Nº 257 (2016): Ein Filou.

Manchmal bin auch ich Teil unvorhergesehenen Geschehens

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Mit der allerallerallerbesten Freundin war ich gestern Abend essen, sehr leckere Steaks gab es (nur beim Bier hatte ich mich nicht gut genug informiert und zuerst ein *ürgs* B*cks *schüttel*, welches ich verabscheue). Aber das Essen war wirklich gut und das begleitende Gespräch auch. Als wir uns auf den Heimweg begaben, saß direkt am Weg zum Auto eine Katze oder ein Kater. Zuerst schien es, als würde es ihm nicht gutgehen, aber der Schein trog zum Teil. Dann streifte das Tier um ihre Beine, zuerst zögerlich, dann fordernd intensiv. Es dauerte einige Minuten; und immer, wenn eine Straßenbahn oder ein Auto vorbeifuhr, reagierte das Tier doch ängstlich. Was tun? — Nach einer Weile hatte ich das Tier auf dem Arm und die allerallerallerbeste Freundin las die Daten vom Zettelchen, das sie aus der Kapsel am Halsband holen konnte. Katers Name Filou, Frauchens Adresse und Telefonnummer. Er war doch ein ganzes Eckchen von zuhause weg, der Freigänger, der die Straßenbahnen nicht leiden mochte und sich unwohl fühlte, als wieder eine vorbeifuhr. Also setzte ich mich mit ihm ins Auto, während sein Frauchen telefonisch über unseren Fund unterrichtet wurde. Ein neugieriger Kater wußte dann während der Fahrt nicht so recht, ob er neben mir auf meiner Hand sitzenbleiben oder aufgeregt irgendwohin im Auto fliehen sollte. Vier schlimme Minuten!

Dann standen wir vor der Hausnummer 48. Ich stieg aus, schaute auf den Klingeln nach: Ja, hier wohnt die Katermutti. Und in wenigen Minuten sollte auch ihre Freundin ankommen und das Tier in Empfang nehmen, dem ein paar Tage Stubenarrest drohen. Inzwischen raschelte das Katzentier mit etwas herum, das auf dem Rücksitz unter der Handtasche versteckt war. Ach ja, dort lagen Knackwürste für mich, die die allerallerallerbeste Freundin mir ab und an mitbringt von einem ganz besonderen Fleischer. Beim Fotografieren des getigert-weißen Katers fiel ihr das wieder ein, die Würste wurden in Sicherheit gebracht. Noch immer aber kam die Freundin nicht, die das Tier in Empfang nehmen sollte. Was letztlich kein Wunder war, denn wir standen vorm falschen Haus, in welchem aber jemand richtigen Familiennamens wohnte. Auch die hilfsbereite Freundin der Katermutti wunderte sich nach einer Weile, daß niemand mit Kater auftauchte, und rief Filous Besitzerin an. Die telefonierte dann wieder mit der allerallerallerbesten Freundin. Ach, Hausnummer 41? Nun, bei der wirklich winzigen Schrift auf dem Zettel konnte der Fehler schon geschehen. Jetzt aber war er korrigiert und nach weiteren drei Minuten war Filou vorm richtigen Haus. Durchs geöffnete Fenster hob ich das Tierchen, das unterwegs laut und herzerweichend maunzte und jammerte, in seinen Transportkorb.

 

Der Kater an der Tüte mit den Würsten

Der Kater an der Tüte mit den Würsten (auf dem Rücksitz unter der Handtasche)

 

Getigert-weißer Kater Filou im Auto.

Getigert-weißer Kater Filou im Auto.

 

Filou. Heimbringkater auf der Rücksitzbank, hinter der Handtasche verschwindend.

Filou. Heimbringkater auf der Rücksitzbank, hinter der Handtasche verschwindend.

 

Hach, es war dann doch fast ein halbe Stunde, die ich den Kater knuddeln und kraulen konnte, im Arm halten konnte. Mauz! Wie schön es doch als Kind und als junger Erwachsener war, beim Einschlafen einen (wie Filou übrigens auch kastrierten) Kater im Bett zu haben, ihn nachmittags draußen in der Sonne zu “bedalfern” (anzufassen, anzutatschen, zu bemutteln und zu betüddeln). Jaja, Vögel und Katzen und ein Riesenschnauzer … Immer gab es irgendwelche Tiere in der Familie. Und die Erinnerung daran ist schmerzlich schön … Meine beiden Nymphensittiche habe ich vor ein paar Wochen abgegeben. Es geht ihnen besser im großen Schwarm. Aber ich habe keine Tiere mehr. Wieder keine Tiere mehr. Nicht Hund noch Katz noch Vogel. Vielleicht geh ich doch irgendwann in ein Tierheim, als Hundeausführer oder Katzenzuendestreichler.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 12. September 2016 waren die Frühschicht im Sender, das Abendessen mit der allerallerallerbesten Freundin und eine Katerrettung.
 
Tageskarte 2016-09-13: Die Sieben der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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12 Antworten zu Nº 257 (2016): Ein Filou.

  1. alltagsfreak schreibt:

    Als ich noch arbeitslos war, war mein Wellensittich für mich ein großer Halt. Jetzt mit unregelmäßigen Schlafrhytmus wäre es für einen „Hausbewohner“ und mich nicht die geeignete „WG“. Man muss sehr viel Zeit und Liebe investieren können.

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  2. Arabella schreibt:

    Emil…der Filou bist du…erinnere dich;-)

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  3. eckstein schreibt:

    wunderschöner kater im glück! :-) die tiere schauen dir eben direkt in die sehle.

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  4. Sofasophia schreibt:

    Katzen sind tolle TherapeutInnen im Worsinn: Heilende.
    Filou sieht aus wie mein Lio, denn ich ein Jahr nach dem Drama hatte. (Ich ließ ihn aber beim Umzug nach Bern bei einer Nachbarin, schweren Herzens.)

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  5. Pit schreibt:

    Prima, dass dieser kleine Ausreißer sein Zuhause wieder hat. Dass er Dir sehr gefallen hat, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Ich glaube, meine Frau hätte ihn nicht wieder hergeben wollen, wenn ihr das passiert waere. Aber wir haben hier ja schon 5. Das finde ich eigentlich genug. Trotzdem: sollte mal ein Findelkind vorbeikommen, bei dem kein Zuhause feststellbar ist, dann bliebe es hier, solange es wollte. 4 unsere 5 Katzen sind auch ehemalige Streuner.
    Danke Euch für die Muehen, den kleinen Ausreißer wieder sicher in sein angestammtes Zuhause zurück zu bringen.
    Liebe Grüße,
    Pit

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  6. Helmut schreibt:

    Richtig schön! Macht sehnsüchtig nach der Zeit, als ein paar Kater (nacheinander) unsere Weg-/Haus-gefährten waren.

    Lieben Gruß
    Helmut

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