Nº 170 (2016): Verwirrungsvorschau.

Auf ein morgen blicken, das morgen gestern gewesen sein wird

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Morgen ist Sonntag. Obwohl morgen ja Sonnabend ist, denn heute, das morgen gestern sein wird, ist Freitag. Und übermorgen ist also heute bzw. morgen, jedenfalls Sonntag und nicht gestern.

 

Wenn dieser Text erscheint, ist es gerade Sonnabend geworden.

Heute, da ich diesen Beitrag verfasse, ist aber Sonnabend für mich noch morgen – d.h. jetzt gerade ist es Freitag, kurz nach 20 Uhr. Vor mir liegt mein Schmierzettelblock, in der Hand habe ich einen Federhalter (nein, keinen Kolben- oder Patronenfüller, einen einfachen Federhalter mit Stahlfeder, die ich immer wieder ins Tintenfaß tunken muß). Und dieser Text entsteht wie üblich auf Papier. Für die Leserinnen blicke ich auf Sonntag, den Tag nach dem Erscheinen dieses Beitrags, und für mich blicke ich auf morgen, das bei mir eben Sonnabend ist. Aber ich blicke, aus welcher Sicht es auch betrachtet wird, auf morgen, also gestern.

(Meine Sicht:) Morgen wird ein besonderer Tag sein. Zunächst werde ich ihn in einer anderen Stadt verbringen, zum größten Teil. Ich werde Kultur erleben. Ich werde interessante Gespräche führen. Ich werde Spaß haben. Ich werde nachdenken müssen und wollen. Ich werde nicht allein sein. All das wird geschehen. Und wahrscheinlich habe ich keine Zeit, rechtzeitig einen Text zu verfassen und zu veröffentlichen.

(Eure Sicht:) Morgen, am Sonntag, 00.15 Uhr ist schon längst vorbei, werdet ihr bemerken, daß Der Emil (jaja, ich) einfach nichts geschrieben hat. Na gut, jetzt wißt ihr ja schon vorher, daß und wieso das so ist. Er war gestern nämlich unterwegs. Es ist also nicht nötig, daß sich jemand meinetwegen Gedanken macht. Ich lebe, ich bin gesund, es geht mir gut. Nur hatte ich anderes zu tun (werde ich anderes zu tun haben).

 

Es ist für mich in der Regel schon schwierig zu beachten, daß euer “heute” mein “morgen” ist. Nun ist aber euer “heute” mein “übermorgen”, und mein “morgen” euer “gestern” – hoffentlich war das jetzt korrekt – und das verwirrt mich schon ein wenig mehr. Aber weil es mir nun eine liebgewordene Gewohnheit geworden ist, meine Beiträge um viertel eins online gehen zu lassen, nehme ich die allgemeine und die diesmal spezielle Verwirrung und Unklarheit der Zeitbegriffe gerne in Kauf.

Und vielleicht habt ihr ja jetzt verstanden, warum mein gestern in eurem für mich übermorgigen heute heute für mich morgen ist … Oder war es vorgestern?

 

Der Verfasser des Blogs schleicht schelmisch grinsend davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 17. Juni 2016 waren anderthalb fertig reparierte Jeans, eine Menge gescannter Zettel.
 
Tageskarte 2016-06-18: XII – Der Gehängte.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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8 Antworten zu Nº 170 (2016): Verwirrungsvorschau.

  1. Pit schreibt:

    Nun bin ich – heute – ziemlich verwirrt. Oder war ich es – gestern – , oder werde ich es – morgen – sein, oder gar gewesen sein? Oder würde ich es sein, wenn ich den Text – heute – verstümmelt? Oder …? Das könnten wir jetzt noch lange weiter treiben.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende,
    Pit

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  2. puzzleblume schreibt:

    Moin-moin passt immer. :-)

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  3. Gudrun schreibt:

    Moin, Emil. Ich hoffe, du hattest viel Freude in der anderen Stadt, überhauupt viel Freude. Da ist es doch egal, ob gestern, übermorgen, vorgestern oder heute.
    Gruß vom Meer.

    Gefällt 2 Personen

  4. petra ulbrich schreibt:

    Morgen ist gestern schon heute ✨

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