Nº 250 (2016): Weltschmerz.

Altes Wort, oft verteufelt

To get a Google translation use this link.

 

Viel geändert hat sich an meinem Befinden nicht. Doch war ich gestern für zwei Schichten Sendedienst bei Radio Corax (die Personalsituation ist wirklich sehr kritisch gerade). Dort hatte ich gut zu tun, war von mir selbst wieder abgelenkt, fokussiert auf das Tagesgeschehen im Sender. Wenig Zeit blieb da für Melancholie und Weltschmerz. Das, was mir am wenigsten in den Kram paßte, war der Hunger. Naja: Außer einem mäßigen Frühstück hatte ich den ganzen Tag nichts gegessen, und so richtig Zeit hatte ich nicht, um mir irgendwo eine 34 vom Asiamann zu holen.

 

Weltschmerz und Melancholie also. Zwei, die scheinbar zum Herbst dazugehören, jedenfalls für mich und bei mir. Aber beide nicht in ihrer schlechtesten Bedeutung, sondern in der jeweils mildesten Form. Gibt es zwischen beiden einen Unterschied?

Wikipwedia kennt Unterschiede. Da ist die Melancholie zum Beispiel “eine durch Schwermut, Schmerz, Traurigkeit oder Nachdenklichkeit geprägte Gemütsstimmung, die in der Regel auf keinen bestimmten Auslöser oder Anlaß zurückgeht”. Eben, kein bestimmter Auslöser oder Anlaß – außer vielleicht doch der Herbstanfang? Ist der so bestimmt? Vielleicht ist aber doch der Begriff Weltschmerz der passendere, den Wikipedia beschreibt als “ein Gefühl der Trauer und schmerzhaft empfundener Melancholie, das jemand über seine eigene Unzulänglichkeit empfindet, die er zugleich als Teil der Unzulänglichkeit der Welt, der bestehenden Verhältnisse betrachtet.” Na? Doch, es ist eher Weltschmerz, was mich zur Zeit … was ich zur Zeit pflege.

Ach, ihr: Wenn ihr ihn habt, pflegt ihn nicht? Weil er eher unangenehm ist? Hm, als unangenehm empfinde ich ihn nicht. Klar ist Weltschmerzzeit keine, die ich himmelhoch jauchzend erlebe. Aber ich zelebriere sie, mit Kerzenschein und Duftlampe, mit Musik und Text, oft nur rezipierend statt kreierend. Und beim Stöbern in meinem Blog fand ich eben heraus, daß ich eine solche Zeit in jedem der vergangenen fünf Jahre hatte. Und jetzt habe ich sie wieder. Weltschmerzzeit. Klingt ein bißchen nach einer Zeitzone. Jedenfalls ist sie nicht dauerhaft. Und weniger anstrengend als vermutet oder befürchtet. Und nein, ich habe keine Angst davor, in die Depression zu schliddern vor lauter Weltschmerz. Das wird nicht geschehen, dazu sind sie beide zu unterschiedlich, zu weit voneinander entfernt. Dazu fühle ich mich im gedeeschden Zustand, also bei Weltschmerz, zu kuschelig (schrieb ich ja gestern schon).

 

Jean Paul prägte diesen Begriff. Und nun höre ich noch etwas passende Musik: alte Stücke von Anne Clark.

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 5. September 2016 waren interessante Gespräche, ruhige Schichten.
 
Tageskarte 2016-09-06: Die Neun der Kelche.

© 2016 – Der Emil. Text – nicht aber das Video – unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter 2016, Erlebtes, Gedachtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Nº 250 (2016): Weltschmerz.

  1. Sofasophia schreibt:

    Oh, das ist vielleicht genau das meinige aktuelle Gefühl, für das ich kein wirklich passendes Wort habe.
    Ein gute Beschreibung irgendwie. Danke!

    Gefällt mir

  2. Elvira schreibt:

    Weltschmerzzeit kenne ich auch. Nun stelle ich mir vor, dass ich in einer Art Raumschiff sitze, und diese Zeitzone durchfliege. Vielleicht gibt es ja einen Unfall und ich lande in einem Paralleluniversum, in dem sich das ganz anders anfühlt, weil ich dort etwas anders bin. Hach, nun befinde ich mich doch tatsächlich auf einem Sci-Fi-Trip. Danke dafür!

    Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s