Nº 284 (2016): Gutgehen.

Selbstbeweihräucherung

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Da bin ich wieder. Keine Sorge, es geht mir gut. Im Rahmen der Möglichkeiten, natürlich, aber: Es geht mir gut. Für mein Alter. Für meinen Beziehungsstatus. Für … — Ach was, es geht mir gut. Eben auch der Jahreszeit entsprechend gut. Wie? Es ist Herbst? Ja, na und? Ach, das soll Depressionszeit sein? Nööö, ist es nicht. Ganz im Gegenteil. Ich lebe im Herbst auf, weil es endlich nicht mehr heiß ist. Ich gehe, so ich Zeit und Gelegenheit dazu finde, Pilze sammeln und Herbstbilder photographieren. (Das ist in diesem Jahr schwierig, weil ja das RadioRevolten – Festival für Radiokunst in der Stadt ist und ich das gerne komplett erleben möchte.) Doch ich bin im Herbst nicht trauriger, nicht niedergeschlagener, nicht lustloser, nicht zurückgezogener, nicht depressiver als sonst. Nein, ich mag den Herbst, liebe ihn als Vorboten für meine liebste Jahreszeit, ich erfreue mich an den Farben und den besonderen Gerüchen des Herbstes, an dem Rascheln der Blätter unter meinen Füßen, am Nebel, am Regen, am Wind und am Sturm. Und wie die Pflanzen und Tiere bereite ich mich auf den Winter vor: Ich fülle den Kerzenvorrat auf, besorge mir genügend von meinen heißgeliebten Neudorfer Weihrauchkerzchen, kaufe Wintertee, plane und schreibe an meinem Blogadventskalender herum usw. usf.

Wenn ich es recht betrachte, so geht es mir gerade jetzt sogar besser als lange Zeit vorher, als bisher. Weil sich mal wieder etwas in meinem Leben verändert hat, weil ich etwas verändert habe in meinem Leben. Manches nicht ganz freiwillig, anderes aus guten Gründen, ein Drittes notwendigerweise. Was das alles ist, wollt ihr wissen? Nun ja, fast schäme ich mich, es zu verraten, weil ich das Gefühl habe, mich damit zu verraten: Seit drei Wochen schon habe ich mir keinen einzigen Erwachsenenfilm mehr im Internet angesehen; Bilder schon, klar, aber keinen einzigen Film. Auch etwas anderes habe ich seit drei Wochen konsequent gemieden, sehr konsequent. Und wieder angefangen habe ich mit mehreren Dingen, die ich für eine Zeit lang aussetzte. Mein Leben hat sich so wieder an das angenähert, was gemeinhin “normal” genannt wird. Und das, obwohl ich nicht normal sein möchte – also nicht durchschnittlich, gewöhnlich, wofür dieses normal oft synonym benutzt wird, und obwohl ich jedem, der mich als “normal” bezeichnet, eher ablehnend begegne. Und doch ist es mir die Anstrengungen wertgewesen, mein Sein so zu verändern.

Also: Es geht mir gut. Ich merke, wann ich einen Moment der Ruhe brauche und mache dann auch eine Pause. Auf mich selbst kann ich zur Zeit wirklich gut achten. Vielleicht auch, weil ich weniger auf andere zu achten trachte? Weil ich mir die eine oder andere Hoffnung schweren Herzens aus selbigem gerissen habe? Weil da zwar noch davon herrührender Schmerz ist, aber es ist Heilungsschmerz. Es wird wieder Narben hinterlassen, daß weiß ich; aber ich werde nicht mehr ausbluten, nicht mehr Kraft und Gefühl dreingeben in Hoffnungen, die sich erwiesenermaßen nie mehr erfüllen werden. Hoffnungslos bin ich jedenfalls nicht. Hey, ich habe Pläne! Gute Pläne für Ereignisse, an denen ich teilhaben möchte, gute Pläne für Dinge, die ich zu schaffen gedenke, vage Pläne für weiter in der Zukunft liegende Dinge. Viele Pläne. Wenige Ängste. Und noch viele Hoffnungen. Sogar mein Glauben an Wunder wurde durch die Unterstützung vieler Menschen wieder augerichtet, aufgefrischt, bestärkt …

Und über viele dieser Dinge habe ich am Sonnabend und am Sonntag nachgedacht. Vieles dazu aufgeschrieben. Hey, ich habe Listen gemacht! Nicht eine “was ich noch zu tun habe”-Liste, sondern eine “was ich mir noch wünsche und was ich dafür tun mag”-Liste zum Beispiel. Die Pause war letztendlich doch keine echte Pause. Aber: Jetzt habe ich eine Vorlage, einen fast fertigen Blogartikel, den ich immer wieder einsetzen kann, wenn es mir notwendig erscheint wie am Sonnabend/Sonntag.  —  Genug zu mir. Ich wollte nur mal wieder kurz hinter die Fassade sehen lassen. Jetzt muß ich mich natürlich um Tante Erdmute kümmern.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 9. Oktober 2016 waren eine Begegnung mit Steve, Hilfe für Alassane, eine wundervolle Performance bei den RadioRevolten.
 
Tageskarte 2016-10-10: Die Zehn der Stäbe.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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5 Antworten zu Nº 284 (2016): Gutgehen.

  1. Sofasophia schreibt:

    Ich freue mich sehr mit dir mit.

    Gefällt 2 Personen

  2. sag Kai schreibt:

    Der Tonfall in Deinem Blogpost stimmt mich irgendwie heiter. Danke!
    (und gutes Voranschreiten in Richtung der Träume)

    Gefällt 1 Person

  3. petra ulbrich schreibt:

    Alles, alles Gute!

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  4. Der Emil schreibt:

    Danke, euch allen. Doch, ich fühl mich gut. Und bin zur Zeit auch viel bei den Radiorevolten unterwegs.

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