Und hören auch auf damit, uns dafür zu schämen.«
(Quelle: Winnemuth-Kolumne im Stern)
Einfach bleibenlassen. Etwas nicht weiter verfolgen. Aufhören mit dem, was seinen Sinn für mich verloren hat. Ja, habe ich gerade getan und wurde dafür echt schief angesehen; doch jetzt hat meine Planung Vorrang für mich und ich bin nicht mehr immer der Doofe, der die Arbeit macht und nichts dafür zurückbekommt. Dieser Schnitt war ein schwerer, aber notwendiger Schritt. Und im übrigen könnten viele andere Menschen mich auch bleibenlassen, so bleiben lassen, wie ich bin: nicht marktfixiert, nicht versessen auf Lohn-, sondern auf Sinnarbeit! Ja, Arbeit kann wirklich sinnvoll, sinnstiftend sein für das Leben dessen, der sie tut, weil er sie tun möchte; ich möchte eine Arbeit nicht nur tun, weil ich damit meinen Lebensunterhalt verdiene, nein, sie muß einen Sinn haben oder stiften.

(Beinahe zur gleichen Zeit)
»Morgenverschlafene Felder liegen in fädenspinnendem Licht.«
(Quelle: Frau Rebis)
Und sofort entstehen vor meinen Augen die Mecklenburger Felder, Mais, Gerste, Roggen, Rüben, durch die ich als Kind streifte in den ‘großen’ Ferien. Schon kurz nach dem Frühstück mit den auf eine Fleischgabel gespießten und in der Flamme des Propangasherdes aufgebackenen Konsumbrötchen, die mit selbstgemachter Marmelade und selbstgeschleudertem Honig bestrichen wurden oder eine Scheibe dieser unglaublich leckeren Schlackwurst aufgelegt bekamen. Sogar der Geruch dieser Ziegelfußbodenküche ist wieder da: Immer hing ein Hauch Muskat in der Luft, die auch den Stallgeruch in sich trug.

(Noch immer lesend)
»Zwei Zauberwörter sind es nur, die es manchmal braucht:
Jetzt und Ganz
(Quelle: Sofasophien, Fallmaschen & Herzgespinste)
Jetzt existiert genaugenommen doch garnicht. Wenn ich ‘Jetzt’ denke, ist es doch schon in der Vergangenheit, noch ehe ich zuendedachte. Aber von dieser Haarspalterei einmal abgesehen ist dieses ‘Jetzt’ bzw. der direkt darauf folgende Moment genau jener Augenblick, in dem ich lebe. Nicht Morgen oder nächsten Monat/nächstes Jahr, nein, jetzt. Ich kann nur jetzt genießen; ein auf später vertagter Genuß verursacht Sehnsucht/Sehnen, wenn ich um die Verfügbarkeit des Genusses weiß. Aber wenn er nur eine Hoffnung bleibt? Eine immer wieder enttäuschte Hoffnung? Was wird dann aus dem, was ich jetzt nicht habe/tue, mir versage?

 

Ich glaube, das reicht bis hierher. Doch keine Sorge, der Sätze kamen noch mehr …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 28. Mai 2016 waren die Ruhe, ein entspannter Abend, ein von Wondoof befreiter und mit Lubuntu versehener Rechner.
 
Tageskarte 2016-05-29: Der Bube der Schwerter.

© 2016 – Der Emil. Eigener Text (nicht die Zitate!) unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Advertisements

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter 2016, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Nº 150 (2016): Eingebungsprotokoll eines halben Tages.

  1. petra schreibt:

    Bleibenlassen ist nicht dasselbe wie Scheitern – dass stimmt so sehr und macht dennoch ein ungutes Gefühl. Ich fühle mich dann immer unzulänglich und höre die Stimme meines Vaters im Ohr: „Fang doch wenigstens an, dann hast du es zumindest probiert!“

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s