In der richtigen Bahn, auf dem richtigen Weg. Nº 214 (2016)

Ultreïa! Tag 0.

 

Der Tag Null ist der, an dem ich nach Görlitz fahre. Nachher – oder vorhin gefahren bin, je nachdem, wann der Text gelesen wird. Aber über diesen Tag Null habe ich ja noch überhaupt nichts zu berichten.

Gestern saß ich mit Omas Küchenwaage (die linke der beiden in diesem Artikel gezeigten) und notierte und wog 46 Posten. Was ich zusammenpackte in einen Beutel, das wog ich auch zusammen. So ganz nebenbei fielen mir dann Dinge auf, die einfach überflüssig sein werden, und ich erinnerte mich an Dinge, die ich ganz sicher noch benötige. Ich habe tatsächlich schon weit mehr als zehn Stunden mir der Rucksackpackerei zugebracht, weil immer wieder etwas nicht passen will, mir immer wieder die Verteilung, die “Ordnung” im Rucksack mir nicht gefiel. Und dann, dann waren es doch inkl. allem, was ich am Leibe tragen werde, 17450 g …

 

Zustand nach dem Packen für den #oekuweg: Bis auf 1 x Brausetabletten, Trockenobst und Kondensmilchtube ist alles drin und dran.

Zustand nach dem Packen für den #oekuweg: Bis auf 1 x Brausetabletten, Trockenobst und Kondensmilchtube ist alles drin und dran.
 
Gepackter BW-Kampfrucksack (65 l) in schwarz, unten dran befestigt die blaue Isomatte, außen angeschnallt graue Wandersandalen.

 

Bleibt die Frage, wozu will ich … pilgern. Ja, denn das ist es am Ende doch. Ich bin nicht besonders religiös, früher hätte ich mich eher zu den Esoterikern gezählt. Es gibt einen Grund, warum ich nach Kirchenaustritt 1989 als zwar getaufter, aber bis dahin nicht konfirmierter Mensch am 25.12.1995 – mit immerhin 32 Jahren – konfirmiert wurde. Und alle atheistische Erziehung, alle Überzeugung von der Richtigkeit eines mittlerweile verschwundenen Systems hielten mich nie ab, Kirchen zu besuchen. Gottesgläubig im Sinne der Kirchen bin ich auch nicht. Doch ich glaube, daß es mehr gibt als das, was uns unsere Sinne und unser Verstand erfassen lassen. Viel mehr jedenfalls als den heutzutage als alleinseligmachend gepriesenen Konsum und monetären und materiellen und sonstigen Erfolg.

Immer wieder beschleichen mich Zweifel. Daß ich das doch sowieso nicht schaffe. Diese Zweifel hatte ich auch, als ich im Januar 2011 mi dem täglichen Bloggen begann: Ich wollte wenigstens den Januar schaffen! Heute blogge ich noch immer täglich, manchmal sogar mehrere Artikel täglich (in verschiedenen Blogs), jüngst hatte ich zum Beispiel innerhalb zwei Stunden sechs Artikel veröffentlicht. Wer weiß, vielleicht geht es mir nach der Ankunft in Merseburg mit der Pilgerei ähnlich? So ganz glaube ich das ja nicht …

Einlassen möchte ich mich. Auf das, was mir begegnet, auf die, denen ich begegne. Annehmen ist auch etwas, das ich ab heute (okay, in den letzten Tagen übte ich das auch schon) direkt üben kann.

 

Um 09.46 Uhr faährt der Zug ab Halle (Saale). Und um 14.15 Uhr steige ich in Görlitz aus einem Zug. Und dann …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert heute los und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 31. Juli 2016: Beinahe 17450 g in einen einzigen Rucksack gestopft.
 
Positiv waren der fertige Rucksack, die Nervosität, die Ruhe.

P.P.S.: Ab heute werden wohl alle die, die auf den 00.15-Uhr-Artikel warten, vergeblich warten. Ich schreibe, wann es am besten paßt. Vielleicht auch mehr als einen Artikel am Tag – aber erwartet bitte nicht zuviel. Viel öfter wird es Nachrichten geben bei Twitter: Der Emil – hoffentlich vergeß ich das #oekuweg nicht zu oft.

© 2016 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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10 Antworten zu In der richtigen Bahn, auf dem richtigen Weg. Nº 214 (2016)

  1. Pit schreibt:

    Ich finde es ganz großartig, auf was Du Dich da einlässt. Und ob gläubig oder nicht, eine solche Wanderung – um den Ausdruck Pilgerreise zu vermeiden – kann ganz bestimmt zur Bewusstseinserweiterung führen.
    Ganz viel Erfolg wünsche ich Dir, und wie ich meiner Frau immer sage, wenn sie hier in der Nachbarschaft zu Erholungszwecken herumläuft, „walk around the potholes“. ;)
    Mach’s gut auf dem langen Weg,
    Pit

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  2. eckstein schreibt:

    gute fahrt! und dann einen guten start!

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  3. sag Kai schreibt:

    Beim Pilgern folgt ein Tag auf den nächsten Tag. Keine Woche, kein Monat. Nur ein Tag auf den nächsten.
    Meine Segenswünsche für Deinen Weg hast Du.

    Gefällt 1 Person

  4. Guten Morgen Emil,
    ich wünsche dir alles das, was dich glücklich macht.
    Der Pilgersegen ist mit dir.
    Hab es gut, bleib gesund.
    HERZ-lichst
    M.M.

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  5. Sofasophia schreibt:

    Hach, ich freu mich. Jetzt stehst du sicher schon auf dem Bahnsteig!?
    Wirst du mit dem Handy bloggen (App) oder ist das Netbook doch dabei?

    (Ich hoffe, der Rucksack trägt sich, trotz Schwere, angenehm. Hüften lassen sich ja auch mit Tüchern etc. nachpolstern, fällt mir grad ein.)

    Buon camino!

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  6. Herr Ärmel schreibt:

    Ich wünsche eine gute Reise, interessante menschliche Begegnungen und erhellende Erkenntnisse,
    Herr Ärmel

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