Nº 292 (2016): Unversprochene Versprechen.

Sie wurden niemals abgeschickt

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Du willst mich mit Deinem Chaos nicht belästigen? — Stell Dir vor, daß ich eine weit ausholende Geste mache …

Du wirst mich bestimmt nicht belästigen, aber das weißt Du bereits. Wenn ich – insbesondere zu mir – ganz ehrlich bin, dann fühle ich mich … irgendwie, irgendetwas zwischen geschmeichelt und (ja!) geehrt; und gleichzeitig erkenne ich (was beileibe nicht einfach ist für mich, dieses Erkennen), daß ich wohl so einiges nicht falsch, sondern sogar richtig gemacht haben muß (Du darfst da gern auch anders darüber denken), denn ich bekomme Dein Vertrauen geschenkt. Ja, ich bin zur Zeit unbeweibt, Single, ohne … und ich glaube: auch ohne Aussicht darauf – es kann also sein, daß ich durch Dinge, die Du mir mitteilst, auch erregt werde. Doch es ist eben keine Belästigung, sondern eher das ganze Gegenteil. (Oh, wie kann ich manches so wundervoll verklausulieren: Ich will Einzelheiten, wollte ich schreiben, auch die unanständigen, wollte ich gestehen, als kleines Tüpfelchen auf dem I und als Futter für meine Phantasie, wollte ich betteln.)

Ich muß nur darauf achten, daß ich nicht in meine eigene Falle tappe, nämlich schnell in den Modus “Ratschläge austeilen” zu wechseln. Falls das geschehen sollte: Wehre Dich bitte dagegen. Bis auf diese Macke hoffe ich, Dir ein guter Leser und Zuhörer zu sein, vielleicht auch ein Ideenanschubser, heute und in Zukunft … Also schreib und sag mir, was Dich bedrängt, bedrückt, beschäftigt, freut. Ich werde lesen und zuhören, ohne mich lustig zu machen, ohne zu verurteilen, ohne abzuwerten. Nicht zu widersprechen kann ich allerdings nicht versprechen – damit aber, so hoffe ich, kannst Du gut umgehen. Ich will auch versuchen, auf mein “bei mir war’s schlimmer” zu verzichten und auf alle “Du mußt” und “Du sollst/solltest”. Und falls es doch einmal geschieht und ich Dich müssen oder sollen heiße, sei mir deswegen bitte nicht böse. Denn ich bin auch nur ein Mensch mit (An-)Gewohnheiten und Fehlern.

Vorschußlorbeeren möchte ich keine haben; Dir aber möchte ich schon jetzt danken für Dein Vertrauen und Deine Offenheit und Dein Verständnis. Bis bald.

 

 

Und weil ich nie die Gelegenheit hatte, diesen Text abzuschicken, bleiben es vielleicht unversprochene Versprechen …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 17. Oktober 2016 waren ein kurzer Plausch mit Robin the fog von Howlround, etwas Geklärtes im Radio, ein Bad am Abend.
 
Tageskarte 2016-10-18: XVIII – Der Mond

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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12 Antworten zu Nº 292 (2016): Unversprochene Versprechen.

  1. Sofasophia schreibt:

    Wieso glauben viele Männer, dass Frauen, wenn sie sich aussprechen wollen, „Antworten“ oder Tipps oder Rat wollen!? Ist es nicht in erster Linie so, dass wir einfach gehört, wahrgenommen, trotz Chaos geliebt und gesehen, kurz: ernstgenommen werden wollen? Dass das bloße Zuhören des Gegenüber der eigentliche Schatz ist, nicht seine Replik.
    Repliken können sogar eher kontraproduktiv wirken.
    Ich spreche zwar nur von mir, weiß aber von andern Frauen, dass es bei ihnen auch so oder ähnlich ist.
    Liebevoll ernst genommen werden ist das Zentrale, nicht mal unbedingt verstanden zu werden.
    (Dass Dinge, die ich jemanden erzähle, jemanden erregen könnten, finde ich grad ziemlich äh erschreckend … darauf muss eine erst mal kommen.)
    So viel zu den Unterschieden zwischem Frauen und Männern …

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    • Der Emil schreibt:

      Es sind unterschiedliche Gesprächskulturen/-konzepte. Männer reden über Probleme, wenn sie einen Lösungsvorschlag, Antworten erwarten. Und das ist nicht (nur) eine Erziehungsfrage. Und es ist für mich manchmal wirklich schwierig, nicht einfach männliches Gesprächsverhalten zu zeigen.

      Wenn weibliches Redebedürfnis überbordet und infolgedessen auch gewisse Dinge miterzählt werden, springt in meinem Kopf das Kopfkino an (das ist – leider? – bei bestimmten Stichworten automatisch der Fall). Und wenn es dann noch Redebedarf speziellerer Art ist …

      Gefällt 1 Person

      • Sofasophia schreibt:

        Das trifft es gut: Unterschiedliche Kulturen der Geschlechter.

        Das macht alles nicht einfacher.

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      • headnutz schreibt:

        Also ich als Frau muss einfach mal sagen, mir hat der Text gut gefalle n. Vielleicht interpretiere ich ihn auch falsch , aber geht es nicht darum , dass versucht wird der Gesprächspartner (in diesem Fall eben die Frau) ernstgenommen zu werden ? Ich finde es natürlich und keineswegs verwerflich, dass gewisse Dinge in den Gedanken des gegenüber Erregung auslösen können. Die Frage ist doch, ob ich es trotzdem schaffe ein wirklich guter Beistand und Zuhörer zu sein, oder ob ich das Mittel zum Zweck verwende um meiner Erregung nachzugehen. Und ich glaube der Text versprach letzteres :)

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