Nº 241 (2016): Eindrücklicher Raumeindruck.

Vernissage-Erleben

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Geplant war es nicht, daß ich zur (letzten) Vernissage im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe gehe, aber einen anderen Termin verschob ich dafür gern.

 

Ein weißer Raum. Nicht ganz weiß, nein, aber alle Wände in Blickhöhe frisch geweißt. Provisorisch hergerichtet. (Was darüber ist, die offen sichtbare Dachkonstruktion eines Industriebaus der – vielleicht – 50er Jahre, verstärkt meinen Eindruck der Undauerhaftigkeit.) Kurzer Blick hinein und denken: Intervention ins Provisorium. Da weiß ich noch nicht viel bzw. nichts über das, was zu sehen ist. Aber ich sehe das Weiß, sehe fast schwarze und wenige andere Akzente in dieser Helligkeit.

Kleine Interventionen ins Provisorium: digital ver… Nein, nicht das. Sondern: Viele der Form des Lüsters entäußerte Abbildungen hellerleuchteter Lüster. Nebulös und verschwimmend wie die Abbildungen der Sternennebel auf uralten Negativen der Astrofotografie. Näher besehen finden sich gewebegleiche, sich kreuzende Lichtlinien, Gitterinteferenzen scheinen eingefangen und hallen auf dem tiefschwarzen Untergrund, in der nachtdunklen Umgebung nach.

An einer Wand die gläserne Halbkugel “Linse”, sich aus ihr hervorwölbend, Farbahnungen andeutend, ein optisches Wurmloch bildend, durch das ich den Raum hinter mir betrachten kann, fast den ganzen Raum. Später werde ich erfahren, was da wie geschaffen wurde, zumindest prinzipiell. Doch erst zieht es mich, meine Aufmerksamkeit hinein in die Vorspiegelung eines Tunnels in der Wand, eben eines Wurmlochs. Und ich sehe mich auf diesem silbermetallisch glänzenden runden Ding am Boden stehen, schräg hinter mir, und mich mit ihm, auf ihm, drehend um die eigene Achse, immer wieder hängenbleibend am Blick auf meine Gestalt, wie sie hier vor der Wand mit dem Wurmloch steht und sich nicht losreißen kann. (Da ging meine Phantasie wirklich mit mir durch. Das Ding am Boden ist mundgeblasenes Glas, metallbschichtet auf der Innenseite, und würde mein Gewicht nicht tragen können, nichteinmal das Gewicht eines Kindes aushalten, sondern in tausend Scherben zerspringen bei einem solchen Versuch.)

 

Spiegel, mattgewordene, erblindete Spiegel waren es unter anderem, die Andrea Flemming zu vielen Werken anregten. Das Gespräch mit ihr verändert meinen Blick auf die ausgestellten Exponate nur wenig; die behalten ihre Faszination, ihre geheimnisvolle Mehrdeutigkeit (die mich sehr häufig an Astronomisches und SciFi denken läßt). Farben, Luminanz und Reflektion, alles (auch) erzeugt durch von Hand geführte Pinsel beim Auftragen der schließlich spiegelnden Schichten auf Glas. Die Illusion der Silhouette einer Stadt ähnlich Samarkand, samt dem Gebirgszug dahinter und den Palmen davor. Fläche da, wo ich nach dem ersten Anblick räumliche Gestaltung erwartete; Wölbungen in den Raum dort, wo nur Fläche zu sein schien. Und Weiß. Weiß, das die Kunst noch betont. Das für mich und für meine Begriffe trotz allem die Ausstellung als etwas Vorübergehendes, nicht Dauerhaftes charakterisiert.

 

Habe ich jetzt zuviel verraten? Fehlen Bilder? Fein! Anzusehen ist, über was ich hier schwärmte, im WESTPOL A.I.R. SPACE , Ausstellungshalle und Plattform für zeitgenössische Kunst, im Westwerk Leipzig (Plagwitz), Karl-Heine-Straße 85; erreichbar ab Hauptbahnhof mit der Straßenbahn 14 (Haltestelle Karl-Heine-/Merseburger Straße). Bis einschließlich 2. September 2016 täglich von 16 bis 20 Uhr, die gesamte Öffnungszeit über, wird auch Andrea Flemming dort anzutreffen sein.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 27. August 2016 war der Besuch beim Laternenfest.
 
Tageskarte 2016-08-28: Die Zehn der Stäbe.

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Über Der Emil

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3 Antworten zu Nº 241 (2016): Eindrücklicher Raumeindruck.

  1. petra ulbrich schreibt:

    Ich brauche keine Bilder – meine Fantasie liefert mir, nach deinen Vorgaben, die schönsten derer!

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  2. Frau Momo schreibt:

    Schade, aber das schaffe ich jetzt wirklich nicht mehr.

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