Nº 287 (2016): 2084.

Das geht nicht. Echt nicht.

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Aus der Bibliothek brachte ich beim letzten Besuch dieses Buch mit, dessen Rückentext mich neugierig machte: Das Buch wurde ausgezeichnet mit dem » Grand Prix du Roman de la Académie Française «. Doch jetzt, jetzt kapituliere ich.

Das Lesen macht mich wütend. Wieder und wieder wütend. Weil ich ähnliches schon erlebte, jetzt wieder erlebe und es nicht fassen kann, daß Menschen so wenig aus der Geschichte zu lernen vermögen. Ich bin mir sicher, daß es ein gutes Buch ist, eines, das gerade jetzt sogar viel zu sagen hat, gelesen werden sollte; aber ich kann nicht. Es … Es geht mir zu nah, es kommt mir zu nah. Es macht mich wütend.
 
Und es läßt mich meine Hilflosigkeit ahnen.

 

 

» Aber das alles, davon überzeugte er sich zusehends, waren Worte, die vielleicht bei seiner Geburt in sein Gedächtnis eingegraben worden waren, Automatismen mit Verzögerung, eingebaut in seine Gene und im Lauf der Jahre ständig perfektioniert. Und plötzlich offenbarte sich ihm die tiefe Realität der Konditionierung, die aus ihm und aus jedem eine bornierte Maschine machte, stolz, es zu sein; einen Gläubigen, glücklich blind zu sein; einen in der Untertänigkeit und Unterwürftigkeit eingesperrten Zombie, der für nichts lebte, rein aus Zwang, überflüssiger Pflicht, ein schäbiges Wesen, fähig, die gesamte Menschheit auf ein Fingerschnipsen hin zu töten. Die Offenbarung erleuchtete ihn, sie ließ das heimtückische Wesen erscheinen, das ihn von innen beherrschte und gegen das er sich erheben wollte … und es nicht wirklich wollte. Der Widerspruch war offensichtlich, und unabdingbar, er war das Herz der Konditionierung selbst! Der Gläubige muß ständig an dem Punkt festgehalten werden, wo Unterwerfung und Revolte sich in einem Liebesverhältnis befinden. Die Unterwerfung ist unendlich köstlicher, wenn man die Möglichkeit für sich sieht, sich zu befreien, aber aus diesem Grund ist auch die Meuterei unmöglich, es gibt zu viel zu verlieren, das Leben und den Himmel, und nichts zu gewinnen, die Freiheit in der Wüste oder im Grab ist ein anderes Gefängnis. Ohne dieses heimliche Einverständnis wäre die Unterwerfung ein vager Zustand, der es sich nicht erlaubt, das Bewußtsein der Gläubigen für seine völlige Bedeutungslosigkeit zu wecken, und noch weniger für die Freigebigkeit, die Allmacht und das unendliche Mitgefühl seines Souveräns. Die Unterwerfung bringt die Revolte hervor und die Revolte löst sich in der Unterwerfung auf: Das braucht es, dieses unauflösbare Paar, damit es Selbstbewußtsein gibt. «

Boualem Sansal: 2084. Das Ende der Welt. S. 47f. – 4. Auflage 2016. © MERLIN VERLAG
Andreas Meyer VerlagsGmbH & CO KG Ort Jahr. ISBN 978-3-87536-321-0
Mehr zum Buch und zum Autor auf der Webseite Boualem Sansal.

 

 

2084 knüpft ausdrücklich an an Orwells “1984”, das sich mir als recht harmlos in meiner Erinnerung festsetzte. Aber in diesem Buch ist auf Seite 50 Schluß für mich … In mir wird ständig “Gläubiger” durch “Verbraucher” ersetzt … Ich kann nicht weiterlesen, nicht jetzt … (Und erst beim Verfassen dieses Artikels habe ich mir auch die Webseite angesehen. Wow. An einem so hochgelobten Buch zu verzweifeln … Nein, an dem Verzweifeln, was ein so hochgelobtes Buch mit mir macht …) Das vorher gelesene Silo (und nur dieser erste Band der Trilogie) hat Ähnliches zum Thema, aber da will ich jetzt “Level” und “Exit” noch lesen, das hat nicht so heftig gewirkt.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 11. Oktober 2016 waren viele gescannte Zettel, ein eingelöstes Versprechen, Spaß bei Xentos ‘Fray’ Bentos & Ralf Wendt. Weniger schön, beinahe schon blamabel war meine Verwirrung auf Twitter, da hab ich viel zu viel durcheinandergebracht und immer wieder das Falsche eingefügt; ein einmal gemachter Fehler läßt sich mithilfe eines Computers eben viel leichter mehrfach machen. Am Ende paßte das aber gut zum Desinformationskonzept von Xentos ‘Fray’ Bentos.
 
Tageskarte 2016-10-13 XIII – Der Tod.

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Über Der Emil

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Eine Antwort zu Nº 287 (2016): 2084.

  1. zweitesselbst schreibt:

    Ja, das Problem kenn ich. Also man ist an was interessiert, stellt aber irgendwann fest, wie die Überforderung das Interesse übersteigt. oder so. hm

    Gefällt mir

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