Marschgepäck. Nº 225 (2016)

Ultreïa! Tag mittendrin. #oekuweg

 

Heute wird alles wieder eingepackt. Mein Fuß hat sich – so hoffe ich – zur Genüge erholt. Damit steht dem weiteren #oekuweg nichts entgegen. Und diesmal packe ich auch noch etwas mehr von der Hoffnung ein, daß alles ganz wunderbar sich ergibt, weil ich genau das ja schon tagelang erleben konnte.

Klar ist die Packordnung etwas verändert. Wo ich vorher eines meiner geliebten Mittelalterhemden als wärmendes Oberteil hatte, passen jetzt die neue Jacke und ein dünner Pulli ins Gepäck. Zwei Ersatzshirts blieben, aber der Rest geht nur noch einmal mit; das macht etwa ein Kilogramm weniger auf dem Rücken. Von manchem, das ich nicht nutzte, habe ich mich auch getrennt, vom Doctan zum Beispiel. Und ich habe nicht wieder nur einen Einkaufsbeutel mit, sondern eine leichte Umhängetasche, in der ich die ständig gebrauchten Dinge tragen kann, also Karte, Kamera, Futter, Wasser, Pilgerführer usw. usf. Und immer wieder werde ich den Rucksack umpacken, das habe ich bisher viermal getan. Auf alle Fälle will und möchte ich diesmal auch eine Zeltnacht einlegen – vielleicht wild, vielleicht auf einem Zelplatz. Die zweite Möglichkeit bevorzuge ich deutlich, alleine das vorhandene Klo und die Dusche sind verlockender Komfort, und es geht doch nichts über eine nutzbare Steckdose und ein absolut luxuriöses WLAN ;-)

Ach, dieses Verhaftetsein in diesem Internet. Wäre ich ohne das überhaupt losgegangen? Oder hätte ich im letzten Moment doch gekniffen und wäre auf meiner Schlafcouch geblieben? Genau das halte ich für sehr wahrscheinlich. Mein großes Getöne über den Weg war also nichts anderes als … als die Installation eines Anreizes, eines Schubsens, eines “Zwangs” zur Umsetzung der Idee. Ja, manchmal arbeite ich mit diesem schmutzigen Trick (unter anderem vor und auf Brücken), muß ich mit diesem Trick arbeiten, um genug Motivation zu haben für alles mögliche. Diesmal habe ich Twitter und meinen Blog eingesetzt, um mir selbst die Einlösung eines Versprechens aufzuerlegen. Und es klappt, es funktionierte!

Natürlich, ich mache mich damit, mit der Bloggerei und Twitterei von unterwegs, ziemlich abhängig von Strom und Mobiltelefonie. Ja, das ist dem ursprünglichen Gedanken des Pilgerns nicht so ganz zuträglich, aber es ist meiner Art zu leben geschuldet. Dieser halböffentlichen Art zu leben, manchmal auch mein Innerstes halböffentlich auszubreiten, zu sezieren, preiszugeben. Die ich noch immer benötige, um nicht wieder in schädliche, schädigende Routinen zu verfallen. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mich auf den Weg zu machen, endlich, und mich dabei von Menschen via Internet begleiten zu lassen, die mir immer wieder Kraft geben und aus deren Reaktionen und Aktionen ich immer wieder Mut und Kraft schöpfen kann.

 

Jeder geht den Weg für sich allein, heißt es. Stimmt, aber ohne Menschen, die mich auf die eine oder andere Art begleiten, bliebe ich sehr bald irgendwo sitzen, würde ich ziemlich schnell abbrechen, was ich doch so sehr ersehnte …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 11. August 2016: Von vagen Vorstellungen zum festen Plan.
 
Lampenfieber. Wieder Lampenfieber.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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9 Antworten zu Marschgepäck. Nº 225 (2016)

  1. Arabella schreibt:

    Manche Pilger schleppten früher ein Kreuz mit sich rum, du den Internetzugang…was soll’s…wo ein Wille ist, ist ein Weg…
    Bravo!!!!

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  2. sag Kai schreibt:

    Gute Wege, Emil. Meine Wünsche begleiten Dich.

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  3. Sofasophia schreibt:

    Ja, das wird. Morgen?
    Buon camino!!!

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  4. eckstein schreibt:

    ach, da hab ich ja einiges verpasst. und nun geht es weiter. das freut mich für dich und für mich. und das halböffentliche selbst in den hintern getrete – es darf einfach sein!
    solange du dich gut fühlst und heilen kannst ist alles recht. auch wlan aufm klo.

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  5. petra ulbrich schreibt:

    Ein bisschen ist der Blog auch ein Druckmittel für einen selbst – Selbstdisziplinierung – nicht verkehrt, es darf aber auf keinen Fall der alleine Anreiz sein, etwas zu tun. In deinem Fall das Laufen. Vielleicht läufst du irgendwann einmal aus freien Stücken…

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  6. puzzleblume schreibt:

    Manche sehen sich nicht in der Lage bestimmte Freizeitsportarten zu betreiben, ohne sich zuvor in eine spezifische farbenfrohe, klimatisierte synthetische Ausrüstung gekleidet zu haben, dagegen ist der Nährwert einer tragenden Kommunikation via Web gerade mal nur ein leichter mentaler Spazierstock, der dich nach vorne bringt.
    Mir fällt ausserdem an deiner Gepäckentwicklung ein Loslassen und Einlassen auf, das meiner Ansicht nach ganz ohne fremde Unterstützung zustande gekommen ist. Du bist in jedem Fall trotz deiner Knöchelpause gut unterwegs.

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  7. Ulli schreibt:

    Gute Wege, gute Tage, gute Begegnungen wünsche ich dir!

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